III. Für das Archiv.

(Nr. 4595-4603.)

=Hamburg.= /Kunze/, Oberpostamtssekretär: Verschreibung des

Pfarrherrn, Bürgermeisters und Kastenmeisters zu Biedenkopf an die

geistlichen Lehen oder Stipendien für Beflissene aus allen Fakultäten,

besonders der Theologie, über einen jährlichen Beitrag von zwanzig

Gulden, an die Einwohner zu Marburg zu entrichten. 1559. Perg. --

Verschreibung des Pfarrherrn, Bürgermeisters und Kastenmeisters zu

Großenlinden an die geistlichen Lehen oder Stipendien u. s. w. über

einen jährlichen Beitrag von fünfundzwanzig Gulden, an die Einwohner

zu Marburg zu entrichten. 1559. Perg. -- Versicherung des Pfarrers,

Bürgermeisters und Rathes sammt den Schulvorstehern der Stadt Grünberg,

auf Begehren des Landgrafen Georg von Hessen, über zehn Gulden

jährlichen Zuschuß zu den schon bewilligten vierzig Gulden für die

Studierenden auf der hohen Schule zu Gießen. 1629. Perg. -- Lehenbrief

Burchards von Bordtfeld, stiftshildesheimischen Schatzrathes, an Jürgen

Oberch, über einen halben Hof zu Sorringsen im Gerichte Burchtorfe und

den Großhof hinter Danhorst. 1656. Perg. -- Lehenbrief der Vormünder

Curts von Bordtfeld für Jürgen Schlüter, sonsten Meier genannt, über

einen Hof zu Garkessen, eine Wiese bei dem Alsen-Stege im Gerichte

Burchtorfe und etliche Güter zu Hülptingsen. 1666. Perg. -- Lehenbrief

Franzens, Freiherrn zu Frentz u. Kendenich, Herrn zu Hemmerich u. s. w.

an Heinrich Johann von Sohde und dessen Anverwandte, über zwei Hufen

Landes, fünf Kothöfe und die Söldenwiese bei Gleidingen. 1709. Perg.

-- Lehenbrief Jobst Edmund Marias Freiherrn von Brabeck an Hans Oberg

aus Burgtorf über einen halben Hof zu „Sorgensen und einen Großhof

hinter der Damhorst im Gerichte Burgtorf.“ 1768. Perg. -- Lehenbrief

Johann Burchards von Ilten für den Leutnant Moriz von Sohden und

seine Anverwandten über den halben Zehenten zu Ilten, dritthalb Hufen

Landes und einem Meierhof sammt der Kotstätte zum Ronnenberg und noch

andere Güter daselbst. 1723. Perg. -- Lehenbrief Ferdinands, Bischofs

zu Korvey, für Vehr Rolf und Johann Rüsch jun. im Kirchspiele Wesewe

über anderthalb vierten Theiles Erbe Fölsing und Dircken, in demselben

Kirchspiele gelegen, sammt dem sogenannten Hundewinkel. 1796. Perg.

Schriften der Akademieen, Museen und historischen Vereine.

/Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in

Böhmen./ XVII. Jahrg. Nr. II. Redigirt von Dr. Schlesinger. Prag.

1878. 8.

Wallenstein und Arnim im Frühjahre 1632. Von Dr. Hallwich. -- Herzogs

Rudolf III. von Oesterreich Einsetzung zum Könige von Böhmen im

Jahre 1306. Von Adalb. Horcička. -- Beiträge zur Geschichte der

hussitischen Bewegung. Nachträgliche Bemerkungen zu dem Magister

Adalbertus Ranconis de Ericinio. Von Dr. J. Loserth. -- Franz Alexander

Heber. Von Fr. Bernau. -- Miscellen. -- Vereinsangelegenheiten.

/Die graphischen Künste./ Redigirt von Dr. Oscar Berggruen.

Herausgeg. von der /Gesellschaft für vervielfältigende Kunst/.

Jahrgang I. Heft I. Wien. 1879. Fol. 36 u. 20 Spalten. Moriz von

Schwind. -- Literatur.

/Der Kirchenschmuck. Blätter des christl. Kunstvereines der Diöcese

Seckau./ 1878. IX. Jahrg. Nr. 12. Graz. 8.

Die Pfarrkirche St. Maria zu Hirschegg. (Schluß.) -- Der König der

Instrumente. (Forts.) -- Der Löwe als Symbol in der Kunst. (Schluß.) --

Ueber Ausstattung und Ausschmückung christlicher Kunst. Das Votivbild

der Eggenberger am Dome zu Graz. (Mit Abbild.) -- Reisenotizen.

(Schluß.) -- Notizen etc.

/Die Wartburg./ Organ des /Münchener Alterthumsvereins/. V.

Jahrg. Zeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe mit Berücksichtigung der

Neuzeit. Redacteur: Carl Förster. Nr. 10-12. 1877/78. München. 1878. 8.

Aecht oder gefälscht? Von Carl Friedrich. -- Die Kunstschätze im kgl.

Maximilianeum in München. Von Rs. -- Das Kunstgewerbe in Deutschland

noch einmal. -- Vereinsangelegenheiten. -- Kleine Mittheilungen. --

Literatur etc.

/Kunst und Gewerbe. Wochenschrift zur Förderung deutscher

Kunst-Industrie./ Herausgeg. vom /Bayrischen Gewerbemuseum/

zu Nürnberg. 12. Jahrg. 1878, Nr. 48, u. 13. Jahrg., 1879, Nr. 1-4.

Nürnberg. 1878 u. 79. 8.

Aus dem Nürnberger Gewerbe-Leben des 16. Jahrh. Meister und Gesellen.

