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NIEDERLÄNDISCHE VOLKSLIEDER.
Gesammelt und erläutert
Von
HOFFMANN VON FALLERSLEBEN.
Zweite Ausgabe.
Hannover.
Carl Rümpler.
1856.
Hannover. Schrift und Druck von Fr. Culemann.
DER
KÖNIGLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
zu
AMSTERDAM
UND DER
KÖNIGLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
ZU
BRÜSSEL
GEWIDMET.
Die weltliche Liederdichtung der Niederlande im 15. Jahrhundert
erscheint als eine mit der deutschen ziemlich gemeinsame: die deutschen
Lieder dieser Zeit finden sich oft auch niederländisch, und bei
vielen lässt sich kaum ermitteln, ob sie ursprünglich deutsch oder
niederländisch sind. Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts dauert dies
Verhältniss fort, dann aber wird es anders: in den Niederlanden wird
das Volkslied und das volksthümliche Lied erst durch die Rederijkers
verdrängt, und endlich durch die gelehrten oder gelehrt thuenden
Poeten fast völlig beseitigt.
Die neue bewunderte Kunstpoesie in den nördlichen Provinzen, die seit
1579 die Republik der Niederlande bildeten, bemächtigte sich auch bald
desjenigen Theils des Volks, der bisher noch jene alten einfachen,
volksmäßigen, vaterländischen Lieder fest gehalten hatte.
Durch Nachahmung romanischer Formen entstand jene große Künstlichkeit
im Versbau und im Reimen, wobei denn für Gedanken und Gefühle nur bloße
Spielerei mit Worten und Reimen zum Besten gegeben wurde. Nebenbei
suchte man allerlei Beziehungen auf die Mythologie und Geschichten
der Römer und Griechen anzubringen und überhaupt seine Gelehrsamkeit
auszukramen. Und so sangen denn bald Bürger und Bauer so gut wie
der verliebte Stubengelehrte und lebenslustige Student von Venus und
Cupidootje, Venus wichtje, von Jupijn (dazu war Jupiter geworden) und
von anderen Göttern und Göttinnen. Es gibt Lieder, welche eine eben
so genaue Kenntniss der Mythologie wie der heil. Schrift voraussetzen.
Thirsis Minnewit 1. D. bl. 123.
Als boksvoetje speelt op zijn pijpje in 't dal,
zoo zingen en springen de Satertjes al,
de boompjes in 't wild,
't gansch bosjen dat drilt
en schartelt van liefelijk nageschal.
Wie Form und Inhalt fremdländisch und unvolksthümlich wurden, so
auch die Sprache und zwar in demselben Maße. Schon das Antw. LB. 1544
bietet viele Belege dazu; so heißt es z. B. Nr. 36, 3:
Noch heeft si een hoochmoedighe coragie
ende daer toe enen fieren ganc,
ic en hoorde mijn daghe niet soeter sanc,
dan si bedrijft met haren voys gheclanc,
het dunct mi puer een godinne,
ghefaetsoneert is si als een ymagie,
tis recht dat icse beminne.
und Nr. 135, 4.
O vrouwelike ymagie,
rein edel personagie,
ic bidde u om een troostelijc woort,
soude uw hoghe couragie
schouwen sulke villeragie,
so doedi uwen dienaer een groot confoort,
die liefde van u mijn jonc herte doorboort.
So hatte denn bald das niederländische Volkslied weder Form noch Inhalt
mit dem deutschen gemein und schied sich endlich ganz von demselben. Je
eigenthümlicher es sich aber gestaltete, desto unpoetischer ward es.
Während in Flandern und Brabant der alte Volksgesang sich nur
mündlich fortpflanzen und der neue sich nur mündlich entwickeln
konnte--denn unter der spanischen Herrschaft zerstörte man die ganze
Volkslitteratur und sorgte später eifrigst, dass nichts der Art
mehr gedruckt wurde--druckte man in dem freien Holland Liederbücher
in unendlicher Menge. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts war aber
die holländische Volkspoesie ziemlich schon eins geworden mit der
Kunstpoesie, der Geschmack des Volks war dieser zugewendet, und die
wenigen alten Lieder, die noch vorhanden waren, erhielten sich nur
dadurch, dass sie aus einem älteren Liederbuche immer wieder in ein
neueres übergingen.
Neben der Kunstpoesie entstanden jedoch in Holland zwei Arten von
Liedern, die mehr zur Volks- als Kunstdichtung gerechnet werden können:
die Zamenspraken und Deuntjes oder nieuwe Liedjes.
Die Zamenspraken sind Zwiegespräche, oder eigentlich Wechselgesänge
zwischen zwei Personen, worin selten ein anderer Gegenstand als die
Liebe zur Sprache kommt; entweder fleht ein Schäfer seine Schäferin um
Erhörung an, oder ein Bauer bietet seine Hand einer schmucken Dirne,
oder ein Graf, wenn nicht gar ein Prinz, verliebt sich in ein hübsches
Landmädchen, was ihm aber einen Korb gibt, und dgl. Ich finde in allen
diesen Wechselgesängen selten einen poetischen Gedanken, als etwa:
Wat nieuwe mare brengt gij aan?
'mijn nieuwe mare zijn zeer zoete:
die koele mei en die komt aan--
za laat ons blaauw bloempjes plukken' enz.
Bei aller Prosa sind sie doch meist in den Gränzen des Anstandes
gehalten.
Volksthümlicher und frischer ist die zweite Art, die Gassenhauer,
wie man sie am passendsten nennen kann; es sind Straßenlieder
voll Schilderungen grober Sinnlichkeit und voll Züge der ärgsten
Gemeinheit. Hieher gehören z. B. die viel gesungenen:
Daar voeren drie zoldaten al over den Rijn enz.
Daar was een boer, een oolijke boer enz. [1]
Daar zou eens een diefje uit stelen enz.
Een dochter en een jonkman
kregen laast beiden een zin enz.
Hier van daan naar het groene woud,
Mietje, doet open enz.
Ik voer al over zee, wilje mee enz.
Moeder, geeft mij eenen man,
allemaal witte boonen enz.
Mooi Saartje, is jou moeder niet t'huis enz.
Te Gent daar staat een kloosterkijn klein,
daar alle fijne nonnen in zijn enz.
Te Hellevoetsluis daar staat een huis enz.
Trijntje, wilje mee geen?
weer? Jan Dirkze enz.
Vrienden, ik weet er een vrouwtje fijn enz.
Man begreift kaum, wie es möglich war, dass ein Volk, was sich vor
der ganzen Welt durch seine Liebe zur Reinlichkeit und Nettigkeit
auszeichnet, dem schon rein (schoon) für schön gilt, in seinen
Volksliedern das Hässliche und Schmutzige so gern hatte! Auch die
ältere Volkspoesie liebt den Scherz und scheut sich zuweilen nicht,
durch allerlei Abenteuer und Schwanke, oft freilich nicht ohne
Witz, das sittliche Gefühl zu beleidigen: solche Schamlosigkeit
und Frechheit, wie sie sich in diesen echten Gassenhauern zum Theil
ausspricht, ist ihr aber doch fremd geblieben, und sie konnte schon
deshalb keine sehr nachtheilige Wirkung auf die spätere Poesie
äußern. Höchstens stammen aus dieser früheren Zeit die anstößigen,
jedoch gegen jene Gassenhauer noch anständigen Jäger- und Reiterlieder,
wenn sie nicht aus dem benachbarten Deutschland herübergebracht sind;
sie beginnen alle:
Daar zou er een jager (ruiter) uit jagen gaan enz.
Einige dieser Gassenlieder haben jedoch eine Frische, die an die
besten alten Lieder erinnert. Z. B.
Ik kwam lest over een berg gegaan,
ta ri ta ri ta ta--
ik kwam lest over een berg gegaan,
ik hoorden de kannetjes klinken
ik vrolijke bootsgezel,
ik wou zoo garen--tan ta ri ta ta--
ik vrolijke bootsgezel,
ik wou zoo garen eens drinken.
Andere bewahren noch Redensarten und Wendungen jener alten Volkslieder,
z. B.
's Nachts omtrent, het was middernacht--
(vgl. 14, 13. Antw. LB. 63, 5. 79, 4)
Het was nacht, het was nacht, het was midden in de nacht--
Den dag die verging en den avond kwam aan--
De wind die waait en de molen draait--
Dahin gehören dann auch Wiederholungen desselben Gedankens:
daar zaten rij wel drie nachten lang,
van scheiden en wisten zij niet van,
zij wisten zoo waarlijk van geen scheiden.
Zuweilen findet sich auch wol eine ältere Strophe darin, die übrigens
als Gemeingut vieler Lieder um so leichter sich fortpflanzen konnte
(vgl. Nr. 8, 16):
Hij sprak tot zijnen knape:
nu zadelt mij mijn paard,
na huis toe wil ik rijden,
't is mijnder wel rijdens waard.
Merkwürdiger ist, dass größere Bruchstücke älterer Lieder jüngern
Liedern einverleibt wurden und so noch lange fortlebten. Im Sandvoorder
Speelwagen schließt das Lied: Dat meisjen had een bootsman lief,
mit zwei Strophen eines alten Wächterliedes:
Den nachtegaal song, den horen die blies
van den avond tot den morgen:
ja, wie der in zijn liefs armen leit,
waarom zoo wil hij zorgen?
Ja, wie der in zijn liefs armen leit,
waarom zoo wil hij dan nog treuren?
daar gaat er zoo menigen vromen landsknecht,
het mag hem niet gebeuren.
Und noch merkwürdiger ist, dass in den neueren Sammlungen für's Volk
immer noch einzelne alte Lieder wieder gedruckt wurden.
Doch dieser geringe Zusammenhang mit der älteren Volkspoesie hörte
endlich fast ganz auf, und alles alte Gute wie alles alte Schlechte
verschwand gleichmäßig vor dem herrschenden modernen Geschmacke. Eine
Volkspoesie in dem frühern Sinne ist jetzt weder in Holland noch
in Flandern und Brabant vorhanden; wenn der Holländer singt, so hat
er nichts als einzelne gute Lieder der neuesten gefeierten Dichter
und übersetzte Operntexte des Auslandes, und der Vlaming singt lieber
französisch, obschon ihm durch den Willemsfond eine billige Gelegenheit
geboten ist, sich der alten vaterländischen Lieder zu erfreuen.
