Am 8. Julius

Was man ein Kind ist! Was man nach so einem Blicke geizt! Was man

ein Kind ist!--Wir waren nach Wahlheim gegangen. Die Frauenzimmer

fuhren hinaus, und während unserer Spaziergänge glaubte ich in Lottens

schwarzen Augen--ich bin ein Tor, verzeih mir's! Du solltest sie

sehen, diese Augen.--Daß ich kurz bin (denn die Augen fallen mir zu

vor Schlaf): siehe, die Frauenzimmer stiegen ein, da standen um die

Kutsche der junge W., Selstadt und Audran und ich. Da ward aus dem

Schlage geplaudert mit den Kerlchen, die freilich leicht und lüftig

genug waren.--ich suchte Lottens Augen: ach, sie gingen von einem zum

andern! Aber auf mich! Mich! Mich! Der ganz allein auf sie

resigniert dastand, fielen sie nicht!--Mein Herz sagte ihr tausend

Adieu! Und sie sah mich nicht! Die Kutsche fuhr vorbei, und eine

Träne stand mir im Auge. Ich sah ihr nach und sah Lottens Kopfputz

sich zum Schlage herauslehnen, und sie wandte sich um zu sehen, ach!

Nach mir?--Lieber! In dieser Ungewißheit schwebe ich; das ist mein

Trost: vielleicht hat sie sich nach mir umgesehen! Vielleicht!--Gute

Nacht! O, was ich ein Kind bin!

Die Leiden des jungen Werther — Band 1 · 第 20 / 41 题