(Schluß.) -- Augustin Hirschvogel. Von O. v. Schorn. -- Die alten

kunstgewerblichen Arbeiten in der Gewerbe-Ausstellung zu Hannover.

Von Dr. Richard Steche. -- Kleine Nachrichten. -- Literatur etc.

Abbildungen: Hostien-Schachtel. (17. Jahrh.) -- Glasgemälde. (Anf. d.

16. Jahrh.) -- Hausthüre. (17. Jahrh.) -- Entwurf eines Schmuckes.

Orginalzeichnung von D. Raschka, Goldarbeiter in Nürnberg (1770.) --

Buchdeckel (16. Jhdt.) -- Standuhr. Deutsche Arbeit aus dem 16. Jhdt.

/Mittheilungen des Bayrischen Gewerbemuseums zu Nürnberg./

Beiblatt zur Wochenschrift: /Kunst und Gewerbe/. Redig. von Dr.

Otto von Schorn. Sechster Jahrgang, Nr. 1 u. 2.

Bekanntmachungen. -- Feuilleton. -- Notizen. etc.

/Freiburger Diöcesan-Archiv./ Organ des /kirchlich-historischen

Vereins für Geschichte, Alterthumskunde und christliche Kunst der

Erzdiöcese Freiburg/ mit Berücksichtigung der angrenzenden Diöcesen.

Zwölfter Band. Freiburg, Herder. 1878. 8.

Beiträge zur Geschichte des Landcapitels Rottweil. Von Dr. Glatz.

Beiträge zur Geschichte der Pfarreien in den Landcapiteln Gernsbach und

Ettlingen: Niederbühl etc, etc. Von Trenkle. -- Urkunden des Klosters

Beuron. Mitgetheilt von Lichtschlag. -- Beiträge zur Pfarrgeschichte v.

Ravensburg. Von Dr. Knöpfler. -- Beiträge zur Geschichte des ehemaligen

Klosters und Oberamtes Wald. Von Dr. Hafner. -- Bestätigungsbrief des

Klosters Wald. Mitgetheilt von Zell. -- Nachtrag zum Leben des Paters

van der Meer. Von Dr. Bader. -- Heinrich Bullinger’s Alemannische

Gedichte. Nach der Handschr. des Verfassers hrsgeg. von Dr. König.

-- Klosternekrologien. Gesammelt von Dr. P. Gams, mit Ergänzungen

von Zell. -- Catalogus religiosorum monasterii Rhenaugiensis. Von F.

Waltenspül u. A. Lindner. -- Kleinere Mittheilungen.

/Mittheilungen des Geschichts- und Alterthums-Vereins zu Leisnig im

Königreiche Sachsen./ V. Heft. Zusammengestellt und im Auftrage des

Vereins herausgeg. von Dr. med. C. M. Müller. Leisnig. 1876. 8.

Der Leinewebermeister Joh. Kamprad, Verfasser der zweiten

gedruckten Chronik von Leisnig. Von C. W. Hingst. -- Das ehemalige

Cistercienser-Kloster Buch oder Ilgenthal bei Leisnig. Von H.

Altendorff. -- Die Verheerungen der Pest in und um Leisnig vom 15. bis

17. Jahrhundert. Von C. W. Hingst. -- Nachrichten aus dem Knopfe des

kleinen Thurmes der Stadtkirche St. Matthaei zu Leisnig. Von Hofmann.

-- Vereinsangelegenheiten.

/Philologische und historische Abhandlungen der k. Akademie der

Wissenschaften zu Berlin/. Aus dem Jahre 1877. Berlin, 1878. 4. 195

Stn. Mit 1 Tafel.

/Monatshefte für Musikgeschichte/, herausg. v. d. Gesellschaft für

Musikforschung. X. Jahrg., 1878. Nr. 11-12. Berlin. 1878. 8.

Samuel Scheidt und dessen Dedicationsschrift bei Ueberreichung seines

Orgeltabulaturwerkes an den Kurfürsten von Sachsen Johann Georg I. im

Jahre 1624. Von Otto Kade. -- Leonhard Lechner. (Forts. u. Schluß.)

Von Robert Eitner. -- Aus meiner Bibliothek. IV. Von Georg Becker.

Verzeichniß der Bücher, Musikalien und Bildnisse im Besitze der

Gesellschaft für Musikforschung. -- Literatur. -- Mittheilungen. --

Anzeigen etc.

/Zeitschrift für Ethnologie./ Organ der Berliner /Gesellschaft

für Anthropologie/, /Ethnologie/ und /Urgeschichte/. Unter

Mitwirkung des zeitigen Vorsitzenden derselben, R. Virchow, herausg.

von A. Bastian u. R. Hartmann. Zehnter Jahrgang, 1878. Heft IV. Mit

Taf. XII u. XIII. Berlin. 1878. 8.

Die prähistorischen Bildschnitzereien mit besonderer Rücksicht auf das

benutzte Rohmaterial im Keßlerloch bei Thayngen. Von Dr. O. Fraas.

-- Vorhistorische Gräber bei Čzekanow und Niewiadoma in Polen.

Mitgeth. von Albin Kohn. -- Miscellen. -- Literatur.

/Schriften des naturwissenschaftlichen Vereins für

Schleswig-Holstein./ Band III. 1. Heft. Kiel. 1878. 8. Mit 2

lithogr. Tafeln.

Ueber Volks- und Geheimmittel. Von Dr. A. Heller.

