(Nr. 4628-4684.)
=München.= /Bernhard Posch/, Privatier: 57 Urkunden und
Faszikel, welche sich auf die Geschichte der Stadt Görlitz beziehen.
Von 1482, März 26 bis 1715, Januar 29. Perg., Pap. und Akten.
Schriften der Akademieen, Museen und historischen Vereine.
/Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische Landeskunde./
Redigirt von Franz Zimmermann. Hermannstadt, 15. October 1879. Nr. 10.
8.
Klausenburg. Von Fr. Teutsch. -- Wallendorf, Waltersdorf. Von Gg.
Fischer. -- Kraczwez: die Gurke. Von Dr. G. D. Teutsch. -- Zur Laut-
und Formenlehre. Von J. Wolff. -- Literatur. -- Kleine Mittheilungen.
/Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in
Böhmen./ XVIII. Jahrgang. Nr. I. Nebst der literar. Beilage.
Redigirt von Dr. Ludwig Schlesinger. Prag, 1879. 8.
Ueber „Wallenstein’s Verrath.“ Ein Vortrag, gehalten... von Dr.
Hallwich. -- Göthe als Naturforscher in Böhmen. Ein Vortrag,
gehalten... von Dr. Gustav C. Laube. -- Die königlichen Richter von
Saaz. Von Dr. W. Katzerowsky. -- Die Einweihung der Elbequelle durch
Johann Freiherr von Talemberg, Bischof zu Königgrätz, am 19. Septbr.
1684. Von Dr. Edmund Schebek. -- Miscellen: Aus dem Sagenbuche
der ehemal. Herrschaft Königswart. I-III. Von Dr. Mich. Urban. --
Vereinsangelegenheiten.
/Siebzehnter Jahresbericht dess. Vereins./ Für das Vereinsjahr
1878-79. Prag, 1879. 8.
/Numismatische Zeitschrift/, herausgeg. von der /Numismat.
Gesellschaft in Wien/ durch deren Redactions-Comité. Eilfter
Jahrgang. Erstes Halbjahr, Jänner-Juni 1879. Mit 11 Tafeln
Münzabbildungen und 2 Holzschnitten. Wien. 1879. 8.
Sterling Kaiser Friedrichs II. Von Dr. A. Missong. -- Zur fränkischen
Münzkunde. Von H. Riggauer. -- Der Münzfuß der Wiener Pfenninge vor der
Reform Herzog Albrechts IV. vom Jahre 1399. Von Dr. Carl Schalk. -- Ein
Goldgulden Kaiser Friedrichs IV. (III.) für Wiener-Neustadt. -- Versuch
einer systemat. Beschreibung der Venezianer Münzen nach ihren Typen.
Von C. von Wachter. -- Der Tiroler Kreuzer vom Jahre 1809. Von Joseph
von Kolb. -- Literatur. -- Miscellen.
/Mittheilungen des k. k. österreichischen Museums für Kunst und
Industrie./ (Monatschrift für Kunst und Kunstgewerbe). XIV. Jahrg.
Nr. 167-169. Wien, 1. Aug.-1. October 1879.
Kunstgewerbliche Bewegung im deutschen Reiche. -- Die kunstindustrielle
Ausstellung in Ischl. Von Jakob von Falke. -- Kleine Mittheilungen. --
Literatur etc.
/Die Wartburg./ Organ des /Münchener Alterthumsvereins/.
Zeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe mit Berücksichtigung der
Neuzeit. VI. Jahrg. 1879. Nr. 9 u. 10. Redacteur: Dr. Carl Förster.
München, 1879. 8.
Die internationale Kunst-Ausstellung in München vom August bis October
1879. Forts. -- Glaskelche und Glaspatenen. Vortrag von Carl Friedrich.
-- Kleine Mittheilungen.
/Kunst und Gewerbe./ Wochenschrift zur Förderung deutscher
Kunst-Industrie, herausgeg. v. /bayrischen Gewerbemuseum/ zu
Nürnberg, redig. v. Dr. O. v. Schorn. XIII. Jahrg., 1879. Nr. 39-42.
Nürnberg, 1879. 8.
Die Blechindustrie und ihre gegenwärtige Ausstellung in Nürnberg.
(Frts. und Schluß.) -- Kleine Nachrichten. -- Literatur etc. --
Abbildungen: Vom Chorstuhlwerk aus St. Giorgio maggiore in Venedig.
-- Aus der Sammlung der Handzeichnungen in den Uffizien zu Florenz.
-- Füllung vom 16. Jhdt. -- Pergamentpressung einer Buchdecke des 16.
Jhdts. -- Candelaber vom 16. Jhdt. -- Stoffmuster vom 17. Jahrh. --
Vasen, comp. von Stefan de la Bella († 1664). --
/Mittheilungen des bayrischen Gewerbemuseums zu Nürnberg./
Beiblatt zur Wochenschrift: /Kunst und Gewerbe./ Redigirt von Dr.
O. von Schorn. Sechster Jahrgang. 1879. Nr. 19, 20 u. 21.
Bekanntmachungen, Anzeigen etc.
/Société pour la conservation des monuments historiques d’Alsace./
/Hortus deliciarum/ par l’abbesse Herrade de Landsperg.
Reproduction héliographique d’une série de miniatures, calquées sur
l’original de ce manuscrit du douzième siècle.
Texte explicatif par le chanoine A. Straub. Livraison I. Planches 1-10.
2.
/Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und
Alterthumsvereine./ Herausgegeben von dem Verwaltungsausschusse des
Gesammtvereins in Darmstadt. Siebenundzwanzigster Jahrgang, 1879. Nr. 7
u. 8, Juli u. August. 4.
Wandgemälde aus dem Kaufhause zu Mainz. Mit Abbild. Von Friedr.
