Der schauerliche Abend. (Fortsetzung.)

Der Professor hatte seine Erzählung geendet, wir saßen eine gute Weile

still und nachdenkend. Das lange Schweigen ward mir endlich peinlich;

ich wollte das Gespräch wieder anfachen oder auf eine andere Bahn

bringen, als mir ein Herr von mittleren Jahren in reicher Jagduniform,

wenn ich nicht irre, ein Oberforstmeister aus dem Nassauischen,

zuvorkam.

„Es ist wohl jedem von uns schon begegnet, daß er unzählige Male für

einen andern gehalten wurde oder auch Fremde für ganz Bekannte

anredete, und sonderbar ist es, ich habe diese Bemerkung oft in meinem

Leben bestätigt gefunden, daß die Verwechslung weniger bei jenen

platten, alltäglichen, nichtssagenden Gesichtern als bei auffallenden,

eigentlich interessanten vorkommt."

Wir wollten ihm seine Behauptung als ganz unwahrscheinlich verwerfen;

aber er berief sich auf die wirklich interessante Erscheinung unseres

Natas. „Jeder von uns gesteht," sagte er, „daß er dem Gedanken Raum

gegeben, unsern Freund, nur unter anderer Gestalt, hier oder dort

gesehen zu haben, und doch sind seine scharfen Formen, sein

gebietender Blick, sein gewinnendes Lächeln ganz dazu gemacht, auf

ewig sich ins Gedächtnis zu prägen."

„Sie mögen so unrecht nicht haben," entgegnete Flaßhof, ein

preußischer Hauptmann, der auf die Strafe des Arrestes hin schon zwei

Tage bei uns gezaudert hatte, nach Koblenz in seine Garnison

zurückzukehren. „Sie mögen recht haben; ich erinnere mich einer Stelle

aus den launigen Memoiren des italienischen Grafen Gozzi, die ganz für

Ihre Behauptung spricht. Jedermann, sagt er, hat den Michele d'Agata

gekannt und weiß, daß er einen Fuß kleiner und wenigstens um zwei

dicker war als ich, und auch sonst nicht die geringste Ähnlichkeit in

Kleidung und Physiognomie mit mir gehabt hat. Aber lange Jahre hatte

ich beinahe täglich den Verdruß, von Sängern, Tänzern, Geigern und

Lichtputzern als Herr Michele d'Agata angeredet zu werden und lange

Klagen um schlechte Bezahlung, Forderungen usw. anhören zu müssen.

Selten gingen sie überzeugt von mir, daß ich nicht Michele d'Agata

sei. Einst besuchte ich in Verona eine Dame; das Kammermädchen meldet

mich an: ‚Herr Agata.' Ich trat hinein und ward als Michele d'Agata

begrüßt und unterhalten, ich ging weg und begegnete einem Arzt, den

ich wohl kannte. ‚Guten Abend, Herr Agata,' war sein Gruß, indem er

vorüberging.--Ich glaubte am Ende beinahe selbst, ich sei der Michele

d'Agata."

Ich wußte dem guten Hauptmann Dank, daß er uns aus den ängstigenden

Phantasien, welche die Erzählung des Professors in uns aufgeregt

hatte, erlöste. Das Gespräch floß ruhiger fort; man stritt sich um das

Vorrecht ganzer Nationen, einen interessanten Gesichtsschnitt zu

haben, über den Einfluß des Geistes auf die Gesichtszüge überhaupt und

auf das Auge insbesondere; man kam endlich auf Lavater und Konsorten;

Materien, die ich hundertmal besprochen, mochte ich nicht mehr

wiederkäuen, ich zog mich in ein Fenster zurück. Bald folgte mir der

Professor dahin nach, um gleich mir die Gesichter der Streitenden zu

betrachten.

„Welch ein leichtsinniges Volk," seufzte er, „ich habe sie jetzt

soeben gewarnt und die Hölle ihnen recht heiß gemacht, ja, sie wagten

in keine Ecke mehr zu sehen, aus Furcht, der Leibhaftige möchte daraus

hervorgucken, und jetzt lachen sie wieder und machen tolle Streiche,

als ob der Versucher nicht immer umherschleiche."

