Aus den nachgelassenen Schriften des Maurus Perbon geht hervor, daß sein
Meister Imanuel Givo, dem er sich anläßlich seiner Lehrerschaft in Polen
und Rußland anschloß, während eines Pogroms, fälschlich für einen Juden
gehalten, deren Verteidigung er übernommen hatte, um das Leben kam. Dem
Bericht ist hinzugefügt: »Seine Tochter Noemi Cecilia lebt bei seiner
Herzensfreundin, der Frau Arabella von Normayr.«
Wie ersichtlich, hatte sich Arabella mit ihrem Jugendfreund, dem
nachmaligen Admiral, vermählt. Mannsthal besuchte sie vor ihrer
Verheiratung und bei dieser Gelegenheit soll sich ein Unglück ereignet
haben, das allerdings glimpflich ablief. Auf nicht völlig aufgeklärte
Art ging in den Händen der Gräfin ein Revolver los und traf ihren
Stiefvater an der Schulter. Die Dienstboten behaupteten, daß zur
nämlichen Stunde die Herrin im Hause vergeblich und sehr erregt nach
ihrer heißgeliebten Ziehtochter, der vierzehnjährigen Noemi, gesucht
habe und diese schließlich schwer geängstigt bei dem wunderlichen Herrn
Mannsthal angetroffen hatte. Luise, die noch immer bei ihr diente,
wollte gehört haben, wie die Gräfin zu der alten Frau Gunter gesagt
hatte: »Gott sei Dank, ich kam gerade recht.« Der alte Herr Mannsthal
war dann vor der Hochzeit, die in aller Stille stattfand, noch mit dem
Arm in der Schlinge abgereist.
Die zweite Ehe der Gräfin Karinska, die mit dem Grafen Nicolai bis zu
dessen Tode in regem Briefwechsel verblieb, soll still und sehr
glücklich gewesen sein. Doch starb Arabella von Normayr allzufrüh an
einer akuten Herzkrankheit.
Angele hatte die traurige Pflicht ihren Gatten, den Admiral, zu
verständigen, der sich eben auf einer Seereise befand. Über das Meer
dröhnte ein Kanonenschuß. Dreihundertzwanzig Matrosen knieten und
beteten. Eine schwarze Fahne stieg langsam mastaufwärts und flatterte im
Abendwind, der von den Küsten Japans Blütenduft auf den Schwingen trug.
Leise löste sich über den gleichmäßigen Wellen der grünlichen See die
schmale Rauchsäule in die Unendlichkeit.