Schneider. -- Trajanische Anlagen am Neckar und Main. Von Carl
Christ. -- Alte Glashütten bei Heidelberg. Von dems. -- Mainzer
Geschichtsforscher des 17. Jhdts. Volusius † 1679; Freyspach †
1651; Engels † 1674 u. Nic. Bickard. Von Falk. -- Der Eßlinger
Neckarbrückenablaß 1286. Von dems. -- Wirksamkeit der einzelnen
Vereine. -- Literatur. -- Notizen. -- Bemerkungen zu der Frage nach
den Hinkelsteinen u. s. w. Von Carl Christ. -- General-Versammlung des
Gesammtvereins.
/Blätter für Münzfreunde./ Numismatische Zeitung. Organ des
/Münzforscher-Vereins/. Herausgeg. von H. Grote. Fünfzehnter
Jahrgang. Nr. 79. Vom 1. October 1879. Leipzig, 1879. 4.
Die Heimath der Bracteaten mit gekröntem Kopfe. I. Von Max Schmidt. --
Der Trebitzer Bracteat Nr. 4 und sein Seitenstück gräfl. Brena’schen
Gepräges. Eine Erwiderung von Dr. A. Erbstein. (Schl.) „Dütchen“ Von J.
Kürschner. -- Berichtigung zu Tafel 58. Von Dr. J. Erbstein. -- Jetons
von Oesterreich und Wolkenstein. Von Dr. A. Busson. -- Literatur. --
Miscellen etc.
/Monatsbericht der königl. preußischen Akademie der Wissenschaften zu
Berlin/, Juni 1879. Berlin, 1879. 8. Mit 3 Tafeln. S. 443-518.
/Monatshefte für Musikgeschichte herausgegeben von der Gesellschaft
für Musikforschung./ XI. Jahrg. 1879. Nr. 9 u. 10. Berlin, 1879. 8.
Nebst einer lithogr. Notenbeilage.
Hermann Finck über die Kunst des Singens, 1556. Von R. Eitner. (Schl.)
-- Maria Antonia Walpurgis, Kurfürstin von Sachsen. Eine biograph.
Skizze von Moritz Fürstenau. -- Mittheilungen.
/Jahrbuch für schweizerische Geschichte/, herausgegeben auf
Veranstaltung der /allgemeinen geschichtforschenden Gesellschaft der
Schweiz/. Vierter Band. Neue Folge des Archivs für schweizerische
Geschichte. Zürich, 1879. 8.
Vereinsangelegenheiten. -- Das sogenannte Waldmannische Concordat. Von
Franz Rohrer. Beilagen dazu. -- Die Ursachen des alten Zürichkrieges in
ihren Grundzügen. Von Jos. Ludw. Aebi. Die Erbauung der Stadt Versoix,
vorzüglich nach den Acten des Berner Archives. Von Dr. Emil Blösch.
(Mit einem Plan.) Beilagen hiezu. -- Die Alpenpässe im Mittelalter. Von
Dr. E. Oehlmann. Beilagen dazu.
/Indicateur d’histoire Suisse publié par la société générale
d’histoire Suisse./ Dixième année. 1879; Nr. 3. Solothurn. 1879. 8.
Zur ältesten alamannischen Geschichte. 3. Kämpfe in der Zeit des
Kaisers Aurelian. Von Dr. G. Meyer von Knonau. -- Päpstliche Urkunde
für das Kloster Wettingen 1232. Von Alfr. Frei. -- Ostschweizerische
Chronik von 1442-1448. Von Dr. Th. von Liebenau. -- Zum Volksspruche
von Herzog Karl von Burgund. Von dems. -- Das Stadtarchiv in Aarau.
Von Dr. H. Boos. -- La regiquine. Von Dr. L. Tobler. -- Urkunde
zur Geschichte des Johanniter-Ordens 1446. Von F. Fiala. -- Samuel
Apiarius, der älteste Buchdrucker Solothurns, 1565-1566. Von Fr. Jos.
Schiffmann. -- Les étudiants Suisses à Montpellier (1585-1795). Von Ch.
Le Fort.
/Beiträge zur Geschichte der Kunst und des Kunsthandwerks in Bern im
15., 16. und 17. Jahrhundert./ Herausgegeben von der /Bernischen
Künstlergesellschaft/ zur Eröffnung des Kunstmuseums. Mit Abbildung.
Bern, 1879. hoch 4. 110 Seiten.
/Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde./ Indicateur
d’antiquités Suisses. N. 2. Zürich, April 1879. 8. Mit 3 lithogr.
Tafeln.
La pierre à écuelles des Prises. Par F. Imer. -- Schalenstein bei
Ilanz. Von J. Gartmann. -- Les Ténevières artificielles des cites
lacustres. Par F. A. Forel. -- Vorhistorische Funde aus dem Aargau.
Von B. Räber. -- Un étrier en bronze. Par Gross. -- Die Grabhügel im
Oberholz bei Kallnach. Von Edm. von Fellenberg. -- Fresken in der
Kirche von Valeria zu Sitten. Von Raphael Ritz. -- Ordnung für die
Schneider in Luzern vom J. 1488. Von Th. von Liebenau. -- Kupferstecher
Martin Martini. Von dems. -- Kleinere Nachrichten. -- Literatur.
/Das psalterium aureum von Sanct Gallen./ Ein Beitrag zur
Geschichte der Karolingischen Miniaturmalerei. Mit Text von J. Rudolf
Rahn. Herausgeg. vom /histor. Verein des Kantons St. Gallen/. Mit
XVIII Tafeln.... St. Gallen... Huber & Cie. 1878. 2. 67 Stn.
Literatur.
_Neu erschienene Werke._
16) /Schäfer, Ausgrabung römischer Reste in Heidelberg/;
veröffentlicht im Auftrag Gr. Ministeriums des Innern durch den
Conservator der öffentlichen Baudenkmale. Karlsruhe, 1878. 16 Seiten
in Folio mit einer Uebersichtskarte und 4 Beilagen (lithographiert.
Nicht im Buchhandel.)
