Rosentod

Was lässt mich zaudern, mir vom Rosenstrauch

Des holden Kelches satte Lust zu brechen?

Wirft doch vielleicht der nächste Morgenhauch

Sie schon entblättert vor des Gärtners Rechen.

Die Schwestern leuchten rings in junger Glut,

Der grüne Busch in seiner Mutterfreude —

Mir ist's, als ob ich heiliges Lebensblut

Um eine eitle Augenlust vergeude.

Im engen Glas ein kurzes Treibhausglück,

Ein Leben siecht in einem toten Scherben

Und sehnt sich aus der Kerkerhaft zurück,

In Freiheit an der Mutter Brust zu sterben.

Sahst du ein armes Herz zum letztenmal

In einem hellen Hoffnungsfrühling blühen

Und dann nach herber Täuschung kurzer Qual

Nur um so schneller in sich selbst verglühen?

So scheint noch einmal duft- und farbenfrisch

Die Rose sich im Glase zu erneuen,

Um plötzlich über deinen stillen Tisch

Und dein Gedicht den blassen Tod zu streuen.

Hohe Sommertage: Neue Gedichte · 第 45 / 82 题