Von einer gewissen Bänkelsängerei, wie sie sich überall in den
Niederlanden noch kund gibt, lässt sich wenig Ersprießliches für
Wiederbelebung der Volkspoesie erwarten. Auch früher, im 17. und
18. Jahrhundert, sangen die Bänkelsänger, ihre Erzeugnisse sind aber
sehr unbedeutend. Hieher gehört z. B. das Lied vom ewigen Juden,
der in England gesehen worden ist:
Christenen, wie gij zijt,
luistert met naarstigheid,
geeft agt en wilt opmerken,
den joodschen wandelaar
kwam op zondag in de kerke
in Engeland voorwaar.
Ferner das Lied von der fluchenden Wirthin, die in ein Pferd verwandelt
ward: Een ware beschrijving van een waardin, die door haar valsch
vloeken in een paard veranderd is (vgl. Grimm, Deutsche Sagen 1, 284):
Aanhoort dit lied, gij christelijke scharen,
bij Baresteen is dit onlangs geschied
van een waardin--'t zijn droeve maren--
die door 't vloeken kwam in groot verdriet,
want zij kost schrijven
om rijk te blijven
ja twee voor een,
zij vloekten in 't gemeen.
Und doch ist es, als ob mancher volksthümliche Stoff mit seiner
gefälligen Sangweise gar nicht untergehen könnte, das Volk kehrt gern
immer wieder zu ihm zurück, wenn es auch Alles modernisiert. Noch im
Sommer 1854 wurde unter dem Titel: De drie ruitertjes eine Umdichtung
von Nr. 18. 19. gedruckt, verkauft und gesungen, offenbar eine
noch jüngere als die vlämische unter Nr. 20. "Te Amsterdam, bij
F. G. L. HOLST, Bloemstraat bij de eerste Dwarsstraat."
'Toen ik op Nederlands bergen stond,
Keek ik het zeegat in.
Daar zag ik een scheepje zeilen,
Daar zaten drie ruitertjes in,
Een van de jongste was naar mijn zin. :|:
Het allerliefste ruitertje,
Dat in der dat schuitje zat,
Die bood mij eens te drinken,
Het was koele wijn uit een vat,
Het was de beste wijn dien hij bezat.
Ik bragt het glaasje aan mijn mond,
Ik dronk het lustig uit met zijn,
Ik sprak: mijnheer stout ruitertje!
Hier hebt gij een trouwring van mijn,
En dien trouwring schenk ik jou.'
'Wat zal ik met uw trouwring doen?
Wat zal ik daarmee doen?
Gij zijt een zeederloos dienstmaagd,
En ik een graaf zijn zoon:
En wat zou ik daarmee doen?'
'Wilt gij mij dan niet hebben,
't Is goed, daar zijn er nog meer,
Dan ga ik het klooster dienen,
Daar dien ik mijn lieven Heer
En dan ziet gij mij noit weer.'
Toen het nonnetje halver wegen [2] was,
Haar vader en moeder was dood,
Daar was geen rijker nonnetje
Op zeederloos dorp zoo groot,
Ja haar vader en moeder was dood.
De ruiter sprak toen hij 't te hooren kwam:
'Kom, knecht, zadelt mijn paard!
Dan ga ik naar 't klooster toe rijden,
Dat is me een kansje waard:
Ja kom, knecht, kom, zadel mijn paard!'
Toen de ruiter aan het klooster kwam,
Toen schelde hij lustig aan,
Toen vroeg hij aan het bagijntje,
Of daar niet een nonnetje was,
Ja die daar pas gekomen was?
'Ja hier is wel een nonnetje,
Maar zij komt er niet voor u uit,
Zij is den Heer gaan dienen,
Zij is des Heeren bruid,
En zij komt er niet voor u uit.'
'Als gij haar niet laat komen,'
Sprak deze looze guit,
'Zal ik het klooster in brand gaan steken
Met zwavel en met kruid,
En dan zal zij komen er uit.'
'Toen het klooster stond in vollen vlam,
Kwam het nonnetje voor mij staan
Met opgestroopte mouwtjes,
Haar nonnenkleed had zij aan,
En zoo kwam zij voor mij staan.
Zij sprak: mijnheer stout ruitertje,
Wat doet ge mij voor een schand?
Onlangs toen ik u dien trouwring bood,
Toen weigerde gij mijn hand:
Ga en vertrek maar uit mijn land!'
De ruiter keerde zich omme
En sprak geen enkel woord;
Toen hij aan het fonteintje kwam,
Daar schoot hij zich zelven dood,
Hij lag verslagen, hij was dood.
Het was eens op een donderdag,
De non die zou gaan halen brood;
Toen zij aan het fonteintje kwam,
Daar vond zij haar zoetelief dood,
Hij was verslagen, hij was dood.
Zij sprak: 'mijnheer stout ruitertje!
Is dat om de wille van mijn,
Dan zal ik u laten begraven
Hier onder die rozemarijn,
Alwaar die stoute ruitertjes zijn.
Dan zal ik bloempjes plukken
En strooijen op uw graf,
Dan zal ik tulpjes planten
Tot aan den jongsten dag,
Alwaar ik mijn liefje weerzien mag.' [3]
Der Reichthum an Volksliedern in den Niederlanden war einst sehr
groß; der Nachwelt sollte es nicht vergönnt sein, die volle Erbschaft
anzutreten, wir müssen uns mit dem was uns blieb begnügen und wollen
uns sein erfreuen. So dürftig jedoch ist der übrig gebliebene Theil
nicht, wie ihn meine erste Sammlung [4] darbot: Zufall, Glück, emsiges
Forschen, und die auch in den Niederlanden dem Volksliede gewidmete
Theilnahme haben den Stoff vervielfältigt, und so ist es mir denn
jetzt gelungen, obschon ich mich nur auf eigentliche Volkslieder und
die volksthümlichen Lieder beschränkte und die älteren geistlichen
ausschied (s. Hor. belg. P. X.), eine reichere Sammlung zu Stande
zu bringen.
Ausgeschlossen habe ich die geschichtlichen Lieder und die
Kinderlieder. Letztere können nur an Ort und Stelle aus dem Munde
der Mütter, Ammen, Wärterinnen und Kinder selbst gesammelt werden,
und gewähren vielleicht nur dann, wenn sie in großer Anzahl vorliegen,
etwas wirklich Poetisches, des Aufbewahrens Werthes, denn es ist des
Kindischen, Albernen, im Laufe der Zeit beziehungslos und somit
unverständlich Gewordenen doch gar zu viel darin. J. W. Wolf
lenkte zuerst die Aufmerksamkeit darauf: in seiner Wodana
bl. 84-89. 192-199. sind 31 mitgetheilt, meist aus Flandern. Neuerdings
hat die Zeitschrift: De Navorscher (Amsterdam, F. Muller) Manches
der Art aus verschiedenen Gegenden Hollands geliefert.
Die geschichtlichen Lieder gehören mehr der Geschichte als der
Poesie an, denn das Poetische darin ist oft nur sehr gering: es
sind meist trockene Berichte von Begebenheiten und Ereignissen,
die je nach dem Standpunkte des Verfassers oder der Partei, welcher
er angehört, aufgefasst, beurtheilt und gedeutet werden. Ohne
Versmaß und Reim würden sie sich von gewöhnlicher Prosa oft kaum
unterscheiden lassen. Da sie jedoch meist von Zeitgenossen, oft
sogar von Augenzeugen verfasst sind und das Thatsächliche nicht
selten mit einer großen Umständlichkeit erzählt wird, so behalten
sie als geschichtliche Quellen ihren Werth und verdienen vollständig
gesammelt und geschichtlich und sprachlich erläutert zu werden. Ein
rühmlicher Anfang der Art ist vor kurzem gemacht worden:
Nederlandsche Geschiedzangen, naar tijdsorde gerangschikt en
toegelicht (door J. van Vloten). 1. bundel 863-1572. 2. bundel
1572-1609. Amsterdam, F. Muller 1852.
Doch ist damit der Gegenstand keineswegs erschöpft, es bleibt noch
viel zu sammeln, critisch zu behandeln und zu erklären übrig; schon
das seitdem bekannt gewordene Antwerpener Liederbuch liefert einen
reichen Nachtrag. Möge das Männern überlassen bleiben, die vertrauter
mit den niederländischen Geschichten sind als ich es bin, denen mehr
und bessere Hülfsmittel zu Gebote stehen und die auch größere Lust
an dergleichen geschichtlichen Denkmälern haben.
Die von mir benutzten Handschriften und Bücher sind folgende:
Weimar. Handschrift.
Papierhandschrift vom J. 1537 aus Zutphen in Gelderland, in der
großherz. Bibliothek zu Weimar. Enthält 49 Lieder, darunter aber
mehrere deutsche. Bald nachdem ich diesen wichtigen Fund gemacht
hatte, ertheilte ich nähere Nachricht im Weimarischen Jahrbuch
I. Bd. S. 101-132, und ließ 20 Lieder und 34 Sprüche abdrucken.
Cock's LB. 1539.
Een deuoot en profitelijck boecxken. inhoudede veel ghestelijcke
Liedekens en Leysenen, dieme tot deser tijt toe heeft connen gheuinde
in prente oft in ghescrifte: wt diuersche steden en plaetsen bi een
vergadert en bi malcandere gheuoecht. En elck liedeken heeft sinen
bisondere toon, wise, oft voys, op note ghestelt, ghelijc die Tafel
hier na volgen breeds wt wijst ende verclaert
Ghepret in die triumphelike coopstadt van Antwerpen, op
die Lombaerden veste, tegen die gulde hant ouer. By mi Symon
Cock. Met. K. Priuilegie. (1539) 8o 8 Bl. Vorst., 141 Blätter Text
(van der Willigen zu Haarlem).
Eine andere Antwerpener Sammlung geistlicher Lieder erschien ein
Jahr später: 1540. Ich kenne sie nur nach Willems' Mittheilungen im
Belgisch Museum 5, 443.
Dit is een suyverlijck boecxken. Int welcke staen veel schoone leysenen
ende ghestelijcke (sic) liedekens u. s. w. Am Ende: Gheprint Tantwerpen
Bi mi Willem Vorsterman. Int jaer MCCCCC,XL.
