[2] (Bamberg und Würzburg bei Göbhard 1807). Dieser Titel wird der
zweiten Ausgabe, die auf nächsten Ostern erscheinen wird, nicht mehr
beigegeben werden.—An die Stelle des im Folgenden erwähnten Vorhabens
eines zweiten Theils, der die sämmtlichen andern philosophischen
Wissenschaften enthalten sollte, habe ich seitdem die Encyklopädie der
philosophischen Wissenschaften, voriges Jahr in der dritten Ausgabe,
ans Licht treten lassen (Anmerkung zur zweiten Ausgabe),
Vorrede zur zweiten Auflage.
An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit der
erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewußtseyn sowohl der
Schwierigkeit des Gegenstandes für sich und dann seiner Darstellung,
als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung desselben in der
ersten Ausgabe an sich trägt, gegangen; so sehr ich nach weiterer
vieljähriger Beschäftigung mit dieser Wissenschaft bemüht gewesen,
dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fühle ich noch Ursache genug zu
haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu nehmen. Ein Titel
solchen Anspruchs aber zunächst darf wohl auf den Umstand gegründet
werden, daß sich für den Inhalt vornehmlich nur äußerliches Material in
der früheren Metaphysik und Logik vorgefunden hat. So allgemein und
häufig dieselben, die letztere noch bis auf unsere Zeiten fort,
getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung die spekulative Seite
betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe Material wiederholt,
abwechselnd bald bis zu trivialer Oberflächlichkeit verdünnt, bald der
alte Ballast umfangsreicher von Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt
worden, so daß durch solche, häufig ganz nur mechanische Bemühungen dem
philosophischen Gehalt kein Gewinn zuwachsen konnte. Das Reich des
Gedankens philosophisch, d.i. in seiner eigenen immanenten Thätigkeit,
oder was dasselbe ist, in seiner nothwendigen Entwickelung
darzustellen, mußte deswegen ein neues Unternehmen seyn, und dabei von
vorne angefangen werden; jenes erworbene Material, die bekannten
Denkformen, aber ist als eine höchst wichtige Vorlage, ja eine
nothwendige Bedingung, dankbar anzuerkennende Voraussetzung anzusehen,
wenn dieselbe auch nur hier und da einen dürren Faden, oder die
leblosen Knochen eines Skeletts, sogar in Unordnung untereinander
geworfen, dargiebt.
Die Denkformen sind zunächst in der Sprache des Menschen herausgesetzt
und niedergelegt, es kann in unseren Tagen nicht oft genug daran
erinnert werden, daß das, wodurch sich der Mensch vom Thiere
unterscheidet, das Denken ist. In Alles, was ihm zu einem Innerlichen,
zur Vorstellung überhaupt, wird, was er zu dem Seinigen macht, hat sich
die Sprache eingedrängt, und was er zur Sprache macht und in ihr
äußert, enthält eingehüllter, vermischter, oder herausgearbeitet, eine
Kategorie; so sehr natürlich ist ihm das Logische, oder vielmehr
dasselbige ist seine eigenthümliche Natur selbst. Stellt man aber die
Natur überhaupt, als das Physikalische, dem Geistigen gegenüber, so
müßte man sagen, daß das Logische vielmehr das Übernatürliche ist,
welches sich in alles Naturverhalten des Menschen, in sein Empfinden,
Anschauen, Begehren, Bedürfniß, Trieb eindrängt und es dadurch
überhaupt zu einem Menschlichen, wenn auch nur formell, zu
Vorstelllungen und Zwecken, macht. Es ist der Vortheil einer Sprache,
wenn sie einen Reichthum an logischen Ausdrücken, nämlich
eigenthümlichen und abgesonderten, für die Denkbestimmungen selbst
besitzt; von den Präpositionen, Artikeln, gehören schon viele solchen
Verhältnissen an, die auf dem Denken beruhen; die chinesische Sprache
soll es in ihrer Ausbildung gar nicht oder nur dürftig bis dahin
gebracht haben; aber diese Partikeln treten ganz dienend, nur etwas
weniges abgelöster, als die Augmente, Flexionszeichen und dergl. auf.
