Diese Eintheilung ist hier, wie in der Einleitung von diesen
Eintheilungen überhaupt erinnert worden, eine vorläufige Anführung;
ihre Bestimmungen haben erst aus der Bewegung des Seyns selbst zu
entstehen, sich dadurch zu definiren und zu rechtfertigen. Über die
Abweichung dieser Eintheilung von der gewöhnlichen Aufführung der
Kategorien, nämlich als Quantität, Qualität, Relation und Modalität,
was übrigens bei Kant nur die Titel für seine Kategorien seyn sollen,
in der That aber selbst, nur allgemeinere, Kategorien sind,—ist hier
nichts zu erinnern, da die ganze Ausführung das überhaupt von der
gewöhnlichen Ordnung und Bedeutung der Kategorien Abweichende zeigen
wird.
Nur dieß kann etwa bemerkt werden, daß sonst die Bestimmung der
Quantität von der Qualität aufgeführt wird,—und dieß—wie das
Meiste—ohne weiteren Grund. Es ist bereits gezeigt worden, daß der
Anfang sich mit dem Seyn als solchem macht, daher mit dem qualitativen
Seyn. Aus der Vergleichung der Qualität mit der Quantität erhellt
leicht, daß jene die der Natur nach erste ist. Denn die Quantität ist
die schon negativ gewordenen Qualität; die Größe ist die Bestimmtheit,
die nicht mehr mit dem Seyn Eins, sondern schon von ihm unterschieden,
die aufgehobene, gleichgültig gewordenen Qualität ist. Sie schließt die
Veränderlichkeit des Seyns ein, ohne daß die Sache selbst, das Seyn,
dessen Bestimmung sie ist, durch sie verändert werde; da hingegen die
qualitative Bestimmtheit mit ihrem Seyn Eins ist, nicht darüber
hinausgeht, noch innerhalb desselben steht, sondern dessen unmittelbare
Beschränktheit ist. Die Qualität ist daher, als die unmittelbare
Bestimmtheit die erste und mit ihr der Anfang zu machen.
Das Maaß ist eine Relation, aber nicht die Relation überhaupt, sondern
bestimmt der Qualität und Quantität zu einander; die Kategorien, die
Kant unter der Relation befaßt, werden ganz anderwärts ihre Stelle
nehmen. Das Maaß kann auch für eine Modalität, wenn man will, angesehen
werden; aber indem bei Kant diese nicht mehr eine Bestimmung des
Inhalts ausmachen, sondern nur die Beziehung desselben auf das Denken,
auf das Subjektive, angehen soll, so ist dieß eine ganz heterogene,
hierher nicht gehörige Beziehung.
Die dritte Bestimmung des Seyns fällt innerhalb des Abschnittes, der
Qualität, indem es sich als abstrakte Unmittelbarkeit zu einer
einzelnen Bestimmtheit gegen seine anderen innerhalb seiner Sphäre
herabsetzt.
Erster Abschnitt. Bestimmtheit (Qualität).
Das Seyn ist das unbestimmte Unmittelbare; es ist frei von der
Bestimmtheit gegen das Wesen, so wie noch von jeder, die es innerhalb
seiner selbst erhalten kann. Dieß reflexionslose Seyn ist das Seyn, wie
es unmittelbar nur an ihm selber ist. Weil es unbestimmt ist, ist es
qualitätsloses Seyn; aber an sich kommt ihm der Charakter der
Unbestimmtheit nur im Gegensatze gegen das Bestimmte oder Qualitative
zu. Dem Seyn überhaupt tritt aber das bestimmte Seyn als solches
gegenüber, damit aber macht seine Unbestimmtheit selbst seine Qualität
aus. Es wird sich daher zeigen, daß das erste Seyn, an sich bestimmtes,
und hiermit
Zweitens, daß es in das Daseyn übergeht, Daseyn ist, daß aber dieses
als endliches Seyn sich aufhebt, und in die unendliche Beziehung des
Seyns auf sich selbst,
Drittens in das Fürsichseyn übergeht.
Erstes Kapitel. Seyn.
A. Seyn.
Seyn, reines Seyn,—ohne alle weitere Bestimmung. In seiner unbestimmten
Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst gleich, und auch nicht ungleich
gegen Anderes, hat keine Verschiedenheit innerhalb seiner, noch nach
Außen. Durch irgend eine Bestimmung oder Inhalt, der in ihm
unterschieden, oder wodurch es als unterschieden von einem Anderen
gesetzt würde, würde es nicht in seiner Reinheit festgehalten. Es ist
die reine Unbestimmtheit und Leere.—Es ist nichts in ihm anzuschauen,
wenn von Anschauen hier gesprochen werden kann; oder es ist nur dieß
reine, leere Anschauen selbst. Es ist eben so wenig etwas in ihm zu
denken, oder es ist ebenso nur dieß leere Denken. Das Seyn, das
unbestimmte Unmittelbare ist in der That Nichts, und nicht mehr noch
weniger als Nichts.
B. Nichts.
Nichts, das reine Nichts; es ist einfache Gleichheit mit sich selbst,
vollkommene Leerheit, Bestimmungs- und Inhaltslosigkeit;
Ununterschiedenheit in ihm selbst.—Insofern Anschauen oder Denken hier
erwähnt werden kann, so gilt es als ein Unterschied, ob etwas oder
nichts angeschaut oder gedacht wird. Nichts Anschauen oder Denken hat
also eine Bedeutung; beide werden unterschieden, so ist (existirt)
Nichts in unserem Anschauen oder Denken; oder vielmehr ist es das leere
Anschauen und Denken selbst; und dasselbe leere Anschauen oder Denken,
als das reine Seyn.—Nichts ist somit dieselbe Bestimmung oder vielmehr
Bestimmungslosigkeit, und damit überhaupt dasselbe, was das reine Seyn
ist.