Antwerpener LB. 1544.
¶ Een schoon liedekens. Boeck inden welcken ghy in vinden
sult. Veelderhande liedekens. Oude en nyeuwe u. s. w. Am Ende:
¶ Gheprent Tantwerpen By mi Jan Roulans. Jnt iaer M. CCCCC. en XLJJJJ.
kl. längl. 8o, 128 Blätter mit 221 Liedern, worunter einige
doppelt. Buchstäblich genauer Abdruck in meinen Horae belg. P. XI.
Als ich meine Vorrede dazu schrieb, kannte ich noch nicht die ältesten
niederländischen Verzeichnisse verbotener Bücher. Schon zwei Jahre
nach seinem Erscheinen wurde unser LB. verboten:
"Een schoon liedekens bouck, in welcken ghy vinden sult veelderhande
liedekens oude ende nieuwe."
So in "Mandemet der Keyserlijcker Maiesteit, vuytghegeue int Iaer
xlvi. Met Dintitulatie ende declaratie vande gereprobeerde boecken
gheschiet bijden Doctoren inde Faculteyt van Theologie in Duniuersiteyt
van Loeuen, Duer dordonnantie ende beuel der seluer K. M. Ghedruckt
Te Loeuen by Seruaes van Sassen. M. D. xlvi. In Augusto. ¶ Cum Gratia
et Privilegio." 40 Blätter 8o (Kön. Bibl. im Haag).
Dasselbe Verzeichniss findet sich wieder in "Die catalogen oft
inuentarisen vanden quaden verboden boucken: ende van andere goede,
die men den iongen scholieren leeren mach, na aduys der Vniuersiteyt
van Loeuen. Met een edict oft mandement der Keyserlijcker Maiesteyt. Te
Loeuen geprint, bij Seruaes van Sassen, gesworen boeck printer. Jnt
Jaer ons Heeren, M.CCCCC.L. Duer beuel der Keyserlijcker Maiesteyt." 24
Blätter 4o (Kön. Bibl. im Haag).
Amsterdamer LB.
't Dubbelt verbetert Amsterdamse Liedboeck, waer in begrepen zijn
veelderley oude Liedekens. Als mede, het Nieu Amsterdams Lied-boeck,
Voor Vryers en Vrysters seer genoeghlijck. t'Amsterdam, Gedruckt by
Jan Jacobsz Bouman.
kl. längl. Format, jedes LB. 110 Seiten. Nur das alte LB. kommt hier
in Betracht, das neue enthält nichts Volksthümliches, ebensowenig
wie das, "Nieu ¶ Amstelredams Lied-boeck, vol Amoreuse nieu Jaren,
Mey Lieden, Tafel Lieden, ende veelderhande vrolycke ghesangen, Nu
op nieu vermeerdert. By Barendt Adriaensz 1591", obschon letzteres
wol gegen hundert Jahre älter ist. In Bouman's neuem Amst. LB. sind
viele Lieder namhafter Dichter, die um die Mitte des 17. Jahrh. lebten.
Haerlemer LB.
Het Oudt Haerlems Liedt-Boeck, Inhoudende Uele Historiale ende
Amoureuse Liedekens: Oock Tafel, Bruyloft ende Scheydt-Liedekens. Den
sestienden Druck vermeerdert en verbetert. t'Amsterdam, By Jacobus
Bouman, Boeckverkoper over de tweede Haerlemmer-sluys, in de Lely
onder de Doornen.
kl. längl. 8o 96 SS. mit 48 Liedern (Antiquar Friedr. Müller zu
Amsterdam).
Haerlems Oudt Liedt-Boeck, Inhoudende Veele Historiale, Amoureuse, oock
Tafel, Bruylofts, ende Scheydt-Liedekens. Den Seven-en-twintighsten
Druck. t'Amsterdam. By de Weduwe van Gysbert de Groot, Boeckverkoopster
op den Nieuwen-dijk, 1716.
kl. längl. 8o. 96 SS. mit 59 Liedern (J. J. Nieuwenhuyzen zu
Amsterdam).
Das Oudt Haerlems Liedt-Boeck 27. Druck 1716. enthält auf der Rückseite
des Titels folgende Ansprache an den Leser:
"Men siet de Jeugt doorgaens begeerig na spick-spelder nieuwe
Deuntjes, daer door de oude niet alleen uit gedachten geraken,
maer oock uyt de Liedt-Boecken in het her-drucken gelaeten worden,
tot ongenoegen der gener die deselve gemaeckt, ofte met diergelijcke
opgewassen zijn. Derhalven hebbe ick hier in willen voorsien, met het
herdrucken van eenige oude begeerde Liedekens, onder welcke sommige
beter gerijmt zijn, ende çierlijker Voysen hebben als veele nieuwe,
op dat elck in 't singen verkiesen magh die hem behagen; alsoo wy de
allernieuwste meest behouden ende gebruycken tot een Nieuwe BRABANDSE
JUFFER, die de Leser neffens dese bekomen kan, Vaert wel."
Scheltema's Sammlung.
Eine sehr merkwürdige Liedersammlung, lauter erste Bogen von
Liederbüchern aus verschiedenen Druckereien, um 1710-1730 wie es
scheint gedruckt, nirgend ein Titelblatt. Unter einem der Lieder steht,
"Gedrukt voor Pieter de Vos. Waer by te komen (sic) zijn over de
twee duysent Lijdtjes, uyt de groote Oost-Indische Bybylotheek (sic)
Sonder weergae." Früher in Jac. Scheltema's Besitz, jetzt in der
Maatschappij van Nederl. Letterkunde zu Leiden, s. Catalogus 1, 309.
Liederbücher für's Volk.
Seit dem Anfange des vorigen Jahrhunderts bis in die ersten
Jahrzehende unsers jetzigen meist zu Amsterdam gedruckt, besonders
bei Jacobus van Egmont, Joannes Kannewet, H. vander Putte,
Barent Koene, S. en W. Koene, B. Koene. Viele besaß ich selbst
(s. Hor. belg. 2, S. IX-XII), viele fand ich in der kön. Bibliothek
zu Berlin, in der Maatschappij van Nederl. Letterkunde zu Leiden
(s. Catalogus 1, 310. 311.), bei Hrn. Antiquar Friedrich Müller und
Hrn. J. J. Nieuwenhuizen zu Amsterdam und Hrn. Dr. F. A. Snellaert zu
Gent. Ihre Anzahl ist sehr groß (vgl. Snellaert's Vorrede zu Willems
bl. XXXVIII-LVIII), die Ausbeute für das eigentliche Volkslied dagegen
sehr gering, doch verdienen sie in mancher anderen Beziehung große
Beachtung, namentlich in sprachlicher und culturhistorischer, und es
ist sehr zu bedauern, dass sie nicht früher schon gesammelt worden
sind, aber diese sogenannten blauwboekjes standen und stehen noch
jetzt in sehr schlechtem Rufe.
Uhland.
Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder mit Abhandlung und
Anmerkungen herausgegeben von Ludwig Uhland. 1. Bd. Liedersammlung. 2
Abtheilungen. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1844. 1845. 8o.
Unter niederdeutschen begreift U. auch die niederländischen
Volkslieder, die er meistens dem Antwerpener LB. entlehnt hat.
Willems.
Oude vlaemsche Liederen ten deele met de melodiën, uitgegeven door
J. F. Willems. Gent, Gyselynck 1848. 258 Lieder. Man hätte glauben
sollen, dass ein Mann von so langjähriger litterarischer Thätigkeit,
dem so viele Handschriften und Bücher aller Art zu Gebote standen und
dem die mündliche Ueberlieferung sich noch so oft darbot, zu einem so
weitschichtigen Werke wie das von ihm begonnene Vieles vorbereitet
hätte--nicht also! Er starb noch ehe der 20. Bogen gedruckt war und
hinterließ nur eine eigene Hs. mit 97 niederl. Liedern (worunter 57
mit Musik), ein handschriftliches Liederbuch v. J. 1635 und einige
Sammlungen geistlicher Lieder, Refereinen und Kunstdichtungen, die mehr
literarhistorisches als poetisches Interesse haben, vgl. Bibliotheca
Willems. P. II. p. 171 ff. Snellaert übernahm die Fortsetzung völlig
unvorbereitet (Inleid. bl. XXXII. By Willems' overlyden was ik
er niet op voorbereid, om de zware taek van de voortzetting dezer
uitgave op my te nemen.) und muss bei aller Liebe und Verehrung,
womit er seinem Freunde zugethan war und blieb, doch gestehen, dass
er von W. mehr erwartet hatte (Inleid. bl. XXX. Wat het letterkundig
gedeelte betreft, elkeen weet dat Willems meer dan het vierde eener
eeuw aen het opzamelen geweest is; en nogtans moet ik bekennen dat
zyn byeengebragte schat gering was, in vergelyking van hetgeen hy
had kunnen verzamelen, zoo uit boeken als onder 't volk in de steden
en te platte lande.--Aenteekeningen liet Willems weinig na: zyn werk
zat hem in 't hoofd. Wat hy had opgeschreven, was grootendeels voor
hem alleen bruikbaer.) Snellaert wusste sich zu helfen: was er von
alten Volksliedern Gutes gibt, hat er den Horae belg. P. II. und
Uhland entlehnt; neuere Volkslieder theilt er nur wenige mit nach
mündlicher Ueberlieferung und neueren Volksliederbüchern. Die
willkürlichen Aenderungen in den ersten Liedern des Buches fallen
nicht ihm, sondern Willems zur Last, der überhaupt in einer Art und
Weise verfuhr, die sich von Einem Standpunkte aus nur billigen lässt:
wenn man nämlich die alleinige Absicht hat, das Alte dem Geschmacke
und Verständnisse der Neuzeit zugänglich zu machen.
Das Neue und Eigenthümliche, welches die Willems-Snellaertsche Sammlung
mir für meinen Zweck bot, habe ich dankbar benutzt.
Wie groß der Volksliederreichthum gewesen sein muss, können
wir einigermaßen ermessen aus den vielen geistlichen Liedern,
die auf weltliche Liederweisen gedichtet wurden. Statt der Musik
genügte den Anfang des weltlichen Liedes mitzutheilen. Schon früher
(Hor. belg. 1, 111-116 und 2, 82-86) hatte ich auf diese Liederanfänge
aufmerksam gemacht. Später hat Mone [5] eine größere Anzahl derselben
zusammengestellt.
