Erregt stürzte alles durcheinander: »Aufhalten, aufhalten!«

Aber niemand hatte rasch genug zugreifen können. Nur der Seerose war es

geglückt, noch eine Pille zu erwischen und sie schnell in den Mund zu

stecken.

Allgemeiner Unwillen; -- am liebsten hätte man die Brüder Scissors

geohrfeigt.

»Sie, Barsch, Sie haben wohl auch nicht aufpassen können? -- Wozu sind

Sie eigentlich Assistent bei mir?!«

War das ein Schimpfen und Keifen! Bloß der Pulp konnte kein Wort

herausbringen, hieb nur wütend mit den geballten Fangarmen auf eine

Muschel, daß das Perlmutter krachte.

Plötzlich trat Totenstille ein: -- Die Seerose!

Der Schlag mußte sie getroffen haben: sie konnte kein Glied rühren. Die

Fühler weit von sich gestreckt, wimmerte sie leise.

Mit wichtiger Miene schwamm der Tintenfisch hinzu und begann eine

geheimnisvolle Untersuchung. Mit einem Kieselstein schlug er gegen einen

oder den anderen Fühler oder stach hinein. (Hm, hm, Babynskisches

Phänomen, Störung der Pyramidenbahnen.)

Nachdem er schließlich mit der Schärfe seines Flossensaumes der Seerose

einige Male kreuz und quer über den Bauch gefahren war, wobei seine

Augen einen durchdringenden Blick annahmen, richtete er sich würdevoll

auf und sagte: »Seitenstrangsklerose. -- Die Dame ist gelähmt.«

»Ist noch Hilfe? Was glauben Sie? Helfen Sie, helfen Sie -- ich schieß

rasch in die Apotheke,« rief das gute Seepferd.

»Helfen?! -- Herr, sind Sie verrückt? Glauben Sie vielleicht, ich habe

Medizin studiert, um Krankheiten zu heilen?« Der Tintenfisch wurde immer

heftiger. »Mir scheint, Sie halten mich für einen Barbier, oder wollen

Sie mich verhöhnen? Sie, Barsch -- Hut und Stock -- ja!«

Einer nach dem andern schwamm fort: »Was einen hier in diesem Leben doch

alles treffen kann, schrecklich -- nicht?«

Bald war der Platz leer, nur hin und wieder kam der Barsch mürrisch

zurück, nach einigen verlorenen oder vergessenen Dingen zu suchen.

* * *

Auf dem Grunde des Meeres regte sich die Nacht. Die Strahlen, von denen

niemand weiß, woher sie kommen und wohin sie entschwinden, schwebten wie

Schleier in dem grünen Wasser und schimmerten so müde, als sollten sie

nie mehr wiederkehren.

Die arme Seerose lag unbeweglich und sah ihnen nach in herbem Weh, wie

sie langsam, langsam in die Höhe stiegen.

Gestern um diese Zeit schlief sie schon längst, zur Kugel geballt, in

sicherem Versteck. -- Und jetzt? -- Auf offener Straße umkommen zu

müssen, wie ein -- Tier! -- Luftperlen traten ihr auf die Stirne.

Und morgen ist Weihnachten!!

An ihren fernen Gatten mußte sie denken, der sich, Gott weiß wo,

herumtrieb. -- Drei Monate nun schon Tangwitwe! Wahrhaftig, es wäre

kein Wunder gewesen, wenn sie ihn hintergangen hätte.

Der violette Tod, und andere Novellen · 第 20 / 30 题