Jason

(vortretend).

Ich hasse, doch ich scheu dich nicht!

Medea.

So komm!

(Halblaut.)

Weißt du?--Sieh mich nicht so verachtend an!--

Wie du den Tag vor deines Oheims Tod,

Da eben seine Töchter von mir gingen,

Die ratlos ich auf dein Geheiß entließ,

Wie du zu mir in meine Kammer tratst

Und mit den Augen so in meine schauend,--

Als säh' ein Vorsatz, scheu in dir verborgen,

Nach seinesgleichen aus in meiner Brust--

Wie du da sagtest: Daß zu mir sie kämen

Um Heilung für des argen Vaters Krankheit,

Ich wollt' ihm einen Labetrank bereiten,

Der (ihn) auf immer heilen sollt' und (mich)!

Weißt du? Sieh mir ins Antlitz wenn du's wagst!

Jason.

Entsetzliche! Was rasest du gen mich?

Machst mir zu Wesen meiner Träume Schatten,

Hältst mir mein Ich vor in des deinen Spiegel

Und rufst meine Gedanken wider mich?

Nichts weiß ich, nichts von deinem Tun und Treiben,

Verhaßt war mir von Anfang her dein Wesen,

Verflucht hab ich den Tag, da ich dich sah,

Und Mitleid nur hielt mich an deiner Seite.

Nun aber sag ich mich auf ewig von dir los

Und fluche dir, wie alle Welt dir flucht.

Medea.

Nicht so, mein Gatte, mein Gemahl!

Jason.

Weg da!

Medea.

Als mir's mein greiser Vater drohte,

Versprachst du, nie mich zu verlassen. Halt's!

Jason.

Selbst hast du das Versprechen dir verwirkt,

Ich gebe hin dich deines Vaters Fluch!

Medea.

Verhaßter komm! Komm mein Gemahl!

Jason.

Zurück!

Medea.

In meinen Arm, so hast du's ja gewollt!

Jason.

Zurück! Sieh hier mein Schwert! Ich töte dich

Wenn du nicht weichst!

Medea (immer näher tretend).

Stoß zu! Stoß zu!

Kreusa (zu Jason).

Halt ein!

Laß sie in Frieden ziehn! Verletz sie nicht!

Medea.

Du auch hier? weiße, silberhelle Schlange?

O zische nicht mehr, züngle nicht so lieblich!

Du hast ja, was du wolltest, den Gemahl!

War's darum, daß du dich so schmeichelnd wandst

Und deine Ringe schlangst um meinen Hals?

O hätt' ich einen Dolch, ich wollte dich

Und deinen Vater, den gerechten König!

Darum sangst du so holde Weisen?

Darum gabst du mir Saitenspiel und Kleid?

(Ihren Mantel abreißend.)

Hinweg! Fort mit den Gaben der Verruchten!

(Zu Jason.)

Sieh! Wie ich diesen Mantel durch hier reiße

Und einen Teil an meinen Busen drücke,

Den andern hin dir werfe vor die Füße,

Also zerreiß ich meine Liebe, unsern Bund.

Was draus erfolgt, das werf ich dir zu, dir,

Dem Frevler an des Unglücks heil'gem Haupt.

Gebt meine Kinder mir und laßt mich gehn!

König.

Die Kinder bleiben hier.

Medea.

Nicht bei der Mutter?

König.

Nicht bei der Frevlerin!

Medea (zu Jason).

So sagst auch du?

Jason.

Auch ich.

Medea (gegen die Türe).

So hört ihr Kinder mich!

König.

Zurück!

Medea.

Allein gehn heißt ihr mich? Wohlan es sei!

Doch sag ich euch: bevor der Abend graut

Gebt ihr die Kinder mir. Für jetzt genug!

Du aber, die hier gleisend steht, und heuchelnd

In falscher Reinheit niedersieht auf mich,

Ich sage dir, du wirst die weißen Hände ringen,

Medeens Los beneiden gegen deins.

Jason.

Wagst du's?

König.

Hinweg.

Medea.

Ich geh doch komm ich wieder

Und hole das was mir, und bring was euch gebührt.

König.

Was soll sie drohen uns ins Angesicht?

Wenn Worte nicht

(zu den Trabanten)

laßt eure Lanzen sprechen!

Medea.

Zurück! Wer wagt's Medeen anzurühren!

Merk auf die Stunde meines Scheidens, König

Du sahst noch keine schlimmre, glaube mir!

Gebt Raum! Ich geh! Die Rache nehm ich mit!

(Ab.)

König.

Die Strafe wenigstens, sie folget dir!

(Zu Kreusen.)

Du zittre nicht, wir schützen dich vor ihr!

Kreusa.

Ich sinne nur, ob recht ist, was wir tun;

Denn tun wir recht, wer könnte dann uns schaden?

(Der Vorhang fällt.)

Das goldene Vließ · 第 54 / 63 题