Da es für die Geschichte der Volksdichtung sehr wichtig ist,
zu erfahren, welche Lieder und wann sie schon vorkommen, so will
ich die Anfänge, welche nach meiner Ansicht Volksliedern angehören,
mittheilen und zwar mit der frühesten Jahrszahl ihres Vorkommens. Die
Jahrszahl bei jedem Liederanfange deutet auf das Werk hin, worin der
Anfang als Weise steht. Die Klammer [ vorn bedeutet, dass es nicht
der Anfang der ersten Strophe eines Liedes ist.
XV. Zwei Liederhandschriften des 15. Jahrhunderts, s. Bibliotheca
Hoffmanni Fallerslebensis (Lpz. 1846) S. 7-20 und Horae belgicae,
Pars X.
1508. Dit is een suuerlijc boecxken in welcke staen scone leysen
ende veel scone gheestelike liedekens. Gheprent Tantwerpen aen
die marct Bi mi Adriaen van berghen 1508. (Kön. Bibl. im Haag.)
1540. Souter Liedekens. Thantwerpen, Symon Cock
1540. Ph. Wackernagel, Bibliographie des deutschen Kirchenliedes
S. 499-502. Mone Übersicht S. 207 ff. mit "S. L." bezeichnet. Mit
Melodien.
1562. Een nieu Liedenboeck. 1562. Ph. Wackernagel
Bibliogr. S. 506. 507.
1577. Veelderhande Liedekens gemaeckt wt den ouden ende
nieuwen testamente. 1577. Mone Übersicht S. 163 und 207 ff. mit
"V. L." bezeichnet.
1583. Het tweede Liedeboeck, van vele diversche Liedekens,
ghemaect wt den ouden ende nieuwen Testamente. Tot Amstelredam
1583. 12o. (Dr. Snellaert zu Gent.)
1593. Veelderhande Schriftuerlijcke Liedekens. t' Vtrecht
1593. Ph. Wackernagel Bibliogr. S. 534. 535.
1599. Dit Boeck wort genaemt: Het offer des Heeren cet. Tot
Harlinghen 1599. (Dr. Snellaert in Gent.)
1607. De nieuwen verbeterden Lust-hof. t' Amstelredam
1607. (Kön. Bibl. im Haag.)
1627. K. van Mander, Golden Harpe, Schriftuerlijcke Liedekens. Dem
von mir benutzten Exemplare fehlt der Titel, wahrscheinlich:
Haerlem
1627. (Dr. Snellaert.)
1629. Een Nieu Geusen Lied-Boecxken. 1629.
1631. Joh. Stalpardi Extractum katholicum tegen Alle Gebreken van
Verwarde Harsenen. Tot Loven 1631. (Dr. Snellaert.)
1638. Jan Stalperts Gulde-Jaers feest-dagen. Tot Antwerpen 1638. Mit
Melodien. (H. v. F.)
LIEDERANFÄNGE.
Adieu, adieu, lief goeden nacht XV.
Adieu, ic moet u laten 1577.
Adieu, mijn lief, hebt goeden nacht, het moet een scheiden sijn XV.
[Adieu mijn vreuchden, adieu solaes, adieu, adieu, ic wil van heen XV.
Adieu mijn vreuchden, adieu solaes, adieu lief, blijft in eren XV.
Adieu rein bloemken rosiere 1562.
Aen gheender linden daer staet een dal 1540.
Aenhoort al mijn gheclach, ghi ruiterkens fray 1540.
Aldaer ik gister avond quam 1638.
[Al op den hoec van deser straten daer woont een so schonen vrouken
fijn 1562.
[Al staen wy nu als bloemen en bloeyen op het veld 1593.
Al waren alle berghen goude en alle water wijn 1562.
Als alle die cruidekens spruiten ende alle dinc verfraeyt 1540.
Als dat wout draecht bloemen, so draecht mijn lief schoon haer XV.
Als de ekelen rijpen, so mest de boer sijn swijn 1562.
Als de winter gaet van henen 1599.
Als ic trec uiten lande 1562.
Als ons die winter gaet van heen, so comt den soeten somer aen 1540.
Arghe winter, ghi sijt cout, verganghen is ons .... XV.
Bedruct tot alder stont moet ic mijn leven leiden 1540.
Blau lasuer so had si aen, doe icse (lestmael sach) XV.
Boerinnetje, als ghy gaet water halen 1631.
Comt, doot, tot mi, rascht uwen ganc 1540.
Comt noch eens bet naer, mijn lief, mijn minne, daer daer daer 1562.
Comt voort, comt voort sonder verdrach, mijn alderliefste lief
verborghen 1540.
Conde ic die maneschijn bedecken, hoe gaern sou ic bi nachte gaen 1540.
[Daer ic eens was willecome, si hieten mi elders (gaen) 1540.
Daer ic ghister avont quam, daer scheen de maen so claer 1562.
Daer ic mi ghinc vermeiden uit al in een wout staet groene 1562.
Daer is een coude snee ghevallen op mijnen voet 1577.
Daer spruit een boom aen ghenen dal 1540.
[Dan luiden si daer de grote cloc 1562.
Dat ic om een schoon vrouwe moet sterven 1577.
Dat icse nu moet laten daer alle mijn troost op staet 1562.
Dat voghelken in den haghe dat singhet van der wilden
aventuren. wanneer die winter comt int lant, beghint mijn lief te
truren. XV.
De mey die ons de groente gheeft 1607.
De nachtegale seer fier en de leuwerke 1583.
[De rike wil ic varen laten 1562.
[De traenkens die si weende, die deden den ruiter wee 1577.
De voghelkens in der muiten 1599.
[Den boer met groot ghewelt al uit de camer spranck 1605.
Den coelen mei hebben wi ghehouwen 1562.
Den dach wil niet verborghen sijn, het is schoon ..... 1540.
Den eersten vrient die ic ghewan 1540.
Den gast sprac tot sijnen weerd 1605.
Den lusteliken mei is nu in sijnen tijt 1577.
Den mey, den mey, koel is den mey 1607.
Den ouden man by den viere sat 1605.
Die edele here van Brunenswijc, die heeft een kint ghevanghen XV.
Die lancste nacht van desen jare, die brenct ons vreuchde cleine 1540.
Die mane heeft sich verblicket, die sternen sijn uetghespronghen XV.
Die mey die komt ons by zeer bly 1626.
Die mei, die mei, die meie, dic brinct ....... XV.
Die mei spruit uet den dorren hout XV.
Die mei staet vrolic in sinen tijt met loverkens om behanghen 1540.
Die mei wil ons met ghelen bloemen schenken, des vervrouwen ..... XV.
Die mi eens te drinken gave, ic songhe hem een goet liet 1540.
Die mi morghen wecken sal, dat sal doen die nachtegal 1540.
Die mint dat hem sijn hoop ontgaet, die mach wel claghen, want hi
met sorghen is belast van droeven daghen XV.
Die nachtegael die sanc een liet dat leerde ic 1540.
Die nachtstraet is mi verboden, bi haer en mach ic niet sijn 1540.
Die rijm en schaet der bloemen niet 1540.
Die voghel ende die voghelkijns sijn al ende sijn al blide XV.
Die voghelkens in der muiten si singhen haren (tijt) 1540.
Die wachter die blies aen den dach op hogher tinnen (daer hi lach)
1540.
Die winter is die here, dat merc ic nu voort aen 1540.
Die winter is een onweert gast, dat merc ic aen den daghe 1540.
Dochterken in den mei, waer waert ghi den langhen nacht 1583.
Doen Hanselijn over der heiden reet 1540.
Doen ick lestmael by haer was, doen was ick niet alleene 1593.
Een aerdich vrouken heeft mi bedroghen 1562.
Een boerman had een domme sin 1540.
Een meisjen op een rivierken zat 1629.
Een meisken had een bootsman lief 1638.
Een meisken had een ruiter lief 1607.
Een out man sprac een jonc meisken aen 1540.
Een ridder ende een meisken jonc op een riviere dat si saten 1540.
Een roseken uitghelesen 1562.
Ei out grijsaert, al sliept ghi totter noenen 1562.
En isser niemant inne? sprac daer eens heren cnecht 1540.
Gheeft mi te drinken nae minen dorst 1593.
Gheselleken, du most wandelen 1607.
Goet gheselschap dat moet ic laten, dat doet mijn budel .. XV.
Had ic de slotel van den dach, ic worpse (in den Rijn) XV.
Help god, hoe wee doet scheiden 1540.
Help god, wien sal ic claghen, dat ic dus droevich ben! ic en creech
(in al mijn daghen) XV.
Het daghet in den oosten 1540. 1631.
Het dienden een edel schiltcnecht goet al sijnre weerder vrouwen,
hi schencten ....... XV.
Het gaet hier teghen den somer al dat men singhen sal XV.
Het gheviel in enen tide wel achtien weken lanc, dat wi te schepe
ghinghen XV.
Het ghinghen twee ghespelen goet aen gheenre wilder heiden XV.
Het had een meisken een ruiter lief 1577.
Het hadde een graef een dochterken 1593.
Het is goet peis, goet vrede in al mijns heren landen 1540.
Het quam een ruiterken uit boschayen 1540.
Het reden twee ghespelen goet ter heiden plucken bloemen, die een
die reet al lachende uit, die ander die was droevich XV.
Het reet een ridder jaghen uit aen gheenre heiden groene XV.
Het reet een ruiter uit jaghen 1593.
Het reghende seer ende ic wert nat, bi minen (liefken dat ic sat) 1540.
Het sat een sneewit voghelken al op sijn eerste pluime 1562.
Het sat een voghel ende sanc so hooch op eenre tinnen XV.
Het schaecte een goet schakerkijn XV.
Het schencte een overschiltcnecht goet XV.
Het soude een meisken halen wijn 1540.
Het souden twee ghelieven uet gaen minnen XV.
Het zouder een vissertje vissen 1638.
Het spruit een bloemken aen die landouwe 1627.
Het toghen uet drie lantsheren XV.
Het viel een coelen douwe tot enen vensteren in nae eenre ....... XV.
Het vlooch een clein wilt voghelkijn tot mijns liefs veinster in 1540.
Het voer een cnaepken over Rijn 1540.
