Von 999 bis 1002 regierte in Böhmen Herzog +Boleslaw III.+, Rothaar.
Dieser gab bei Antritt seiner Regierung Befehl, seine Brüder Jaromir
und Udalrich zu töten. Sie flohen hilfesuchend zu Kaiser Heinrich
II. Die Schwäche des Böhmenherzogs erkannte auch der Polenherzog
Boleslaw Chrobri, der, nachdem er früher schon Schlesien, Mähren und
die Slowakei erobert hatte, in Böhmen einrückte, Boleslaw entthronte
und seinen jüngsten Bruder zum Herzoge machte. Das war ein Tyrann
und Trunkenbold; er starb 1003. Nach ihm nötigte der Polenherzog den
Böhmen Rothaar wieder auf, welcher nun an seinen Feinden Rache nehmen
wollte. Am 10. Februar 1003 lud er die Vornehmsten des Reiches zu einer
Hoffestlichkeit ein, bei welcher er die Nichtsahnenden niedermetzeln
ließ. Das Volk rief den Polenherzog, der gern kam, Rothaar gefangen
nahm und ihn mit glühenden Blechen blenden ließ. Er starb in Polen in
der Gefangenschaft. Der Polenherzog kümmerte sich nicht um die Brüder
des Entthronten und dachte, ein großes Reich gegründet zu haben durch
die Vereinigung Polens und Böhmens.
Da er nicht dem Kaiser huldigte, brach sofort der Reichskrieg gegen
Polen aus.
Kaiser +Heinrich+, auch von den vertriebenen Prinzen gedrängt, ließ für
die Mitte August 1004 in Sachsen, Thüringen und Franken den Heerbann
nach Merseburg ausschreiben. Man glaubte, er werde in Polen einfallen,
er wandte sich aber plötzlich nach Süden und brach auf gänzlich
unbekanntem Wege über das Erzgebirge in Böhmen ein.
Als man Boleslaw Chrobri bei einem Gastmahl nach Prag die Nachricht
brachte, sagte er in anbetracht der bekannten Wildheit, Unwegsamkeit
und der Sümpfe des Erzgebirges: »Ja, wenn sie Frösche wären, könnten
sie wohl da hereinkommen, so aber nicht.«
Heinrich II. aber stand plötzlich vor Saaz, dessen polnische Besatzung
er mit Hilfe der Saazer selbst leicht bezwang. Er rückte gegen Prag
vor, das rasch erstürmt wurde. Jaromir ward auf Böhmens Thron erhoben.
Der kühne Zug Heinrichs über das Erzgebirge bleibt eine denkwürdige
geschichtliche That.
Man nimmt an, daß der Kriegszug über Chemnitz, Zschopau, Zöblitz,
Göttersdorf, Görkau stattgefunden haben müsse.
Chemnitz war eine kaiserliche Stadt, wo auch wie auf der Burg
Schellenberg kaiserliche Beamte und Vögte waren. Von dort aus trat
der Kaiser, der mit kundigen Führern versehen war, seinen für
damalige Zeit unerhörten Marsch durch die dichtesten Waldungen an,
rückte über Zschopau gegen Zöblitz, einen kleinen, von den Sorben
angelegten Weiler, vor. Von dort aus mögen einzelne Kühne bis zum
Kamme vorgedrungen sein, bis wohin Jäger wohl schon einen Pfad
nach Böhmen gebahnt hatten. Von solchen Führern unterstützt, muß
der kühne Kriegszug von Zöblitz über Beerhübel, Göttersdorf, einen
unzweifelhaft alten heidnischen Opferplatz, durchs »tiefe Thal« nach
Görkau stattgefunden haben. Da Kaiser Heinrich von einer Seite in
Böhmen einfallen wollte, wo noch nie zuvor ein Überfall geschehen war,
so mußte er vorher sorgfältige Erkundigungen einziehen, wo der Zug
durch den fast endlosen Wald am sichersten zu ermöglichen sein mochte.
Selbstverständlich mußte ihm von seinen Beamten in der kaiserlichen
Stadt Chemnitz, sowie dem Burgvogte von Schellenberg dieser Weg gegen
Böhmen genannt worden sein.
Dieser Kriegszug war es, der Böhmen für die Dauer mit dem angrenzenden
Meißenerlande in Verbindung brachte, wodurch die alte bekannte Meißener
Straße entstand, die von Meißen über Natschung nach Böhmen, über den
Beerhübel nach Göttersdorf, durchs »tiefe Thal« nach Görkau und von da
über Buschenpelz nach Prag führte. Dieser Straßenzug verlor wieder an
Bedeutung nach Eröffnung der Straße über Reitzenhain und Sebastiansberg.
Nach Fischer.