Daraus folgt

_x_/_r_ = 360°/α.

In unserem Beispiel erhalten wir für α = 83.9°.

Ebenso wäre die Rechnung, wenn wir für _u_ : _U_ genommen hätten,

dann hätten wir statt _x_ aber _x_ + _i_ setzen müssen. Um nun nach

vorstehenden Zahlen ein Muster zu zeichnen, verfahren wir so, dass

wir uns den Winkel α = 83.9° konstruieren und von dem Scheitelpunkte

desselben mit den Radien _x_ = 42.9 _cm_ und (_x_ + _i_) = 192.9 _cm_

Kreisbogen schlagen, dann geben die Strecken dieser Bogen zwischen

den Schenkeln des Winkels den obern und untern Umfang des Netzzeuges

an. Nach diesem Muster wird dann das Gazenetz ausgeschnitten,

wobei berücksichtigt werden muss, dass bei _AC_ und _BD_ das Netz

aneinandergenäht wird, zu welchem Zweck eine Einschlagskante bleiben

muss. Die Nähte müssen natürlich nach aussen kommen und ausserdem darf

nur eine ganz feine Nadel verwendet werden, da jeder Nadelstich dem

feinen Netzzeug gegenüber ein grosses Loch darstellt.

[Illustration: Fig. 48.]

Der +Aufsatz+ des Netzes besteht aus einem 1 _cm_ dicken Eisenringe

(_a_) von 36 _cm_ Durchmesser, der mit dem obern Netzringe (_S_)

durch drei starke 60 _cm_ lange Eisenstangen (_d_) verbunden ist, die

oben in Haken (_c_) zur Befestigung des Taues auslaufen. Zwischen

den beiden Ringen, jedoch +unter+ den verbindenden Eisenstangen, ist

ein Barchentmantel[XCII] ausgespannt. Dieser Aufsatz ist von grosser

Wichtigkeit für die Brauchbarkeit des Netzes. Wird das Netz auf den

Grund des Wasserbeckens hinabgelassen, so würden, wenn dieser Netzteil

fehlen sollte, Schlamm und Organismen von dem +Boden+ in das Netz

geraten können. Bei dieser Einrichtung jedoch stösst höchstens der

Eisenring (_S_) auf den Schlamm auf, und dieser wird, wenn auch etwas

aufgewirbelt, doch nicht die obere Netzöffnung erreichen und den Fang

verunreinigen können. Ferner dient dieser Aufsatz auch als Reservoir,

wenn bei stürmischem Wetter der Fang aus dem Netz hinaufgespült wird.

Dann auch wird durch die Öffnung des Aufsatzes (= 1000 _qcm_) ein nur

geringer Wasserstrom in das Netz hineingelangen und durch die gegen

26mal so grosse Netzwand fast vollständig filtriert werden können.

[XCII] Derselbe wird ebenfalls nach den obigen Formeln konstruiert.

Der +Eimer+ (Fig. 48) ist ein cylindrisches Blechgefäss (Eisenblech),

dessen Boden nach der Mitte zu abfällt und hier eine durch eine

Schraube verschliessbare Öffnung (_u_) trägt. Der obere Rand

des Gefässes ist erhaben (_n_) und trägt drei Überfallschrauben

(_m_), die in die oben erwähnten drei gabelartigen Fortsätze des

untern Netzringes (Fig. 45 _k_) hineinpassen. In der Mitte ist der

Blechcylinder noch von einem Reif (_q_) umgeben. Zwischen diesen beiden

Reifen (_q_ und _n_) ist die eine Seite der Eimerwand herausgenommen

und durch Müllergaze (_o_) verschlossen. Der ganze Eimer steht auf

sechs Füssen (_f_), die durch einen Ring (_r_) verbunden sind.

[Illustration: Fig. 49.]

Neben dem Vertikalnetz kommt hauptsächlich der +Filtrator+ (Fig. 49)

in Betracht. Dieser stellt einen Metallcylinder dar, dessen Wände

durch Müllergaze ersetzt sind mit Ausnahme von einigen Stützen (_s_),

die unten durch einen sehr flachen Reif (_K_) verbunden sind. Die

Müllergaze wird zwischen dem obern und untern Ringe (_R_ und _K_) und

den Stützen (_s_) folgendermassen ausgespannt. In dem obern Ringe (_R_)

befindet sich ein zweiter Ring (_R′_), der an den erstern angeschraubt

werden kann; zwischen beide wird die Gaze eingeklemmt, ebenso geschieht

dies bei dem untern Ringe (_K_), auf den ein zweiter Ring (_K′_)

passt, und schliesslich auch bei den Stützen (_s_), an welche von

innen die Gaze durch Metallplatten angedrückt wird. Indem man den

obern und untern Rand der Gaze zwischen den beiden Ringen einspannt,

die seitlichen Ränder aber zwischen einer Stütze und ihrer innern

Platte, hat man den Vorteil, dass an dem Netzzeuge des Filtrators kein

Nadelstich nötig ist.

Der Filtrator trägt an jeder Seite einen dreikantigen Vorsprung (_v_),

der dazu dient, den oben beschriebenen Apparat mit Hilfe eines Bügels

(_b_) und einer Überfallschraube (_a_) auf eine Glasplatte (_G_) fest

anzudrücken, so dass unter dem Ringe (_K′_) kein Wasser entweichen

kann, sondern dasselbe alles durch das Netzzeug filtrieren muss. Da

die beiden unteren Ringe (_K_ und _K′_) sehr flach sind, so wird nur

sehr wenig Wasser im Apparat zurückbleiben, welches man auch durch

vorsichtiges Neigen des Filtrators nach einer Seite zum Ablaufen

bringen kann.

Ferner sind wir mit einigen weithalsigen Stöpselgläsern versehen,

die mit Konservierungsflüssigkeit gefüllt sind, und von denen jedes

zur Aufnahme +eines+ Fanges bestimmt ist. Am bequemsten ist die

Anwendung der Pikrinschwefelsäure, die folgende Zusammensetzung hat:

300 Raumteile Wasser,

100 „ einer konzentrierten wässerigen Lösung von Pikrinsäure,

2 „ von konzentrierter Schwefelsäure.

Der Fang kommt, wie weiter unten gezeigt werden soll, in diese Mischung

und kann in derselben bleiben, wenn die Bearbeitung sogleich vor sich

gehen soll. Muss der Fang jedoch einige Zeit stehen, so empfiehlt es

sich, nachdem die Organismen zu Boden gesunken sind, die überschüssige

Säure abzugiessen und durch Alkohol von 60% zu ersetzen, der mehrmals

gewechselt werden sollte. Jedoch muss das mit der grössten Vorsicht

geschehen, da noch zahlreiche Diatomeen in der Flüssigkeit suspendiert

sind und sich sehr langsam absetzen. Bleiben die Organismen zu lange

in der Säure, so werden die Kalksalze aus einigen ausgezogen und noch

anderweitige Veränderungen bewirkt, die Tiere werden schliesslich ganz

weich und sind für nachfolgende Bearbeitung wenig geeignet.

Ebenso wirksam ist eine konzentrierte Lösung von Sublimat; bei dieser

tritt nur der Übelstand ein, dass man sehr lange mit Wasser[XCIII]

auswaschen muss, um eine nachfolgende Ausscheidung nadelförmiger

Sublimatkrystalle zu verhindern; natürlich muss das Wasser später durch

Alkohol ersetzt werden.

[XCIII] Statt dessen kann man Jodalkohol benutzen, den man so lange

wechseln muss, bis die Färbung des Jods nicht mehr verloren

geht.

