VI

Soldaten brachten Verwundete auf Tragbahren oder führten sie unterm

Arme. Auf der Straße war es vollständig dunkel; nur selten glänzte

Licht in einem Hospitale oder bei zusammensitzenden Offizieren. Von

den Bastionen her drang der frühere Geschütz- und Gewehrdonner,

und die früheren Feuer flammten unter dem schwarzen Himmel auf.

Bisweilen hörte man den Hufschlag des Pferdes eines fortgesprengten

Ordonnanz-Offiziers, das Stöhnen eines Verwundeten, die Schritte und

das Gemurmel von Krankenträgern und die Reden bestürzter Einwohner, die

auf die Außentreppe gegangen waren und sich die Kanonade mit ansahen.

Unter den letzteren befand sich auch der uns bekannte Nikita, die

alte Matrosenfrau, mit der er sich schon versöhnt hatte, und deren

zehnjährige Tochter. »Herr Gott, heil'ge Mutter Gottes!« sprach

seufzend die Alte vor sich hin, als sie die Bomben sah, die wie

Feuerbälle unaufhörlich von einer Seite nach der anderen flogen;

schrecklich, wie schrecklich! ... i--i--hi--hi ... So schlimm war's

nicht beim ersten »Bandirement«. Sieh, wo die Verfluchte geplatzt ist!

gerade über unserm Hause in der Vorstadt.

Nein, weiter, zur Tante Arinka fallen alle in den Garten, sprach das

Mädchen.

Und wo, wo ist jetzt mein Herr? sagte Nikita mit etwas singender Stimme

und noch ein wenig betrunken. Wie ich diesen Herrn liebe, das kann ich

gar nicht sagen, -- ich liebe ihn so, wenn man ihn, was Gott verhüte,

sündhaft töten sollte, dann, glauben Sie mir, liebe Tante, weiß ich

selber nicht, was ich mit mir anfangen soll, -- bei Gott! Ein solcher

Herr ist er, daß ... mit einem Worte! Soll ich ihn denn mit denen

vertauschen, die da Karten spielen? ... Was? -- pfui, mit einem Worte!

schloß Nikita und zeigte dabei auf das erleuchtete Fenster im Zimmer

seines Herrn, wohin Junker Shwadtschewskij, während der Abwesenheit

des Stabskapitäns, zur Feier seiner Dekoration den Oberstleutnant

Ugrowitsch und den Oberstleutnant Nepschißezki, der an Reißen litt, zu

einem Festmahl geladen hatte ...

Wie die Sternchen, die Sternchen fliegen! unterbrach, nach dem Himmel

sehend, das Mädchen das Nikitas Worten folgende Schweigen: sieh, sieh,

dort springt es noch! Weshalb ist das so, liebe Mutter?

Sie werden unser Häuschen ganz und gar vernichten, sprach seufzend und

ohne auf die Frage des Mädchens zu antworten, die Alte.

Und wie ich heut mit der Tante dorthin ging, Mütterchen, fuhr das im

singenden Tone sprechende Mädchen fort, da lag eine große Kanonenkugel

in der Stube neben dem Schranke, sie hatte, wie man sah, den Vorraum

durchgeschlagen und war in die Stube geflogen ... So groß, daß man sie

nicht aufheben konnte!

Wer einen Mann hatte und Geld, der ist fortgezogen, -- hier haben sie

auch das letzte Häuschen zu Schanden geschossen, sagte die Alte. Sieh,

sieh, wie er feuert, der Bösewicht! Herr Gott! Herr Gott!

Und wie wir gerade fortgehen, kommt eine Bombe geflogen, sie platzt und

überschüttet uns mit Erde, fast hätte mich und die Tante ein Stück

getroffen.

Sewastopol · 第 22 / 86 题