/Blätter für Münzfreunde./ Numismatische Zeitung. /Organ

des Münzforscher-Vereins./ Herausg. von H. Grote. Vierzehnter

Jahrgang. Nr. 66-72, vom 15. Febr. bis 15. Novbr. 1878. 1878. 4. Mit 4

lithograph. Tafeln.

Bronze-Medaille auf Alfonso de Valdes 1531. Von Th. St. -- Münzfunde

auf dem Welfsholze. Von dems. -- Marken und Zeichen der Stadt Leipzig.

(Forts.) -- Bracteatenfund bei Altenburg a. d. S. Von Köhler. -- Der

Münzfund in Beyersdorf. Von Ad. Glatz. -- Münzfunde in Baiern. Von C.

F. Gebert. -- Die Münzen der Herren von Rappoltstein. Von H. G. --

Erzbischöflich Bremischer Halb-Ort. -- Nachgeahmter Denar des Augustus.

Von Ad. Schultz. -- Gräflich Schwarzburgischer Kippergroschen. --

Münzmeister Hans Apfelfelder. Von C. F. Gebert. -- Der Mescheriner

Thalerfund. Von Stenzel. -- Die Braunschweig-Lüneburgischen

Gutegroschen. Von Wolff. -- Dornburg Münzstätte zur Kipperzeit. --

Camin oder Sachsen? Von M. Schmidt. -- Literatur. -- Anfragen. --

Berichtigung etc. etc.

/Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande./

Heft LXIV. Bonn. 1877 u. 1878. 8.

Der Rhein im Alterthum. Von L. Urlichs. -- Römische Heerstrassen

zwischen Maas und Rhein. Von J. Schneider. (Mit Abbild.) -- Ein neues

römisches Castell in Britannien. Von E. Hübner. (Mit Abbild.) --

Beiträge zu den römischen Alterthümern der Rheinlande. Von dems. (Mit

Abbild.) -- Der keltische Gott Merdos und der arische Mithros. Von

Karl Christ. -- Datirbare Inschriften aus dem Odenwalde und Mainthal.

Von dems. -- Die antiken Denkmäler der Kölner Privatsammlungen. Von H.

Dütschke. (Mit Abbild.) -- Ueber eine goldene Fibula aus Etrurien. Von

dems. (Mit Abbild.) -- Römisches Denkmal in Merten. Von F. X. Kraus.

(Mit Abbild.) -- Ausgrabungen römischer Alterthümer im Regierungsbezirk

Trier im Jahre 1878. Von F. Hettner. --

Datirte Grabmäler des Mittelalters in den Rheinlanden. Von E. aus’m

Weerth. (Mit Abbild.) -- Römische Gläser. b) Heidnische und christliche

Glaskelche und Patenen. Von dems. (Mit Abbild.) -- Das Haus des Herzogs

von Brabant zu Köln. (Fortsetzung von Heft LXIII, S. 141.) Von J. J.

Merlo. -- Literatur. -- Miscellen.

Literatur.

_Neu erschienene Werke._

1) /Die graphischen Künste./ Redigirt von /Dr. Oskar

Berggruen/. Jahrg. I. Hft. I. II. Gesellschaft für

vervielfältigende Kunst. Wien, 1879. 2.

2) /Oesterreichische Kunst-Chronik./ Herausgeber und Redacteur:

Dr. /Heinrich Kábdebo/. I. Jahrgang. Wien, 1878/79. 4.

Der Schluß des Jahres brachte als Resultat der eifrigen Kunstbewegung

in Wien zwei Zeitschriften, welche neben der Beschäftigung mit der

lebenden Kunst auch der Forschung auf dem Gebiete der Kunstgeschichte

gewidmet sind. Die erstgenannte, von welcher zwei glänzend

ausgestattete Hefte vorliegen, das Organ der so anregend wirkenden

und thätigen Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, in zwei

Ausgaben erscheinend, zeigt sich schon äußerlich als eine überaus

vornehme Erscheinung, wie wir sie bei deutschen Zeitschriften bis

jetzt nicht gewohnt sind; hat ja doch die Gesellschaft vor Allem

die Absicht, die vervielfältigenden Künste unserer Zeit zu fördern!

Ihr Inhalt von Stichen und Radierungen darf deshalb auch nicht blos

als Ausstattungsapparat betrachtet werden. Es sind selbständige

Kunstwerke, die die Gesellschaft auf diese Weise zu Tage fördert.

So sehr die Gediegenheit dazu reizen würde, auf dieselben auch hier

näher einzugehen, müssen wir doch, wenn auch mit Bedauern, hier

davon absehen, weil diese Betrachtung uns aus dem Rahmen der Aufgabe

unseres nicht den Leistungen der Gegenwart, sondern dem Studium

der Vergangenheit gewidmeten Blattes herausführen würde. Auch der

literarische Theil, soweit er der Würdigung der heutigen Kunst dient,

liegt außerhalb des Kreises dieses Blattes, um so näher aber der

kunsthistorische, der sich durch Gediegenheit der Arbeit auszeichnet,

so daß wir das Blatt in Bezug auf Form, wie auf Inhalt freudig

begrüßen. Die vorliegenden Hefte bringen an selbständigen Aufsätzen

eine Arbeit von O. Berggruen über M. v. Schwindt und von W. Bode über

Adriaan van Ostade als Zeichner und Maler. Vierteljährlich soll eine

Nummer der Zeitschrift ausgegeben werden.