Wie andere Fixierungsmittel sich bewähren, kann ich nicht angeben,

glaube aber, dass Osmiumsäure (event. Chromosmiumessigsäure) sehr gut

anwendbar ist. Der Fang wird in ein Glas, in dem etwas Wasser sich

befindet, gebracht und darauf einige Tropfen Osmiumsäure zugesetzt.

Nach einigen Minuten oder sobald alle Organismen getötet sind, wird das

Glas mit Wasser gefüllt, dann lässt man die Organismen sich absetzen,

decantiert und setzt schliesslich Alkohol zu.

Von kleineren Apparaten sind noch vorhanden ein Spatel, eine

Spritzflasche, eine Giesskanne und einige Papierzettelchen, die mit

Bemerkungen versehen und in die Fanggläser gelegt werden können.

Unterdessen sind wir an dem Punkte angelangt, an dem wir die

Untersuchung auszuführen gedenken. Das Schiff hält still und das

+Fischen+ kann beginnen. Das Tau, an dem das Vertikalnetz befestigt

ist, wird über eine Rolle, die an einem galgenartigen, eisernen

Gestelle angebracht ist, gelegt. Der freie Schenkel dieses sogenannten

„David“ ragt über die Schiffswand hinaus und erleichtert, da die

ganze Vorrichtung um ihre Achse drehbar ist, das Einholen des Netzes.

Das Netz, an dem der Eimer angeschraubt ist, wird in das Wasser

hinabgelassen, zuerst langsam, damit das Netzzeug angefeuchtet wird,

dann etwas schneller. Die Hand, die das Tau leitet, kann leicht den

Zug des sinkenden Netzes spüren und daher auch den Moment wahrnehmen,

in welchem der Netzring auf dem Boden aufstösst. Um letzteres jedoch

zu verhindern, ist es ratsam, vorher zu loten, dann kennt man die

Wassertiefe und auch die Bodenbeschaffenheit, da sich Grundproben

an dem unten mit Talg versehenen Lote eindrücken. Das Tau des

Vertikalnetzes trägt in Entfernungen von je 1 _m_ bunte Läppchen und

alle 10 _m_ anders gefärbte. Man kann also das Tau langsam ablaufen

lassen, da man die gelotete Tiefe ablesen kann und kein Aufstossen zu

befürchten braucht. Sobald das Netz in der Tiefe angelangt ist, wird

es mit mittlerer Geschwindigkeit von ½–¾ _m_ pro Sekunde senkrecht

aufgezogen. Die Geschwindigkeit hängt von der Filtrationsgrösse[XCIV]

des Netzzeuges ab. War z. B. das Netz 20 _m_ hinabgelassen, so können

wir, da die Netzöffnung 0.1 _qm_ beträgt, die Wassermenge, die durch

das Netz gegangen sein sollte, berechnen, sie ist 20×0.1 _qm_ = 2 _cbm_

gross. In Wahrheit ist jedoch etwas weniger Wasser filtriert worden,

nämlich nur 1.8 _cbm_, wie Versuche von +Hensen+ ergeben haben. 2 _cbm_

würden durch den Netzring gehen, wenn kein Netz daran hinge, so wird

aber durch den Widerstand des Netzzeuges jener Bruchteil (10%) über den

Netzring abfliessen. Sobald das Netz über dem Wasserspiegel angelangt

ist, wird dasselbe von aussen mit Wasser beworfen. Dadurch wird das

dem Netze anhaftende Material in den Eimer hinabgespült, durch dessen

filtrierende Fläche das überschüssige Wasser abläuft. Nun befinden sich

alle Organismen im Eimer und zwar in einer verhältnismässig kleinen

Wassermenge, die nun weiter zur Verarbeitung kommt.

[XCIV] Planktonwerk S. 10.

Der Eimer wird vom Netze gelöst, die Schraube, die sich in der Röhre

am Boden des Eimers befindet, herausgedreht, so dass der Inhalt in

eine darunter gestellte Flasche gelangt. Aus der Flasche kann man dann

nach und nach die Masse in den Filtrator giessen. Diese Methode ist

sicherer, als wenn man den Fang direkt aus dem Eimer in den Filtrator

bringt, da bei schwankendem Schiffe leicht etwas vorbeilaufen kann.

Das Wasser sickert nun allmählich durch die Gazewände des Filtrators

durch, und zwar verschieden schnell, je nach der Beschaffenheit des

Fanges. Sind viel Diatomeen oder Nostocaceen (Limnochlide) vorhanden,

so hat der Fang ein schleimiges Aussehen und filtriert sehr langsam.

Sind dagegen Copepoden oder Peridineen am zahlreichsten, so läuft

das Wasser sehr schnell ab, da sich die Poren des Netzzeuges nicht

verstopfen. Nachdem auf diese Weise die Organismen ziemlich vollständig

vom Wasser befreit sind, wird die Glasplatte, denn auf dieser hat

sich jetzt der Fang niedergesetzt, unter dem Filtrator hervorgenommen

und mit Spatel und Spritzflasche werden die Tiere und Algen in die

Konservierungsflüssigkeit gebracht, in der sie bis zur Verarbeitung

bleiben oder, wie oben auseinandergesetzt ist, in Alkohol übertragen

werden. In jedes Glas wird ein Zettelchen gelegt, auf dem der Fundort,

das Datum, die Tiefe des Planktonzuges, die Konservierung, die

Temperatur des Wassers und allenfalls noch die Windrichtung angegeben

sind.

Die nun folgenden Arbeiten, die die +quantitative Bestimmung+ des

Fanges bezwecken, werden ausgeführt, nachdem wir zu Hause angelangt

sind. Zuerst wird das +Volumen+ des Fanges festgestellt. Zu dem

Zwecke wird der Inhalt eines einen Fang enthaltenden Glases in einen

Messcylinder entleert. Nach und nach sinken die Organismen zu Boden,

die grösseren schneller, die kleinen langsamer. Unter letzteren sind

namentlich die Diatomeen zu erwähnen, diese setzen sich, wenn sie

in grösseren Mengen vorkommen, so langsam ab, dass nach tagelangem

Stehen noch immer eine Volumenverringerung zu beobachten ist. Befinden

sich grosse Tiere im Fange, so muss bei diesen das Volumen besonders

bestimmt werden und dieses geschieht am besten und genauesten

durch „+Verdrängung+“, d. h. das Tier wird in einen Messcylinder

hineingebracht, in dem sich eine bekannte Menge Flüssigkeit (Wasser

-- oder Alkohol, wenn der Fang in Alkohol war --) befindet, dann

kann man durch das Steigen der Wasseroberfläche das Volumen des

Körpers bestimmen. Meist hat sich die Masse in 24 Stunden so weit

abgesetzt, dass das Volumen derselben abgelesen werden kann. Da die

Volumenbestimmung zum Vergleiche der einzelnen Fänge unter sich dienen

soll, so ist es zweckmässig, allen Fängen die gleiche Zeit zum Absetzen

zu lassen und zwar genügen dazu 24 Stunden.

Nachdem so das Volumen des Fanges festgestellt ist, wird zur +Zählung+

der Organismen geschritten. Es ist selbstverständlich, dass nicht

alle Individuen des Fanges gezählt werden können, das beweisen schon

folgende Zahlen, die ich Zählungen +Hensens+[XCV] entnehme: Hensen fand

im Oktober 1884 in 1 _cbm_ Ostseewasser (Kieler Bucht) 13 Millionen

_Ceratium tripos_, und im März 1885 ebenda 102 Millionen _Rhizosolenia

semispina_, und wenn wir gar lesen, dass im September sich im Stettiner

Haff in ½ _cbm_ Wasser 9983 Mill. Fäden von Limnochlide[XCVI] fanden,

dann ist es klar, dass diese Zahlen auf anderem Wege gewonnen sind, als

durch Zählung jedes einzelnen Individuums. Die sinnreich von +Hensen+

erdachte und angewendete Methode ist folgende:

[XCV] +Hensen+, Planktonwerk.