Het voer een alout ruiterkijn so verre aen ghenen velde 1540.
Het voer een maechdelijn over Rijn, si hoede haers vaders lammerkijn
1540.
Het voer een man te houten XV.
Het voer een scheepken over Rijn 1540.
Het vrijden een hovesch ridder so menighen lieven dach XV.
Het waren drie ghesellekens goet van Amsterdam gheboren 1562.
Het waren drie ghespeelkens vroech opghestaen 1540.
Het waren twee ghebroeders 1638.
Het was een aerdigh boertje 1638.
Het was een clercsken dat ghinc ter schole 1540.
Het was een Jodendochter 1562.
Het was een lodderlic pape 1508.
Het was een molenarinne van goeder herten fijn 1540.
Het was een ruiter uit den bruinswijcschen lant 1583.
Het was een vrouken amoreus, si heeft mijn hert be(dwonghen) 1540.
Het was een graven dochterkijn 1631.
Hi en dwaelt niet die ten halven keert XV.
Hy mach wel blydelick wesen 1627.
Hy voerde den valck al op zijn hant 1627.
Hier voor en coor ic silver noch gout noch peerlen fijn noch ander
.. XV.
Hoe lichdi nu en slapet, mijn alreschoonste vrouwe XV.
Hoe lustelic is ons die coele mei ghedaen 1508.
Hoe mach een man sijns levens lusten, die verloren heeft sijn lief
1540.
Ic arm schaepken aen die groen heide, waer sal ic ....... 1540.
Ic ben gheschoten met eenre strael XV.
Ic bouden op enen dorren nast, daer was ic nae verdorven XV.
Ic clam die boom al op die mi te hoghe was XV.
Ick klam op eenen boom 1593.
Ick en ben niet als de pluime 1627.
Ic en gaen niet meer ter Gouwe, schoon joncfrouwe 1562.
Ic ghinc al ghister avont so heimelijc enen ganc 1540.
Ic ghinc al ghister avont so heimelijc op een oort 1540.
Ic had een boelken uitvercoren 1540.
Ic had een ghestadich minnekijn, gheen schoonder ...... 1540.
Ic had een liefken uitvercoren, die ic van herten minne 1540.
Ik heb de groene straten XVII.
Ik heb een ezeltje zeer traeg 1638.
Ic heb een wijf ghetrout, god weet oft mi berout 1540.
Ic heb ghedraghen wel seven jaer 1562.
Ic heb om vrouwen wille ghereden so menighen (dach) 1540.
Ic heb wel horen segghen, dat Keulen leit op den Rijn 1562.
Ic hoorde die wilde voghelen singhen XV.
Ic hoorde een maechdeken singhen met een so soeten gheluit 1562.
Ik hoorde een water ruischen 1627.
Ic hoorden op eenre morghenstont dat scheiden seer beclaghen XV.
Ic quam aen enen danse, daer menich schoon vrou(ken was) 1540.
Ic quam daer ic die meie vant staen XV.
Ic quam ghereden in een dal 1540.
Ic quam ghereden in een dal, ic vant gheschreven over al 1562.
Ic quam in enen boomgaerden ghegaen, daert also schone was, ende daer
moete mi die saerte XV.
Ic reet aen enen danse, daer ic veel vroukijns vant XV.
Ic reet mi uet spacieren al in dat groene wout, daer vant ic ..... XV.
Ic reis maer uet om aventure al in een wout dat ... XV.
Ic sach een suverlike deerne, een wonderlike schone maecht ter
hoochster .... XV.
Ic sach een vris vrouken voor mi staen, si was fier ende ... XV.
Ic sach mijn heer van Valkenstein uet sijnre borch (wech riden) XV.
Ic seg adieu, wi twee wi moeten scheiden 1540.
Ic sie die morghensteerne, mijns lieves claer (aenschijn) XV.
Ic sie de morghensterne 1562.
Ic soude so gaerne een boeltjen verkiesen, dorst ic wel aventuren XV.
Ic stont op hoghen berghen, ic schencten den coelen wijn XV. 1627.
Ic voer uet meien overal, in dat coorn, in dat cruit XV.
Ic voer uet meien overal in corten tiden XV.
Ic weet een bloemken aen gheen groen heide 1577.
Ik weet een schoon casteel 1627.
Ic weet een vrouken amoreus, si heeft mijn herte bevaen 1540.
Ik weet noch een casteel 1607.
Ic weet noch enen acker breit 1508.
Ic weets een molenarinne, van herten also fier XV.
Ic weets een vroulijn wel bereit XV.
Ic wil mi gaen verheughen, verbliden minen (moet) 1540.
Ik wilde ik ware een wilde swane smal 1627.
Ik wilde wel om vier mijten, mijn care .... 1627.
In mijn jonghe jeucht quam mi te voren 1562.
In minen sin heb ic vercoren een maechdekijn jonc XV.
In Oostenrijc daer leit een stat 1540.
In Oostenrijk daer staet een huis 1638.
In Oostlant wil ic varen, mijn bliven is hier niet lanc 1540.
In Oostlant willen wi varen 1599.
Int soetste van den meie al daer ic quam ghegaen 1562.
Isser iemant uit Oostindien gekomen 1626.
Laet ons den lantman loven 1577.
Laet ruischen en laet waeijen den wind 1627.
Lestmael reed ik ter jagt 1631.
Lijnken sou backen, mijn heer sou cneen 1540.
Loverkens dat sijn loverkens 1540.
Machelen, ghi sijt so schonen prieel 1540.
Meieraen du bist een edele cruit, och cruit boven allen .. XV.
Meisken, gaet uit de bonen 1562.
Men hoort daer in des lieven meies daghen al door den berch, al in
d(at dal) XV.
Men schelt den winter XV.
Met droevighen moede blide te sijn XV.
Met vrouden wille wi singhen schoon boelken bi der hant van drien
(lantsheren dinghen) XV. (1450).
Midden in der meien daer spruit een born tis claer XV.
Mijn heer van Maldeghem 1607.
Mijn hert dat jaecht seer onversaecht in desen soeten coelen meientijt
1540.
Mijn herteken leit in dolen, in also swaren verdriet 1562.
Mijn hoop, mijn troost, mijn toeverlaet staet aen eenre joncfrouwe XV.
Mijn liefken siet mi ovel aen 1540.
Mijn moerken gaf mi enen man, van ouderdom was sijn baerdeken grijs
1540.
Moeder, lieve moeder, mocht ic ter linden gaen? 1540.
Nachtegael, clein voghelken, woudt ghy my een lied singhen 1593.
Nae groenre verwe mijn hert verlanct XV.
Noch dronc ic so gaerne die coele wijn XV.
Noch is selve dat alrebeste cruit, dat ic ghewies in gaerden XV.
Noch is self dat alrebeste cruit 1540.
Noch weet ik eens graven dochterkijn 1638.
Nu is doch heen des winters tijt ende ons ghenaect die soete tijt XV.
Nu, mane, laet uw schijnen staen 1631.
O fiere nachtegael 1508.
O korentje van zeven jaer 1638.
O lusteliken mei, ghi staet in saisoene 1562.
[Och bedelaer, seide si, bedelaer fijn 1562.
Och die daer jaecht 1508.
Och lighdy nu en slaept, schoon lief, in uwen eersten drome? 1627.
Och valsche herte ruiter mijn, hoe heefstu mi bedroghen 1562.
Om een die alreliefste mijn, daer ic af singhen wil 1540.
Ons is verlenghet een deels den dach, ons doet ghewach clein
woutvoghelkijn XV.
Rijc god, gheeft mi goet avontuer, sprac daer ....... 1540.
Rijc god, hoe is mijn boel dus wilt 1540.
Rijc god, hoe mach dit wesen, dat ic dus trurich (ben) 1540.
Rijc god, wien sal ic claghen dat heimelijc liden (mijn) 1540.
Roosken root seer wijt ontloken 1540.
Schenct in den wijn, laet drinken vri, wi willen truren (laten) XV.
Schoon lief, laet u ghedenken so menighen swaren sucht 1540.
Schoon lief, wilt my troost gheven 1631.
Schoone blaeu bloeme, ghy staet in 't koren 1627.
Zoo diep aen geen groen heiden 1638.
Sorghe, ghi moet besiden staen 1540.
Staet op, schoon liefje, het isser schoon dach 1638.
Swinters, somers even groen 1577.
Te Brugghe binnen de muren 1607.
Te mei als alle de voghelen singhen 1562.
Te Munster staet een steinen huis 1540.
Te recht mach hij sijn blide 1562.
Te Rosendael staet enen boom 1562.
tIs al ghedaen mijn oostwert gaen, al teghen den wint ... XV.
tKindeken moeste sijn willeken doen 1562.
tLiefste wijf heeft mi versaect, dat maect mi out ... XV.
Truren moet ic nacht ende dach ende hebben swaer verlanghen XV.
Truren so moet ic nacht ende dach 1540.
Vrouwen, wacht uw hennekens wel 1627.
Waect op, waect op, tis meer dan tijt 1577.
Waer alle de mure ghelt 1562.
Waer hebje wesen naeyen? 1638.
Waer is mijn alderliefste, die ic met oghen aensach? 1540.
Waer machse sijn, die liefste mijn, die ic met oghen (aensach)? 1540.
Waer so machse sijn, die mi dic heeft verheucht 1540.
Wat schaet ons dat wi vrolic sijn? XV.
Wat sou 'k met al de boonen doen? 1631.
Wat sullen wi gaen beghinnen, wi ghilden alghemein? 1540.
Wat wil ic sorghen al om dat goet? XV.
Wel op, laet ons gaen riden en sadelt mi een paert 1540.
Wi sullen den mei ontvanghen met groter eerwaerdicheit 1540.
Wi varen nae sinte Reinuit 1577.
Wie klopt daer voor mijn deure? 1617.
Wie wil horen een nieu liet dat t Antwerpen is gheschiet? 1540.
Wilghi horen van mijnre coorden, turf ende hout .... XV.
Wy willen de mey gaen houwen 1638.
[Wilt ghy wesen een oorlochsman 1599.
Schließlich will ich nun noch Einiges hinzufügen, das zum nähern
Verständnisse der niederländischen Volkslieder dienen mag.
Singen und Trinken.