Die zweite genannte Zeitschrift wird dagegen monatlich zweimal

erscheinen. Die drei uns jetzt vorliegenden Nummern bieten auf je 16

Seiten in Quart bei gedrängtem Satze eine große Fülle von Material

in einfacher, aber doch würdiger Ausstattung. Die Illustration

tritt zurück; dagegen bringt jede Nummer neben der sehr ausführlich

behandelten Chronik der modernen Kunst, neben Besprechung von neuen

Erscheinungen der kunst- und kulturgeschichtlichen Literatur gediegene

Aufsätze aus dem Gebiete der österreichischen Kunstgeschichte, von

denen uns besonders der Eröffnungsaufsatz der Zeitschrift: „das

älteste Wiener Kunstblatt vom Jahre 1727“ interessierte, welchem sich

ein solcher über den Maler Franz Christoph Jannek, einen seiner Zeit

berühmten Künstler, der 1703 in Graz geboren war, anschließt. Wir

können neben diesen gediegenen Aufsätzen an dem neuen Blatte noch

besonders die praktische Einrichtung der Anordnung in den kleinen

chronikalischen Notizen rühmen.

3) /Kunstschmiedearbeiten./ Aufnahmen aus verschiedenen

Stylepochen, mit besonderer Berücksichtigung der Zeit deutscher

Renaissance, und eigene Entwürfe von /Fr. Otto Schulze/,

Architect in München. Leipzig, Carl Scholtze. 1877 u. 1878. 4. 8

Stn., 40 Tafeln u. 4 Beilagebogen.

Die Kunst des Eisenschmiedens stand schon an der Wiege der deutschen

Kultur, und jene herrlichen, mit Gold und Silber eingelegten Arbeiten

aus Eisen, welche heutzutage, aus den germanischen Gräbern gefördert,

ihre Auferstehung feiern, zeigen, daß die Meister der Vorzeit mit

Material und Technik vertraut waren und zur Entfaltung künstlerischer

Formen durch dieselben geradezu gereizt wurden. Die mittelalterliche

Kunst hat in anderer Weise das Eisen zu kunstvollen Schmiedearbeiten

verwendet, und die ihm folgende Periode bis zum Schlusse des 18.

Jahrh. war, unter Wechsel des Formenkreises, aber unter Festhaltung

der soliden Technik, der vorhergehenden Zeitperiode treu geblieben.

Erst mit dem Schlusse des 18. Jhdts. verdrängte das Gußeisen die

Schmiedekunst. Der eigenthümliche Zauber jedoch des geschmiedeten

Eisens war es, der beim Wiederaufblühen des Kunsthandwerkes in

unserer Zeit auch für die Schmiedekunst eine Zeit der Auferstehung

mit sich brachte. In der Literatur spiegelte sich das Verhältniß, und

glänzende Prachtwerke von Hefner-Alteneck und von Raschdorf führten die

Schönheiten der Werke unserer Väter auf dem Gebiete der Schmiedekunst

sowohl den Kunstfreunden, als unsern Gewerbsmeistern vor, und die

Fachzeitschriften füllten sich mit Aufnahmen alter Schmiedewerke. Eine

Kunst jedoch, die so tief im Wesen des Volkes wurzelte, hat kleine und

große Denkmäler in ungezählter Menge hinterlassen und noch steht eine

große Zahl derselben theils ungekannt in verborgenen Winkeln, theils

bekannt, aber unveröffentlicht auf den Straßen unserer Städte und in

den Kirchen, jenen Schatzkammern und unerschöpflichen Fundgruben für

das Studium der Vorzeit. Aus diesen reichen Quellen hat der Verfasser

geschöpft und vorzugsweise Werke des 17. Jahrh. in seine Sammlung

aufgenommen, da nicht blos jene Periode seither weniger beachtet

war, sondern auch gerade bei der heute fast ausschließlich in den

Neuschöpfungen unserer Zeit herrschenden Hinneigung zu den Formen

des deutschen Barockstiles den Künstlern und Handwerkern Vorbilder

willkommen sein mußten. Neben wenigen eignen Entwürfen ist eine große

Reihe alter Schlüsselbleche, Thürgriffe und Bänder und vor allem von

solch reichen Oberlichtfüllungen und Gittern wiedergegeben, unter den

letzten besonders jene, welche Zierden der Kirchen von Augsburg und des

Münsters zu Konstanz sind, so daß das Buch eine Fundgrube nicht blos

für den Künstler, sondern vorzugsweise auch für den Kunsthistoriker

bietet. A. E.

Vermischte Nachrichten.

1) Das jüngste Heft der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K.- u.

hist. Denkm. berichtet von einer Anzahl neuer Fundstellen prähistor.

Alterthümer in Böhmen und den dort gemachten Funden. Es werden

genannt das Dorf Jesenic (zwischen Neustadt a. d. Mettau und Böhm.

Skalic), Nahořan (westlich von Neustadt a. d. M.), der Wenzelsberg,

Trautenau, Hoch Oujezd (bei Hohenbruck), Bolehošts (bei Opořno)

und Křivic.

2) Beim Ausschachten eines einige hundert Meter nördlich von Leimbach

gelegenen Kieshügels fand man, wie das Salzunger Tageblatt mittheilt,

ungefähr 0,5 m. unter der Oberfläche eine 10-15 m. lange, 0,5-0,6

m. breite und eben so tiefe Ader aus Asche, welche in mehrere Aeste

sich verzweigte. In derselben standen Urnen, mit Asche und Knochen

gefüllt, in einer Linie, 1,8-2 m. von einander entfernt. Sie haben

am Boden einen Durchmesser von 12-16 cm., ihre Höhe betrug 25-30 cm.

Dieselben sind von schwarzgrauem Thone und 0,5-1,5 cm. stark. In jeder

Urne fanden sich einige, von Rost sehr angegriffene Eisenstückchen.