[XCVI] Die letzte Zahl entnehme ich einem Zählungsprotokolle von

Herrn Geheimrat +Hensen+, das er mir freundlich für diese

Arbeit überliess und das am Ende des Kapitels sich abgedruckt

findet. Die folgenden Zahlen sowie Betrachtungen beziehen sich

auf dieses Protokoll. Siehe auch +Hensen+ [105].

Von dem Fange wird die überschüssige Pikrinschwefelsäure abgegossen

und dann Wasser so viel zugesetzt, bis sich die Masse gut

durcheinanderschütteln lässt. Befindet sich der Fang in Alkohol, so

muss der Alkohol durch Wasser erst ausgewaschen werden, was mehrere

Tage in Anspruch nimmt. Nehmen wir an, dass nach der Verdünnung das

Volumen 500 _ccm_ betrage, so ist es klar, dass sich in 1 _ccm_ die

verschiedenen Organismen nicht in der gleichen Zahl finden. Während

wir vielleicht eine _Leptodora_ finden, befinden sich in demselben

Volumen gegen 20 Millionen Limnochlide. Um letztere zählen zu können

nehmen wir von dieser ersten Verdünnung 1 _ccm_ ab und verdünnen ihn

auf 1000 _ccm_, dann haben wir in dieser zweiten Verdünnung in jedem

Kubikcentimeter nur 20000000/1000 = 20000 Fäden der Alge. Von dieser

Verdünnung können wir ⅒ _ccm_, der 2000 Fäden enthalten würde, bequem

zählen. In dieser Wassermasse würden wir aber keinen einzigen der

selteneren Organismen finden, daher dürfen wir, wenn wir diese zählen

wollen, die Verdünnung nicht so weit treiben, sondern vielleicht 1

_ccm_ der ersten Verdünnung nur auf 100 oder 10 _ccm_ verdünnen, für

die ganz seltenen werden wir aber die erste Verdünnung selbst zur

Zählung benutzen.

Da, wie wir gesehen haben, sich in 1 _ccm_ Flüssigkeit noch Millionen

von Organismen vorfinden können, so muss das Entnehmen einer

bestimmten Menge von Flüssigkeit durch ganz besondere Vorkehrungen

geschehen; denn das Abmessen in einem Messcylinder kann für diesen

Zweck nur ganz rohe Werte geben. Es sind daher von +Hensen+

besondere +Stempelpipetten+[XCVII] (Fig. 50) konstruiert worden,

die ganz Vorzügliches leisten. Solch ein Instrument besteht aus

einem kräftigen Glasrohr (_B_), das unten ganz eben abgeschliffen

ist. In diesem Rohr bewegt sich ein Stempel, der abwechselnd aus

Kork- (_h_) und Metallplatten (_i_) zusammengesetzt ist, die durch

zwei Schrauben fest an einander gedrückt werden. An diesen Stempel

ist ein massiver Metallcylinder (_m_) angeschraubt, der genau in

die Glasröhre hineinpasst. Von diesem Cylinder wird nun so viel

Metall ausgeschliffen, dass zwischen ihm und dem Glasrohr (_B_)

genau ein bestimmtes Volumen bleibt, z. B. 1 _ccm_. Dies wird

so bewerkstelligt, dass zuerst ein Teil aus dem Metallcylinder

herausgenommen wird. Dann wird die Pipette gewogen, hierauf wird

die Höhlung mit Quecksilber gefüllt und wieder gewogen. Da man nun

das Gewicht eines Kubikcentimeters Quecksilber kennt, so kann man

genau den Punkt treffen, wo die Höhlung im Stempel 1 _ccm_ fasst.

Es sind von diesen Stempelpipetten sechs verschiedene Grössen zum

Gebrauche nötig, nämlich zu 0.1; 0.2; 0.5; 1; 2.5; 5 _ccm._ Diese

Pipetten werden so angewendet, dass sie mit vorgestossenem Stempel

in ein durch einen durchbohrten Kork verschlossenes Glas mit starken

Wandungen (_A_), in dem die Flüssigkeit sich befindet, von der ein

Teil entnommen werden soll, hineingestellt werden (siehe Fig. 50). Die

Masse wird durch kräftiges Schütteln aufgerührt, und sobald sich die

Organismen möglichst gleichmässig verteilt haben, wird das Glasrohr _B_

niedergestossen; dann ist zwischen dem Glasrohr und dem Stempel _m_ ein

genau bekanntes Volumen Flüssigkeit eingeschlossen. Ehe man jedoch

diese Flüssigkeitsmenge entleert, ist es nötig, den unteren Rand des

Glasrohres mit Fett zu bestreichen, da sonst leicht ein Tropfen daran

hängen bleiben kann. Nach Entleerung des Volumens wird dann noch mit

einigen Tropfen Wasser nachgespült, so dass man sicher sein kann, dass

keine Organismen zurückgeblieben sind. Dieses abgemessene Volumen wird

dann zur Verdünnung benutzt resp. gezählt.

[XCVII] +Hensen+, Planktonwerk S. 16.

[Illustration: Fig. 50.

(Nat. Grösse für ½ _ccm_.)]

Haben wir uns eine genügende Verdünnung hergestellt, dann kann die

+Zählung+ beginnen. Hierzu wird das +Zählmikroskop+[XCVIII] benutzt.

Dieses Mikroskop zeichnet sich durch seinen Objekttisch aus. Dieser ist

so gross, dass er Glasplatten von 11½ × 10 _cm_ fassen kann, und was

die Hauptsache ist, er ist durch zwei Schrauben sowohl von vorn nach

hinten, als seitwärts verschiebbar. Auf den rahmenförmigen Objekttisch

werden Glasplatten aufgelegt, die fein mit dem Diamanten liniiert sind

und zwar hat jede Platte ein bestimmtes Liniensystem. Wählt man die

passende Vergrösserung, so kann man im Gesichtsfelde zwei parallele

Linien laufen sehen, und wenn man an einer seitlichen Schraube dreht,

so bewegt sich die Glasplatte langsam weiter, wobei man immer den Raum

zwischen denselben Linien im Auge behalten kann. Ist man am Ende eines

Zwischenraumes angelangt, so wird mit Hilfe der anderen Schraube der

Objekttisch senkrecht zu der vorherigen Richtung um einen Zwischenraum

weiter gedreht und dann in diesem die Beobachtung weiter fortgesetzt.

So kann man allmählich die ganze Platte mit dem Mikroskop untersuchen

und ist sicher, dass kein Punkt übersehen ist.

[XCVIII] +Hensen+, Planktonwerk S. 17 und Taf. I Fig. 2.

Bringen wir nun auf eine liniierte Glasplatte ein bestimmtes Mass einer

Verdünnung, so können wir die Zahl der einzelnen Organismen, die sich

in diesem Volumen befinden, bestimmen. Die Verdünnung wählt man am

besten so, dass man von der häufigsten Spezies nie mehr als 3000 und

nie weniger als 1000 auf der Platte hat. Würde es sich nur um +eine+

Spezies handeln, so wäre die Zählung leicht auszuführen. Man brauchte

nur die Platte allmählich zu durchsuchen und jedes Individuum, das in

das Gesichtsfeld kommt, zu zählen, dann wüsste man, wie viel Organismen

auf der Platte sind und könnte, da man die Verdünnung kennt, die

Summe der Organismen im ganzen Fange berechnen. Hätten wir z. B. eine

Verdünnung von 1 : 10 angewendet und 1 _ccm_ Verdünnung durchgezählt

und fanden 146 Coscinodiscen, dann wären im ganzen Fange (von 500

_ccm_) 146 × 10 × 500 = 730000 Coscinodiscen vorhanden.