Bekanntlich wurden in den Jahren 1875-78, gelegentlich der Erbauung
des akademischen Spitals und der Irrenklinik in Heidelberg, auf dem
Territorium des, längst als Fundstätte römischer Alterthümer bekannten,
eingegangenen Dorfes Bergheim die Reste einer ausgedehnten römischen
Niederlassung aufgedeckt, welche das Interesse der Archäologen in hohem
Maße in Anspruch nahmen. Auf dem Hochgestade des linken Neckarufers,
zu beiden Seiten der von Speier nach Heidelberg führenden römischen
Heerstraße, welche auf eine größere Strecke bloßgelegt wurde, fanden
sich durchschnittlich 0,8 M. unter der heutigen Oberfläche zahlreiche,
theils noch trefflich erhaltene gemauerte Kellerräume, zweifellos die
Souterrains ehemaliger Wohngebäude. Da sich von letzteren keinerlei
Trümmer (abgesehen von Dachziegeln) vorfanden, so ist anzunehmen, daß
dies leichte Holzbauten waren, s. g. canabae, wie sie von ausgedienten
Legionaren und bürgerlichen Gewerbtreibenden, (canabenses), die sich
in der Nähe von Militärstationen ansiedelten, errichtet zu werden
pflegten. Daß sich unserer Ansiedelung gegenüber, auf dem rechten
Ufer des Neckars, bei Neuenheim eine Militärstation befand, ist durch
zahlreiche Funde von Stempeln der VIII., XIV., XXI. und namentlich
XXII. Legion verbürgt; die Heidelberger Niederlassung war also
gewissermaßen die bürgerliche Vorstadt dieses Lagers. Außer jenen
Kellerräumen fanden sich auch gewerbliche Anlagen, nämlich mehrere zum
Theil wohlerhaltene Töpferöfen, ferner ein Votivstein zu Ehren des
Jupiter, (ein im Neckar gefundener Neptunsaltar, vgl. Bonner Jahrb.
LXII. 20, ist, weil nicht dem eigentlichen Ausgrabungsgebiet angehörig,
nicht in die Beschreibung aufgenommen), Terracotten und sonstige
Töpferwaaren, namentlich auch aus terra sigillata, Münzen und eine
Reihe kleinerer Geräthe. Wohl die wichtigsten Funde waren aber die
acht von der civitas Ulpia Severiana Nemetum den jeweiligen Kaisern,
bezw. Thronfolgern (Caesaren) gesetzten Meilensteine aus der Periode
von 220-254 p. Chr.; sieben derselben lagen in einem der oben genannten
Kellerräume, der zuletzt gefundene 8. in dem Schacht eines gleichfalls
aufgedeckten römischen Brunnens. Sie zeigen sämmtlich die Entfernung
von Lopodunum (Ladenburg) an, und zwar mit 4 leugen: a Lopoduno leug.
IV.; dies ist gerade die Entfernung von Heidelberg nach Ladenburg,
woraus folgt, daß der Fundort auch der ursprüngliche Aufstellungsort
der Steine ist.
Im Verfolg der römischen Straße gelang es auch, die Substructionen der
römischen Brücke über den Neckar, gerade bei unserer Ansiedelung, und
damit die Verbindung der linksseitigen mit der rechtsseitigen, von
Ladenburg nach Neuenheim führenden Römerstraße festzustellen; sowie
es ferner gelang, durch die Widmungsinschriften der Meilensteine die
politische Zugehörigkeit unserer Ansiedelung zu dem Bezirk der civitas
Ulpia Severiana Nemetum, deren Hauptort Lopodunum war, nachzuweisen.
Diese Funde erfuhren schon mehrfach wissenschaftliche Bearbeitungen;
wir verweisen namentlich auf die Bonner Jahrbücher Heft LXI,
S. 10; LXII, S. 7 u. 18; LXIV, S. 33 u. 62; eine übersichtliche
Gesammtdarstellung fehlte jedoch (der leider zu früh verstorbene
Geheime Hofrath Stark in Heidelberg beabsichtigte eine solche); wir
haben sie nunmehr in dem Eingangs erwähnten Schriftchen erhalten.
Der Herr Verfasser, welcher in seiner Eigenschaft als
Bezirksbauinspektor in Heidelberg die Ausgrabungen selbst leitete und
dessen rastlosem Eifer und systematischen Anordnungen die erzielten
Resultate hauptsächlich zu verdanken sind, gibt uns hier zum ersten
Male nicht nur eine vollständige Uebersicht der Funde, sondern auch
eine eingehende Fundgeschichte, unter Darlegung der Gesichtspunkte,
nach welchen bei solchen Ausgrabungen, sollen sie anders ihren Zweck
erfüllen, zu verfahren ist. Gerade in dieser Hinsicht enthält die
Schrift manchen beherzigenswerthen Wink.
Die einzelnen Fundobjekte werden einer eingehenden Besprechung,
namentlich auch vom technischen Standpunkte aus, unterworfen, und
sind die in dieser Richtung vom Verfasser gegebenen Aufschlüsse auch
für den Archäologen vom Fach eben so interessant als lehrreich. Die
Inschriften werden in sorgfältigen Texten, zwei auch in Auflösungen,
mitgetheilt; im Uebrigen war es nicht Zweck des Verfassers, sich in
kritische Untersuchungen über diesen Theil der Funde einzulassen; es
konnte dies um so mehr unterbleiben, als gerade über die Inschriften
schon eine ziemlich umfangreiche Literatur existiert. Wir unterlassen
es deshalb auch, auf einige, übrigens unbedeutende Abweichungen
von den Originalen einzugehen, und fügen nur bei, daß in Ziff. I,
Zeile 7 statt POTEST . ITER zu lesen ist POTESTI . TER; in Ziff. 6, Z. 2
statt ETRVSCO: ET.RVCO und ibid. Zeile 5 statt CAESARI: CAESAI und
in Ziff. 7, Zeile 1 statt IMP . CAES: IMPP . CAE. Im Ganzen betrug die
epigraphische Ausbeute (abgesehen von zahlreichen Töpferstempeln, deren
Herr Schäfer eine Menge mittheilt) 9 Inschriften; hievon entfallen 8
auf die Meilensteine, eine auf den Votivaltar des Jupiter. Ohne auf
Einzelheiten, die an den oben citierten Stellen nachgelesen werden
können, einzugehen, sei nur erwähnt, daß sich die Widmungsinschriften
auf den Meilensteinen, nach welchen deren Datierung möglich ist,
auf folgende Kaiser bezw. Cäsaren beziehen: Elagabal (220), Severus
Alexander (222), Maximinus (235), Gordianus III. (238), beide Philippus
(246), Decius der ältere (249), Decius der jüngere (250), Valerianus
und Gallienus (254). --
Die Schrift des Herrn Schäfer ist in Gestalt eines Berichts an das
Großh. badische Ministerium des Innern abgefaßt; die letztere Stelle,
welche ihr hohes Interesse an der Erforschung der vaterländischen
Geschichte schon während der Ausgrabungen durch Gewährung der
erforderlichen Mittel bethätigte, hat sich ein weiteres Verdienst
dadurch erworben, daß sie die Publikation dieses Berichts anordnete
und den Großh. Conservator in Karlsruhe mit dem Vollzug beauftragte;
dem Letzteren ist die vorzügliche Ausstattung des Werkchens, speziell
des graphischen Theils, zu danken. Möge das patriotische Beispiel der
badischen Regierung thunlichst Nachahmung finden, möge es aber auch dem
wissenschaftlichen Eifer des Herrn Schäfer gelingen, bei der, wie wir
hören, nahe bevorstehenden Wiederaufnahme der Ausgrabungen ähnliche
interessante Resultate wie bisher zu erzielen.
