Die Mutter

(Ein Traum)

Es war im Garten. Fröhliche Gesellen

Umgaben mich. Wir tranken. Und in hellen

Plätschernden Bächen sprudelten die Worte

Von jungen Lippen. Aber nah der Pforte,

In einer einsamen, erhöhten Laube,

Saß meine Mutter. Eine reife Traube

Lag vor ihr auf dem Teller, und sie aß

Und hörte nicht auf uns. Wie sie so saß,

Wegbreit nur von uns und doch abgeschieden,

Einsam in ihres Alters blassem Frieden,

Zwang mir's den Blick magisch dahin, doch konnte

Ich nicht vom Platz, den Jugend übersonnte

Und laute Lust umklang. Auf einmal schwand

Das alles, und es langte eine Hand,

Alt, rührend welk und kühl, wie aus der Erde

An meinem Bettrand auf mit Bittgebärde:

Willst du mir deine Hand nicht geben? Ach,

Kaum dass ich gab, und weinend wurd ich wach.

Hohe Sommertage: Neue Gedichte · 第 28 / 82 题