Handelt es sich jedoch um mehrere Spezies, so kann man diese nicht

im Kopfe getrennt zählen. Doch auch hier hat +Hensen+ Rat geschafft.

Da in einem Fange 30–50 verschiedene Spezies von Tieren und Pflanzen

vorhanden sind, so werden an einem Setzerkasten, der ebenso viel

Fächer enthält, die Namen der vorhandenen Organismen angebracht, für

jede Spezies ein Fach. Untersucht man jetzt eine Platte, so werden die

mannigfaltigen Organismen nicht mehr gezählt, sondern sobald irgend

einer im Gesichtsfelde sich blicken lässt, wird für ihn ein Pfennig

(Spielmarke etc.) in sein betreffendes Fach gelegt. So kann man leicht

eine Platte, auf der sich 50 verschiedene Arten durcheinandergemengt

befinden, zählen. Auf den ersten Platten werden die Diatomeen, die

meist am zahlreichsten in einem Fange vorhanden sind, gezählt, andere

Organismen natürlich auch berücksichtigt. Zuerst wird ein stark

verdünnter Teil des Fanges genommen, da trotzdem genug Individuen

auf die Platte kommen. Die Vergrösserung muss anfangs sehr stark

sein, etwa 200, zum Zählen der Diatomeen und anderer Algen. Auf die

Platte kommt nur 0.1 _ccm_ Flüssigkeit, die mit der betreffenden

Stempelpipette abgemessen wird. Für die starke Vergrösserung bildet

diese geringe Wasserschicht aber immerhin noch ein Hindernis alle

Organismen zu sehen; hat man das Mikroskop auf die Oberfläche der

Platte eingestellt, so entgehen einem die Organismen, die an der

Oberfläche der Flüssigkeit sich befinden. Daher ist es vorteilhaft, die

Diatomeen trocken zu zählen. Es wird zu diesem Zwecke ein bestimmtes

Volumen Flüssigkeit auf eine Platte gebracht und diese dann der Wärme

eines heizbaren Objekttisches oder eines Ofens ausgesetzt, damit die

Flüssigkeit verdunstet; dann sind die Diatomeen auf der Platte in einer

Ebene ausgebreitet und können nicht so leicht übersehen werden. Da

die Mischungen und Verdünnungen nie ganz genau sein können, so wird

natürlich die Zählung jeder neuen Platte etwas abweichende Resultate

ergeben, es fragt sich daher, wie lange eine Spezies gezählt werden

muss; wann solch ein Grad von Genauigkeit erreicht ist, um von den

wenigen Zählungen auf die quantitative Zusammensetzung des ganzen

Fanges schliessen zu können. Im allgemeinen lässt sich sagen, dass

es bei den häufigsten Formen genügt, wenn man einen Bruchteil (z. B.

⅒) der Quadratwurzel sämtlicher Individuen zählt. Haben wir (siehe

Protokoll) auf der ersten Platte für _Melosira_ 27 Fäden gefunden und

wissen wir, dass die durchzählte Wassermasse der 5000000. Teil von dem

ganzen Fange ist, so würden wir nach dieser ersten Zählung schliessen,

dass 135000000 _Melosira_ im Fange sein werden, daraus nehmen wir ⅒

der Quadratwurzel = 1162. Haben wir also mindestens 1162 _Melosira_

gezählt, so können wir diese aus den Zählungen ausscheiden, d. h. wir

brauchen sie nicht mehr mitzuzählen.

Um die Genauigkeit zu finden, bis zu welcher die Zählung erfolgen muss,

führt +Hensen+[XCIX] noch folgende Erwägung an. Nachdem einige Zählungen

gemacht sind, zieht man aus diesen das Mittel. Denken wir nun, dass

noch eine Zählung hinzugekommen wäre und diese mit der am meisten

abweichenden übereinstimmen würde, und nähmen wir dann aus diesen das

Mittel, so genügen die Zählungen, wenn das Resultat sich nicht mehr als

um 5% ändert. Im Protokoll finden wir für _Melosira_ die Zahlen 382,

396, 396, Summe 1174, Mittel daraus 391. Käme noch eine Zählung hinzu

und zwar 382, so wäre die Summe 1556, Mittel daraus 389.

[XCIX] Planktonwerk S. 21.

Es verhält sich 391 : 100 = 389 : _x_,

_x_ = 99.4.

Das Resultat weicht also nur um 0.6% ab, die Zählung ist genau genug,

kann also unterbrochen werden; jedoch ist es stets besser, +mehr

Platten zu zählen, als zu wenig+.

Haben wir eine genügende Genauigkeit erreicht, so können wir die

Diatomeen beim Zählen überspringen und schwächere Verdünnung und

schwächere Vergrösserung zur Zählung benutzen. Für seltenere Formen

wird schliesslich die erste Verdünnung benutzt und von dieser 1 _ccm_,

zuletzt 2.5 durchzählt, was meist sehr schnell geht, da man nur mit

sehr schwachen Vergrösserungen zu arbeiten braucht und nur wenige Tiere

zu zählen hat.

Die einzelnen Zählungen werden notiert und zwar in Form eines

+Protokolles+. Ein solches Protokoll ist im Anhange beigegeben und

aus diesem die Einrichtung zu ersehen. Folgendes möge noch zur

Erläuterung desselben erwähnt sein. In der linken obern Ecke findet

sich Datum und Ort des Fanges, hier also: 13. September 1887, Stettiner

Haff. Über sämtliche Fänge wird ein Journal geführt, es bedeutet J.

No. 1 = Journal No. 1. Daselbst finden sich die näheren Daten, die

bei Erlangung des Fanges als wichtig notiert wurden, wie die Tiefe

des Fanges (hier 5 _m_), die Temperatur des Wassers und der Luft,

Windrichtung, Beschaffenheit des Fanges, ob locker, flockig, schnell

absetzend; letztere Aufzeichnungen sind wichtig, da sie, wie wir oben

gesehen haben, schon einen Einblick in die Zusammensetzung des Fanges

erlauben.

In dem Protokolle sehen wir einige Vertikalreihen, darauf

Horizontalreihen. Betrachten wir zuerst die Vertikalreihen. In der

ersten Kolumne mit der Überschrift „Art der Untersuchung“ steht überall

feucht, d. h. alle Platten, die durchzählt worden sind, enthielten die

Organismen in Wasser suspendiert. Den Gegensatz bilden die trockenen

Platten, die, wie oben erwähnt wurde, meist zum Zählen der Diatomeen

verwendet werden. In unserem Fange waren Diatomeen in verhältnismässig

geringer Anzahl vorhanden, _Melosira_, _Coscinodiscus_ und _Bacillaria_

zusammen etwa 100 Millionen, diesen standen von anderen Algen allein

Limnochlide mit 9653 Millionen gegenüber. Letztere würden beim Trocknen

bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft sein und daher die Zählung

vereitelt haben, während die kieselschaligen Diatomeen nicht nur ihre

Form behalten, sondern auch leichter in trockenem Zustande zu bestimmen

sind.