Das größte ist 1 dcm. lang, gabelförmig und hat das Aussehen einer

kleinen Zange. Ferner sind 3 eiserne Ringe, jeder etwas größer als

ein Fingerring, gefunden worden. Auch ein hohles, 4 cm. langes,

kegelförmiges Eisen, sowie einige kleinere Eisenstückchen fanden sich

vor. Nach dem Urtheile sachverständiger Personen sind es Fibulae. Sie

sehen in der That unseren jetzigen Versicherungsnadeln sehr ähnlich.

Unter den Eisenstückchen ist besonders eines von großem Interesse. Am

Ende eines 36 cm. langen, 5-12 cm. dicken, bogenförmigen Eisens sitzt

ein aus Bronze gebildeter Vogel, eine schwimmende Ente darstellend.

Vielleicht ist dieses Eisen ein Bruchtheil eines Helmes. Da die Funde

der Eisenperiode angehören, so stammen sie wahrscheinlich aus den

ersten Jahrhunderten nach Chr. Geb. Die aufgefundenen Sachen sind

bereits dem alterthumsforschenden Vereine zu Meiningen, der hoffentlich

weitere Nachforschungen anstellt, eingeliefert.

3) Auch in dem Jahre 1878 wurden die Ausgrabungen auf dem Burgfelde

bei Deutsch-Altenburg unter Leitung des Prof. A. Hanser fortgesetzt,

wozu nach einer Angabe der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K.-

u. hist. Denkm. der Unterrichtsminister 3000 fl. für das genannte Jahr

bewilligt hatte.

4) Im Anschlusse an die kurze Nachricht Nr. 146 in Nr. 12 d. v. Jahrg.

d. Bl. wird hier die Mittheilung von Interesse sein, daß in den letzten

Tagen des November 1878 in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Gersheim,

auf einem Berghügel Ausgrabungen eines Reihengräberfeldes vorgenommen

wurden, welche zur rheinischen Archäologie manches Bemerkenswerthe

beitragen dürften. Schon vor einigen Jahren wurden beim Bau der Strasse

nach Walsheim an derselben Stelle einige Reihengräber aufgeschlossen,

welche verschiedene Waffen, Münzen, Gefäße etc. enthielten, die im

historischen Museum in Speyer ihren Platz gefunden haben. Im Laufe des

heurigen Sommers nun wurden durch die beim Bahnbau hier beschäftigten

Ingenieure weitere Nachgrabungen vorgenommen, welche in der südlichen

Fortsetzung obiger Fundorte drei weitere, anscheinend weibliche

Skelette zu Tage brachten, bei denen sich Glas- und Thonperlen der

verschiedensten Farben, sowie einige Münzen und Schmuckgegenstände

vorfanden. Zur Zeit werden die Ausgrabungen in der nördlichen

Fortsetzung der Gräberreihe bethätigt, wobei bis jetzt vier männliche

und ein weibliches Skelett, sowie ein weiteres Menschengerippe zu Tage

gefördert wurden, welch letzteres mit auf dem Rücken zusammengelegten

Armen und gekreuzten Füßen, mit dem Rücken nach oben, im Grabe lag,

so daß hier offenbar angenommen werden kann, daß dasselbe in derart

gebundenem Zustande beerdigt wurde. Während bei den ersteren Gerippen

Waffen der verschiedensten Art, Pfeil- und Lanzenspitzen, Reste von

Thongefäßen und eines Harnisches, Kämme, Gürtelbeschläge, Perlen,

Wildschweinhauer etc. vorgefunden wurden, war bei letzterem gar nichts

zu finden. Auch lagen erstere und ebenso die früher vorgefundenen

Skelette derart im Grabe, daß dieselben genau nach Osten schauten,

während letzteres ausnahmsweise mit dem Gesicht nach Westen, also

in verkehrter Richtung lag. Diese Umstände lassen vermuthen, daß es

ein Verbrecher war, der -- wie schon oben angedeutet -- von seinen

Zeitgenossen gebunden, ohne Waffen und Schmuck hier beerdigt und nicht

würdig erachtet wurde, selbst im Grabe der aufgehenden Sonne sein

Antlitz zuzukehren[56]. Die vorgefundenen Gerippe waren zum Theile noch

sehr gut erhalten, manche Schädel konnten noch ganz herausgenommen

werden, und hauptsächlich sind die Zähne noch in bestem Zustande. C. M.

5) Bei den im vergangenen Jahre vorgenommenen Restaurationsarbeiten am

Portale der Kirche zu Millstadt (Kärnten) fand sich im Tympanon unter

der zopfigen Stuckarbeit des Monogramms Christi ein altes Relief,

Christus mit offenem Buche, zur Seite Sonne und Mond, vor ihm ein

Mönch knieend mit dem Modell der Kirche und Bruchstücken der Umschrift

Heinricus Abbas. Rudger me fecit.

6) Die seit einigen Jahren zu Tage getretenen Schäden und Gebrechen an

der Kaiserburg zu Eger, insbesondere der Einsturz eines Gewölbebogens

und zweier Fenstersäulchen des Palas, machten eine Restaurierung

nöthig, welche nach den Mittheil. der k. k. Centr.-Comm. f. K.- u.

hist. Denkm. im abgelaufenen Jahre auf Staatskosten in vollkommen

befriedigender Weise durchgeführt wurde.

7) Die im Jahre 1870 begonnene Restauration der gothischen Pfarrkirche

zu St. Valentin in Niederösterreich, welche unter Leitung des Linzer

Dombaumeisters Schirmer erfolgte, ist nunmehr beendet.

(Nach d. Mittheil. d. k. k. Centr.-Comm. f. K.- u. hist. Denkm.)

