Am 13. Julius

Nein, ich betrüge mich nicht! Ich lese in ihren schwarzen Augen wahre

Teilnehmung an mir und meinem Schicksal. Ja ich fühle, und darin darf

ich meinem Herzen trauen, daß sie--o darf ich, kann ich den Himmel in

diesen Worten aussprechen?--daß sie mich liebt!

Mich liebt!--und wie wert ich mir selbst werde, wie ich--dir darf

ich's wohl sagen, du hast Sinn für so etwas--wie ich mich selbst

anbete, seitdem sie mich liebt!

Ob das Vermessenheit ist oder Gefühl des wahren Verhältnisses?--ich

kenne den Menschen nicht, von dem ich etwas in Lottens Herzen

fürchtete. Und doch--wenn sie von ihrem Bräutigam spricht, mit

solcher Wärme, solcher Liebe von ihm spricht--da ist mir's wie einem,

der aller seiner Ehren und Würden entsetzt und dem der Degen genommen

wird.

Die Leiden des jungen Werther — Band 1 · 第 23 / 41 题