In der zweiten Vertikalreihe sind die +Vergrösserungen+ angegeben,

bei denen die einzelnen Platten gezählt worden sind. Das stärkste

der angewendeten Objektive (Vergrösserung 200) hatte einen solchen

geringen Abstand von der Glasplatte oder von der Flüssigkeitsmenge (0.1

_ccm_), die sich auf der Platte befand, dass es nur der gleichmässigen

und leichten Verschiebung des Objekttisches zuzuschreiben ist, dass

das Objektiv nicht in das Wasser eintauchte. Dadurch ist einerseits

einer weiteren Erhöhung der Vergrösserung ein Ziel gesetzt, anderseits

würde die Zählung einer Platte mit noch stärkeren Objektiven viel

längere Zeit in Anspruch nehmen und die Augen übermässig anstrengen.

Beiläufig will ich noch erwähnen, dass die Zählung solch einer Platte

etwa drei Stunden dauert[C]. Nach und nach nahm die Vergrösserung,

bei der gezählt wurde, ab bis auf 22; mit letzterer wurden nur noch

_Leptodora_, Milben und ein nicht bestimmtes Rädertier gezählt. Die

anderen Organismen waren entweder schon zu zahlreich auf der Platte

und lagen infolgedessen zu dicht an einander, oder es war schon die

genügende Zahl gezählt, oder endlich reichte die Vergrösserung nicht

mehr aus, die kleineren Organismen genau und schnell zu erkennen.

Aus letzterem geht hervor, dass man nie ein schwächeres Linsensystem

anwenden darf, ehe nicht alle Organismen genügend gezählt sind, die mit

diesem System nicht mehr genau erkannt werden können.

[C] Die genaue und bis in die Einzelheiten gehende Zählung eines

Fanges nimmt etwa vierzehn Tage in Anspruch bei vierstündiger

Arbeitszeit.

In der dritten Reihe ist die Grösse der +Verdünnung+ angegeben. Aus

dem oben Gesagten erklären sich die Angaben leicht. 1:1000 heisst

also, dass 1 _ccm_ der ersten Verdünnung mit 999 _ccm_ Wasser verdünnt

wurde, so dass das Gesamtvolumen 1000 _ccm_ = 1 Liter war. Man richtet

sich am besten solche Messflaschen ein, die 1000, 500, 200, 100,

80 _ccm_ halten, und benutzt dazu verschieden grosse Kochflaschen,

die eine abgemessene Flüssigkeitsmenge so aufnehmen können, dass

diese gerade noch in den Hals der Flasche hineinragt, dort bringt

man mit dem Diamant eine Marke an. Dann hat man für jede Verdünnung

sogleich eine Flasche bereit. Zu den letzten Zählungen ist die erste

Verdünnung genommen worden, es wurden aber auch nur die grössten Tiere

gezählt, so auf einer Platte, die 2.5 _ccm_ Flüssigkeit enthielt, nur

_Hyalodaphnia Kahlbergensis_, _Daphnia longispina_, _Sida crystallina_,

_Leptodora hyalina_, Milben und das oben erwähnte Rädertier. Es waren

im ganzen (in No. 27) 94 Individuen, so dass, trotz der grossen

Flüssigkeitsmenge, die Zählung nur ungefähr eine halbe Stunde in

Anspruch nahm.

Die nächste Spalte enthält die „+Nummern+“ der gezählten Platten.

Meist genügen 22–24 Platten; in unserem Fange waren aber die grossen

Formen selten, so dass, um einen einigermassen sicheren Einblick in

die Massenhaftigkeit ihres Vorkommens zu erhalten, mehrere Platten

allein für sie verarbeitet werden mussten (Platte 26–31). Die

fortlaufenden Nummern der Platten sehen wir wieder als Kopfzahlen bei

den Horizontalreihen, zu denen wir weiter unten übergehen werden.

Wir überspringen einige Spalten und sehen uns die letzte mit der

Überschrift „+Gebrauchtes Mass+“ an. Die Zahlen dieser Rubrik besagen,

eine wie grosse Wassermenge jedesmal zur Untersuchung benutzt worden

ist. Aus der ersten Zeile ersehen wir, dass 0.1 _ccm_ gezählt wurde

und zwar -- wie aus den daneben stehenden Reihen hervorgeht -- von

der Verdünnung 1:1000 bei einer Vergrösserung von 200 auf feuchter

Platte. Die Flüssigkeitsmengen werden mit den oben beschriebenen

Stempelpipetten abgemessen und auf die Platte übertragen. Es sind,

wie das Protokoll ausweist, alle dort erwähnten Grössen in Anwendung

gekommen, mit Ausnahme von 5 _ccm_, die nur zum Abmessen der Volumina

zwecks der Verdünnung gedient hat (siehe Platte 21–25, auch 10–20).

Kehren wir nun zu der alten Reihenfolge zurück, so treffen wir die

Spalte, die die +Wahren Masse+ enthält. Diese unterscheiden sich

insofern von dem „Gebrauchten Mass“, als sie nicht angeben, wie viel

Flüssigkeit auf jeder einzelnen Platte durchzählt wurde, sondern der

wievielte Teil diese Flüssigkeitsmenge von der ganzen betreffenden

Verdünnung ist. Wie wir diese Zahlen erhalten, ergiebt sich am

leichtesten an der Hand unseres Protokolls: Bei Platte 1 haben wir

1 _ccm_ der ersten Verdünnung auf 1000 _ccm_ (zweite Verdünnung)

gebracht; würde ich hiervon 1 _ccm_ abnehmen, so wäre dieser der 0.001.

Teil der ganzen zweiten Verdünnung oder des einen Kubikcentimeter der

ersten Verdünnung, den ich für die zweite benutzt habe. Zur Zählung ist

aber nur 0.1 _ccm_ verwendet, dieser ist dann nur der 0.0001. Teil der

ganzen zweiten Verdünnung, enthält also auch nur den 0.0001. Teil der

Organismen der ganzen zweiten Verdünnung resp. des 1 _ccm_ der ersten

Verdünnung, von dem die zweite Verdünnung hergestellt ist.

Bei Platte 10 haben wir die Verdünnung 10:100, also 0.1; davon 0.2

_ccm_ genommen, erhalten wir 0.02 als wahres Mass.

Bei No. 21 haben wir 30:100, also 0.3, ein Kubikcentimeter davon also

0.3 wahres Mass.

Dieses wahre Mass ist nun wichtig für die Berechnung des Koeffizienten.

In der Rubrik „+Berechnung+“ ist dieselbe ausgeführt. Bei der

Besprechung des wahren Masses sahen wir, wie wir z. B. bei Platte 1

fanden, dass die gezählten Organismen auf dieser Platte den 0.0001.

Teil der in 1 _ccm_ enthaltenen Wesen bilden. Beziehen wir aber

die gezählte Zahl auf das ganze Flüssigkeitsvolumen von 500 _ccm_

(erste Verdünnung), so haben wir nur 500/0.0001 gezählt, das ist der

5000000/1 = 5000000. Teil. Finden wir also auf der ersten Platte in 0.1

_ccm_ der Verdünnung 1:1000 2024 Limnochlide-Fäden, so wissen wir, dass

wir in dem ganzen Fange 2024 × 5000000 Limnochlide +ungefähr+ werden

finden müssen, was 10120 Millionen ergeben, eine Zahl, deren Fehler

durch weitere Zählungen eingeschränkt wird.

Haben wir eine Spezies während mehrerer Platten gezählt und sehen

wir, dass wir abbrechen können[CI], dann handelt es sich darum, den

+Koeffizienten für die Summe+ der gezählten Individuen zu finden.