8) Ueber den Fortgang der Restaurierungsarbeiten am St. Stephansdome zu

Wien enthält das neueste Heft der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm.

f. K.- u. hist. Denkm. einen Bericht, welchem wir die Nachricht

entnehmen, daß nunmehr der stumpfe, unausgebaute Thurm von Gerüsten

befreit wird, daß die Arbeit an den beiden sog. Heidenthürmen der

Westseite im Gange ist, sowie daß auch die kostbare Steinkanzel im

Innern der Kirche in die Restauration einbezogen werden mußte.

9) Es wird manchem Kenner und Freunde der alten deutschen Malerei nicht

ohne Werth sein, zu erfahren, daß wieder ein /Altarbild von Lukas

Kranach/ dem Jüngern, dem Bürgermeister von Wittenberg, aus dem

Jahre 1584 aufgefunden wurde, und daß es gelungen ist, _seine Echtheit

zweifellos durch Urkunden zu erweisen_. Die K. Landesversorganstalt zu

Colditz bewahrte in einem ihrer Expeditionsräume seit vielen Jahren

dieses unscheinbar gewordene Bild auf, das zuvor mehrere Jahrhunderte

lang den Altar der Schloßkapelle geziert hatte.

Derselbe alterthümliche Rahmen umschließt es noch jetzt, der ihm bei

seinem Ausgange in die Zeit mitgegeben wurde: dunkelbraun, vielfach

gekehlt und von herzförmiger Gestalt, 1 m. 10 cm. hoch und 1 m. breit.

Das Altarbild stellt „die heilige Dreieinigkeit“ dar; von diesem

Gegenstande erhielt die evangelische Schloßkapelle, die bis dahin den

Namen omnium sanctorum geführt hatte, 1584 die neue Benennung sanctae

trinitatis.

Der Leichnam Jesu ist vom Kreuze abgenommen worden und ruht in Schooß

und Armen des Vaters, zu dessen Rechten der Geist schwebt in Gestalt

der Taube. Engelsgestalten, darunter sehr liebliche, füllen die Rundung

des Bogens und tragen die Marterwerkzeuge, jeder Engel ein anderes: das

Kreuz, die Nägel, die Zange, die Dornenkrone, die Geisel, den Speer,

den Stab mit dem Schwamme.

Die Darstellung des Leichnams Jesu dürfte bei vieler Naturtreue der

Auffassung und bei allen den Vorzügen, die sonst die sächsische

Malerschule auszeichnen, dennoch unseren jetzigen Augen wenig behagen.

Als bester Theil des Bildes erscheint uns das majestätische, liebend

ernst blickende Greisengesicht des Vaters mit langem, weißem Barte. Auf

dem Haupte strahlt die Krone der drei Reiche, die hohe Gestalt wird von

einem wallenden Purpurmantel in Goldstickerei, mit Edelsteinen besetzt,

umflossen.

Das Bild ist auf Holz gemalt, welches an zwei Stellen gesprungen ist;

die Farben sind dick aufgetragen und werden bei der Reinigung wieder

frisch und schön; das Malerzeichen konnte bis jetzt nicht aufgefunden

werden.

Dennoch kann nach den urkundlichen Mittheilungen aus dem k.

Hauptstaatsarchive zu Dresden, welche wir der Güte des Herrn Archivars,

Dr. Distel verdanken, an der Echtheit dieses Altarbildes nicht mehr

gezweifelt werden.

(Wissenschaftl. Beil. d. Lpzgr. Ztg., Nr. 101.)

10) Wie man dem „Tiroler Boten“ mittheilt, wurden in jüngster Zeit

hochwichtige literarische Funde gemacht, auf welche Tirol das beste

Anrecht besitzt. In Berlin kam ein Fragment einer Nibelungenhandschrift

zum Vorschein; dasselbe stammt aus dem Vintschgau, und es ist sicher

interessant, festgestellt zu sehen, daß dies schon die zweite im

Vintschgau aufgefundene Nibelungenhandschrift ist. Ebenfalls im

Vintschgau wurde ferner ein Fragment von Williram’s Psalmenübersetzung

und in Proveis eine Predigt aus dem 12. Jahrhundert aufgefunden.

(Korresp. v. u. f. Deutschld., Nr. 12.)

11) Der „Tiroler Bote“ berichtet, daß sich im Vintschgau Fragmente aus

dem Heldenbuche (von „Dietrichs Flucht“), die einer Handschrift vom

13. oder 14. Jahrhundert entstammen, gefunden haben. Schon an sich

werthvoll, da die Handschriften von diesem Gedicht nicht zahlreich

sind, verdienen sie noch dadurch besondere Beachtung, daß sie mit der

sogenannten Ambraser Handschrift des Heldenbuches, welche bekanntlich

Kaiser Maximilian von Hanns Ried, Zolner am Eisack, in Bozen anfertigen

ließ (1502-1515), übereinstimmen, das heißt in engem Zusammenhange mit

Hanns Ried’s ganz verschollener Vorlage stehen.

(Beil. z. Augsb. Postztg. 1879, Nr. 3.)

12) Die Blätter für Münzfreunde bringen in Nr. 73 folgende

Mittheilungen über Münzfunde:

Im Sommer 1878 wurde bei Mittel-Steinach in Oberfranken ein Münzfund

gemacht, den das Königliche Münzcabinet in München erworben hat. Er

enthielt 260 Stück Denare -- meist /Würzburger/ von Otto I.