/Mannheim./ C.
Vermischte Nachrichten.
127) Im Juli d. J. fanden zwei Arbeiter auf dem Vorwerke Dorotheenhof
des Rittergutes Sypniewo eine Packung größerer Steine, die, in eine
Vertiefung der Erde gesetzt, in der Mitte eine Höhlung offen ließ, in
welcher ein 18 cm. hoher bronzener Kessel mit Henkeln stand, der, aus
einem Stücke Blech getrieben und mit einem flachen Steine bedeckt, die
Reste eines Mannes und einer Frau nebst interessanten Beigaben von
Gold, Bronze und Glas und Kreide enthielt, deren Bestimmung theilweise
noch räthselhaft ist. Der Besitzer des Gutes, Herr Wilckens, übergab
die Stücke dem historischen Vereine zu Marienwerder, dessen Vorstand
eine genaue Beschreibung der Fundgegenstände wie des Vorganges beim
Funde als Circular veröffentlicht und um Nachrichten über ähnliche
Funde, sowie deren Herkunft ersucht hat.
128) /Geiselhöring/, 12. November. Ein /seltener Fund/
wurde kürzlich auf einem Acker nächst /Rügshofen/ gemacht. Beim
Aufsuchen einer sog. Sandader stieß man in einer Tiefe von einem
Meter auf fünf im Sande lagernde, noch gut erhaltene /menschliche
Skelette/, welche im Kreise -- die Schädel nach außen gerichtet
-- ruhten; innerhalb des Kreises fand man eine irdene Urne, eine
eigenthümlich geformte, jedoch vom Rost stark beschädigte eiserne Axt
und Theile eines eisernen Spießes.
(Nürnb. Anz., Nr. 318.)
129) Der nassauische Alterthumsverein hat, wie die Oktobernummer des
Correspondenzblattes des Ges.-Ver. d. d. Gesch.-Ver. meldet, jüngst
einen germanischen Grabhügel in den Sonnenberger Fichten untersucht,
der sich als ehemals von einer Trockenmauer von 1 Meter Stärke
umgeben zeigte und an verschiedenen Stellen Reste von Kohlen, Asche
und zerstreuten Topfscherben enthielt, aus denen hervorgeht, dass zu
verschiedenen Zeiten die verbrannten Ueberreste da und dort innerhalb
der Ringmauer im gemeinsamen Hügel beigesetzt worden waren.
130) Die Wormser Ztg. macht in ihrer Nr. 262 auf Ausgrabungen
aufmerksam, welche mehrere Herren in der Nähe des Weinsheimer
Zollhauses vorgenommen haben und durch welche Spuren römischer
Niederlassungen aufgedeckt wurden. An Fundstücken ergaben sich römische
Münzen, Gefäßscherben, Ziegelstücke, behauene Steine, ein kleiner
Mühlstein u. A. Als das wichtigste bezeichnet die W. Ztg. Reste von
Wandverputz mit Malerei. Weitere Ausgrabungen können erst zuverlässige
Schlüsse auf die Bedeutung der gefundenen Trümmerstätte ermöglichen.
131) Der württembergische Staatsanzeiger berichtet in Nr. 262 über
Ausgrabungen, welche mit Bewilligung des kgl. Kultusministeriums durch
den Landesconservator Prof. Dr. Paulus bei dem Orte Mainhardt gemacht
wurden und die Westseite und Südseite eines römischen Kastelles mit
ihren Thoren und Thüren bloßlegten, das einen Theil der Befestigung des
Limes gebildet hatte und so zu interessanten Ergebnissen führte. Die
eigentlichen Fundstücke waren zwar nicht bedeutend, da man blos an der
Umfassungsmauer grub. Doch verdienen große steinerne Kugeln, die auf
dem Boden des nordwestlichen Thurmes gefunden wurden, volles Interesse.
Wer die Grabungen selbst mitgemacht und die Fundstellen so sah, wie
sie zu Tage gekommen, konnte sich aus den Brandstellen, auf welche man
stieß, und dem Zustand der Baureste leicht in die Zeit der Zerstörung,
in die letzten Tage des Castells am Grenzwalle zurückversetzen.