Ich mußte lachen über die Amtsmiene, die sich der Professor gab. „Noch

nie habe ich das schöne Talent eines Vesperpredigers an Ihnen

bemerkt," sagte ich; „aber Sie sehen mich in Erstaunen durch Ihre

kühnen Angriffe auf die böse Welt und auf den Argen selbst. Bilden Sie

sich denn wirklich ein, dieser harmlose Natas...."

„Harmlos nennen Sie ihn?" unterbrach mich der Professor, heftig meine

Brust anfassend, „harmlos? haben Sie denn nicht bemerkt," flüsterte er

leiser, „daß alles bei diesem feinen--Herrn berechneter Plan ist? O,

ich kenne meine Leute!"

„Sie setzen mich in Erstaunen, wie meinen Sie denn?"

„Haben Sie nicht bemerkt," fuhr er eifrig fort, „daß der gebildete

Herr Oberforstmeister dort mit Leib und Seele sein ist, weil er ihm

fünf Nächte hindurch alles Geld abjagte und den Ausgebeutelten gestern

nacht noch fünfzehnhundert Dukaten gewinnen ließ? Er nennt den

abgefeimten Spieler einen Mann von den nobelsten Sentiments und

schwört auf Ehre, er müsse über die Hälfte wieder an den Fremden

verlieren, sonst habe er keine Ruhe. Haben Sie ferner nicht bemerkt,

wie er den Ökonomierat gekörnt hat?"

„Ich habe wohl gesehen," antwortete ich, „daß der Ökonomierat, sonst

so moros und misanthropisch, jetzt ein wenig aufgewacht ist; aber ich

habe es dem allgemeinen Einfluß der Gesellschaft zugeschrieben."

„Behüte. Er läuft schon seit zwanzig Jahren in den Gesellschaften

umher und wacht doch nicht auf; auf dem Weg ist er, ein Bruder

Liederlich zu werden. Der Esel reist krank im Lande umher, behauptet,

einen großen Wurm im Leibe zu haben, und macht allen Leuten das Leben

sauer mit seinen exorbitanten Behauptungen, und jetzt? Jetzt hat ihn

dieser Wundermann erwischt, gibt ihm ein Pülverlein und rät ihm, nicht

wie ein anderer vernünftiger Arzt, Diät und Mäßigkeit, sondern er soll

seine Jugend, wie er die fünfzig Jahre des alten Wurms nennt,

genießen, viel Wein trinken &c., und das _et cetera_ und den Wein

benützt er seit vier Tagen ärger als der verlorene Sohn."

„Und darüber können Sie sich ärgern, Herr Professor? Der Mann ist sich

und dem Leben wieder geschenkt--"

„Nicht davon spreche ich," entgegnete der Eifrige, „der alte Sünder

könnte meinetwegen heute noch abfahren, sondern daß er sich dem

nächsten besten Charlatan anvertraut und sich also ruinieren muß. Ich

habe ihn vor acht Jahren in der Kur gehabt, und es besserte sich schon

zusehends."

Der Eifer des Professors war mir nun einigermaßen erklärlich, der

Brotneid schaute nicht undeutlich heraus.--

„Und unsere Damen," fuhr er fort, „die sind nun rein toll. Mich dauert

der arme Trübenau, ich kenne ihn zwar nicht, aber übermorgen soll er

hier ankommen, und wie findet er die gnädige Frau? Hat man je gehört,

daß eine junge gebildete Frau in den ersten Jahren einer glücklichen

Ehe sich in ein solches Verhältnis mit einem ganz fremden Menschen

einläßt, und zwar innerhalb fünf Tagen!"--

„Wie? die schöne bleiche Frau dort!" rief ich aus.--

„Die nämliche bleiche," antwortete er, „vor vier Tagen war sie noch

schön rot wie eine Zentifolie, da begegnet ihr der Interessante auf

der Straße, fragt, wohin sie gehe, hört kaum, daß sie _Rouge fin_

kaufen wolle (denn solche Toilettengeheimnisse auszuplaudern, heißt

Bonton), so bittet und fleht er, sie solle doch kein Rot auflegen, sie

habe ein so interessantes _je ne sais quoi_, das zu einem blassen

Teint viel besser stehe. Was tut Sie? wahrhaftig, sie geht in den

nächsten Galanterieladen und sucht weiße Schminke; ich war gerade

dort, um ein Pfeifenrohr zu erstehen, da hörte ich sie mit ihrer süßen

Stimme den rauhhaarigen Bären von einem Ladendiener fragen, ob man das

Weiß nicht noch etwas ä t h e r i s c h e r habe? Hol mich der T-----!

hat man je so etwas gehört?"