Zu dem Zwecke addieren wir die wahren Masse aller der Platten, auf

denen diese Spezies beobachtet wurde, und verfahren wie oben für

eine Platte angegeben ist. Wir haben z. B. für Limnochlide fünf

Platten gezählt (1–5) und finden die Zahlen 2024, 1835, 2048, 1954,

1792, Summe 9653. Die Summe der wahren Masse für diese fünf Platten

ist 5 × 0.0001 = 0.0005, dann erhalten wir 500/0.0005 = 1000000 als

Koeffizienten der Summe. Die gezählten Individuen 9653 bilden also den

1000000sten Teil aller im Fang vorhandenen Limnochlide, das ergiebt

9653000000 Limnochlide. Habe ich _Spirogyra_ erst von der zwölften

Platte bis zur zwanzigsten gezählt, so summieren für diese Alge nur die

wahren Masse dieser Nummern, also Summe 12–20 = 0.51, und wir erhalten

den Koeffizienten 980.

[CI] Siehe oben S. 275 u. 276.

Durch die letzteren Betrachtungen sind wir nun schon bei den

+Horizontalreihen+ angelangt.

In einer Spalte derselben stehen die Namen der Organismen, die sich in

dem gezählten Fange befanden. Rechts davon sind dann die Ergebnisse

der Zählung jeder einzelnen Platte angegeben und zwar in der Rubrik,

deren Kopfzahl der betreffenden Platte entspricht. Hört man auf,

einen Organismus mitzuzählen, so steht in der Rubrik der betreffenden

Platte ein Fragezeichen. Wird auf einer Platte von einer Spezies kein

Individuum gefunden, so steht natürlich eine Null. Ist dagegen eine

Spezies beobachtet, aber auf einigen Platten nicht mitgezählt, wie

z. B. bei _Spirogyra_ 1–11, so wird auch hier ein Fragezeichen gesetzt.

In den beiden letzten Spalten sind zuerst die +Summen der gezählten

Individuen+ jeder Spezies angegeben, dann die Platten, auf denen diese

Organismen gezählt wurden.

Um nun die Gesamtsumme der in dem Fang vorhandenen Tier- und

Pflanzenindividuen zu finden, brauchen wir nur die Summe der

+gezählten+ Organismen mit dem Koeffizienten, welcher der angewendeten

Plattenzahl entspricht, zu multiplizieren. So haben wir bei Limnochlide

9653 Fäden gezählt, und zwar auf Platte 1–5, der Koeffizient der

Platten 1–5 ist 1000000, also sind im ganzen Fange 9653000000

Limnochlide-Fäden vorhanden.

Diese Gesamtsumme „+Gezählte Masse+“ steht in einer Rubrik vor den

Namen, damit man mit diesen das Endresultat sogleich übersieht.

Vor der letzteren Rubrik finden wir eine solche mit der Überschrift

„+Ganze Masse+“. Wie wir oben gesehen haben, wird nicht die ganze

Wassersäule filtriert, die dem Querschnitte des Netzes und der Tiefe

des Wassers, bis zu der das Netz herabgelassen wurde, entspricht,

sondern ein kleiner Teil fliesst über den Netzrand ab. +Hensen+ hat

deshalb für jedes Netz den Filtrationskoeffizienten[CII] berechnet, der

besagt, mit welcher Zahl man Volumen oder Anzahl der Organismen eines

Fanges multiplizieren muss, um die wirklichen Werte zu finden, wenn die

ganze Flüssigkeitssäule filtriert worden wäre. In unserem Falle war der

Koeffizient 1.034. Von _Leptodora_ waren z. B. 371 Individuen im Fange.

In der Wassersäule von 0.1 _qm_ Querschnitt und 5 _m_ Höhe waren aber

371 × 1.034 = 384 Individuen vorhanden. In Folgendem habe ich aber die

Zahlen der gezählten Masse benutzt.

[CII] Planktonwerk S. 10–13.

Nachdem wir in Vorhergehendem die Hensensche Methode der quantitativen

Untersuchung des Plankton kennen gelernt haben, erübrigt es noch, auf

die qualitative Zusammensetzung des Süsswasserplankton[CIII] einzugehen.

Jedoch muss ich noch ein paar Worte vorausschicken. Die Planktonmethode

ist bis jetzt fast nur auf das Meer angewendet worden, nur einmal ist

bei einer Fahrt in der östlichen Ostsee von +Hensen+ auch ein Fang

im Stettiner Haff[105], also im Süsswasser, gemacht worden. Die Fänge

wurden, wie wir oben gesehen haben, sofort konserviert, daher kommt es,

dass manche Organismen bei nachfolgender Zählung ganz unkenntlich sind,

da sie sich beim Töten zusammengezogen haben; dieses ist namentlich der

Fall bei Rädertieren[CIV]. Es ist daher nötig, dass an Ort und Stelle

auch lebendes Material untersucht wird, denn, wenn dieses bestimmt ist,

sind die Organismen leicht in konserviertem Zustande wiederzuerkennen.

Dieses ist nun bei einer grösseren Fahrt sehr schwer ausführbar, da

sich auf dem Schiff, namentlich bei bewegter See, schwer oder gar nicht

mikroskopieren lässt. Anders verhält sich die Sache, wenn das Institut,

in dem die Arbeiten ausgeführt werden sollen, direkt am Wasser liegt,

da kann quantitative und qualitative Bestimmung Hand in Hand gehen,

so ist das hier in Kiel, und auch in der unlängst von +Zacharias+

errichteten Süsswasserstation zu Plön der Fall. Es müssen daher in

den Protokollen vorläufige Namen für die unbestimmten[CV] Organismen

gesetzt werden und späterer Zeit überlassen bleiben, das Versäumte

bei Gelegenheit an Ort und Stelle nachzuholen. Folgendes ist ferner

auch noch von Bedeutung. Es genügt nicht, +einen+ Fang zu beliebiger

Zeit zu machen, sondern es müssen die Planktonfahrten in bestimmten

Zeitabschnitten (alle zwei oder vier Wochen)[CVI] unternommen werden,

dann erhält man erst einen Einblick in die wahre Zusammensetzung des

Plankton, das in fortwährendem Werden und Vergehen begriffen ist.

Dieses wäre eine sehr dankbare Arbeit für eine Süsswasserstation.

[CIII] Von +Häckel+[100] S. 21 Limnoplankton genannt.

[CIV] Ausgenommen von diesen sind nur die gepanzerten (_Loricata_),

die trotzdem leicht zu erkennen sind.

[CV] Leider war der Fang aus dem Stettiner Haff, da er als

ausgebraucht betrachtet wurde, weggeschüttet, so dass

auch nachträglich keine nähere Untersuchung vorgenommen

werden konnte. Es empfiehlt sich daher, das Material stets

aufzubewahren.

[CVI] So werden die Untersuchungen in der Kieler Bucht von Prof.

+Brandt+[97] seit September 1888 ausgeführt und noch

fortgesetzt.

Nach dem Gesagten ist es klar, dass die folgenden Darlegungen wenig

positives bringen können, es kann nur gezeigt werden, in welcher Art

ein Fang oder eine fortlaufende Reihe solcher verwertet werden können.

Ich beabsichtige also nur ein +Beispiel zu der oben erläuterten

Methodik zu geben+.

Beginnen wir mit den +Algen+, der Urnahrung, so fallen uns die

Vertreter zweier Ordnungen durch ihr massenhaftes Auftreten auf,

es sind die Diatomeen und Schizophyceen. Weniger zahlreich sind

Protococcoideen, von denen _Pediastrum_, _Gleocystis_ und _Scenedesmus

quadricaudatus_ gefunden wurden, und Konjugaten, die durch

Spirogyrafäden vertreten sind.

Was die +Diatomeen+ anbelangt, so müsste man glauben, dass sie

wegen ihrer grossen Zahl, trotz des geringen Anteils an organischer

Substanz, eine wichtige Nahrung für die pelagischen Tiere bilden.

