Fünfundzwanzigster

/Jahres-Bericht/

~des germanischen Nationalmuseums~.

Nürnberg. 1. Januar 1879.

Das soeben abgelaufene Jahr 1878 war für unsere Anstalt ein durchaus

normales, während dessen stetig und ruhig an ihrer Entwickelung

gearbeitet werden konnte, ohne daß besondere Schwierigkeiten zu

überwinden gewesen, noch andere Förderungen erfolgt wären, als wir sie,

Gottlob, seit Jahren in gleichem Maße erhalten haben, so daß wir in

diesem Umfange ein normales Verhältniß sehen können. Allerdings sind

diese Förderungen groß und namhaft, und gewiß ist es ein Zeichen des

höchsten inneren Werthes und ganz besonderer Bedeutung unserer Anstalt,

daß Jahr für Jahr die Nation ihr fortgesetzt Gaben in solchem Umfange

reicht, daß ohne Störung an der Entwickelung gearbeitet werden kann,

und daß wir in solcher Betheiligung des allgemeinen Interesses einen

normalen Zustand erblicken und Jahr für Jahr durch Mittheilung neuer

Fortschritte die Gönner und Freunde in weitesten Kreisen erfreuen

dürfen.

Wie kein Jahr vergeht, ohne daß die Reihe jener Freunde, welche,

wenn auch theilweise kleine, Jahresbeiträge leisten, neuen Zuwachs

erhält, theils um sich zu erweitern, theils um Lücken zu ergänzen,

welche Todesfälle und andere Ursachen herbeiführen, so ist auch im

abgelaufenen Jahre eine beträchtliche Zahl neuer Gönner hinzugekommen,

deren Namen in dem ersten der diesem Berichte beigegebenen

Verzeichnisse aufgeführt sind, an dessen Spitze wir Se. kgl. Hoheit den

Großherzog Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt nennen dürfen, sowie Se.

Maj. König Albert v. Sachsen, allerhöchstwelcher den seither gereichten

jährlichen Beitrag nach Ablauf des Bewilligungstermines neuerdings auf

3 Jahre zugesagt hat. Wie weit sich das Interesse an der Anstalt und

die Freude an deren Besitze geographisch verbreitete, mag die Thatsache

zeigen, daß nicht blos aus allen Gegenden Deutschlands, daß selbst von

Deutschen aus Südamerika Beiträge gegeben worden sind.

Auch das zweite Verzeichniß, welches die einmaligen Gaben aufführt, ist

nicht unbeträchtlicher als in anderen Jahren, und an dessen Spitze darf

abermals ein erhabener Name, jener der deutschen Kaiserin Augusta, der

bewährten allergnädigsten Gönnerin der nationalen Anstalt, stehen.

Ein Theil der dort angeführten Gaben wurde als besondere Stiftung zur

Vermehrung des Ankaufsfondes der Sammlungen bestimmt und demgemäß

verwendet. Auch war die Summe nicht unbeträchtlich, welche aus dem

allgemeinen Etat des Museums für die Sammlungen aufgewendet werden

konnte, so daß um so beträchtlichere Mehrung sich ergab, als auch eine

ganze Reihe von Geschenken hinzugetreten war. An der Spitze derselben

stehen drei Glasgemälde, treffliche Copien der Wappen von Brandenburg,

Nürnberg und Hohenzollern aus der Kirche zu Werben, welche Se. kaiserl.

und kgl. Hoheit, der Kronprinz des deutschen Reiches und von Preußen am

Vermählungstage höchstseiner Tochter dem Museum zum Geschenke gemacht

hat.