Gelegenheit zum Singen und Trinken gab es genug. Die Taberne (das Bier-
oder Weinhaus) wurde nicht nur von Männern besucht, auch Junggesellen
mit ihren Geliebten fanden sich dort ein, scherzten mit einander,
sangen und tranken. Obschon bereits im 14. Jahrh. den Weibern der
Besuch der Taberne verboten war (in Brüssel durch Ordonnanz vom
J. 1342 bei 20 Schilling Strafe und Verlust des Oberkleids), obschon
später die Geistlichkeit fortwährend dagegen eiferte, so fanden es
doch nicht die Mädchen bedenklich, ihren Geliebten in die Taberne
zu folgen, und mancher Junggeselle konnte wie jener von sich singen,
Antw. LB. Nr. 38, 6:
met schone vroukens sit hi op die banc
te biere oft te wijne.
Ausdrücklich fügt noch einer am Schlusse seines Liedes hinzu, dass
er es mit seinem Liebchen sang, Antw. LB. Nr. 199, 7:
Maer die dit liedeken dichte,
dat was een jonghelinc fijn.
god schende quade nijderstonghen!
hi hevet so wel ghesonghen
met sijn lieveken in den wijn.
Beim Bier und Wein wurde viel gesungen; das würden wir auch
voraussetzen, wenn es nicht ausdrücklich öfter am Schlusse der Lieder
selbst bemerkt würde, z. B. Antw. LB. Nr. 75, 9:
Och die dit liedeken dichte,
dat was een ruiter fijn,
hi hevet ghesonghen so lichte
te Campen al in den wijn.
Vgl. daselbst Nr. 86, 7. und 129, 13.
So wie die Taberne der sangreiche Ort war, besonders den Herbst
und Winter hindurch, so war der Frühling die sangreiche Zeit. Die
Junggesellen gingen mit ihren Liebchen im Freien lustwandeln oder
versammelten sich zum Tanze. Antw. LB. Nr. 50, 1. 2:
die bomen beghinnen te bloeyen,
die sonne climt so hoghe,
die sotten beghinnen te groeyen,
die weghen worden droghe.
ghesellekens, en laet u niet bedwinghen,
noch jonghe meiskens mede,
loopt vri dansen ende springhen,
oft gaet wandelen buiten der stede.
Tanzen.
Das Tanzen wurde meist mit Gesang begleitet. Je einfacher der Tanz je
einfacher das Lied, zu künstlichen Wendungen sang man auch künstliche
Weisen, z. B. Antw. LB. Nr. 17, 1:
Coppelt aen een! den nacht is lanc,
ei god danc!
wel gheneren, druc ontberen,
ghelt verteren en mach niet deren:
dus moghen wi dansen vri ende vranc!
ei god danc!
Bei diesen Lustbarkeiten hielt man sich nicht immer in den Gränzen
guter Sitte und Anstands: der jugendliche Muthwille stimmte unzüchtige
Lieder an, und im Taumel der Freude wurde manch hingebendes Mädchenherz
verführt. Darum klagen denn auch die Jungfrauen, wenn sie nachher
für ihr lustiges Leben büßen müssen, Antw. LB. Nr. 171, 1:
Wi meiskens net, schoon gheblanket,
die gaerne vreucht hantieren,
wi sijn verplet in Venus bruiwet,
niemant en wilt ons nu vieren.
dat heeft ghedaen
ons cussen, ons lecken, ons boerden, ons ghecken,
ons drinken, ons clinken, ons roepen, ons winken,
het cost ons so menighen traen.
voor cort jolijt een lanc verwijt,
ons vreucht die mach haest vergaen
oder wie die Mutter ihrer Tochter vorwirft, Oudt Amsterd. LB.:
De coele wint uit den oosten
die heeft het jou niet ghedaen,
maer jou dansen en jou springhen,
by de jonghe vrijers singhen
en jou avontspelen gaen,
dat heeft het jou ghedaen.
Dagegen klagen aber auch die Junggesellen wieder, und mancher der
sein Geld verjubelt hatte und nun mit leerer Börse (met platter borse)
umherging, mochte mit Recht singen
Gheldeloos, ghi doet mi pijn,
oder wie jener Reiter, Antw. LB. Nr. 41, 5:
met singhen, met springhen, met groot jolijt
maken si menich ruiter sijn gheldeken quijt.
Volkslustbarkeiten.
Außerdem boten nun noch vielfache Gelegenheit zum Singen die vielen
Volkslustbarkeiten dar. Wem sind sie, namentlich die niederländischen
Kirmessen, nicht bekannt aus den lebendigen Schildereien der
niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts? Da ging es lustig zu,
da freute sich Jung und Alt, und der Gesang durfte nicht fehlen:
manches Lied unserer Sammlung ist gewiss bei solchen Gelegenheiten
gesungen worden. Diese Volkslustbarkeiten begannen mit dem ersten
Tage des Jahres und gingen bald unter diesem, bald unter jenem Namen,
bald allgemein, bald an besonderen Orten das ganze Jahr hindurch. Was
Adrianus Poirters vom verlorenen Montage [6] sagt, galt mehr oder
minder von allen solchen verlorenen Tagen. Er sagt in seinem "Masker
vande wereldt" (12. druck, t'Antw, 1688--die Approbatio ist v. J. 1646)
bl. 167: man soll sich hüten zu gehen,
daer men den verloren maendag viert,
daer een vaentjen hangt en zwiert,
daer men heele potten drinkt,
daer men in 't prieeltjen klinkt,
daer men met den bierbas vrijt,
daer men schrijft met dobbel krijd,
daer de vinsters staen vol groen,
daer den weerd heeft veel te doen,
daer de maert loopt op en neer,
daer de vrouw tapt even zeer,
daer een dochter zit en vleit,
daer men maer by nachten scheidt.
Von der Kirmess gibt uns der Anfang eines längern Liedes (Willems
Nr. 247) ein recht lebendiges Bild:
De boerkens smelten van vreugd en plezier
als den oogst is binnen getreden,
zy gaen met hunne boerinnen te bier
en zy maken zeer goeden cier.
den bezem steekt ten venstren uit,
men danst er, men speelt er al op de fluit,
op potten, op pannen,
op glazen, op kannen,
op allerhande geluid;
op messen, op schuppen, op 't zoute vat,
op hangel, op tangel, op dit en op dat,
op 't trommeltje rom dom domme dom dom,
op keteltjes, lepeltjes, tikke tik tank,
en dat duert er den heelen nacht lang.
Es gibt auch noch heutiges Tages viele öffentliche Volksbelustigungen,
besonders in Brabant und Flandern, aber selbst die beliebten Kirmessen
sind nur ein Schattenbild des alten fröhlichen sangreichen Lebens,
wie es einst überall vorhanden war; wenn das Volk jetzt zum Singen
kommt, so singt es meist nur gemeine Gassenhauer, oft ganz frisch
gedruckte, die das Ohr jedes sittsamen Menschen beleidigen müssen,
oder irgend eine beliebte deutsche oder französische Melodie mit
schlechten Texten oder aus dem Stegreif gemachten Albernheiten.
Übrigens verdienten alle bei solchen Gelegenheiten üblichen
Gebräuche und Spiele beschrieben und die Lieder gesammelt zu werden,
möglicherweise findet sich manches alte Gute und hübsches Neues
darunter. Es ist aber die höchste Zeit; vor der modernen Cultur und
der Französelei ist Vieles bereits zu Grunde gegangen oder geht doch
seinem sicheren Untergange entgegen.
Dass selbst das immermehr französisch werdende Brüssel noch in
neuerer Zeit seine vlämischen Volksfeste hatte, erfahren wir aus
einer Mittheilung J. M. Dautzenberg's (s. Wolf Zeitschrift 1, 176):
"An den Festtagen St. Johannis des Täufers, Petri und Pauli und bei
der großen Kirchweihe werden in den untern Stadttheilen Brüssels noch
Maien gepflanzt, Kränze, Kronen und Fahnen in den Straßen ausgehängt
und Abends tanzen die Nachbarn unter der Krone, die inmitten der
Straße schwebt. Vor einigen Jahren sammelten die Knaben noch zu dem
Freudenfeuer, welches am letzten Kirchweihtag unter der Krone entzündet
wird. Wenn sie einsammelten, hörte ich oft das kurze Liedchen:
Roebedoebedoep,
haelt den mutsaerd uit den hoek,
hier ewat en daer ewat,
en 't naeste jaer noch ewat.
Loderte das Feuer, dann begann der Tanz in geschlossenem Kreis,
innerhalb dessen einer oder zwei Büßer standen, und alle sangen:
'k heb eenen ezel aen myn hand,
zyn ooren zyn lang.
wat zal ik hem te eten geven?
de winter is lang.
dry keeren beschummelt brood,
gelyk eenen ezel toebehoort.
o gy ezel, o gy kwezel,
zoekt uw brood!
Mit diesen Worten stößt man ein paar der Tänzer in die Mitte des
Kreises und die bisher darin standen, sind abgelöst.
Mai pflanzen,
noch jetzt hie und da im Gebrauch. Wie es in Limburg und Brabant,
berichtet Dautzenberg in J. W. Wolf, Zeitschrift für deutsche
Mythologie 1, 175. »Der erste Mai wird durch die bekannten Maien
gefeiert, die allen Mädchen von unbescholtenem Ruf von ihren Geliebten
vor die Fenster gepflanzt werden. Diejenige, deren Ruf nicht ganz
rein ist, erhält einen Strohmann. Auch tanzt man während der Dauer
des Monats Abends um Maibäume, die mit buntem Papier und Flittergold
verziert sind." Eine uralte Sitte--darauf beziehen sich auch die
geistlichen Mailieder Hor. belg. 10, Nr. 104--106.-- Nr. 63, 3:
Ic wil den mei gaen houen
voor mijns liefs vensterkijn
ende segghen: lief, wilt comen
voor uw clein vensterken staen,
ontfaet den mei met bloemen,
hi is so schone ghedaen.
Nr. 84, 1. (so auch 85, 1.):
ontwect u, soete lief,
wilt door uw venster comen,
staet op, lief, wilt ontfaen
den mei met sinen bloemen.
Auch in der Kunstpoesie; Antw. LB. 120, 3:
ontfaet den mei die lustich spruit,
ic wil hem u schenken tot uwer eren.