Viel wichtiger ist es, daß in einer Sprache die Denkbestimmungen zu
Substantiven und Verben herausgestellt und so zur gegenständlichen Form
gestempelt sind; die deutsche Sprache hat darin viele Vorzüge vor den
anderen modernen Sprachen; sogar sind manche ihrer Wörter von der
weiteren Eigenheit, verschiedene Bedeutungen nicht nur, sondern
entgegengesetzte zu haben, so daß darin selbst ein spekulativer Geist
der Sprache nicht zu verkennen ist; es kann dem Denken eine Freude
gewähren, auf solche Wörter zu stoßen, und die Vereinigung
Entgegengesetzter, welches Resultat der Spekulation für den Verstand
aber widersinnig ist, auf naive Weise schon lexikalisch als Ein Wort
von den entgegengesetzten Bedeutungen vorzufinden. Die Philosophie
bedarf daher überhaupt keiner besonderen Terminologie; es sind wohl aus
fremden Sprachen einige Wörter aufzunehmen, welche jedoch durch den
Gebrauch bereits das Bürgerrecht in ihr erhalten haben, ein affektirter
Purismus würde da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am
wenigsten am Platze seyn.—Das Fortschreiten der Bildung überhaupt und
insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen und sinnlichen;
indem sie im Allgemeinen sich in den gewöhnlichsten Kategorien (z.B.
eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner Eigenschaften und
dergleichen) bewegen, fördert nach und nach auch höhere
Denkverhältnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu größerer
Allgemeinheit und damit zu näherer Aufmerksamkeit hervor. Wenn z.B. in
der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist, so
spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polarität, die übrigens zu
sehr… tort e… travers in Alles selbst in das Licht eingedrängt wird,
die bedeutendste Rolle,—die Bestimmung von einem Unterschiede, in
welchem die Unterschiedenen untrennbar verbunden sind;—daß auf solche
Weise von der Form der Abstraktion, der Identität, durch welche eine
Bestimmtheit z.B. als Kraft eine Selbstständigkeit erhält,
fortgegangen, und die Form des Bestimmens, des Unterschiedes, welcher
zugleich als ein Untrennbares in der Identität bleibt, herausgehoben
und eine geläufige Vorstellung geworden, ist von unendlicher
Wichtigkeit. Die Naturbetrachtung bringt durch die Realität, in welcher
ihre Gegenstände sich festhalten, dieses Zwingende mit sich, die
Kategorien, die in ihr nicht länger ignorirt werden können, wenn auch
mit der größten Inkonsequenz gegen andere, die auch geltend gelassen
werden, zu fixiren, und es nicht zu gestatten, daß, wie im Geistigen
leichter geschieht, zu Abstraktionen von dem Gegensatze und zur
Allgemeinheit übergegangen wird.
Aber indem so die logischen Gegenstände, wie deren Ausdrücke, etwa in
der Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwärts gesagt, was
bekannt ist, darum nicht erkannt, und es kann selbst die Ungeduld
erregen, sich noch mit Bekanntem beschäftigen zu sollen, und was ist
bekannter, als eben die Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben
Gebrauch machen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde
herausgehen. Über den Gang des Erkennens von diesem Bekannten aus, über
das Verhältniß des wissenschaftlichen Denkens zu diesem natürlichen
Denken, die allgemeinen Momente anzugeben soll dieses Vorwort bestimmt
seyn, so viel, zusammengenommen mit dem, was die frühere Einleitung
enthält, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine Vorstellung, wie man
eine solche von einer Wissenschaft zum voraus, vor derselben, welche
die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von dem Sinne des logischen
Erkennens zu geben.
Zunächst ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, daß die
Formen des Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewußten
Anschauen, Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder
vielmehr auch in dem vorstellenden Begehren und Wollen (—und es ist
kein menschliches Begehren oder Wollen ohne Vorstellen—) versenkt sind,
befreit, diese Allgemeinheiten für sich herausgehoben, und wie Plato,
dann aber Aristoteles vornehmlich gethan, zum Gegenstande der
Betrachtung für sich gemacht worden; dieß giebt den Anfang des
Erkennens derselben. "Erst nachdem beinahe alles Nothwendige", sagt
Aristoteles, "und was zur Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens
gehört, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische
Erkenntniß zu bemühen." "In Ägypten," hatte er vorher bemerkt, "sind
die mathematischen Wissenschaften früh ausgebildet worden, weil
daselbst der Priesterstand früh in die Lage versetzt worden, Muße zu
haben."—In der That setzt das Bedürfniß sich mit den reinen Gedanken zu
beschäftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist
durchgemacht haben muß, es ist, kann man sagen, es ist das Bedürfniß
des schon befriedigten Bedürfnisses der Nothwendigkeit der
Bedürfnißlosigkeit, zu dem er gekommen seyn muß, der Abstraktion von
dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen
des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die
Denkbestimmungen eingehüllt stecken. In den stillen Räumen des zu sich
selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die
Interessen, welche das Leben der Völker und der Individuen bewegen.
"Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange,
"ist die Natur des Menschen abhängig, aber diese Wissenschaft, die
nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und für sich
freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn.
"—Die Philosophie überhaupt hat es noch mit konkreten Gegenständen,
Gott, Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik
beschäftigt sich ganz nur mit diesen für sich in ihrer vollständigen
Abstraktion. Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend zunächst
anheim zu fallen, als welche noch nicht in die Interessen des konkreten
Lebens eingetreten ist, in der Muße in Rücksicht derselben lebt, und
nur erst für ihren subjektiven Zweck mit der Erwerbung der Mittel und
der Möglichkeiten, in den Objekten jener Interessen thätig zu werden,
sich und mit diesen selbst noch theoretisch sich zu beschäftigen hat.
Unter diese Mittel wird im Widerspiele von der angeführten Vorstellung
des Aristoteles, die logische Wissenschaft gerechnet, die Bemühung mit
derselben ist eine vorläufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche
erst der Ernst des Lebens und die Thätigkeit für die wahrhaften Zwecke
folgen soll. Im Leben geht es zum Gebrauch der Kategorien, sie werden
von der Ehre, für sich betrachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem
geistigen Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen und Auswechseln
der darauf bezüglichen Vorstellungen, zu dienen,—Theils als
Abbreviaturen durch ihre Allgemeinheit;—denn welche unendliche Menge
von Einzelnheiten des äußerlichen Daseyns und der Thätigkeit faßt die
Vorstellung. Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich
zusammen;—wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die
Einfachheit solchen Vorstellens eine unendliche Menge von
Vorstellungen, Thätigkeit, Zuständen u.s.f. epitomirt!—Theils zur
näheren Bestimmung und Findung der gegenständlichen Verhältnisse, wobei
aber Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich
einmischenden Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhängig gemacht
ist und den Denkbestimmungen für sich keine Inhaltbestimmende
Wirksamkeit zugeschrieben wird. Solcher Gebrauch der Kategorien, der
vorhin die natürliche Logik genannt worden ist, ist bewußtlos, und wenn
ihnen in wissenschaftlicher Reflexion das Verhältniß, als Mittel zu
dienen, im Geiste angewiesen wird, so wird das Denken überhaupt zu
etwas den anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht. Von
unseren Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl, daß sie
uns dienen, sondern sie gelten als selbstständige Kräfte und Mächte, so
daß wir dieß selbst sind, so zu empfinden, dieß zu begehren und zu
wollen, in dieß unser Interesse zu legen. Aber wieder kann es vielmehr
unser Bewußtseyn werden, daß wir im Dienste unserer Gefühle, Triebe,
Leidenschaften, Interessen, ohnehin von Gewohnheiten stehen, als daß
wir sie im Besitz haben, noch weniger, daß sie bei unser innigen
Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen. Dergleichen Bestimmungen des
Gemüths und Geistes zeigen sich uns bald als Besondere im Gegensatze
gegen die Allgemeinheit, als die wir uns bewußt werden, in der wir
unsere Freiheit haben, und halten dafür, in diesen Besonderheiten
vielmehr befangen zu seyn, von ihnen beherrscht zu werden. Sonach
können wir dann viel weniger dafür halten, daß die Denkformen, die sich
durch alle unserer Vorstellungen, diese seyen bloß theoretisch, oder
enthalten einen Stoff, der der Empfindung, dem Triebe, dem Willen
angehört, hindurch ziehen, uns dienen, daß wir sie, und sie nicht
vielmehr uns im Besitz haben; was ist uns übrig gegen sie, wie sollen
wir, ich mich als das Allgemeinere über sie hinausstellen, sie die
selbst das Allgemeine als solches sind. Wenn wir uns in eine
Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin beschränkt, unfrei
fühlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus und in die Freiheit
zurück zu ziehen vermögen, dieser Ort der Gewißheit seiner selbst, der
reinen Abstraktion, des Denkens. Oder ebenso, wenn wir von den Dingen
sprechen wollen, so nennen wir die Natur oder das Wesen derselben ihren
Begriff, und dieser ist nur für das Denken; von den Begriffen der Dinge
aber werden wir noch viel weniger sagen, daß wir sie beherrschen oder
daß die Denkbestimmungen, von denen sie der Komplex sind, uns dienen,
im Gegentheil muß sich unser Denken nach ihnen beschränken und unsere
Willkür oder Freiheit soll sie nicht nach sich zurichten wollen.