Jedoch werden sie, wie +Hensen+[CVII] beobachtet hat, von allen Tieren

verschmäht. Dagegen erwähnt +Seligo+[107] in seinen Hydrobiologischen

Untersuchungen, dass die Diatomeen die Hauptnahrung mehrerer

Tierarten[CVIII] bilden. Leider sagt er nicht, für welche. Ihre

Bedeutung ist also in anderer Richtung zu suchen. Alle Diatomeen haben

eine Vegetationsperiode, d. h. sie vermehren sich zu einer bestimmten

Zeit ganz enorm, um dann wieder allmählich oder fast plötzlich zu

verschwinden. Letzterer Umstand ist durch das Bilden von Dauersporen,

die bei vielen Meeresdiatomeen beobachtet sind, leicht erklärlich,

da die Spore alsbald zu Boden sinkt. Ob bei Süsswasserdiatomeen die

gleichen Verhältnisse vorkommen, kann ich nicht angeben. Die Sporen

enthalten eine sehr konzentrierte organische Nahrung, die den Tieren

der Tiefenregion wohl zu gute kommt.

[CVII] Planktonwerk S. 99.

[CVIII] Bei meinen Untersuchungen hiesiger Süsswasserseen habe ich

den Darm von Hyalodaphnien und Bosminen dicht mit

Melosirazellen angefüllt gefunden (1891).

Da jede Diatomee aus zwei Schalen besteht, so muss man jede

vollständige Diatomee als 2 zählen, jede allein liegende Schale als 1,

und dann die erhaltene Summe durch 2 dividieren, dann erhält man die

Zahl der Zellen. Bei _Melosira_ würde dieses Verfahren zu viel Zeit in

Anspruch nehmen, man zählt daher nur die Fäden und stellt bei einer

Zahl von Fäden die Zellenzahl fest. In unserem Fange fanden sich pro

1 _qm_[CIX] 984614400 Fäden, von denen 20 = 246 Zellen enthielten,

es wären also im ganzen 12110757120 Zellen vorhanden gewesen. Ohne

Berechnung der Zellen kann man _Melosira_ nicht mit anderen Diatomeen

vergleichen. Von _Melosira_ kamen zwei Arten vor, nämlich _M.

granulata_ und eine andere, nicht näher bestimmte. An 226 Fäden war

erstere mit 208, letztere mit 18 beteiligt. _Coscinodiscus_ fand sich

in 6440890 und _Bacillaria paradoxa_ in 7388640 Individuen. Letztere

Diatomee zeigt bei ihrer Zählung ziemlich abweichende Resultate, da

mehrere Zellen an einander liegen und so Platten bilden, andere sind

auseinandergefallen, so dass, wo einmal +eine+ _Bacillaria_ gefunden

wird, ein ander Mal +eine Platte+, die aus mehreren Individuen besteht,

sich vorfindet. In geringerer Anzahl war eine Surirella-Art vorhanden,

nämlich 477570 pro 1 _qm_. Gegen _Melosira_ tritt aber die Summe aller

übrigen Diatomeen weit zurück.

[CIX] Wenn die Zahlen in folgendem auf 1 _qm_ Oberfläche berechnet

sind, so bedeutet dies stets eine Wassersäule vom Querschnitt 1

_qm_ und einer Tiefe von 5 _m_.

Die zweite Hauptgruppe der Algen bildeten die +Schizophyceen+. Einzelne

von diesen verursachen zu Zeiten die sogen. „Wasserblüte“. Sie sollen

den Fischen verderblich werden, jedoch ist die Ursache davon noch

unbekannt.

Vor allen trat _Limnochlide flosaquae_ Ktz. hervor, es wurden von

ihr unter 1 _qm_ Oberfläche 96530000000 Fäden gefunden, von denen

20 = 294 Zellen enthielten, so dass wir fast 1½ Billion Zellen

erhalten. Die filtrierte Wassermenge betrug fast 0.5 _cbm_ = 500

Millionen Kubikmillimeter, es fanden sich also in 1 _cmm_ Wasser 2838

Zellen = 142 Fäden. Ihre Bedeutung für den Stoffwechsel ist mir nicht

klar, es wäre aber möglich, dass die Sporen dieser Alge ebenfalls

(siehe Diatomeen) den Tieren der Tiefenregion zur Nahrung dienen

könnten.

Neben Limnochlide kamen noch mehrere Arten von Chroococcaceen vor.

Sie sind im Protokoll einfach mit _Coccus_ bezeichnet und mit einem

Beinamen versehen, der auf die Form der Kolonie oder der einzelnen

Individuen Bezug hat. Sie gehörten meist der Gattung _Polycistis_ an,

der sogenannte feinkörnige _Coccus_ war _P. ichthyoblabe_. Dagegen

ähnelte _Coccus_ 1 (viereckig) mehr einer _Merismopedia_.

Die in Pikrinsäure konservierten Algen lassen aber nicht ihre

natürliche Färbung erkennen und sind dann nicht mehr bestimmbar.

Zusammen fanden sich 109824460 Kolonien, die einzelnen Individuen sind

nicht zu zählen.

Zur Urnahrung müssen wir ferner, wie in der Einleitung erwähnt ist,

die Peridineen rechnen. Es waren im Fange drei Arten vorhanden,

_Ceratium tripos_, _C. fusus_ und _Peridinium divergens_. Diese drei

Peridineen sind echte Meeresbewohner und es muss daher ihr Vorkommen im

Süsswasser[CX] sehr auffallen. Ich vermutete daher zuerst, dass sie

von früheren Fängen aus der westlichen Ostsee am Netze hängen geblieben

waren, dieses war aber nicht der Fall, da, wie ich nachher erfuhr, ein

ganz neues Netz zum Fischen verwendet war. Es müssen also sich die

Peridineen dem Leben im Süsswasser angepasst haben. Der Salzgehalt im

Stettiner Haff war so gering, dass er mit den Instrumenten nicht mehr

gemessen werden konnte. Von den Peridineen, die bisher im Süsswasser

gefunden wurden, sind keine beobachtet.

[CX] +Hensen+[105] führt auch an, dass _Ceratium tripos_ von

+Pringsheim+ nahe bei Berlin gefunden ist, also im Süsswasser

(S. 74).

Von den Protozoen finden wir im Plankton die +Tintinnen+. Dieses

sind die niedrigststehenden Tiere, die durch einen Mund geformte

Nahrung aufnehmen. Worin diese Nahrung besteht, ist nicht bekannt,

+Hensen+[CXI] vermutet darunter der geringen Grösse der Tintinnen

wegen noch kleinere Wesen, als bis jetzt nachgewiesen sind, und die

regelmässig durch das Netzzeug hindurchschlüpfen. Tintinnen sind

in zwei Arten im Fange vorhanden gewesen. _Tintinnus ventricosus_,

der auch im Meere zahlreich vorkommt, war sehr häufig, auf 1 _qm_

Oberfläche 1586040 Tiere, noch mehr war _T. borealis_ Hensen[CXII] zu

finden, eine neue Art, die eine Länge von nur 0.048 _mm_ hat, und an

_Chaetoceros_ und anderen Organismen festsass. Von ihm waren 2881960

Individuen unter 1 _qm_ Oberfläche.

[CXI] +Hensen+, Planktonwerk S. 71.

[CXII] +Hensen+[105] hier auch Beschreibung und Figur.

Von +Rädertieren+ wurden sechs Arten gefischt. Drei davon gehörten

zu der Gattung _Anuraea_, die anderen drei konnten nicht bestimmt

werden, da sie zu sehr kontrahiert waren, es befand sich darunter eine

sehr grosse durchsichtige Art[CXIII], von der nur 3180 unter 1 _qm_

Oberfläche lebten.

