Zwischen eisernem Gebälk, daran der Wind frohlockend sich klammert,
windet mein Tritt sich empor, spiralig zur gläsernen Plattform,
unter mir liegt Gedächer der Stadt, Krümme des Flusses, Gärten und
Rebengelände,
unter mir die Eile der Menschen, Wagengerassel und die keuchende
Heerschar der Schlote und Dampfmaschinen.
Hier ahne ich Dich, o Gott, sofern ich Dir näher bin um den Atemzug
einer Henne,
(ich bin vor Dir so klein, wie der winzige Angler, der in der Tiefe
stillen Gedanken nachhängt)
ich häufe Deine Sinnbilder im Dunkel meiner Gemächer,
zugemessen ward mir der Tag und das Nächtliche nach meinem
Verdienste.
Dich erkenne ich, o Tod, Du Gleichnis alles Lebendigen,
Du in allem Leben enthaltener, tausendfach verzweigter,
brüderlich immer nahe im Speichenflug der rasenden Automobile,
verschlossen in der dunklen Selbstentäußerung des bräutlichen
Beischlafs.
Dich auch vielfältige Zeit, Zweikampf des Todes mit Lebendigen:
Jetzt heben sich die Vorhänge der Theater und nackte Schultern
neigen sich über die Brüstung,
jetzt lauert der Gymnasiast vor dem Tor der Geliebten, und der
Beamte schließt gähnend das Hauptbuch,
jetzt brüllen die Kälber in den Ställen ein letztesmal, und das Rad
der Lafette zerschneidet den Bauch des Gefallenen am
Schlachtfeld.
Ich aber will lernen demütig zu sein,
denn wo der Verzückte nieder sich fallen läßt, wie der Erlöser von
der Zinne des Tempels,
wo der Übermäßige auf unsichtbarer Spur weiterhin schreitet in das
Geheimnis der Sphären,
da will ich, Sünder, an eisernem Gerüst abwärts mich tasten zur
gebrechlichen Erde,
denn vielleicht daß unten meiner jemand wartet. Ich will mich
beeilen.
Wer ballt mich zur Kugel, auf daß ich rascher die Serpentine
hinunter rolle?
Wer schmilzt mich zu glühendem Bächlein ins Herze zu fließen den
wartenden Freunden:
Zu sein einer im andern und die vermessenen Hände zu tauchen in
Quelle der Einfalt.