Insofern also das subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun
ist, und der objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so
können wir aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht über demselben
stehen, und ebenso wenig können wir über die Natur der Dinge hinaus.
Von der letzteren Bestimmung jedoch können wir absehen; sie fällt mit
der ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken
auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergäbe, weil die Sache damit als
Regel für unsere Begriffe aufgestellt werden würde, aber eben die Sache
für uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann. Wenn die
kritische Philosophie das Verhältniß dieser drei Terminorum so
versteht, daß wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die Sachen als
Mitte stellen in dem Sinne, daß diese Mitte uns von den Sachen vielmehr
abschließt, statt uns mit denselben zusammenzuschließen, so ist dieser
Ansicht die einfache Bemerkung entgegenzusetzen, daß eben diese Sachen,
die jenseits unserer und jenseits der sich auf sie beziehenden Gedanken
auf dem anderen Extreme stehen sollen, selbst Gedankendinge, und als
ganz unbestimmte, nur Ein Gedankending, (—das sogenannte Ding-an-sich)
der leeren Abstraktion selbst sind.
Doch dieß mag für den Gesichtspunkt genügen, aus welchem das Verhältniß
verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als zum Gebrauch
und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter damit
Zusammenhängende, nach welchem sie als äußere Formen gefaßt zu werden
pflegen.—Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und Handlungen
durchwirkende Thätigkeit des Denkens ist, wie gesagt, bewußtlos
geschäftig (die natürliche Logik); was unser Bewußtseyn vor sich hat,
ist der Inhalt, die Gegenstände der Vorstellungen, das, womit das
Interesse erfüllt ist; die Denkbestimmungen gelten nach diesem
Verhältniß als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der Gehalt selbst
seyen. Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben worden, und was
sonst im Allgemeinen zugestanden wird, daß die Natur, das
eigenthümliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle bei der
Mannigfaltigkeit und Zufälligkeit des Erscheinens und der Zufälligkeit
des Erscheinens und der vorübergehenden Äußerung, der Begriff der
Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes menschliche
Individuum zwar ein unendlich eigenthümliches, das Prius aller seiner
Eigenthümlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie jedes einzelne
Thier, das Prius, Thier zu seyn: so wäre nicht zu sagen, was, wenn
diese Grundlage aus dem mit noch so vielfachen sonstigen Prädikaten
Ausgerüsteten weggenommen würde, ob sie gleich wie die anderen ein
Prädikat genannt werden kann, was so ein Individuum noch seyn sollte.
Die unerläßliche Grundlage, der Begriff, das Allgemeine, das der
Gedanke, insofern man nur von der Vorstellung bei dem Worte: Gedanke,
abstrahiren kann, selbst ist, kann nicht nur als eine gleichgültige
Form, die an einem Inhalte sey, angesehen werden. Aber diese Gedanken
aller natürlichen und geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt,
sind noch ein socher, der vielfache Bestimmtheiten enthält und noch den
Unterschied einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer
relativen Realität an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele für
sich, der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstände, ihr
einfacher Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist.