Ich bedauerte den Professor aufrichtig; denn, wenn ich nicht irre, so

suchte er von Anfang die Aufmerksamkeit der schönen Frau auf den schon

etwas verschossenen Einband seiner gelehrten Seele zu ziehen. Daß es

aber mit Natas und der Trübenau nicht ganz richtig war, sah ich

selbst. Von der Schminkegeschichte, die jenen so sehr erboste, wußte

ich zwar nichts; aber wer sich auf die Exegese der Augen verstand,

hatte keinen weiteren Kommentar nötig, um die gegenseitige Annäherung

daraus zu erläutern.

Der Professor hatte, in tiefe Gedanken versunken, eine Zeitlang

geschwiegen; er erhob jetzt sein Auge durch die Brille an die Decke

des Zimmers, wo allerlei Engelein in Gips aufgetragen waren. „Himmel,"

seufzte er, „und die Thingen hat er auch. Sie glauben nicht, welcher

Reiz in dem ewig heitern Auge, in diesen Grübchen auf den blühenden

Wangen, in dem Schmelz ihrer Zähne, in diesen frischen, zum Kuß

geöffneten Lippen, in diesen weichen Armen, in diesen runden, vollen

Formen der schwellenden--"

„Herr Professor!" rief ich, erschrocken über seine Extase, und

schüttelte ihn am Arm ins Leben zurück. „Sie geraten außer sich,

Wertester. Belieben Sie nicht eine Prise Spaniol?"

„Er hat sie auch," fuhr er zähneknirschend fort. „Haben Sie nicht

bemerkt, mit welcher Hast sie vorhin nach seinen Verhältnissen fragte?

Wie sie rot ward? Jung, schön, wohlhabend, Witwe,--sie hat alles, um

eine angenehme Partie zu machen. Geistreiche Männer von Ruf in der

literarischen Welt buhlen um ihre Gunst, sie wirft sich an einen--

Landstreicher hin. Ach, wenn Sie wüßten, bester Doktor, was mir der

Oberkellner sagte, aber mit der größten Diskretion, daß man ihn

vorgestern nachts aus ihrem Zimmer...."

„Ich bitte, verschonen Sie mich," fiel ich ein, „gestehen Sie mir

lieber, ob der Wundermensch Sie selbst noch nicht unter den Pantoffel

gebracht hat."

„Das ist es eben," antwortete der Gefragte, verlegen lächelnd, „das

ist es, was mir Kummer macht. Sie wissen, ich lese über Chemie; er

brachte einmal das Gespräch darauf und entwickelte so tiefe

Kenntnisse, deckte so neue und kühne Ideen auf, daß mir der Kopf

schwindelte. Ich möchte ihm um den Hals fallen und um seine Hefte und

Notizen bitten; es zieht mich mit unwiderstehlicher Geisterkraft in

seine Nähe, und doch könnte ich ihm mit Freuden Gift beibringen."

Wie komisch war die Wut dieses Mannes! Er ballte die Faust und fuhr

damit hin und her, seine grünen Brillengläser funkelten wie

Katzenaugen, sein kurzes, schwarzes Haar schien sich in die Höhe zu

richten.

Ich suchte ihn zu besänftigen. Ich stellte ihm vor, daß er ja nicht

ärger losziehen könnte, wenn der Fremde der Teufel selbst wäre; aber

er ließ mich nicht zum Worte kommen.

„Er ist es, der Satan selbst logiert hier in den drei Reichskronen,"

rief er, „um unsere Seelen zu angeln. Ja, du bist ein guter Fischer

und hast eine feine Nase; aber ein ----r Professor wie ich, der sogar

in demagogischen Untersuchungen die Lunte gleich gerochen und eigens

deswegen hierher nach Mainz gereist ist, ein solcher hat noch eine

feinere als du."

