[53: Im II. Theil der illustrierten „Sveriges historia“, S. 57 u.
Fig. 58-60. Insbesondere Fig. 59 zeigt einen dreieckigen, von zwei
aufgerichteten Löwen gehaltenen Schild, worauf ein Pelikan, der sich
die Brust aufreißt, dargestellt ist. Dieser Schild verbirgt den
eigentlichen Verschluß.]
[54: J. Mestorf: Die vaterländischen Alterthümer Schleswig-Holsteins,
S. 22.]
Zwei Inschriften in Prag.
Es dürfte vielleicht von Interesse sein, den Inhalt der beiden, im
Treppenhause des böhm. Landesmuseums befindlichen Steintafeln kennen
zu lernen, der sich auf die Verkündigung der Baseler Compactaten in
der bestandenen Fronleichnamskirche auf dem jetzigen Karlsplatze in
Prag-Neustadt bezieht. Diese Kirche ward in der zweiten Hälfte des
14. Jahrhunderts in Gestalt eines sechseckigen Sternes erbaut und
diente bis 1437 zur Ausstellung der Reichsheiligthümer, zu welchem
feierlichen Akte immer eine zahlreiche Menge aus nah und ferne
zusammenströmte. -- Die letzte Ausstellung derselben, 12. April 1437,
erhielt dadurch noch eine besondere Bedeutung, daß Kaiser Sigmund und
Philibert, Bischof von Konstanz, Administrator des Prager Erzbisthums,
Legat des Concils zu Basel, in Gegenwart der Stände Böhmens und einer
unabsehbaren Menge hohen und niederen Standes in dieser Kapelle
der ganzen Welt verkündeten, die Utraquisten seien wahre Söhne der
Kirche. -- Die beiden in Rede stehenden Steintafeln hatten den
Zweck, diese hochbedeutsame Kundgebung, welche eine Periode voll der
blutigsten Gräuel zum Abschluß brachte, der Mit- und Nachwelt zum
ewigen Gedächtniß aufzubewahren. Die beiden Tafeln wurden kurz darauf
verfertigt und die mit dem böhmischen Texte gegen Osten, über dem
Fenster, die mit dem lateinischen Inhalt über einer Seitenthüre gegen
Süden eingemauert. Die böhmische Inschrift lautet:
„Leta MCCCCXXXVII z Rozkazanie Cziesarze Zigmunda a Legatuow
Basileyskych w tomto kostele ohlasseno Czesky Latinie Uhersky a
Niemecky zze Czechowé a Morawane Tielo Bozie a Krew pod dwogi zpuosobu
przigimagic gsu wierni křestiane a prawi synowé cierkwe,“ d. h. im
J. 1437 ist auf Befehl des Kaisers Sigmund und der Baseler Abgeordneten
in dieser Kirche böhmisch, lateinisch, ungarisch und deutsch verkündet
worden, daß die Böhmen und Mährer, die den Leib Gottes und das Blut
unter beiderlei Gestalten empfangen, rechtgläubige Christen und wahre
Söhne der Kirche sind. Der lateinische Text lautet:
Anno dni MCCCCXXXVII feria VI. ante Tiburcii
Cesaris officio cum legatis Sigismundi
Lingwis hic quatuor sincera fides sacramenti
Bina sub specie mundo claruit sat aperte
Et sunt Katholici Christi calice potientes.
Von da an wurde in der Kirche regelmäßiger Gottesdienst gehalten und
das Abendmahl unter beiden Gestalten gespendet, bis nach der Schlacht
am weißen Berge die Reaktion eintrat und Kaiser Ferdinand dieselbe
1628 den Jesuiten einräumte, die gleich darauf die gegenüberliegende,
prächtige Ignatiuskirche und das jetzt als Garnisonsspital dienende
großartige Ordenshaus erbauten. In dem Besitze derselben blieb die
Fronleichnamskapelle bis zur Aufhebung des Ordens unter Maria Theresia
1773. -- Von da an nicht mehr zu gottesdienstlichen Handlungen benützt,
wurde sie 1784 als Passagehinderniß, da sie sich mitten auf dem
Karlsplatze befand, gesperrt und dem Prager Bürger Wenzel Sieber um 902
fl. verkauft. Dieser begann sofort mit der Demolierung, da er aber bei
seinem kurz darauf erfolgten Tode kaum die Hälfte des Kaufschillings
erlegt hatte, wurde sie 1791 nochmals feilgeboten und vom Stadtrath
Adelbert Eisner Ritter v. Eisenstein erstanden, der sie vollends
niederreißen ließ. Die beiden Steintafeln wurden der böhmischen
Gesellschaft der Wissenschaften zur Aufbewahrung übergeben, die sie am
Eingange der Universitätsbibliothek aufstellen ließ. Da sie jedoch an
diesem Orte leicht Beschädigungen ausgesetzt waren, wurden sie erst im
Sitzungssaale dieser Gesellschaft im Carolinum (Universitätsgebäude)
eingemauert, und als das böhmische Museum 1845 eine Stätte im ehemals
gräfl. Jos. Nostiz’schen Palaste am Graben fand, wurden diese
altehrwürdigen Zeugen einer der wichtigsten Epochen in der böhmischen
Geschichte dorthin übertragen und im Treppenhause befestigt.
