¶ 3, 4. onbiten, mhd. enbîszen, essen, Hor. belg. 5, 106.
Willems sagt zwar bl. 137. 'Ich habe die zerstreuten Strophen dieses
schönen alten Liedes, wobei man an Gabrielle de Vergy erinnert wird,
zusammen gebracht und den Text kritisch hergestellt, theils mittelst
der mir mitgetheilten Abschriften (denn das Stück wird noch heute in
Flandern gesungen), theils nach den davon bestehenden Abdrücken.' Wenn
man jedoch den Willemsschen Text Nr. 53 (24 vierzeilige Strophen)
mit den vorhandenen drei Texten vergleicht, so gelangt man zu der
Überzeugung, dass wenn wirklich das Lied jetzt noch gesungen wird,
es nur in dürftigen Bruchstücken besteht oder so ganz verschieden
von den alten Texten ist, dass Willems nichts davon aufnehmen konnte,
denn sein Text stellt sich als ein Zusammenflicken aller drei Texte
heraus, wozu der niederdeutsche gerade das Meiste liefern musste.
1 Ik hebbe gewaket eine winterlange nacht,
dârto heft my ein schön junkfröulyn gebracht
mit eren snewitten brüsten,
dat möchte dem helden gelüsten.
2 Êr brüste weren wit unde süverlyk,
daran so lede de helt synen vlyt
unde alle syne sinne:
mit der schönsten wolde he van hinne.--
3 Ik quam in einen bômgârden gân,
dâr vant ik dre schö]ne junkfröulyn stân,
se breken alle dre rosen to einem krans,
to einem aventdans.
4 De eine de my dat krenzelyn bôt,
van bleker varwe so was it rôt,
van golt so was it ryke,
van perlen süverlyke.--
5 De valschen kleffer sloten einen rât
dat Brunenberch gevangen wart,
gevangen up vryer straten,
in einen tôrn wart he gelaten.
6 Darin sat he wol söven jâr,
syn kop wart wit, syn bârt wart grau,
syn môt begund em to breken,
nên wôrt konde he mêr spreken.
7 Se leden Brunenberch up den disch,
se reten ên recht wo einen visch,
se nemen êm ût syn herte,
dat dede dem helde grôt smerte.
8 Se nemen êm ût syn junge herte fyn
recht so einem wilden swyn,
vorweldent in einem peper,
se gevent der schönsten to eten.
9 'Wat isset dat ik gegetten heb,
dat my so wol gesmecket heft?'
'dat is Brunenberges herte,
dat dede dem helde grôt smerte.'
10 'Is dat Brunenberges junge herte fyn,
so schenket my den kolen wyn,
schenket in unde gevet my drinken!
myn herte wil my vorsinken.
11 So neme ik dit up myne leste henvârt
dat ik Brunenberges syn nicht schüldich wart
denn reine küsche leve,
dat konde uns nemant vorbeden.'
12 Den êrsten drapen den se drank
êr herte in dusent stücke sprank;
berât, here Christ, de reine
mit dyner gnâd alleine!
Uhland Nr. 75. A. aus einem niederdeutschen LB. Nr. 44, Anf. des
17. Jahrh. (s. Uhland S. 977.)
¶ Nr. 8.