Diese logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt,
zum Bewußtseyn zu bringen, dieß ist die Aufgabe. Das instinktartige
Thun unterscheidet sich von dem intelligenten und freien Thun dadurch
überhaupt, daß dieses mit Bewußtseyn geschieht, indem der Inhalt des
Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem Subjekte zur
Gegenständlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die Freiheit des
Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens befangen in den
Banden seiner Kategorien in einen unendlich mannigfachen Stoff
zersplittert ist. In diesem Netze schürzen sich hin und wieder festere
Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte seines Lebens und
Bewußtseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und Macht eben dem, daß
sie vor das Bewußtseyn gebracht an und für sich seyenden Begriffe
seiner Wesenheit sind. Der wichtigste Punkt für die Natur des Geistes
ist das Verhältniß nicht nur dessen, was er an sich ist, zu dem was er
wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiß; dieses Sichwissen
ist darum, weil er wesentlich Bewußtseyn, Grundbestimmung seiner
Wirklichkeit. Diese Kategorien, die nur instinktmäßig als Triebe
wirksam sind, und zunächst vereinzelt, damit veränderlich und sich
verwirrend in das Bewußtseyn des Geistes gebracht, und ihm so eine
vereinzelte und unsichere Wirklichkeit gewähren, zu reinigen und ihn
damit in ihnen zur Freiheit und Wahrheit zu erheben, dieß ist also das
höhere logische Geschäft.
Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth für sich und
zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniß vorhin anerkannt
worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs
überhaupt, die Denkbestimmungen zunächst als Formen, die von dem Stoffe
verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, dieß giebt sich
sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand und
Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund. Denn so
als bloße Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie in einer
Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt und die
Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfähig macht. Mag das
Wahre sonst, in welcher Rücksicht es sey, wieder mit Beschränkung und
Endlichkeit vergesellschaftet seyn, dieß ist die Seite seiner Negation,
seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben seines Endes, nicht der
Affirmation, welche es als Wahres ist. Gegen die Kahlheit der bloß
formellen Kategorien hat der Instinkt der gesunden Vernunft sich
endlich so erstarkt gefühlt, daß er ihre Kenntniß mit Verachtung dem
Gebiete einer Schullogik und Schulmetaphysik überläßt, zugleich mit der
Mißachtung des Werthes, den schon das Bewußtseyn dieser Fäden für sich
hat, und mit der Bewußtlosigkeit, in dem instinktartigen Thun
natürlicher Logik, noch mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniß
und Erkenntniß der Denkbestimmungen selbst, im Dienste des
ungereinigten und damit unfreien Denkens gefangen zu seyn. Die einfache
Grundbestimmung oder gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung
solcher Formen ist die Identität, die als Gesetz, als A=A, als Satz des
Widerspruchs in der Logik dieser Sammlung behauptet wird. Die gesunde
Vernunft hat ihre Ehrerbietung vor der Schule, die im Besitze solcher
Gesetze der Wahrheit und in der sie noch immer so fortgeführt werden,
so sehr verloren, daß sie dieselbe darob verlacht, und einen Menschen,
der nach solchen Gesetzen wahrhaft zu sprechen weiß: die Pflanze ist
eine—Pflanze, die Wissenschaft ist—die Wissenschaft, und sofort ins
Unendliche, für unerträglich hält. Über die Formeln auch, welche die
Regeln des Schließens, das in der That ein Hauptgebrauch des Verstandes
ist, hat sich—so ungerecht es ist zu verkennen, daß sie ihr Feld in der
Erkenntniß haben, worin sie gelten müssen und zugleich, daß sie
wesentliches Material für das Denken der Vernunft sind,—das ebenso
gerechte Bewußtsein festgesetzt, daß sie gleichgültige Mittel
wenigstens ebenso sehr des Irrthums und der Sophisterei sind, und wie
man auch sonst die Wahrheit bestimmen mag, für die höhere, z.B. die
religiöse Wahrheit unbrauchbar sind; daß sie überhaupt nur eine
Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit betreffen.
Die Unvollständigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche
die Wahrheit auf der Seite läßt, ist allein dadurch zu ergänzen, daß
nicht bloß das, was zu äußeren Form gerechnet zu werden pflegt, sondern
der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird. Es zeigt sich
von selbst bald, daß was in der nächsten gewöhnlichsten Reflexion als
Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht formlos, nicht
bestimmungslos in sich, seyn soll; so wäre er nur das Leere, etwa die
Abstraktion des Dings-an-sich,—daß er vielmehr Form in ihm selbst, ja
durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und daß sie selbst es ist,
die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit auch in den Schein
eines an diesem Scheine Äußerlichen, umschlägt. Mit dieser Einführung
des Inhalts in die logische Betrachtung, sind es nicht die Dinge,
sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher Gegenstand wird.
Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, daß es eine Menge
Begriffe, eine Menge Sachen giebt. Wodurch aber diese Menge beschränkt
wird, ist Theils vorhin gesagt worden, daß der Begriff als Gedanke
überhaupt, als Allgemeines, die unermeßliche Abbreviatur gegen die
Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre Menge dem unbestimmten Anschauen
und Vorstellen vorschweben, ist; Theils aber ist ein Begriff sogleich
erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist nur Einer, und ist
die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist er wohl ein
bestimmter Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist, was als Inhalt
erscheint, die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine Formbestimmung
dieser substantiellen Einheit, ein Moment der Form als Totalität, des
Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten Begriffe ist. Dieser
wird nicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt; er ist nur Gegenstand,
Produkt und Inhalt des Denkens, und die an und für sich seyende Sache,
der Logos, die Vernunft dessen, was ist, die Wahrheit dessen, was den
Namen der Dinge führt; am wenigsten ist es der Logos, was außerhalb der
logischen Wissenschaft gelassen werden soll. Es muß darum nicht ein
Belieben seyn, ihn in die Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn
draußen zu lassen. Wenn die Denkbestimmungen, welche nur äußerliche
Formen sind, wahrhaft an ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre
Endlichkeit und die Unwahrheit ihres Für-sich-seyn-sollens und als ihre
Wahrheit, der Begriff, hervorgehen. Daher wird die logische
Wissenschaft, indem sie die Denkbestimmungen, die überhaupt unsern
Geist instinktartig und bewußtlos durchziehen, und selbst indem sie in
die Sprache hereintreten, ungegenständlich, unbeachtet bleiben,
abhandelt, auch die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die
Reflexion herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und
Gehalt äußere Formen fixiert sind.
Die Darstellung keines Gegenstandes wäre an und für sich fähig, gar
streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der Entwickelung des
Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner führte so sehr diese Forderung
mit sich; seine Wissenschaft müßte darin auch die Mathematik
übertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese Freiheit und
Unabhängigkeit. Solcher Vortrag erforderte, wie dieß in seiner Art in
dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist, daß bei keiner
Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und Reflexion vorkäme, die
nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht, und aus den
vorhergehenden in sie herübergekommen ist. Allein auf solche abstrakte
Vollkommenheit der Darstellung muß freilich im Allgemeinen Verzicht
gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit dem rein Einfachen,
hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen muß, ließe der Vortrag
nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdrücke des Einfachen ohne allen
weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu;—was der Sache nach Statt finden
dürfte, wären negirende Reflexionen, die das abzuhalten und zu
entfernen sich bemühten, was sonst die Vorstellung oder ein
ungeregeltes Denken einmischen könnte. Solche Einfälle in den einfachen
immanenten Gang der Entwickelung sind jedoch für sich zufällig, und die
Bemühung, sie abzuwehren, wird somit selbst mit dieser Zufälligkeit
behaftet; ohnehin ist es vergeblich allen solchen Einfällen, eben weil
sie außer der Sache liegen, begegnen zu wollen, und wenigstens wäre
Unvollständigkeit das, was hierbei für die systematische Befriedigung
verlangt würde. Aber die eigenthümliche Unruhe und Zerstreuung unseres
modernen Bewußtseyns läßt es nicht anders zu, als gleichfalls mehr oder
weniger auf nahe liegende Reflexionen und Einfälle Rücksicht zu nehmen,
ein plastischer Vortrag erfordert dann auch einen plastischen Sinn des
Aufnehmens und Verstehens; aber solche plastische Jünglinge und Männer
so ruhig mit der Selbstverläugnung eigener Reflexionen und Einfälle,
womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur der Sache
folgende Zuhörer, wie sie Plato dichtet, würden in einem modernen
Dialoge nicht aufgestellt werden können; noch weniger dürfte auf solche
Leser gezählt werden. Im Gegentheil haben sich mir zu häufig und zu
heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache Reflexion
machen mochten, daß ihre Einfälle und Einwürfe Kategorien enthalten,
welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik bedürfen, ehe
sie gebraucht werden. Die Bewußtlosigkeit hierüber geht unglaublich
weit; sie macht das Grund-Mißverständniß, das üble d. h. ungebildete
Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird, etwas Anderes zu
denken und nicht diese Kategorie selbst. Diese Bewußtlosigkeit ist um
so weniger zu rechtfertigen, als solches Anderes andere
Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme der Logik aber
eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle müssen gefunden
haben, und daselbst für sich der Betrachtung werden unterworfen seyn.