Antw. LB. Nr. 27, 6:
neemt desen mei in danke seer coragieus.
Antw. LB. Nr. 76, 1:
Hier sijn drie lichtgheladen,
wi brenghen u den mei,
den mei met sinen bladen,
neemt dankelic ons int rei,
ter eren van schone vrouwen
brenghen wi des meis engien.
Het ierste musyck boexken mit vier partyen Tenor (Antw., Tileman
Susato 1551) Nr. 13:
Int midden van den meie
laet ons vreucht orboren.
al aen gheen groene heide
heb ic een lief uitvercoren,
noit schoonder en was gheboren.
die mei wil ic haer gaen planten
mit dicht, mit spel, mit sanc soet,
mit hulpe van Venus clanten,
neemt alderschoonste lief toch in danc goet,
uw liefde mi seer in bedwanc doet.
Sogar die Schäferpoesie nahm das volksthümliche Maipflanzen auf,
Willems Nr. 176:
maer ziet daer ginder veer eens weer,
de herders hebben een mei geplant,
om met hun liefsten schoon ydoon
te dansen minnelyk hand aen hand.
Der Mai ist auch in den niederländischen Volksliedern die Zeit der
Freude und Liebe. Darum beginnen so viele Lieder mit dem Preise des
Mais. Nr. 137, 1:
De mei, de mei, de mei,
de ghenoechlike tijt!
Nr. 95, 1:
Die mei is so ghenoechliken tijt!
het spruiten ghelu bloemkens aen der heiden.
Oudt Amst. und Haerl. LB.:
Te mei als alle de voghelkens singhen,
de bloemkens uit der aerde springhen.
U. s. w.
Liebe.
Die eigentlichen Liebeslieder sind das Schwächste der niederländischen
Volkspoesie: nur wenige Lieder sind aus Einem Gusse von Gefühlen
und Stimmungen hervorgegangen. Es waren oft vielleicht nur einzelne
Strophen, denen dann mancher andere nach seinem Bedürfnisse noch
etwas hinzudichtete oder was ihm aus andern Liedern lieb geworden war,
hinzuthat. Vgl. Nr. 99 und 100 und Antw. LB. Nr. 100.
Doch finden sich bei alledem noch alle jenen Bestandtheile wieder,
welche der deutschen Volksdichtung gemein sind: jene Sehnsucht nach
der Geliebten, jenes Trauern um sie in der Ferne und beim Abschiede,
und das frohe Bewusstsein, dass die Liebe an keine Zeit gebunden ist,
und wahre Liebe nie vergeht. Antw. LB. Nr. 147, 1, 2:
Truren moet ic nacht ende dach
ende liden also groot verlanghen
om een die liefste, die ic oit sach,
si heeft mijn hertken bevanghen,
doorschoten heeft sijt also menichfout,
si heeft mijn herte in haer ghewout,
nae haer staet mijn verlanghen.
In wat plaetsen dat ic bin,
si staet in mijn ghedachte,
daer en mach gheen liever comen in
bi daghe noch ooc bi nachte;
dat heeft haer daer aenschijn ghedaen:
wonde si mi in haer hertken ontfaen,
so waer alle mijn liden sachte.
Antw. LB. Nr. 99, 4:
Als een ander gaet dansen ende spelen,
ende bedriven haer jolijt,
dan sit ic thuis ende trure
ende peinse waer dat ghi sijt.
Het Brabandsch Nagtegaeltjen (t'Antw.) bl. 24:
Meisken, als ik u moet derven,
vind ik nergens geen rustplaets meer.
om u moet ik dagelyks zwerven,
ik en heb geen vreugde meer.
Waer ik gaen of waer ik wandel,
zweeft uw beeld altyd voor myn:
over dag zien ik uw schaduw,
s'nagts droom ik by u te zyn.
Antw. LB. Nr. 69, 7 (ebenso das. Nr. 156, 5):
Rijc god, mocht ic den dach noch leven,
dat si mi minde ende ic haer niet,
so soude mijn herteken in vreuchden sweven,
dat nu leit in swaer verdriet.
Nr. 116, 4:
Een bitter cruit is scheiden,
dat proeve ic wel nu ter tijt.
wie noit van sijn liefken en scheide,
hi en weet van gheender pijn.
Antw. LB. Nr. 82, 6:
Die cnape sprac: hoe wee mi doet
dat ic van di moet scheiden!
scheiden dat is mi een bitter doot,
mi en schiede noit dinc so leide.
Antw. LB. Nr. 28, 3:
Die liefde bloeit winter en somer,
dat de coele mei niet en doet.
Antw. LB. Nr. 133, 4:
Al op der voghelen sanc
en achtic niet seer vele,
veel soeter is dat gheclanc
van mijns liefs claerder kele.
Antw. LB. Nr. 112, 7:
Ic hebt gheleert, ic salt onthouwen,
hebbe ic anders wel verstaen,
dat hete liefde wel mach vercouwen,
mer reine liefde en mach niet vergaen.
Haar.
Langes, lockichtes Haar, das äußere Kennzeichen der Freien (Grimm
RA. 283 ff.) war auch der Ehrenschmuck der Jungfrauen.
Die Neuvermählten mussten das Haar binden: Parc. 6016. des morgens
si ir houbet bant, Ulrichs Trist. 312:
ir houbet si vil schône bant
durch den gewonlîchen site.
Grimm RA. 443.
Entehrte mussten das Haar nach Art der Frauen aufbinden. Ein Mädchen
ertheilt spöttisch einem andern den Rath (Willems Nr. 61; auch in
der Weimar. Hs.):
ghi sult gaen ter linden,
dat ghele haer op binden
dat maechdekens welle staet.
worauf sie aber erwiedert:
dat en doen ic niet, dat laet ic staen,
dat en doen ic seker niet:
ic salt ooc laten hanghen
den ridder tsijnder schanden,
dat hi mi maechdeken liet.
Ehe die Jungfrau des Geliebten Wunsch erfüllte, heißt es in einem
Wächterliede (Antw. LB. Nr. 86, 5):
met enen siden snoer
dat meisken haer haer op bant,
haer mantelken liet si gliden,
haer ere duerde niet lanc.
Ungeflochtenes Haar ist Zeichen der Trauer: so sagt Brennenberg's
Geliebte, Nr. 6, 17:
mijn haer sel onghevlochten staen.
Linde.
Die Linde ist der Lieblingsbaum der Liebenden. Unter der Linde sucht
das Mädchen ihren Bräutigam wieder, wo er ihr vor Jahren Treue gelobte,
Nr. 26:
en zy zocht hem onder de linden;
unter der Linde erwartet die Jungfrau ihren Ritter, Nr. 56, 4; unter
der Linde suchen die Liebenden die Stätte der Ruhe und Lust, Nr. 71,
3. Darum führt Lussewine den Degener, Nr. 5, 6:
al onder een linde die staet groene.
Ferner Antw. LB. Nr. 22, 6:
Hi nam die schone maghet
al bi der witter hant,
hi leidese onder die linde,
die hi so schone vant.
Nr. 71, 3:
Ic voerdese in mijns vaders hof,
daer staet een groene linde,
daer op so singhet de nachtegael,
si singhet so wel van minnen.
Antw. LB. Nr. 60, 4:
Hi nam dat maechdeken bi der hant,
hi leidese door dat groene wout,
dat groene wout ten einde,
hi leidese onder een linde staet breit,
daer vonden si twee een bedde bereit.
Nr. 12, 7. unserer Samml.:
Si namen malcander bi de hant
en ghinghen onder de lind,
daer speelden si twee het minnespel.
Solcher Stellen finden sich gewiss noch viele. Dahin gehören auch
die beiden Liederanfänge in den Souterliedekens 1540:
Moeder, lieve moeder,
mocht ic ter linden gaen, und:
Aen gheender linden daer staet een dal.
Darum kommt denn auch in anderen Liedern vor, dass der Geliebte unter
der Linde erschlagen liegt, Nr. 16, 4:
gaet henen ter linde groene,
versleghen so leit hi daer,
und Nr. 118, 6:
Ic wil gaen ter linden groene,
daer leit die alderliefste mijn.
In diesen beiden letzten Stellen kann eine Beziehung auf das deutsche
Rechtswesen stattfinden. Unter Linden wurde häufig Gericht gehalten:
Grimm RA. 796. Die peinliche Klage im Dinge begann mit dem Zeterruf
und so kann denn hier gemeint sein, dass der Ermordete schon an
die Gerichtsstätte gebracht war, damit über ihn nochmals von den
Richtern das übliche Zeter geschrieen wurde. Diese Ansicht scheint
sich mir sogar noch durch ein späteres Zeugniss aus Schlesien zu
bestätigen. In einer Schweidnitzer Chronik (s. meine Monatschrift von
und für Schlesien 1829. S. 251) heißt es: "Ao. 1591. den 19. Jan. hat
einer mit Namen George Tzirbicz von Tannhaus zwischen 23 und 24 Uhr
Jacob Riegeln von Niedergrunau zu Kletschkau ohne gegebene Ursach auf
den Kopf gehauen dass er gestorben, und ist unter der Linde über den
Thäter Zetter geschrieen."
Rose und Wein.
Die Rose ist das Sinnbild der Liebe und Freude. Wo die rothen Rosen
stehen, da wandelt das sehnsüchtige Mädchen, Antw. LB. Nr. 22, 1:
Daer soude haer een maghet vermeiden,
vermeiden so woude si gaen,
rode rooskens woude si plucken,
die aen der heiden staen.
Dahin will der Liebende auch sein Mädchen führen, Antw. LB. Nr. 61, 4:
Och maechdelijn, woudi met mi gaen,
ic soude u leien daer rooskens staen.
Die rothen Rosen sind später zu gelben, und gelben Goldrosen geworden,
Thirsis Minnewit 2, 8:
Trijntje, wilje mee geen?
weer, Jan Dirkse?
alweer de geelewe roosjes steen.
und in Nr. 113, 2 (112, 2) unserer Sammlung:
Ik zalder jou heenen leiden,
daer de geele goudroosjes staen.
Auch in neueren Liedern, De oost-indische Thee-boom bl. 36:
Ik heb lestmaal mijn lief gesproken
om met haar uit wandelen te gaan
langs een boschje onverdroten
daar de geele goude roosjes staan;
und ein anderes Lied beginnt:
Rein maegdeken met eeren,
laet ons te samen gaen
hier buiten wat spanceeren
daer de roosjes staen.