Ein heiseres Lachen, das gerade hinter meinem Rücken zu entstehen

schien, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich wandte mich um und

glaubte Natas höhnisch durch die Scheiben hereingrinsen zu sehen. Ich

ergriff den Professor am Arm, um ihm die sonderbare Erscheinung zu

zeigen, denn das Zimmer lag einen Stock hoch; dieser aber hatte weder

das Lachen gehört, noch konnte er meine Erscheinung sehen; denn als er

sich umwandte, sah nur die bleiche Scheibe des Mondes durch die

Fenster dort, wo ich vorhin das greulich verzerrte Gesicht des

geheimnisvollen Fremdlings zu sehen geglaubt hatte.

Ehe ich noch recht mit mir einig war, ob das, was ich gesehen, Betrug

der Sinne, Ausgeburt einer aufgeregten Phantasie oder Wirklichkeit

war, ward die Türe aufgerissen und Herr von Natas trat stolzen

Schrittes in das Zimmer. Mit sonderbarem Lächeln maß er die

Gesellschaft, als wisse er ganz gut, was von ihm gesprochen worden

sei, und ich glaubte zu bemerken, daß keiner der Anwesenden seinen

forschenden Blick auszuhalten vermochte.

Mit der ihm in eigenen Leichtigkeit hatte er der Trübenau gegenüber,

neben der Frau von Thingen, Platz genommen und die Leitung der

Konversation an sich gerissen. Das böse Gewissen ließ den Professor

nicht an den Tisch sitzen, mich selbst fesselte das Verlangen, diesen

Menschen einmal aus der Ferne zu beobachten, an meinen Platz am

Fenster. Da bemerkten wir denn das Augenspiel zwischen Frau von

Trübenau und dem gewandtesten der Liebhaber, der, indem er der Tochter

des Ökonomierats so viel Verbindlichkeiten zu sagen wußte, daß sie

einmal über das andere bis unter die breiten Brüsseler Spitzen ihrer

Busenkrause errötete, das feingeformte Füßchen der Frau von Thingen

auf seinem blankgewichsten Stiefel tanzen ließ.

„Drei Mücken auf einen Schlag, das heiße ich doch--meiner Seel'--

aller Ehre wert," brummte der zornglühende Professor, dem jetzt auch

seine letzte Ressource, die ökonomische Schöne, so was man sagt, vor

dem Mund weggeschnappt werden sollte. Mit tönenden Schritten ging er

an den Tisch, nahm sich einen Stuhl und setzte sich, breit wie eine

Mauer, neben seine Schöne. Doch diese schien nur Ohren für Natas zu

haben; denn sie antwortete auf seine Frage, ob sie sich wohl befinde,

„übermorgen," und als er voll Gram die Anmerkung hinwarf, sie scheine

sehr zerstreut, meinte sie „1 fl. 30 kr. die Elle."

Ich sah jetzt einem unangenehmen Auftritt entgegen. Der Professor, der

nicht daran dachte, daß er durch ein Sonett oder Triolett alles wieder

gut machen, ja durch ein Paar _ottave rime_ sich sogar bei der

Trübenau wieder insinuieren könnte, widersprach jetzt geradezu jeder

Behauptung, die Natas vorbrachte. Und ach! nicht zu seinem Vorteil;

denn dieser, in der Dialektik dem guten Kathedermann bei weitem

überlegen, führte ihn so aufs Eis, daß die leichte Decke seiner Logik

zu reißen und er in ein Chaos von Widersprüchen hinabzustürzen drohte.

Eine lieblich duftende Bowle Punsch unterbrach einige Zeit den Streit

der Zunge, gab aber dafür Anlaß zu desto feindseligern Blicken

zwischen Frau von Trübenau und Frau von Thingen. Diese hatte, ihrer

schönen, runden Arme sich bewußt, den gewaltigen silbernen Löffel

ergriffen, um beim Eingießen die ganze Grazie ihrer Haltung zu

entwickeln. Jene aber kredenzte die gefüllten Becher mit solcher

Anmut, mit so liebevollen Blicken, daß das Bestreben, sich gegenseitig

so viel als möglich Abbruch zu tun, unverkennbar war.

