ERZÄHLUNG DES KALANDARS

Ruhm sei Gott! Gelobt sei der Prophet, der mir erlaubt hat, arm zu sein und

den Herrn anrufend durch die Städte zu irren. Dreifach gesegnet seien die

heiligen Begleiter Mohammeds, die den göttlichen Orden errichteten, dem ich

angehöre! Denn ich gleiche ihm, der mit Steinwürfen aus der Stadt gejagt

wurde, die so ehrlos ist, daß ich sie nicht nennen will und der in einen

Weinberg flüchtete, wo ein Christensklave sich seiner erbarmte und ihm

Trauben gab, und als der Tag sich neigte, durch die Worte des Glaubens

bewegt wurde. Gott ist groß! Ich habe die Städte Mossul, Bagdad und Basrah

durchquert, ich habe Salaed-Din (seine Seele ruhe in Gott) und seinen

Bruder, den Sultan Seif-ed-Din gekannt und ich habe den Beherrscher der

Gläubigen gesehen. Ich kann sehr gut von dem wenigen Reis, den ich mir

erbettele, leben, und von dem Wasser, das man in meine Kalebasse gießt. Ich

achte darauf, daß mein Körper rein ist. Aber die größte Reinheit herrscht

in meiner Seele. Es steht geschrieben, daß der Prophet, ehe er berufen

wurde, auf dem Erdboden in einen tiefen Schlaf fiel. Und zwei weiße Männer

stiegen herab und standen zur Rechten und zur Linken seines Leibes. Und der

weiße Mann zur Linken schnitt seine Brust mit einem goldenen' Messer auf,

nahm das Herz und drückte das schwarze Blut heraus. Und der weiße Mann zur

Rechten schnitt ihm mit einem goldenen Messer den Bauch auf, zog die

Eingeweide heraus und reinigte sie. Und sie brachten die Eingeweide wieder

an ihren Platz und von nun an war der Prophet rein, um den Glauben zu

verkündigen. Dieses ist eine übermenschliche Reinheit, die vor allem den

himmlischen Wesen zukommt. Jedoch auch die Kinder sind rein. Solcherart war

die Reinheit, welche die Prophetin zu erzeugen wünschte, als sie den

Strahlenkranz bemerkte, der das Haupt des Vaters des Propheten umgab und

versuchte, sich mit ihm zu vereinen. Aber der Vater des Propheten

vereinigte sich mit seinem Weibe Aminah und der Strahlenkranz verschwand

von seiner Stirn und die Prophetin erkannte so, daß Aminah soeben ein

reines Wesen empfangen hatte. Ruhm sei Gott, welcher reinigt! Hier, unter

der Vorhalle dieses Basars, kann ich ruhen und ich werde die

Vorübergehenden grüßen. Hier hocken reiche Tuch- und Juwelenhändler. Hier

ist ein Kaftan, der gut tausend Denare wert ist. Ich brauche kein Geld und

bin frei wie ein Hund. Ruhm sei Gott! Ich erinnere mich jetzt, da ich im

Schatten bin, des Anfangs meiner Rede. Zuerst spreche ich von Gott (es gibt

keinen Gott außer Gott), und von unserem heiligen Propheten, der den

Glauben offenbarte, denn dies ist der Ursprung aller Gedanken, ob sie dem

Munde entquellen oder mit dem Schreibrohr geschrieben sind. Zu zweit

betrachte ich die Reinheit, mit der Gott die Heiligen und die Engel

begnadet hat. Und drittens denke ich nach über die Reinheit der Kinder. Ich

sah vor kurzem eine große Schar Christenkinder, die der Beherrscher der

Gläubigen gekauft hat. Ich habe sie auf der großen Landstraße gesehen. Sie

liefen wie eine Herde Hammel. Man sagt, daß sie von Ägypten kommen und daß

die Schiffer der Franken sie dorthin gebracht haben. Sie waren vom Satan

besessen und versuchten, das Meer zu überqueren, um nach Jerusalem zu

kommen. Ruhm sei Gott! Er hat nicht erlaubt, daß eine so große Grausamkeit

vollendet wurde. Denn die armen Kinder wären unterwegs gestorben, da sie

weder Beistand noch Lebensmittel hatten. Sie sind ganz unschuldig. Und als

ich sie sah, habe ich mich zur Erde geworfen und mit der Stirn auf den

Boden geschlagen und habe den Herrn mit lauter Stimme gelobt. Jetzt will

ich erzählen, wie diese Kinder aussahen. Sie waren weiß gekleidet und

trugen Kreuze auf ihre Kleider genäht. Sie schienen nicht zu wissen, wo sie

sich befanden und schienen nicht traurig zu sein. Ihre Augen sind beständig

ins Weite gerichtet. Ich habe eins von ihnen bemerkt, das blind war und von

einem kleinen Mädchen an der Hand geführt wurde. Viele haben rotes Haar und

grüne Augen. Es sind Franken, die dem Kaiser von Rom gehören. Sie sind

irrgläubig und beten den Propheten Jesus an. Der Irrtum dieser Franken ist

offenbar. Denn erstens ist es durch die Schriften und Wunder bewiesen, daß

es kein Wort gibt außer dem Mohammeds. Weiter erlaubt uns Gott täglich, ihn

zu rühmen und unseren Lebensunterhalt zu suchen und er befiehlt seinen

Gläubigen, unseren Orden zu beschützen. Auch hat er den Kindern den

Scharfblick versagt, denn sie sind ausgezogen aus einem fernen Lande,

verführt durch Iblis, und er hat sich nicht offenbart, um sie zu warnen.

Und hätten sie nicht das Glück gehabt, in die Hände der Gläubigen zu

fallen, so wären sie von den Feueranbetern gefangen genommen und in tiefe

Keller eingeschlossen worden. Und diese Verfluchten hätten sie ihrem

menschenfressenden, abscheulichen Götzen geopfert. Gelobt sei unser Gott,

der alles wohl tut, was er tut und der selbst die beschützt, die nicht an

ihn glauben. Gott ist groß! Ich werde jetzt meinen Reis im Laden dieses

Goldschmiedes fordern und meine Verachtung des Reichtums verkündigen. Wenn

es Gott gefällt, werden alle diese Kinder durch den Glauben gerettet

werden.

Der Kinderkreuzzug · 第 17 / 20 题