132) In dem Gemeindewalde Reichhartshausen bei Miltenberg wurde eine
Römerstraße aufgefunden, welche die Richtung über Reichhartsachsen,
Reichhartshausen, Neudorf und Gotthardtsberg bei Amorbach genommen
haben soll. Durch angestellte Nachgrabungen im Reichhartshausener
Gemeindewalde fand man die Grundmauern eines Römergebäudes auf,
welches 7 m. lang und 7 m. breit gewesen sein mochte. Die Mauern
des Fundamentes sind 90 cm. dick und 70 cm. tief. Um die Mauern
des Fundamentes ist fester Lehm eingeschlagen, wodurch sich alle
Römerbauten auszeichnen sollen; wahrscheinlich geschah dieses
Beschlagen mit Lehm deshalb, damit die Feuchtigkeit vom Innern der
Gebäude abgehalten wurde. Beim Bloßlegen der Grundmauern fand man
Eisenfragmente und Nägel, was aber alles so vom Roste zerfressen war,
daß man diese Gegenstände ganz leicht zerbröckeln konnte; ferner wurden
Ziegeln und Kohlen aufgefunden. In der Nähe sollen sich noch mehr und
mitunter noch größere Grundmauern von solchen Römerbauten befinden,
die sämmtlich aufgegraben werden sollen, und man glaubt für die
Wissenschaft interressante Entdeckungen zu machen.
(Nürnb. Presse, Nr. 301.)
133) /Trier/, 24. October. Bei der Erweiterung des
Eisenbahnplanums stieß man heute, laut der „Tr. Ztg.“, oberhalb des
Stadtbaches auf einen Mosaikboden, der ein Teppichmuster bildet, wohl
erhalten ist und jedenfalls wol für das Museum gehoben werden wird.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr 471.)
134) /Gera/, 9. November. Ein /merkwürdiger Fund/ ist beim
Grundgraben zu einem Neubau dicht hinter der Tonhalle, der Jahr’schen
Eisengießerei gegenüber, gemacht worden. Derselbe besteht aus
einem sehr fein gearbeiteten römischen Wehrgehänge aus Bronze. Wie
dasselbe hier ca. 1 m. tief in die Erde gekommen, ist ein Räthsel,
für welches freilich eine sofortige Lösung gefunden wäre, wenn man
Berechtigung hätte zu der Annahme, daß die Römer seiner Zeit -- etwa
unter Germanicus -- bis an die Ufer der weißen Elster vorgedrungen
seien. Zu gleicher Zeit wurde an der genannten Stelle eine sogenannte
Fibula, eine zum Zusammenstecken des römischen Gewandes dienende Nadel,
gefunden.
(Nordd. Allg. Zeit., Nr. 499 nach dem Naumburg. Kreisblatt.)
135) In der „Vegesacker Wochenschr.“ schreibt Herr S. A. Poppe in
Bremen: In der Sitzung des naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen am
3. d. Mts. wurde von Herrn Lehrer F. Borcherding eine Urne vorgezeigt,
die derselbe für die städtische Sammlung in Bremen erworben hatte.
Dieselbe ist ziemlich gut erhalten, aus Thon an schwachem Feuer
gebrannt und, obwohl sie nicht auf der Drehscheibe hergestellt ist,
doch regelmäßig geformt und mit Buckeln und Linienornamenten sehr
geschmackvoll verziert. Neben verbrannten Menschenknochen fanden
sich darin ein aus 2 starken um einander gewundenen Bronzedrähten
hergestellter Armring, ein eisernes Messer von ungewöhnlicher Form
und eine eiserne Nadel. Die Urne stammt von dem bei Gelegenheit
der Sandgewinnung für den Bau der Blumenthaler Kirche auf dem der
Heidmann’schen Sommerwirthschaft zunächst gelegenen Grundstücke des
Herrn Gloistein aufgedeckten Urnenfriedhof. Es war dem Unterzeichneten
leider nicht vergönnt, diesen interessanten Friedhof zu untersuchen,
doch wurden die zuerst gefundenen Urnen von dem Besitzer für die
städtische Sammlung erworben und Herr Heidmann schenkte derselben
eine Urne von dem in seinen Besitz übergegangenen Grundstück. Auf dem
angrenzenden Terrain sind dann verschiedene Urnen beim Bau der Häuser
gefunden worden, von denen die Sammlung einige erworben hat, während
sich andere noch im Privatbesitz befinden sollen. Somit befindet sich
der größte Theil des Fundes in Bremen an einer Stelle, wo er den
Alterthumsforschern und dem sich dafür interessierenden Publikum zu
jeder Zeit zugänglich ist.
In den Urnen des Blumenthaler Friedhofes haben sich mancherlei Beigaben
gefunden, die jedoch durchweg schlecht erhalten sind, weil sie zugleich
mit den Leichen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Neben Messern
und Nägeln aus Eisen und Heften aus Knochen finden sich Spangen,
Pfriemen, Gürtelschnallen und Ringe aus Bronze, Glasperlen, eine Menge
verschmolzenen Glasschmelzes von grüner, rother, gelber und blauer
Farbe, sowie Stücke von Weihrauch. Die meisten Urnen sind geschmackvoll
mit Buckeln und eingedrückten Ornamenten versehen, doch finden sich
auch solche von einfacherer Form. Eine genauere Datierung des Fundes
ist erst nach sorgfältiger Vergleichung der Beigaben mit denen anderer
Urnenfriedhöfe möglich; doch ist schon jetzt mit Bestimmtheit zu sagen,
daß derselbe nicht älter als 1700 Jahre ist.
(Bremer Courier, Nr. 311.)
136) /Hohenhameln/, 28. Juli. Das bei der Windmühle von
Clauen jüngst aufgefundene /Leichenfeld/ ist gestern von dem
Studienrath Müller aus Hannover in Begleitung des Rechnungsraths
Dressel ebendaher und des Dr. med. Köhler von hier einer vorläufigen
Untersuchung unterzogen. Der Friedhof zeigt, wie man dem „Hann. Cour.“
schreibt, Verwandtschaft mit den bei Rosdorf in der Nähe von Göttingen
aufgedeckten Reihengräbern und fällt in das achte Jahrhundert nach
Christus. Bis jetzt sind 15 Skelette bloßgelegt, und zwar auf einem
Raume von circa 22 Fuß Länge und 4 Fuß Breite, so daß also die Lagerung
derselben eine ungemein dichte ist. Die Schädel zeigen den gewöhnlichen
Reihengräbertpyus. Die Todten sind in der Regel von Westen (Kopf) nach
Osten gestreckt, so daß sie mit dem Gesicht nach Osten gerichtet sind.