Am auffallendsten ist dieß in der überwiegenden Menge von Einwürfen und
Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder Sätze der Logik, das Seyn
und Nichts und das Werden, als welches, selbst eine einfache
Bestimmung, wohl unbestritten,—die einfachste Analyse zeigt dieß,—jene
beiden Bestimmungen als Momente enthält. Die Gründlichkeit scheint zu
erfordern, den Anfang, als den Grund, worauf Alles gebaut sey, vor
Allem aus zu untersuchen, ja nicht weiter zu gehen, als bis er sich
fest erwiesen hat, im Gegentheil vielmehr, wenn dieß nicht der Fall
ist, alles noch Folgende zu verwerfen. Diese Gründlichkeit hat zugleich
den Vortheil, die größte Erleichterung für das Denkgeschäft zu
gewähren, sie hat die ganze Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen
vor sich, und hält sich für mit Allem fertig, wenn sie mit diesem
fertig ist, der das Leichteste zum Abthun ist, denn er ist das
Einfachste, das Einfache selbst; es ist die geringe Arbeit, die
erforderlich ist, wodurch sich diese so selbst zufriedene Gründlichkeit
wesentlich empfiehlt. Diese Beschränkung auf das Einfache läßt der
Willkür des Denkens, das für sich nicht einfach bleiben will, sondern
seine Reflexionen darüber anbringt, freien Spielraum. Mit dem guten
Rechte, sich zuerst nur mit dem Princip zu beschäftigen, und damit sich
auf das Weitere nicht einzulassen, thut diese Gründlichkeit in ihrem
Geschäfte selbst das Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere, d.i.
andere Kategorien als nur das Princip ist, andere Voraussetzungen und
Vorurtheile herbeizubringen. Solche Voraussetzungen, daß die
Unendlichkeit verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes
als die Form, das Innere ein Anderes als das Äußere, die Vermittelung
ebenso nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht
wüßte, werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl
bewiesen, als erzählt und versichert. In solchem Belehren als Benehmen
liegt—man kann es nicht anders nennen,—eine Albernheit; der Sache nach
aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen und
geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, daß es das
Bedürfniß und Geschäft des logischen Denkens ist, eben dieß zu
untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres
ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser Inhalt
und eine inhaltlose Form, so ein Inneres für sich, das keine Äußerung
hat, eine Äußerlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f.—etwas Wahres, ebenso
etwas Wirkliches ist.—Aber diese Bildung und Zucht des Denkens, durch
welche ein plastisches Verhalten desselben bewirkt und die Ungeduld der
einfallenden Reflexion überwunden würde, wird allein durch das
Weitergehen, das Studium und die Produktion der ganzen Entwickelung
verschafft.
Bei der Erwähnung platonischer Darstellung kann, wer ein
selbstständiges Gebäude philosophischer Wissenschaft in modernen Zeiten
neu aufzuführen arbeitet, an die Erzählung erinnert werden, daß Plato
seine Bücher über den Staat sieben Mal umgearbeitet habe. Die
Erinnerung hieran, eine Vergleichung, insofern sie eine solche in sich
zu schließen schiene, dürfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch treiben,
daß für ein Werk, das, als der modernen Welt angehörig, ein tieferes
Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von reicherm
Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Muße, es sieben und
siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewährt gewesen wäre. So aber mußte der
Verfasser, indem er es im Angesicht der Größe der Aufgabe betrachtet,
sich mit dem begnügen, was es hat werden mögen, unter den Umständen
einer äußerlichen Nothwendigkeit, der unabwendbaren Zerstreuung durch
die Größe und Vielseitigkeit der Zeitinteressen, sogar unter dem
Zweifel, ob der laute Lärm des Tages und die betäubende Geschwätzigkeit
der Einbildung, die auf denselben sich zu beschränken eitel ist, noch
Raum für die Theilnahme an der leidenschaftslosen Stille der nur
denkenden Erkenntniß offen lasse.
Berlin, den 7. November 1831.