Der Freier

Es saß im hellen Sonnenschein

Gevatter Tod am Grabenrand,

Kreuzte gemächlich Bein und Bein

Und hielt ein Blümchen in der Hand.

Er trieb das alte Fragespiel

Und fragte ehrlich Blatt für Blatt,

Bis er den kahlgerupften Stiel

In seinen harten Fingern hatt'.

Ein melancholisch Lächeln glitt

Leicht übers gelbe Kalkgesicht,

Dann stand er langsam auf und schritt

Durchs Stoppelfeld. Er eilte nicht.

Das Dorf lag hinterm nächsten Hang,

Und sicher war die Braut ihm auch,

So war denn auch sein Freiersgang

Gemächlicher als sonst der Brauch.

Noch einmal, vor dem letzten Haus,

Brach er ein Asterchen und riss

Ihm alle seidenen Blättchen aus

Und zählte nicht, des Spiels gewiss.

Er warf den Stengel hinter sich

Und trat ins niedere Häuschen ein:

Schön Annemarie, ich liebe dich

Und frage nicht ja und frage nicht nein.

Hohe Sommertage: Neue Gedichte · 第 74 / 82 题