Alle Abtheilungen der Sammlungen erhielten Zuwachs. Am reichlichsten

wurde derselbe der Kupferstichsammlung zu Theil, auf welche der größte

Theil der zu Ankäufen disponibelen Summen verwendet wurde, da ohnedies

gerade die Neuordnung derselben im Gange war. Diese sollte im Jahre

1878 fertig werden, was indessen nicht vollständig gelang, so daß sich

die Arbeiten noch in das Jahr 1879 hineinziehen werden. Aber es läßt

sich doch jetzt schon das erfreuliche Resultat mittheilen, daß diese

Abtheilung, die nun allerdings einige Jahre wieder anderen Abtheilungen

in Bezug auf Fürsorge wird nachstehen müssen, nunmehr nicht blos eine

der reichsten Abtheilungen des Museums ist, sondern auch, nachdem

sie ca. 80,000 wohlgeordnete Blätter, darunter viele von höchster

Seltenheit und Kostbarkeit enthält, zu den bedeutenderen ihrer Art

überhaupt gezählt werden kann. Sicher ein erfreuliches Resultat der

allgemeinen Opferwilligkeit!

Nächst der Kupferstichsammlung war es die Münzsammlung, welche reichen

Zuwachs sowohl durch einzelne Ankäufe, als auch mancherlei Geschenke

erhielt, insbesondere durch den Anfall der schon 1864 testamentarisch

vermachten Münzsammlung des Herrn Buchhalters Gabriel in Winzingen,

nach dessen erfolgtem Tode die hochbetagte Frau Mutter pietätvoll für

Uebergabe des Vermächtnisses Sorge getragen.

Die Sammlung der Skulpturen erhielt durch einige gute Originale und

manche Abgüsse Zuwachs, jene der kirchlichen Geräthe bekam eine Anzahl

sehr interessanter Objekte, ebenso die Waffensammlung; auch die

Sammlung der Hausgeräthe und jene der Gewebe erhielten beträchtlichen

Zuwachs.

Unsere Bibliothek verdankt ebenfalls wiederum mehr als Tausend Bände

der Liberalität des deutschen Buchhandels, dem wohlwollenden Interesse

mancher Verfasser und sonstiger Freunde, sowie dem Schriftentausche

mit den Akademien, gelehrten Gesellschaften und Vereinen. Durch Ankauf

konnte sie um manche höchst seltene und werthvolle Incunabeln und

Druckwerke des 16. und 17. Jahrh. bereichert werden.

Mit der fortwährenden Vermehrung der Sammlungen muß die Bauthätigkeit

Schritt halten. Zunächst waren es fort und fort sich ergebende

Verbesserungen und Verschönerungen, sowie einzelne kleine

Schmucktheile, deren Ausführung wegen Mangels, an Mitteln bei

Errichtung mancher Bauten hatte zurückgestellt werden müssen, die

theils zur Ausführung gekommen sind, theils durch bereitwillige Freunde

zur Ausführung übernommen wurden. An der Spitze der Stifter, welche

dafür Sorge getragen, steht Se. kgl. Hoheit, Prinz Ludwig von Bayern,

höchstwelcher 1000 m. widmete. Ein ungenannter hoher Gönner widmete

700 m., Herr Reichsrath Max Erkinger Graf v. Seinsheim 400 m., Herr

Reichstagsabgeordneter Heinr. Frhr. Horneck v. Weinheim 450 m., Herr

kgl. preuß. Hauptmann a. D. Louis Ferdinand Frhr. v. Eberstein in

Dresden 300 m., Se. Excell. Herr Reichsrathspräsident Frhr. Schenk von

Stauffenberg 100 m.; die Stadt Buchau 20 m. Die frhrl. v. d. Tann’sche

Familie hat ihren Beitritt zur gemeinsamen Stiftung des fränkischen

Adels und Frhr. v. Tümpling auf Thalstein bei Jena die Stiftung eines

gemalten Fensters zugesagt.

Als Raumzuwachs hat uns das Jahr 1878 eine lange Oberlichtgalerie

gebracht, deren Einrichtung noch im Winter vorgenommen werden kann.