[CXIII] _Synchaeta?_

Die beiden anderen unbestimmten Rotatorien waren sehr zahlreich zu

finden, das eine in der Zahl von 776240, das andere von 3203200 unter

derselben Oberfläche. Von _Anuraea_ fanden sich _A. aculeata_ Ehbg.

mit 203840, _quadridentata_ mit 722180 und _foliacea_ Ehbg. mit 58240

Individuen. Ausserdem 2567380 Rädertiereier.

Von Daphniden wurden sechs Arten gefunden. Drei von diesen sind

allgemein als pelagisch bekannt, nämlich _Leptodora hyalina_ Lilj.,

_Hyalodaphnia Kahlbergensis_ Schödler und _Chydorus sphaericus_ O.

Fr. M., während die drei übrigen bei den bisherigen Untersuchungen

von Süsswasserbecken meist als littorale Formen nachgewiesen wurden.

_Daphnia longispina_ Leyd. ist jedoch auch von +Zacharias+[109] in

den 6–8 _m_ tiefen Mansfelder Seen pelagisch gefunden, ebenso _Sida

crystallina_ von +Forel+[99] in Schweizer Seen. Da die Daphniden

vielen Süsswasserfischen zur Nahrung dienen, so ist ihre Bestimmung

von hohem praktischen Interesse, namentlich da sie sich in Bezug

auf ihren Gehalt an organischer Substanz ähnlich wie die Copepoden

verhalten dürften, für die wir oben 99.4% gefunden haben. Wenn wir in

unserem Fange unter einem Quadratmeter Oberfläche 1826100 Daphniden

finden, so können wir uns leicht ein Bild von ihrer Bedeutung für

die Fischzucht machen. Mit Hilfe der Planktonmethode würde sich ein

sehr klares Bild über den Entwickelungsgang dieser Tiere finden

lassen. Bei fortgesetzten Untersuchungen könnte man das Auftreten

der Daphniden im Frühjahr feststellen, sowie dessen Abhängigkeit von

der Wassertemperatur, ferner würde sich die rapide Zunahme gegen den

Sommer hin zeigen, wobei es von Wichtigkeit wäre, die Zahl der Eier

und Embryonen im Brutraume zu berücksichtigen, so dass sich für jede

Art eine Durchschnittszahl ergeben würde. Zugleich liesse sich das

Erscheinen der verschiedenen Arten in den einzelnen Monaten finden. Im

Spätsommer würden dann die Männchen hinzukommen und schliesslich würde

man die Cladoceren verschwinden sehen, nachdem man die Bildung der

Dauereier beobachtet hätte.

Es würden sich alle diese Verhältnisse zahlenmässig klarlegen lassen

und einen präzisen Ausdruck liefern für die bisherigen Ausdrücke, wie

„im Frühjahr nach Schmelzen des Schnees massenhaft auftretend“.

Die +Copepoden+, deren Bedeutung wir schon oben gesehen haben, bilden

einen anderen Hauptbestandteil des Plankton. Sie waren unter 1 _qm_

Oberfläche mit 697480 vertreten. Dazu kommen noch die Larvenformen mit

786520.

In dem Protokoll sind die einzelnen Arten nicht getrennt aufgeführt

worden. Es schien anfangs nicht möglich, während des Zählens die

verschiedenen Spezies auseinanderzuhalten, und mit Hilfe der bisherigen

Diagnosen ist dieses auch nicht auszuführen. Nachdem es sich aber

herausgestellt hat, dass in einem Fange selten mehr als sechs Arten

(bei Zählungen der Copepoden des Plankton im Kieler Hafen) vorhanden

sind, ist die getrennte Zählung versucht worden und hat sich auch

durchführen lassen, da jede Spezies irgend ein bestimmtes Merkmal

besitzt, an dem sie sofort erkannt werden kann. Man kann schliesslich

noch weiter gehen und auch die Geschlechter getrennt zählen. Neben

den ausgewachsenen Copepoden werden dann die Larven berücksichtigt.

Diese nach der Spezies zu zählen wird wohl fürs erste kaum geschehen

können, da die Entwickelungsreihen vom Ei bis zum erwachsenen Tier nur

erst für sehr wenig Formen festgestellt sind, bei genauem Studium und

einiger Ausdauer liesse sich dieses vielleicht auch ausführen. Ebenso

müssten die Eiersäckchen mit der durchschnittlichen Zahl der Eier

berücksichtigt werden.

Nach den erwähnten Untersuchungen von +Hensen+ nähren sich die

Meerescopepoden von Peridineen. Die des Süsswassers müssen aber

andere Nahrung zu sich nehmen, denn nach unserem Fange standen 697480

Copepoden, ohne Larven, nur 122090 Peridineen zur Verfügung, die nach

den Hensenschen Berechnungen nur 10000 Copepoden genügen würden. Nach

+Claus+[98] leben sie von pflanzlichem und tierischem Detritus,

+Vosseler+[108] hat dasselbe beobachtet, meint jedoch, dass noch

Infusorien sich beigesellen. Ob dieses aber auch die Nahrung der

pelagischen Copepoden ist, wäre noch experimentell festzustellen.

Von +Hydrachniden+ wurde _Nesaea elliptica_ Kram. in erwachsenen und

jugendlichen Formen gefunden. Ihre immerhin beträchtliche Zahl von

2400 pro 1 _qm_ ist bemerkenswert. Ob sie in dem Haushalt der Natur

irgend eine Rolle spielen, vermag ich nicht anzugeben. Eigentümlich ist

das pelagische Vorkommen, obgleich +Zacharias+[110] in norddeutschen

Seen die Milben nur littoral gefunden hat. Dagegen erwähnt auch

+Nordquist+[106] in seinem Aufsatz über die pelagische und Tiefseefauna

finnischer Seen pelagische Hydrachniden.

Von +Mollusken+ wurden nur Muschellarven zahlreich gefangen,

Schneckenlarven fehlten. Es fanden sich 40770 auf den Quadratmeter

Oberfläche. Nimmt man für eine Muschel 1 _qcm_ Bodenfläche an, so

würden das auf 1 _qm_ immer nur 10000 ausmachen, der Raum ist aber viel

zu gering bemessen. Von den Larven kann also im günstigsten Falle nur

¼ am Leben bleiben und diese müssten den Boden dann dicht überziehen.

Das ist aber nicht wahrscheinlich. Ob die Larven zu einer Spezies

gehören, ist bei der Zählung nicht berücksichtigt worden, die Art

selbst zu bestimmen ist bis jetzt auch nicht möglich, würde sich aber

bei speziellen Studien gewiss ausführen lassen. Es würde das ein Licht

auf die Zeit und die Dauer des Schwärmens der Larven werfen.

Es konnte in Vorhergehendem nur meine Aufgabe sein, dem Leser die

Methodik zur quantitativen Bestimmung des Plankton im Süsswasser zu

erklären; etwas Näheres über die Organismen des Plankton zu sagen, war

nach dem einen Süsswasserfange noch nicht möglich. Es wäre zu wünschen,

dass die Hensensche Methode auch in einem grösseren Landsee angewendet

würde, interessante und wichtige Ergebnisse würde sie liefern, wie das

schon der Fall bei ihrer Anwendung im Meere gewesen ist. Endlich möchte

ich nochmals auf die epochemachende Arbeit +Hensens+ hinweisen, die so

viel des interessanten bietet, worauf ich nur hinweisen konnte, oder

das ich wegen Raummangel ganz übergehen musste.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Zweiter Band. · 第 57 / 60 题