/Prag./ /Bruno Bischoff./
Eine lateinische Komödie aus dem 15. Jahrhundert.
Die in Nr. 6 des Anzeigers v. J. besprochene „Cauteraria
Comoedia“ findet sich auch in der Handschrift Nr. 3123 der Wiener
Hofbibliothek[55], über deren sonstigen reichen, durchaus dem Kreise
der humanistischen Studien angehörigen Inhalt die Tabulae codicum
Vindob. II, 206 Auskunft geben. Wir gewinnen aus dieser Wiener
Handschrift zunächst einigen Aufschluß über den Verfasser; ob einen
zuverläßigen, müßte freilich erst durch weitere Nachforschungen
dargethan werden. Das Stück führt nämlich (Bl. 108a) die Ueberschrift:
„Anthonii Barzicii Cauteraria Comedia incipit“ und endet Bl. 129a mit
den Worten: „Finit Cauteriaria (_sic!_) Comedia foeliciter Anthoni
buzarij. Georgius Schilher de Geiselhering.“ Darf man der Angabe in der
Aufschrift trauen, so wäre dieser, meines Wissens nirgends erwähnte,
Antonius Buzarius ein Angehöriger der berühmten Gelehrtenfamilie der
Barzizier gewesen, welche noch bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts
Sprossen trieb; s. Tiraboschi VI, 663; 1493 ff. und Adelungs
Fortsetzung zum Jöcher I, 1483.
Der Schreiber der Wiener Handschrift, Georg Schilher von Geiselhöring,
-- kaum wol /eine/ Person mit dem bekannten Meistersänger Jörg
Schilher, -- nennt sich noch unter mehreren anderen Stücken, einmal
(Bl. 164 a) mit dem Beisatze: „In studio Ingolsta(diensi)“. Dies
ist entscheidend für die Bestimmung des Alters der Handschrift. Die
Universität Ingolstadt wurde im J. 1472 gegründet, doch erst im J. 1492
wurde durch die Berufung des Conrad Celtes den humanistischen Studien
auch dort Bahn gebrochen. In diese Zeit also, in das letzte Jahrzehent
des 15. Jahrhunderts, möchte ich die Entstehung der Wiener Handschrift
setzen. Paläographische Gründe sprechen nicht dagegen. Schilher scheint
mir mit seinen sauberen, breiten, aufrecht stehenden Buchstaben sich an
die italienischen Muster der Zeit zu lehnen. Andere Hände, die an dem
Codex thätig gewesen sind, weisen ebenfalls an den Schluß des 15. und
den Anfang des 16. Jahrhunderts. Auch der Einband ist aus dieser Zeit.
Der Magister Ambrosius Alantsee, von welchem die Maihinger Handschrift
herrührt, ist wol derselbe, dessen Th. Petreius in seiner Bibliotheca
Cartusiana (Colon. 1609) S. 7 mit folgenden Worten gedenkt: „Ambrosius
Alentsenius scripsit librum vel Tractatum, qui intitulatur Foedus
Christianum: quem Auguste Vindelicorum an. 1504. in 4. impressum,
adseruat bibliotheca Cartusiae Buxianae propè Memmingam celebre
Sueuorum oppidum. Fuit vero Prior domus horti Christi, et Visitator
Prouinciae Alemanie inferioris“. Dazu am Rande: „Obijt in Germania anno
1506“. Die Kartause Hortus Christi bei Nördlingen war eine Stiftung der
Grafen von Oettingen; s. Miraeus, Origines Cartusianorum monasteriorum,
S. 51.
Auf die Verwandtschaft dieses Ambrosius Alantsee mit der Wiener
Buchdruckerfamilie gleiches Namens hat bereits Dr. Hartmann von
Franzenshuld Bedacht genommen in einem Aufsatze: „Die Buchführerfamilie
Alantsee in Wien“ in den Mittheilungen der k. k. Centralcommission zur
Erforschung der Baudenkmale, 19. Jahrgang (Wien, 1874), S. 85-87. Wenn
Herr Dr. von Franzenshuld aber den Ambrosius A. zum /Drucker/ des
von ihm verfaßten Tractates macht, so hätte ein Blick in Zapf’s Augsb.
Buchdruckergeschichte II, 14 oder in Panzer’s Annales VI, 133 ihn vor
diesem Irrthum bewahren können.
/Wien./ /Jos. Mar. Wagner./