Auch ist der aus den Beiträgen des deutschen Reiches zu bestreitende

Neubau der an die Ostseite der Karthause zu fügenden Theile so

beträchtlich vorgeschritten, daß wir auf einen großen, im romanischen

Stile ausgeführten Bau den Dachstuhl setzen und demselben mit

Genehmigung Ihrer kaiserl. Hoheit der Frau Kronprinzessin des deutschen

Reiches den Namen Victoriabau geben durften. Freilich wird noch manche

Zeit vergehen, bis derselbe, vollständig fertig in Gebrauch wird

genommen werden können.

Ein nicht unwesentlicher Theil der Thätigkeit unserer Verwaltung hat

sich der Begründung eines eigenen, mit unserem Museum in Verbindung

stehenden Handelsmuseums zugewendet, für welches wir freundliche

Unterstützung im Handelsstande gefunden haben; insbesondere hat die

Handelskammer zu Nürnberg sich geneigtest der Sache angenommen und

den Prospekt allen deutschen Handelskammern mit warmer Befürwortung

zugesendet. Abgesehen von Gaben an interessanten und brauchbaren

Gegenständen, durch welche die Geschichte des Handels erläutert wird,

haben wir uns sowohl von Körperschaften als Kaufleuten die Zeichnung

von Antheilscheinen à 50 m. zur Aufbringung der Kosten erbeten; es

haben deren die hiesige Handelskammer 50, andere Handelskammern und

Vereine 32 und Private deren 185 übernommen; als Einzelstiftungen

erhielten wir zu diesem Zwecke 440 m., so daß mit Jahresschluß die

Summe von 13,790 m. disponibel ist. Da ein erstes Verzeichniß gedruckt

ist, so unterlassen wir hier die Wiederholung der Namen. In dem

nächsten Jahresbericht werden wir wol bereits über Leistungen berichten

können. Heute aber empfehlen wir die Theilnahme auch an dieser Stelle

dem gesammten Handelsstande, so daß auch das nächste Jahr noch recht

viele Zeichnungen von Antheilscheinen bringen möge.

An Publikationen konnte im abgelaufenen Jahre außer dem 25. Bande des

Anzeigers f. K. d. d. V. nur eine neue Auflage des Wegweisers durch

unsere kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen erscheinen.

Unser Verwaltungsausschuß hat im Laufe des Jahres den Verlust seines

Rechtsconsulenten, des um unsere Anstalt so hochverdienten Dr.

Nidermaier, und eines Mitgliedes des Frhrn. v. Ledebur, Directors

der kgl. Kunstkammer in Berlin zu beklagen gehabt und hat dafür sein

seitheriges Mitglied, den kgl. Advokaten Frhrn. v. Kreß in Nürnberg zum

Rechtsconsulenten ernannt, Hrn. kgl. Notar Karl Maier in Nürnberg zum

Mitgliede erwählt.

Seit Veröffentlichung des Jahresberichtes für 1877 sind zu den

Unterstützungen des germanischen Museums folgende, und zwar als

/Jahresbeiträge/, /neu hinzugekommen/:

=Von regierenden Häusern.=

m. pf.

Hessen, Großherzog Ludwig IV., Königl. Hoheit, 200 --

Sachsen, König Albert, Majestät, (auf weitere 3 Jahre) 600 --

=Von politischen Corporationen, Städten.=

Altdorf, Distriktsgemeinde (statt früher 18 m.) 20 --

Ansbach, Distriktsgemeinde (statt früher 14 m. 77 pf.) 18 --

Calbe a. S., Stadtgemeinde (auf weitere 3 Jahre) 9 --

Cham, Distriktsgemeinde (vom J. 1875 an nachbezahlt) 17 --

Erbendorf, Distriktsgemeinde (statt früher 17 m. 14 pf.) 20 --

Feuchtwangen, Distriktsgemeinde (statt früher 17 m.) 20 --

Kemnath, Distriktsgemeinde (statt früher 17 m. 14 pf.) 20 --

Kulmbach, Stadtgemeinde (statt früher 8 m. 60 pf.) 10 --

Schillingsfürst, Distriktsgemeinde (statt früher 30 m.) 50 --

=Von Vereinen.=

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 4 / 177 题