(1207-1223) und Hermann I. (1225-1254) sowie 117 Stück unbestimmbare:

Cappe, Kaisermünzen I, S. 139, Nr. 633; Taf. XVI, Fig. 258. Letztere

gehören zu der zahlreichen Familie des „Offenhäuser“ Fundes, von

der man bis jetzt nur weiß, daß sie dem östlichen Franken angehört,

in welcher man aber einen sehr interessanten Zweig der Münzen des

13. Jahrhunderts erkennen wird, wenn demnächst Fikentscher’s in

Augsburg Monographie über dieselben, welche er gegenwärtig bearbeitet,

erschienen sein wird.

In Nürnberg wurden jüngst beim Weitergraben eines Kellers 130 Stück

Heller gefunden. Es waren etwa 50 Amberger, 14 Langenzenner mit Z zu

erkennen; die anderen Exemplare waren durch Grünspan verdorben.

Ostheim, 6. December. Dieser Tage ist hier beim Aufgraben des

Brandschuttes, wie der „Eis. Ztg.“ geschrieben wird, an dem p.

Zehner’schen Wohnhaus ein Topf gefunden worden, welcher 355 alte

Silbermünzen enthielt. Dieselben stammen aus dem 16. und 17.

Jahrhundert. Das neueste Geldstück trägt die Jahreszahl 1675. Die

Münzen befinden sich in Verwahrung des Gemeindevorstandes. Der Fundort

soll früher dem Herrn von Schnepf gehörig gewesenes Areal sein.

(Fürstl. Reuß-Geraer Ztg. v. 13.|12. 78.)

Auf dem Dominium Rathstube, unweit Dirschau, wurden beim Pflügen außer

einer Goldspange einige zwanzig sehr schön erhaltene byzantinische

Goldmünzen des 4. und 5. Jahrh. gefunden. „Die Regierung von Danzig ist

vom Funde in Kenntniß gesetzt; momentan werden sie von einem Danziger

Gelehrten genau bestimmt und soll dann die Liste veröffentlicht werden.“

(Berl. Tageblatt vom 12. December 1878.)

13) Bisher hatten die Bücherliebhaber vor andern Sammlern wenigstens

das voraus, daß die Seltenheiten, welche sie an sich brachten, mochte

deren Werth auch gering sein, doch echt waren. Mochten sie auch

im Preise überhalten worden sein, sie konnten sich damit trösten,

nichts Unechtes zu besitzen. Ein antiker Helm, ein Rembrandt, der

lange für echt galt, konnte sich schließlich als eine kunstvolle

Imitation entpuppen. Aber eine Incunabel, so nahm man bislang an, ein

/Aldini/ oder /Elzevir/ mußte echt sein; denn ein Buch kann

nicht imitiert werden. Aber nach einer in London gemachten Entdeckung

scheint auch dieses Axiom verrückt worden zu sein, und die Liebhaber

seltener Bücher mögen darum auf ihrer Hut sein. Thatsächlich besteht

in London eine Druckerei, in welcher nicht etwa der Nachdruck,

sondern die vollständige Imitation alter Bücher mit dem Aufwande

aller Geschicklichkeit und in großem Maßstabe betrieben wird, wiewohl

(bei der Unverletzlichkeit des englischen Hausrechts in diesem kein

Criminalverbrechen betreffenden Falle auch eine schwierige Sache)

-- bis jetzt das Local dieser Druckerei nicht aufgefunden werden

konnte. Doch wurden bei Schriftgießern Lettern von längst außer

Gebrauch gekommener Form und bei Papierfabrikanten größere Partien

von geschöpftem Baumwollpapier nach eigenem Muster bestellt. Daß

jedoch trotz aller Sorgfalt und aller Kunstgriffe die Imitation keine

vollständige sein und dieselbe vielmehr bei der Vergleichung mit einem

Original auf den ersten Blick erkannt werden muß, liegt auf der Hand.

Der Witz besteht aber darin, daß eben nur außerordentlich seltene

Werke, welche selbst den eifrigsten Bibliomanen nur dem Namen nach

bekannt sind, imitiert werden, und daß der Verkauf nicht öffentlich,

und überdies mit großer Vorsicht und Schlauheit betrieben wird.

Auf dem Festlande scheinen in dieser Beziehung bisher nur einige

ganz schüchterne Versuche unternommen worden zu sein. Die Aufdeckung

des Schwindels geschah auf eine eigenthümliche Weise. Einem als

passionierter Büchersammler bekannten schottischen Baronet wurde

auf einer Reise von einem „verarmten Gelehrten“ ein Buch zum Kaufe

angeboten. Es sei ein Erbstück und sein letztes Besitzthum, von dem

ihn nur seine außerordentliche Nothlage trennen könne. Der Lord sah zu

seinem nicht geringen Erstaunen eine Incunabel von höchstem Werthe vor

sich. Es war eine in Venedig gedruckte Ausgabe des /Boccaccio/ vom

Jahre 1492. Mit Freuden bezahlte der Schotte den dafür begehrten Preis

von 90 Pfund und lud nach seiner Heimkehr sofort einige benachbarte

Bücherfreunde ein, um ihnen seinen so wohlfeil erworbenen Schatz zu

zeigen. Doch einer seiner Besucher besaß dasselbe Buch, und bald wurde

noch ein dritter /Boccaccio/ aufgefunden. Man schöpfte Verdacht,

und die hierauf mit einem im Besitze des Roxbourgclubs befindlichen

Original, welches seinerzeit um die zehnfache Summe angekauft worden

war, angestellte Vergleichung ließ die drei anderen Bücher als unecht

erkennen. Aehnliches wiederholte sich darauf an anderen Orten mit

zwei italienischen und deutschen Bibelausgaben, einem Gargantua des

/Rabelais/ und dem berühmten Werke des /Miguel Servet/.

