DIE SOIREE.

"Was aber der Präsident Sanden dick tut!" sagten die Freilinger, als jetzt

die Lakaien in der Stadt umherflogen und zum Souper einluden. Die meisten

dachten, es geschehe der Gräfin Aarstein zu Ehren, bei welcher er sich auf

alle mögliche Weise zu insinuieren suche, um später einmal Minister zu

werden.

Als man aber abends in den Salon des Präsidenten trat, wurde man noch mehr

von diesem "Dicketun" überzeugt. Außer den prachtvollen Lüstres, die

gewöhnlich bei Gesellschaften angezündet wurden, war eine ganze Galerie der

geschmackvollsten Wandleuchter von Bronze angebracht, und Walratlichter, so

durchsichtig und klar wie Glas, eine ganz nagelneue Erscheinung für

Freilingen, strahlten ein Feuermeer von sich. Die Wände waren mit Festons

von Blumen und grünen Zweigen geschmückt, die sich in den deckenhohen

Spiegeln zu einem ganzen Wald von Kränzen und Girlanden vervielfältigten.

Ein ganzer Hausrat der prächtigsten Kristalls, Vasen, Teller, Becher,

Platten, Schüsseln, Bouteillen blinkte mit seinen geschliffenen Figuren in

tausend vielfarbigen Lichtern. Das schwerste Silber an Bestecken und

Leuchtern ward heute aufgesetzt, und jedermänniglich war erstaunt über

diese Pracht.

Einige aber, die feinere Nasen hatten als die übrigen, legten die Finger

daran und klügelten hin und her, was dies alles zu bedeuten habe; denn man

wußte so ziemlich allgemein, daß der alte Sanden ohne Not und wichtige

Ursache nicht so viele Umstände mache. Doch aus seinem Gesicht konnte man

nicht recht vernehmen, was er in petto habe, Er empfing seine Gäste höchst

freundlich, aber zeremoniös, sprach mit keinem sehr viel und lange, sondern

teilte sich überall und allen mit. Die Gräfin--nun, die kam endlich, sah

aber nicht danach aus, als ob ihr das Fest gehöre; denn sie war wie

gewöhnlich prachtvoll, aber nicht gerade festlich gekleidet.

Die einzigen von allen Gästen, die mit ihren Erwartungen so ziemlich am

nächsten ans Ziel trafen, waren wohl Leutnant Schulderoff und seine

Kameraden. Sie waren seit der Duellgeschichte die eifrigsten Freunde des

Polen geworden und hatten ihre geheime Schadenfreude daran, daß der

Goldfisch wahrscheinlich der Aarstein, welche die Garnisonoffiziere sehr

über die Achsel angesehen und ganz obenhin behandelt hatte, entschlüpfen

würde. "Wenn die Ida doch keinem von uns gehören soll," hatte Schulderoff

geäußert, "so gönne ich sie am liebsten dem Martiniz; er ist Soldat und,

das muß man ihm lassen, brav wie der Teufel; stand er doch da, als die

blaue Bohne auf ihn zusurrte, als wäre es ein Schneeglöckchen; so kalt und

fest habe ich in meinem Leben keinen sich schießen sehen. Und am Ende hatte

er doch recht; denn Sporeneck räsonierte doch über die Ida, daß es mir

selbst das Herz im Leibe hat zerreißen wollen. Das kommt aber von niemand

her als von der Aarstein, die den guten Jungen, den Sporeneck, zum Teufel

modelliert hat, und nebenbei kommt es auch von meiner Frau Mama mit ihrer

ewigen Planmacherei, mich unter die Haube zu bringen, und nebenbei auch von

der falschen Katze, der Sorben, die gegen jedermann ergrimmt ist, der nicht

von ihren Reizen hingerissen wird."

So urteilte der Leutnant und mit ihm seine Kameraden, so sehr hatte die

Uniform und der Orden auf Martiniz' Brust die ganze Sache verändert.

Endlich war die ganze Gesellschaft beisammen. Man konversierte in dem

festonierten Saal, ehe man zu den Spieltischen ging, und die Gräfin hatte

den größten Hof um sich; denn man dachte nicht anders, als sie müsse doch

vielleicht die Königin des Festes sein. Es fehlte niemand mehr; doch ja,

Martiniz und Ladenstein fehlten noch; die Gräfin suchte vergebens mit ihren

rastlosen Blicken nach dem ersteren. Sie hatte eine tüchtige Schelte

einstudiert, um ihn für seine Vernachlässigung zu strafen; überhaupt hatten

sich ihr heute so sonderbare Gedanken aufgedrängt--der Graf, der sich doch

sonst an sie angeschlossen, dem sie so merklich als möglich ihre Neigung zu

ihm gezeigt hatte, war zwei Tage gar nicht für sie sichtbar; sie wußte, daß

er heute im Haus gewesen, und doch hatte er sie nicht besucht; der

Rittmeister--der war ihr nun ganz unbegreiflich, und sie war bitterböse auf

ihn. Im ganzen war er ihr gleichgültig; denn ihre Neigungen waren sehr

flüchtiger Natur; auch war ihr der Graf jetzt bei weitem interessanter, und

sie gestand es sich selbst, sie hätte ein Wohlwollen zu ihm, das beinahe

Liebe war,--aber dennoch sollte der Rittmeister noch immer der _Cavaliere

servente_ sein, und dennoch konnte er es wagen, zwei Tage sich nicht mit

einem Blick sehen zu lassen. Wenn er auf die Jagd geritten war, wie die

übrigen Offiziere äußerten, so hätte er wenigstens ein Billett an sie

hinterlassen können--aber sie wollte es ihm entgelten.

Der Arme! er lag gerade jetzt auf seinem Schmerzenslager und fluchte die

fürchterlichsten Flüche, daß er sich jemals in die Dienste dieser Sirene

begeben habe.

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Der Mann im Mond Oder der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme, nebst der Kontrovers-Predigt über H. Clauren und den Mann im Mond · 第 58 / 76 题