Rosen pflücken, Rosen lesen heißt daher sich der Liebe freuen. Eine
Jungfrau weist einen Jüngling ab (Nr. 120), der die Rosen pflücken
will:
daer en is maer een allein
die van minen boomken rein
plucken sal een bladekijn.
und ein Abenteurer sagt von seiner Geliebten, Nr. 83, 1:
ja rooskens woude si plucken,
dat heeft si mi gheseit.
Der Hauptmann sagt zu seiner schönen Tochter, die er nicht kennt,
als sie im Lager vor ihm erscheint, Nr. 41, 10:
Ick wou, dat mijn huisvrouwe
al voor mijn voeten lach doot,
en dat ick met jou, moy meisje,
sou gaen plucken de rosen root;
und ein Jüngling tröstet eine Frau, als es ihr in seinen Armen angst
wird (Nr. 82), sagt eurem Mann:
dat ghi waert rosen lesen int soete dal.
Kühlen Wein trinken heißt ebenfalls sich der Liebe freuen. In einem
Wächterliede (Nr. 59) sagt die Jungfrau zu ihrem Geliebten:
wi willen gaen drinken den coelen wijn.
So ist denn den kühlen Wein schenken so viel wie die Liebe gewähren
lassen. So sagt die Frau zu ihrem Manne, der sie eben in der Untreue
ertappt hat, Antw. LB. Nr. 30, 5:
daer twee soete liefkens tsamen vergadert sijn,
den rijnschen coelen wijn woudi hem gaerne schinken.
oder es bedeutet Liebe selbst gewähren:
Der liederliche Mönch erwiedert dem Abte, als dieser ihn fragt,
wo er die Nacht gewesen wäre, Nr. 47, 7:
men schencte mi daer den coelen wijn,
ic lach in mijns liefs armen.
und der Liebende sagt der Geliebten, Nr. 65, 5:
schenct ghi mi de rode roosjes, schoon lief,
ic schenkje de coele wijn.
Bezieht sich wol auf die uralte Sitte, nach der Brautnacht den
Neuvermählten Wein darzureichen. Gotfrits Tristan 12644 ff.
wand esz was in den zîten site,
dasz man des etlîche pflac,
swer sô bî einer meide lac
unde ir den blumen abe genam,
dasz eteswer mit wîne kam
und lie si trinken beide,
samt âne underscheide.
der selbe site ergienc ouch dâ:
Tristan sîn nefe der brahte iesâ
beide lieht unde wîn.
der kunic tranc und diu künegîn.
Wie die zahme Rose das Bild der Liebe und Freude, so der wilde
Rosenstrauch das Bild der Trauer. Er wird auf das Grab treuer Liebenden
gepflanzt, Nr. 17:
nu sijn daer twee gheliefkens doot,
och waer sal mense graven?
al onder enen eglentier,
dat graf sal rooskens draghen. Vgl. Nr. 85, 4.
Antw. LB. 60, 3:
och sterve ic nu, so ben ic doot,
so graeft mi onder die rooskens root
so verre aen gheen groen heide.
und sogar noch in einem neueren Liede, Nr. 39 (Willems Nr. 99):
Nou is er de vader van mijn kind dood;
begraaft hem al onder roo rooskens rood.
Begraaft hem al onder de egelentier,
dat grafje zal dragen roo roosekens fier.
Rembertus Dodonaeus (Cruydt-boeck, t'Antwerpen 1644. bl. 284)
beschreibt den Eglentier also:
'er wächst oft höher als die sonstigen wilden Rosen, er hat auch
sehr holzige Ranken, auch mit Dörnern besetzt; seine Blätter sind
glänzend und schön grün von Farbe und überdem sehr lieblich von Geruch,
welches den übrigen Rosenarten fehlt. Die Blumen sind klein, einzeln,
fünfblätterig, gemeiniglich weißlich von Farbe, selten purpurartig,
und haben keinen, oder sehr wenig Geruch--' Am Schlusse bemerkt
R. Dodonaeus noch, dass dieser wilde Rosenstrauch nirgend in Frankreich
noch in den Niederlanden wild wächst.
Nachtigall.
Die Nachtigall ist die Botin der Liebenden, Antw. LB. Nr. 158, 6:
Nu segghet mi, nachtegale,
wel clein wilt voghelkijn,
woudt ghi mi die bootschap draghen,
waer mijn schoon lief mach sijn?
oder Nr. 56, 5 unserer Samml.:
O nachtegael, clein voghel,
woudt ghijder mijn bode sijn
en vlieghen tot den ruiter,
den alderliefsten mijn? Vgl. Nr. 89, 3.
In einem gar nicht volksthümlichen Liede, Antw. LB. Nr. 49. findet
sich als Kehrvers:
Rast u, ghi nachtegale,
vliecht uit dat wilde wout,
gaet, secht haer dit altemale
ende groetse mi menichfout.
Selbst noch in neueren Volksliedern, Markt-Schipper bl. 78:
Nachtegaaltje, klein vogeltje koen,
wilje mijn liefje de boodschap doen?
Sie ist die Vertraute der Liebenden, weiß ihre Geheimnisse,
Antw. LB. 194, 7:
Nu wil ic gaen trecken dat groene wout in,
die fiere nachtegael vraghen,
maer of si alle ghescheiden moeten sijn
en dat eens twee liefkens waren.
(oder in späterer Lesart bei Willems Nr. 59, 7:
waerom dat ghescheiden moeten sijn
dat twee ghelievekens weren)
und kann sie leicht ausschwatzen, darum Nr. 104, 7:
wij zullen den nachtegael binden
dat hoofdje al aan zijn voên,
dat hij niet meer zal klappen
wat twee zoete liefjens doen.
Sie nimmt Theil an dem Geschicke der Liebenden: als der Friese sein
Liebesabenteuer bestanden hat, so singt sie ihm zu Ehren, Nr. 36, 5:
al onder een lindeken groene,
daer op so sanc die nachtegale
ter eren van dat Vriesken schone.
Sie erinnert durch ihren Gesang an die Stunden genossener Liebe,
Antw. LB. 194, 1:
Het was te nacht, also soeten nacht
dat alle die voghelen songhen,
die fiere nachtegael hief op een liet ende sanc
met sijnder wilder tonghen.
Ja, noch am Grabe soll sie den Liebenden singen, Nr. 85, 5:
Schoon lief, en om die roozekens
zal 't nachtegaelken springen,
en voor ons beî in elken mei
zyn zoete liedekens zingen.
Freibitten vom Tode durch Henkershand.
Wie die Burggräfin den Zimmermann (Nr. 35) und die Edelfrau den
Schreiber (Nr. 34) durch Fürbitte vom Galgen retteten, so erwartete
es Thijsken van den Schilde (Nr. 23) auch von seiner Geliebten; weil
er ihr aber Vorwürfe machte, so überließ sie ihn seinem Schicksale,
sie hätte ihn sonst mit Silber und rothem Golde aufwiegen wollen.
Wenn eine Jungfrau erklärte, den zum Tode Verurtheilten zu
ehelichen, so war er, wenn er und das Gericht einwilligten,
gerettet. Beispiele der Art kommen schon früh vor: 1518 zu Antwerpen,
s. Edele Chronycke van Vlaenderen bl. 7; spätere 1578 zu Harderwijk,
s. J. Schrassert, Beschrijv. van Harderw. 1, 131, und zu Utrecht
28. Juni 1598, s. Buchelius, Descriptio Urbis Traj. Vgl. De Navorscher
II. jaarg. bl. 239. 240. Nicht immer jedoch ward es gewährt. In
Gent wurde 1566 ein Mörder und Straßenräuber und 1580 ein Soldat
hingerichtet, trotzdem dass für diesen wie jenen eine Jungfrau bat und
erklärte ihn zu heirathen; s. Vlaemsche Kronyk door Ph. de Kempenare,
uitg. door Blommaert bl. 10. 255. Auch bei Niclaes de Maulde zu Leiden
1587 vermochte ebenfalls solche Erklärung einer Jungfrau nichts,
der Verurtheilte wurde hingerichtet, s. Pieter Bor, Nederlandsche
oorlogen 3 stuk (Amst. 1681) bl. 97.
In Friesland stand dies Begnadigungsrecht nur elternlosen Jungfrauen
zu, wenn sie den Verbrecher zur Ehe nahmen; s. Schotani Beschryv. der
Heerl. Friesl. bl. 107. Noch im J. 1571 ward zu Emden von zwei
Seeräubern einer begnadigt, weil ihn ein Mädchen zur Ehe haben wollte;
s. Brenneisen's Uebersetz. des Emmiusschen Tract. von Ostfriesland
(Aurich 1732) S. 510 ff.
Auch in Deutschland hat dies Recht bestanden und ist hie und da
ausgeübt worden.
Den 27. Febr. 1587 ward von dem Obergerichte in Breslau den Richtern
und Schöppen zu Freistadt in Betreff eines zum Tode verurtheilten
Mörders erklärt: "Jedoch dafern bei Euch eine solche übliche
Gewohnheit vorhanden, die den Thäter auf Intercession und Fürbitt einer
Jungfrauen, so ihn ehelichen wollte, von der ordentlichen Todesstraf
befreien könnte, so möchte derselben in diesem Fall auch nachgegangen
werden." Da mag sich denn auch wol ereignet haben was Lazarus Sandrub
in seinen Delitiae Historicae et poeticae (Frckf. 1618. 8o.) S. 124
erzählt:
Ein Dieb sollt man justificiern.
Als man ihn für Gericht thät führn,
Da kam ein Magd auch auf den Plan
Und sprach den Henker fleißig an,
Er sollt den Dieb zum Mann ihr geben,
Denn sie wollt mit ihm ehlich leben.
Mit Fleiß besah der Dieb die Magd,
Aber ihr Lieb ihm nit behagt,
Sprach, sie hätt eine Habichtsnasn,
Die Lefzen wärn ihr aufgeblasn,
Sprach: Meister, richt mich immerhin!
Viel nutzer ists, wenn ich todt bin,
Denn dass ich sollt mit dieser Mährn
Mein Leben jämmerlich verzehrn;
Ist besser, dass ich sterb einmal,
Denn dass ich stetigs leb in Qual.