Doch zeigte sich abweichend auch ein Skelett fast in der Richtung von
Norden nach Süden. Sie lagern auf dem hier sehr mächtigen Kies unter
einer Humusschicht von 1 bis 1-1/2 Fuß und sind, nach dem bisherigen
Befunde, mit nur wenigen Beigaben ausgestattet. Ein Messer und eine
Schnalle von Eisen zeigen Rosdorfer Formen. Außerdem haben sich
Gefäßscherben und calcinierte Knochen gefunden. Die Erhaltung der
Gebeine ist, da der Boden lange die Feuchtigkeit hält, nicht besonders,
indessen hat Studienrath Müller auf Anordnung des Landesdirectoriums
die Vorbereitungen getroffen, das anscheinend früher nicht berührte
Leichenfeld allmählich -- dasselbe ist zur Zeit größtentheils bebaut --
in wissenschaftlicher Weise aufzudecken.
(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Gesch.-u. Alt.-Ver. Nr. 10.)
137) Am 3. October wurde der Reliquienschrein der hh. Ewaldi in St.
Cunibert in Köln feierlich eröffnet. Es fanden sich an Stoffen außer
der Umhüllung der Gebeine ein Stück Goldbrocat und eine Stickerei von
hohem Werthe, welche dem 13. Jahrh. anzugehören scheint. Dieselbe
ist 3,_{11} Meter lang, 0,_{83} Meter breit, aus drei Stücken
zusammengesetzt. Das Mittelstück besteht aus tiefblauem Leinen, die
beiden Seitenstücke, je 0,92 Meter lang, aus seegrünem Seidenstoff;
alle drei sind mit Stickerei von glänzender, mehrfarbiger Seide
in Platt- und Ketten-Stich bedeckt. Das Gewandstück scheint als
Schulter-Velum gedient zu haben und zeigt seinen größten Schmuck an
den beiden Endstücken, die beim Gebrauche vorn herunterhiengen und dem
entsprechend an ihrer untern Kante mit gelbseidenen Fransen besetzt
sind. Bildwerk und Arbeit sind an beiden Theilen von hoher Bedeutung
für die Kunstgeschichte und fordern deshalb eine genauere Beschreibung.
Das reichere Bild zeigt in prächtigem Rahmen die persönliche
Darstellung des Jahres, wie sie nachweislich seit dem 12. Jahrhundert
in der christlichen Kunst vorkommt. Hier haben wir ein Viereck mit
drei eingeschriebenen concentrischen Kreisen. Im innern Kreise sitzt
auf dem Regenbogen eine mit langem Gewande bekleidete Figur mit
gespaltenem Bart und ernstem Angesicht mit der Ueberschrift Annus (das
Jahr). Sie hält in den emporgehobenen Händen zwei weiße Köpfe. Der
Kopf links vom Beschauer trägt einen weißen Strahlenkranz und hat die
Ueberschrift Dies (Tag); der Kopf rechts mit rother Krone ist als Nox
(Nacht) bezeichnet. Der Kreis ist hinter der Figur durch ein gerades
und ein schräges goldenes Kreuz in acht Felder getheilt. Am Querbalken
des geraden Kreuzes stehen zu beiden Seiten je zwei flammende Räder,
entweder Sterne oder Zeichen des flüchtigen Jahres. Im zweiten,
umschriebenen Kreise entsprechen den Enden der Kreuzbalken acht kleine
Kreise mit Brustbildern ohne unterscheidende Symbole. Sie sind durch
Ueberschriften als Elemente und Jahreszeiten bezeichnet. An den Enden
des geraden Kreuzes stehen, von oben nach rechts folgend, Aër (Luft),
Ignis (Feuer), Terra (Erde), Aqua (Wasser). Zwischen Luft und Feuer
folgen in der Richtung nach rechts Autumnus (Herbst), Estas (Sommer),
Ver (Frühling), Hiemps (Winter). In den Zwickeln zwischen den Kreisen
und dem Rahmen sitzt unten links Neptun mit Fisch und Dreizack über
Wellen, und rechts Tellus mit Blumen und Früchten im aufrechtstehenden
Füllhorn auf der kräutersprießenden Erde. In den obern Zwickeln stehen
die mit dem Kreuze gekrönten griechischen Buchstaben Alpha und Omega,
der Anfang und das Ende, ein Sinnbild Christi. Damit ist dem ganzen
Bilde die christliche Deutung gegeben; hier haben wir die Schöpfung
nach Raum und Zeit, von Christus begonnen und vollendet, durch ihn
geschaffen und erlöset. Der eine starke Hand breite Rahmen setzt sich
aus einer Inschrift von großen gothischen Majuskeln zusammen aus
der Zeit vom 12. bis zum 13. Jahrhundert und einem außen und innen
herumlaufenden Rundbogenfriese. Die schönen Majuskeln entsprechen den
reichen Initialen der gleichzeitigen Handschriften. Der Körper der
Buchstaben tritt kräftig hervor und ist mit reichem Rankenwerk, an
einzelnen Stellen mit Thierköpfen belebt. Der Zeichner bewegte sich mit
großer Freiheit, so daß dieselben Buchstaben verschiedene Formen und
Ornamente zeigen. Die Inschrift lautet: POPVLVS Q CONSPICIT OMNIS ART
ELABORATV̅.
Der viereckige Rahmen ist auch hier sehr reich: innen und außen ein
Mäander als Saum, in der Mitte ein fortlaufendes, kreisförmiges
Ornament von der Größe der innern Handfläche. Der Kreis wird von zwei
Schlangen gebildet, welche in die Peripherie des folgenden Kreises
sich einbeißen und so die einzelnen Ornamente mit einander verbinden.
In den Schlangenkreisen stehen zwei Vögel mit herabhängenden Flügeln,
deren Hälse mit abgewendeten Köpfen einander umschlingen. Von Schnabel
und Schwanz gehen blattartige Ornamente aus, welche Kreise und
Zwischenräume mit reichem Rankenwerke beleben.