Von letzterem existieren nur zwei Exemplare (zu Wien und Paris), da

die ganze Auflage zu Rotterdam durch den Henker verbrannt wurde.

Gleichwohl wurden auch von dieser Imitation mehrere Exemplare an den

Mann gebracht. Die bekanntlich nicht geringe Schaar der englischen

Bibliophilen ist darob in gewaltiger Aufregung und begegnet den

Verkaufsanboten der Antiquarbuchhändler mit dem äußersten Mißtrauen.

Die öffentlichen Bibliotheken aber gehen nun bei der Ausgabe seltener

Werke mit besonderer Vorsicht vor.

(N. illustr. Ztg., Nr. 12.)

14) Die am 9. December vor. Jahres wie alljährlich vom Vereine von

Alterthumsfreunden im Rheinlande veranstaltete Geburtstagsfeier

Winkelmanns fand unter zahlreicher Betheiligung im Kaiserhofe zu Bonn

statt. Eine Ausstellung kleinerer römischer Alterthümer, besonders von

den letzten Ausgrabungen des Bonner Castrums herrührend, wie Pläne und

Zeichnungen desselben dienten zur Illustrierung des ersten Vortrags,

in welchem Professor aus’m Weerth als Vereinspräsident der Bedeutung

des Tages einige Worte widmete und den Bericht über die Ausgrabungen

des römischen Castrums in Bonn als ein der Manen Winkelmanns nicht

unwürdiges Geburtstagsgeschenk bezeichnete. Ausgehend von der Annahme,

daß Julius Cäsar seine zweite Rheinbrücke bei /Bonn/ schlug,

dieselbe für eine weitere Verwendung zur Hälfte stehen ließ und am

linksrheinischen Ufer mit großartigen Befestigungen und einer Besatzung

von 12 Cohorten versah, gelangte der Vortragende zu dem Schlusse, daß

diese Befestigungen zum Schutze der Brücke als die erste Anlage des

unterhalb Bonn’s am Wichelshof belegenen römischen militärischen

Lagers anzusehen seien. Wenn die Conservierung der Brücke, auf die

durch die Erfolge hervorgerufene Entschließung Cäsars: die römische

Machtsphäre über den Rhein auszudehnen, hindeute, so sei von Augustus

und Drusus diese erweiterte Politik aufgenommen worden, wie die große,

linksrheinische Befestigungslinie Xanten, Bonn, Weißenthurm und Mainz

mit den rechtsrheinisch vorgeschobenen Werken Aliso, Niederbiber

und der Saalburg es klar ausdrücke. Das von Augustus oder Drusus

erbaute und aus den Cäsarischen Brückenbefestigungen hervorgegangene

Bonner Castrum sei deshalb ein bemerkenswerthes Glied in der großen

römischen Offensiv-Politik gewesen, aber alsobald auch zur lediglich

defensiven Bedeutung herabgesunken, als erstere unter Claudius

endgültig aufgehoben wurde. -- Die seit dem vorigen Jahre durch das

Bonner Provinzialmuseum methodisch in Angriff genommenen, schon im

Jahre 1820 einmal begonnenen Ausgrabungen des Castrums beschränkten

sich bisher auf die Offenlegung der Gebäude des südlichen Dritttheils

des Rücklagers (der retentura) des Castrums. Zwei große, je 80 mtr.

lange Infanterie-Kasernen, eine dritte, horizontal dazu liegende

Kavallerie-Kaserne mit vorliegenden Pferdeställen, ferner ein kleinerer

Bau für die Vexillarii, jene vom übrigen Dienste befreiten Veteranen,

welchen die Führung der Feldzeichen der Reiterei, des Vexillum,

anvertraut war, dann ein großes Magazin mit Schlachthaus sind bereits

bloßgelegt und festgestellt worden. Eine Menge kleinerer Funde,

darunter viele, im Ganzen an 800 Münzen, welche sich in den durchgängig

aus Tuffstein gebauten Räumen fanden, tragen zur Kennzeichnung von

Zweck und Zeit der Erbauung wesentlich bei. Daß kurz nach der durch

den Aufstand des Civilis (70 n. Chr.) herbeigeführten Zerstörung

unter Domitian auf den älteren Fundamenten ein durchgängiger Neubau

stattfand, erweisen die vielen Ziegel mit dem Stempel der von diesem

Kaiser errichteten Leg. I. Minervia pia fidelis. Nach den bisher

gewonnenen Resultaten lassen die Fortsetzungen der Ausgrabungen auf

großen Umfang der Anlage, eine weitere Anzahl bereits festgestellter

Gebäude, wie überhaupt darauf schließen, daß das Bonner Castrum sowohl

nach Größe, wie nach den baulichen Einrichtungen das bedeutendste der

bisher bekannt gewordenen sei.

Professor /Justi/ sprach über den holländischen Maler Johann van

Scorel (1495-1562.)

Geheimer Rath /Schaafhausen/ erläuterte eine Anzahl ausgestellter

merowingisch-fränkischer Grabfunde, welche in Folge glücklicher

Ausgrabungen von Seiten des Bonner Provinzialmuseums kürzlich in

Meckenheim bei Bonn zu Tage traten.

Gleichzeitig und zur Feier des Tages gab der Verein von

Alterthumsfreunden sein 64. Jahrbuch aus, über dessen reichen Inhalt

wir oben referierten. Es wird allen Benützern dieser Zeitschrift

erfreulich sein, zu erfahren, daß im Anfange des Jahres ein

Generalregister aller bisher erschienenen 64 Jahrbücher zur Ausgabe

gelangt.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 20 / 177 题