37. Der Kriegszug Kaiser Heinrichs II. über das Erzgebirge.

Von 999 bis 1002 regierte in Böhmen Herzog +Boleslaw III.+, Rothaar.

Dieser gab bei Antritt seiner Regierung Befehl, seine Brüder Jaromir

und Udalrich zu töten. Sie flohen hilfesuchend zu Kaiser Heinrich

II. Die Schwäche des Böhmenherzogs erkannte auch der Polenherzog

Boleslaw Chrobri, der, nachdem er früher schon Schlesien, Mähren und

die Slowakei erobert hatte, in Böhmen einrückte, Boleslaw entthronte

und seinen jüngsten Bruder zum Herzoge machte. Das war ein Tyrann

und Trunkenbold; er starb 1003. Nach ihm nötigte der Polenherzog den

Böhmen Rothaar wieder auf, welcher nun an seinen Feinden Rache nehmen

wollte. Am 10. Februar 1003 lud er die Vornehmsten des Reiches zu einer

Hoffestlichkeit ein, bei welcher er die Nichtsahnenden niedermetzeln

ließ. Das Volk rief den Polenherzog, der gern kam, Rothaar gefangen

nahm und ihn mit glühenden Blechen blenden ließ. Er starb in Polen in

der Gefangenschaft. Der Polenherzog kümmerte sich nicht um die Brüder

des Entthronten und dachte, ein großes Reich gegründet zu haben durch

die Vereinigung Polens und Böhmens.

Da er nicht dem Kaiser huldigte, brach sofort der Reichskrieg gegen

Polen aus.

Kaiser +Heinrich+, auch von den vertriebenen Prinzen gedrängt, ließ für

die Mitte August 1004 in Sachsen, Thüringen und Franken den Heerbann

nach Merseburg ausschreiben. Man glaubte, er werde in Polen einfallen,

er wandte sich aber plötzlich nach Süden und brach auf gänzlich

unbekanntem Wege über das Erzgebirge in Böhmen ein.

Als man Boleslaw Chrobri bei einem Gastmahl nach Prag die Nachricht

brachte, sagte er in anbetracht der bekannten Wildheit, Unwegsamkeit

und der Sümpfe des Erzgebirges: »Ja, wenn sie Frösche wären, könnten

sie wohl da hereinkommen, so aber nicht.«

Heinrich II. aber stand plötzlich vor Saaz, dessen polnische Besatzung

er mit Hilfe der Saazer selbst leicht bezwang. Er rückte gegen Prag

vor, das rasch erstürmt wurde. Jaromir ward auf Böhmens Thron erhoben.

Der kühne Zug Heinrichs über das Erzgebirge bleibt eine denkwürdige

geschichtliche That.

Man nimmt an, daß der Kriegszug über Chemnitz, Zschopau, Zöblitz,

Göttersdorf, Görkau stattgefunden haben müsse.

Chemnitz war eine kaiserliche Stadt, wo auch wie auf der Burg

Schellenberg kaiserliche Beamte und Vögte waren. Von dort aus trat

der Kaiser, der mit kundigen Führern versehen war, seinen für

damalige Zeit unerhörten Marsch durch die dichtesten Waldungen an,

rückte über Zschopau gegen Zöblitz, einen kleinen, von den Sorben

angelegten Weiler, vor. Von dort aus mögen einzelne Kühne bis zum

Kamme vorgedrungen sein, bis wohin Jäger wohl schon einen Pfad

nach Böhmen gebahnt hatten. Von solchen Führern unterstützt, muß

der kühne Kriegszug von Zöblitz über Beerhübel, Göttersdorf, einen

unzweifelhaft alten heidnischen Opferplatz, durchs »tiefe Thal« nach

Görkau stattgefunden haben. Da Kaiser Heinrich von einer Seite in

Böhmen einfallen wollte, wo noch nie zuvor ein Überfall geschehen war,

so mußte er vorher sorgfältige Erkundigungen einziehen, wo der Zug

durch den fast endlosen Wald am sichersten zu ermöglichen sein mochte.

Selbstverständlich mußte ihm von seinen Beamten in der kaiserlichen

Stadt Chemnitz, sowie dem Burgvogte von Schellenberg dieser Weg gegen

Böhmen genannt worden sein.

Dieser Kriegszug war es, der Böhmen für die Dauer mit dem angrenzenden

Meißenerlande in Verbindung brachte, wodurch die alte bekannte Meißener

Straße entstand, die von Meißen über Natschung nach Böhmen, über den

Beerhübel nach Göttersdorf, durchs »tiefe Thal« nach Görkau und von da

über Buschenpelz nach Prag führte. Dieser Straßenzug verlor wieder an

Bedeutung nach Eröffnung der Straße über Reitzenhain und Sebastiansberg.

Nach Fischer.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 67 / 209 题