Das Mittelstück besteht aus tiefblauem Leinen, welches mit
orangefarbiger Seide theils mit Doppelkreuzen, theils mit
gebrochenen Linien in unregelmäßiger Form gestickt ist. Trotz dieser
Unregelmäßigkeit macht die glänzende Zeichnung auf mattem Grunde einen
festlichen Eindruck. Sehr schön und der Technik der Seitenstücke
ebenbürtig ist der Rand des Mittelstückes. Er besteht aus großen
Rosetten, welche aus je vier herzförmigen Bogen um einen Vierpaß
zusammengesetzt sind.
(Köln. Volksztg., Nr. 314.)
138) /München/, 8. November. Das Bayer. Nationalmuseum hat im
Laufe dieser Woche eine zwar etwas seltsame, aber in historischer und
künstlerischer Hinsicht sehr interessante Bereicherung erfahren. Es
sind /12 Zinnsärge aus der Fürstengruft von Lauingen/, welche
Herzog Wolfgang von Pfalz-Neuburg 1565 in der dortigen Pfarrkirche
hatte erbauen und darüber zum Andenken an seine 1563 dahingeschiedene
Mutter Elisabeth ein schönes Mausoleum hatte errichten lassen. Es
blieb dieses fortan die Begräbnißstätte der Pfalz-Neuburger Linie.
Im Jahre 1781 fand auf Befehl des Churfürsten Carl Theodor, da nach
München Anzeige erstattet worden war, daß man einige Särge erbrochen
und der Kleinodien theilweise beraubt gefunden habe, eine Eröffnung
und Untersuchung dieser Gruft durch einen Spezialhofkommissär
und viele zugezogene Zeugen statt, und wurden die an den Leichen
vorgefundenen Pretiosen zu Handen der Hofkommission genommen, nachdem
eine genaue Beschreibung des Befundes der Leichen in den einzelnen
Särgen stattgefunden hatte. Die Pretiosen wurden auf Befehl Carl
Theodor’s der Akademie der Wissenschaften zur Aufbewahrung übergeben,
von wo sie nach Gründung des Bayer. Nationalmuseums durch Baron
von Aretin in diese Sammlung verbracht wurden. Hier befinden sich
dieselben im Saale VI der Renaissanceabtheilung und dienen fortwährend
unseren modernen Goldschmieden als Muster und Vorbilder für ähnliche
Arbeiten. Im Jahre 1846 wurde die Gruft wiederholt eröffnet, da man
Senkungen des Gewölbes der Gruft wahrgenommen hatte, fand aber die
Särge theilweise ganz aufgerissen und in einer Unordnung, als wären
Räuber plündernd eingedrungen und hätten nach vollbrachter Plünderung
den Ort eiligst verlassen. Möglich, daß in den franzöischen Kriegen
eine Soldatenhorde die Gruft erbrochen und noch geraubt hat, was
zu rauben war. Die 1781 durch Einbalsamierung noch mumienartig
erhaltenen Leichen fand man jetzt in Staub und Asche versunken. Im
Jahre 1877 wurde auf höchsten Befehl die Vereinigung sämmtlicher
Gebeine in einen großen Steinsarkophag beschlossen, und der Direktor
des Bayer. Nationalmuseums, v. Hefner-Alteneck, erhielt den Auftrag,
die Särge noch einmal zu untersuchen und die kunstvoll gearbeiteten
für das Bayer. Nationalmuseum zu übernehmen. Bei dieser Gelegenheit
fand derselbe in einzelnen Särgen sowohl für Historienmaler, als für
die Geschichte der Textilindustrie höchst merkwürdige Ueberreste
von Prachtkostümen mit sehr reichen Dessins, die bis jetzt noch dem
Luftzuge ausgesetzt sind, um später neben jenen Kleinodien aufgestellt
zu werden. Die Zinnsärge selbst (es sind 5 große und 7 Kindersärge)
tragen meisterhafte Gravierungen, welche Inschriften, feinstilisierte
Wappen und Christusbilder darstellen. Trefflich sind auch die höchst
charakteristischen Bärenköpfe, welche die Ringe zum Tragen im Rachen
halten.
(Augsb. Postztg., Nr. 265 nach d. A. Abdztg).
139) Aus /Bacharach/, den 22. September, schreibt man der Coblenzer
Zeitung: Beim Reparieren eines Kellers fand ein Bauer hiesiger Gegend
etwa 50 Stück gut erhaltener Goldmünzen, alle in Blei verpackt, aus
den Jahren 1450-1520. Es sind sogenannte Goldgulden und von meist
verschiedener Prägung, darunter: mone. no. aurea stutgardi + ulricus.
dux i. wirtemberg: Stuttgarter Goldmünze vom Herzog Ulrich von
Würtemberg; mone. no. aurea 1508 + jacob. arch. ep. mo.: Goldmünze vom
Erzbischof Jacob von Mainz 1508; mone nova aurea bonne. [Symbol: großes
Pluszeichen] k. mat[457] elct. eccle. colon.: Goldmünze vom Kurfürsten
Karl Mathias von Köln, in Bonn geprägt; monet. nov. francf. 1500 +
maximilianus roma. rex.: Goldmünze von Maximilian, in Frankfurt geprägt
1500; moneta nova aurea comitis tyrol + sigism. archi. dux aust.:
Goldmünze der Grafschaft Tirol vom Erzherzog Sigismund von Oesterreich;
philip. pal. be. elect. impe. 1500 + ave (Maria gratia) eb. plena
dn. tecu.: Goldmünze vom kaiserliche Kurfürst Pfalzgraf Philipp dem
Edelmüthigen mit dem Bildniß der heiligen Maria und der Umschrift: Sei
gegrüßt, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir.
(Numism.-sphrag. Anzeiger., Nr. 10.)
140) Die Schletter’sche Buchhandlung in Breslau gibt bekannt, daß
sie ein Exemplar der ersten sog. September-Ausgabe der Luther’schen
Uebersetzung des Neuen Testamentes vom Jahre 1522 besitzt, in welchem
sich auf der Rückseite von Blatt CVII, auf dem leeren Papier unter
dem Schlusse der Apostelgeschichte, ein handschriftliches, 16zeiliges
Fragment einer nicht wörtlichen Uebersetzung von Matthaeus XXVI, 1
u. ff. in /niedersorbischer/ (/niederlausitzischer/) Sprache
befindet.
