Mein _Herr_ ist er darum doch. –

Wie köstlich es ist, sich jedem Wunsche des Herzlieben zu beugen.

Wie hat sich sein Befinden gehoben seit unserm Hochzeitstage! Eine

große, köstliche Ruhe ist über uns beide gekommen. Meine Hände falten

sich. _Sein_ Kamerad! Ist es nicht _mehr_, als zwei gesunde Menschen

sich geben können?

Und gibt es in der ganzen, weiten Welt eine Liebe, die größer, reiner,

tiefer, ursprünglicher und gewaltiger ist als die des Ritter Lage zu

seiner Gitti? – Als heute morgen an unserer kleinen Frühstückstafel,

an der außer uns nur unser geliebter Junge Clemens-Hartmut teilnahm,

das kristallene Schaumweinglas an das meine klang und meines Gatten

tiefe, schöne Stimme rief: »Ich bring’ es dir, meine Königin«, da

meinte ich, selbst das Glas müsse springen vor Überfülle der Freude …

Sonne, Sonne leuchtete allüberall. –

»Und ich bring’ dir das meine, du herzliebster Ritter Lage«, rief ich

schier übermütig und trank den Schaumwein bis auf die Nagelprobe. –

»Wie ihre Augen leuchten!« rief Clemens-Hartmut begeistert. »Ist

Gittimutter nicht schön?«

»Du wirst sie all dein Lebtag als das Höchste lieben und ehren! Gib mir

deine Hand darauf, Clemens-Hartmut!«

Wie feierlich klang die Stimme meines Liebsten! Und dann froh, wie ich

sie selten hörte, gesättigt von einem tiefen Glücksempfinden: »_Gott

segne mein Licht von Lage!_«

Am 1. Weihnachtstage.

Ich komme von meinem Liebsten.

Ich klopfte an seiner Tür.

Aber er hörte mich nicht.

Ich ging hinein.

Aber er sah mich nicht.

Geschlossen waren die liebsten Augen der Welt … Für immer!!

Herrgott! Gib meinem Liebsten fröhliche Urständ!

Ich selbst darf nicht zerbrechen. Ich soll seinen Sohn erziehen. Ritter

Lages Kamerad bin ich gewesen. Ich trage seinen Namen. Er hat mich

geliebt und liebt mich über den Tod hinaus.

Seinen Knaben an der Hand, trat ich in den Märchenwald. Und die heilige

Weihnachtssonne leuchtete wie der Stern von Bethlehem über Lage. Da

wußte ich es, daß du im Lichte weilst, mein Geliebter … Und daß nun

auch deine Gitti fürder nicht im »grauen Alltag« wandeln dürfe. Aus

meinem tiefsten Leid geboren, aus dunkelster Herzensnacht heraus, gabst

du mir, Gott, den Namen für mein Haus und mein Dorf:

»_Auf der Sonnenseite._«

[Illustration]

Der graue Alltag und sein Licht · 第 63 / 71 题