Konrad von Treffen.‘

Der artige Inhalt dieser Zeilen gab Tankreds Gedanken mit einem Schlage

eine andere Richtung.

Tressens kamen ihm in ungewöhnlicher Weise entgegen. Sicher hatte er auf

Grete einen guten Eindruck gemacht, auch wirkte der Umstand wohl mit,

daß man ihn als Miterben von Falsterhof ansah. — Und er war es nicht!

Empörend, daß der filzige Philister, sein Onkel, ihn hatte leer ausgehen

lassen! Und nicht minder unverzeihlich war's von der verstorbenen Tante,

daß sie nicht einen Augenblick gefunden hatte, um eine Klausel zu seinen

Gunsten in das Testament einzufügen. Gewiß hatte er das Theonie zu

verdanken! Ja, sie war ihm in der Seele zuwider, obschon ihn gestern,

als sein Blut heiß gewesen, ihr Körper gereizt, obschon er sich

eingebildet hatte, er könne sie lieben. Diese sentimentale Tugend, diese

langweilige Resignation und diese ihren geistigen Hochmut nur in noch

schärferes Licht stellende äußerliche Bescheidenheit waren ihm in der

Seele zuwider. Er nahm auch einen ganz verkehrten Standpunkt ihr

gegenüber ein. Von rechtswegen gehörte ihm die Hälfte von

Falsterhof! — Und plötzlich schoß es Tankred von Brecken durch den Sinn,

diese Hälfte im Fall mit Gewalt von ihr zu erzwingen und dadurch sicher

der Mann Grete von der Lindens zu werden. Das sollte fortan sein Ziel

sein!

So trat er denn Frege bei seinem Wiedereintritt gehobenen Hauptes

entgegen, befahl, den Boten hereinkommen zu lassen, und schrieb, während

dieser wartend an der Thür stand, eine Zusage:

‚Hochgeehrter Herr Baron!

Ihre gütigen Zeilen haben mich ebenso überrascht wie erfreut. Sie

beschämen mich in der That durch die ungewöhnlich artige Form Ihrer

Einladung, die ich dankend annehme. Indem ich die Versicherung

hinzufüge, daß ich bestrebt sein werde, mich der mir gewordenen

Auszeichnung stets würdig zu erweisen, bin ich mit dem Ausdruck

größter Verehrung und unter gehorsamen Empfehlungen an Ihre Damen

Todsünden · 第 7 / 23 题