Soweit die durch dortige Fachgelehrte angestellten Untersuchungen
ergeben, sei dieses Fragment aus der ersten Hälfte des 16.
Jahrhunderts, mithin älter, als das bekannte Manuscript der königlichen
Bibliothek zu Berlin, die Bibelübersetzung von 1560, die bisher für das
älteste Denkmal dieser Sprache galt.
Das Exemplar selbst ist durchaus vollständig und von den Angaben
Brunets (V, 754) und Eberts (No. 22661) dadurch abweichend, daß es
vor der Offenbarung ein leeres Blatt und in der Offenbarung statt der
erwähnten 20 blattgroßen Holzschnitte nach Lucas Kranach 21 enthält. Es
trägt Spuren des Gebrauches, ist von anderer alter Hand (ebenfalls 16.
Jahrh.) an mehreren Stellen beschrieben, mehrere Blätter ohne Verlust
eingerissen, und nur an einem Blatte fehlt ein kleines Stück des untern
Theiles eines Holzschnittes mit einem größeren des weißen Randes. Am
Schluß ziemlich stark wasserfleckig, am Anfang leicht wurmstichig. Die
Buchhandlung sieht Preisangeboten bis zum 1. December cur. entgegen.
141) Der ausgewählte Kunstnachlaß des als vorzüglicher Kunstkenner und
Sammler bekannten Kunsthändlers Wilhelm Eduard Drugulin in Leipzig, der
im Laufe dieses Jahres verstorben ist, wird durch die Kunsthandlung von
C. G. Börner in Leipzig am Montag, den 1. Decbr., und den folgenden
Tagen öffentlich versteigert. Der in der Officin des Verstorbenen in
bekannter meisterhafter Weise hergestellte Katalog, welcher durch den
Lichtdruck des altflorentinischen Niello: die Krönung und das Leben
der Maria, nach dem einzig bekannten, im Kataloge unter Nr. 1382
aufgeführtem Exemplare, geziert ist, enthält eine große Reihe kostbarer
Seltenheiten, meist von vorzüglicher Erhaltung, aus allen Schulen,
namentlich von alten Meistern; darunter sehr viele Ornamentstiche.
Wir heben aus dem reichen Inhalte besonders hervor die typographische
Ausgabe der Ars moriendi von Nicolaus Götz von Schlettstadt,
Buchdrucker in Cöln (1474-1478), von welcher außer diesem nur noch
2 Exemplare (leider beide im Auslande befindlich) bekannt sind; die
außerordentlich reichhaltige Collection von Stichen des Joh. Jak. de
Boissieu, welche nur ausgewählte, alte und schöne Abdrücke enthält;
die Radierungen von Allart van Everdingen; die seltene italienische
Ausgabe von Holbein’s Todtentanz (Lyon, 1549); das alte Testament mit
den ersten 4 Blättern des Todtentanzes und 90 biblischen Darstellungen
von Holbein (Leiden, 1539); einige vorzügliche Blätter von Israel van
Meckenen (darunter B. 148. 152. 178. 185); 50 Blätter Tarokkarten
von einem altvenetianischen Meister (Pass. V, 119-126); eine Reihe
italienischer Niellen; eine ausgezeichnete Sammlung von Blättern
Adrian von Ostade’s, welche Drugulin mit besonderer Vorliebe sammelte;
das Werk von Gg. Friedr. Schmidt, auf dessen Grundlage Drugulin
die Herausgabe eines beschreibenden Verzeichnisses beabsichtigte;
eine Anzahl schöner und seltener Blätter von Martin Schongauer;
die Radierungen von und nach Dav. Teniers, von welchen Drugulin
gleichfalls ein beschreibendes Verzeichniß herauszugeben beabsichtigte,
u. a. m. An das Verzeichniß der Kupferstiche reiht sich eine Anzahl
interessanter alter und neuer Kupferwerke und Kunstbücher, denen sich
die Handbibliothek des Verstorbenen, welche einen selten vorkommenden
Reichthum von Katalogen aufweist, anschließt. -- Der Kunstnachlaß
Drugulin’s, dessen Kataloge von Porträten und kulturgeschichtlichen
Blättern unentbehrliche Quellen für alle Sammler bilden, wird übrigens
durch diese Auktion nicht erschöpft; verschiedene, zum Theil sehr
umfangreiche Sammlungen: Porträte merkwürdiger, durch Lebensschicksale,
Thaten oder Unthaten berühmter oder berüchtigter Menschen, ferner
Karikaturen, kulturhistorische und fliegende Blätter, alte interessante
Ansichten, dann viele auf Preußen und speziell auf Berlin bezügliche
Darstellungen und endlich eine größere Anzahl alter minderwerthiger,
aber guter Kupferstiche, sowie schöner moderner Radierungen, sollen --
wo möglich, nach der Auktion -- im Ganzen, oder nach Materien getrennt,
aus freier Hand verkauft werden.
142) Der „deutsche Herold“ hat in Berlin eine Ausstellung eröffnet, die
eine Fülle interessanter, meist seltener Alterthümer aus den Gebieten
der Heraldik, Sphragistik und Genealogie umfaßt und auf’s neue auch
dem dortigen Publikum zeigt, auf welcher Höhe der Kunst ehemals die
heraldische Zeichnung wie Plastik standen, und daß Meister wie Dürer,
Holbein, die Beham u. A. kostbare heraldische Werke schufen, daß die
ersten Künstler ihrer Zeit im Mittelalter jene Siegel stachen, die uns
die wichtigsten Quellen für das Studium der Plastik jener Zeit, wie für
die Waffen- und Kostümgeschichte sind, wie kunstvoll die Ausstattung
der Stammbäume, der Stammbücher des 16.-18. Jahrh. erfolgte, und wie
der Schmuck der Gebrauchs- und Luxusgegenstände mit heraldischen
Darstellungen zu sinniger Verzierung führte.