Als aber der sehr starke Punsch die leisen Schauer des Herbstabends

verdrängt hatte, als er anfing, die Wangen unserer Damen höher zu

färben und aus den Augen der Männer zu leuchten, da schien es mir mit

einem Male; als sei man, ich weiß nicht wie, aus den Grenzen des

Anstandes herausgetreten. Allerlei dumme Gedanken stiegen in mit auf

und nieder, das Gespräch schnurrte und summte wie ein Mühlrad, man

lachte, und jauchzte und wußte nicht über was. Man kicherte und neckte

sich, und der Oberforstmeister brachte sogar ein Pfänderspiel mit

Küssen in Vorschlag. Plötzlich hörte ich jenes heisere Lachen wieder,

das ich vorhin vor dem Fenster zu hören glaubte wirklich, es war

Natas, der dem Professor zuhörte und trotz dem Eifer und Ernst, mit

welchem dieser alles vorbrachte, alle Augenblicke in sein heiseres

Gelächter ausbrach.

„Nicht wahr, meine Herzen und Damen," schrie der Punsch aus dem

Professor heraus, „Sie haben vorhin selbst bemerkt, daß unser

verehrter Freund dort jedem von Ihnen, nur in anderer Gestalt, schon

begegnet ist? Sie schweigen? Ist das auch Raison, einen so im Sand

sitzen zu lassen? Herr Oberforstmeister! Frau von Thingen, gnädige

Frau! Sagen Sie selbst, namentlich Sie, Herr Doktor!"

Wir befanden uns durch die Indiskretion des Professors in großer

Verlegenheit. „Ich erinnere mich," gab ich zur Antwort, als alles

schwieg, „von interessanten Gesichtern und ihren Verwechselungen

gesprochen zu haben. Und wenn ich nicht irre, wurde auch Herr von

Natas aufgeführt."

Der Benannte verbeugte sich und meinte, es sei gar zu viel Ehre, ihn

unter die Interessanten zu zählen; aber der Professor verdarb wieder

alles.

„Was da! ich nehme kein Blatt vor der Mund!" sagte er, „ich

behauptete, daß mir ganz unheimlich in dero Nähe sei, und erzählte,

wie Sie in Stuttgart den armen Hasentreffer erwürgt haben, wissen Sie

noch, gnädiger Herr?"

Dieser aber stand auf, lief mit schrillendem Gelächter im Zimmer

umher, und plötzlich glaubte ich den unglückbringenden Doktor meiner

Vaterstadt vor mir zu haben; es war nicht mehr Natas, es war ein

älterer, unheimlicher Mensch.

„Da hat man's ja deutlich," rief der Professor, „dort läuft er als

Barighi umher."

„Barighi?" entgegnete Frau von Trübenau. „Bleiben Sie doch mit Ihrem

Barighi zu Hause, es ist ja unser lieber Privatsekretär Gruber, der da

hereingekommen ist."

„Ich möchte doch um Verzeihung bitten, gnädige Frau," unterbrach sie

der Oberforstmeister, „es ist der Spieler Maletti, mit dem ich in

Wiesbaden letzten Sommer assoziiert war."

„Ha! ha! wie man sich doch täuschen kann," sprach Frau von Thingen,

den Auf= und Abgehenden durch die perlmutterne Brille beschauend, „es

ist ja niemand anders als der Kapellmeister Schmalz, der mir die

Gitarre beibringt."

„Warum nicht gar!" brummte der alte Ökonomierat, „es ist der lustige

Kommissär, der mir die gute Brotlieferung an das Spital in D---n

verschafft."

„Ach! Papa!" kicherte sein Töchterlein, „jener war ja schwarz, und

dieser ist blond! Kennen Sie denn den jungen Landwirt nicht mehr, der

sich bei uns ins Praktische einschießen wollte?"

„Hol mich der Kuckuck und alle Wetter," schrie der preußische

Hauptmann, „das ist der verfluchte Ladenprinz und Ellenreiter, der mir

mein Lorchen wegfischte! Auf Pistolen fordere ich den Hund, gleich

morgen, gleich jetzt." Er sprang auf und wollte auf den immer ruhig

Auf= und Abgehenden losstürzen. Der Professor aber packte ihn am Arm:

„Bleiben Sie weg, Wertester!" schrie er, „ich hab's gefunden, ich

hab's gefunden, kehrt seinen Namen um, es ist der S a t a n!"

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Mitteilungen aus den Memoiren des Satan · 第 8 / 51 题