Schilling

(nach kurzem Schweigen, mit demselben hilflos fragenden Ausdruck

wie vorher):

Ja, woran liegt das alles? Ich weiß es nicht. Ich habe nach etwas ...

wie soll ich sagen? Ich habe nie bewußt nach dem Schlechten gestrebt!

Ich hatte wirklich nie böse Absichten!

Eveline:

Stelle dich gleichgültig, Gabriel; es wird ein Tag kommen, wo du den

Unterschied zwischen einer Frau, die du jetzt mißhandelst, und einer

Hanna Elias einsehen wirst.

Hanna Elias stürzt in vollständig zügelloser Raserei herein und auf

Eveline los, kreischend und mit geballten Fäusten.

Hanna:

Es ist mich gleichgültig, was du von mir sagst! Ich speie darauf, es ist

mich gleichgültig! Ich speie auf deine verfluchte Liebe! Du hast keine

Liebe! Du lügst, du lügst! Du hast dicken, geschwollenen Vipernhaß! Du

hast Gift, du hast Stachel, du hast keine Liebe! Wie quälst du jetzt

deinen kranken Mann! Pfui! Schamlose, Schlechte, Niederträchtige! Keinen

Funken von Herz, keinen Funken von Gott! Da, stich mich! Triff mich mit

deine Augen! Triff mich mit deine Dolch von Blick! Triff mich mit einer

richtigen Dolchspitze! Da! Was ist mir Leben! Was liegt mir daran? Nur

geh, geh und laß meinen Gabriel! Er ist nicht dein! Du hast ihn

verspielt! Mein, mein! Ich fühl's! Er ist mein, mein Gabriel!

Unter den Fenstern erschallt plötzlich das mißtönige Geräusch eines

kleinen erregten Janhagels. Kinder, Weiber und halbwüchsige

Burschen miauen, husten und schreien: »hoho«. Der Lärm wird durch

die energische Stimme von Klas Olfers beschwichtigt: »Ruhe, macht,

dat ji wegkommt! Wat wollt ihr hier!« Rasmussen hat, um sie zu

beruhigen und ihre wahnsinnige Erregung zu dämpfen, Hanna in seine

Arme geschlossen. Er drängt sie langsam hinaus. Mäurer hat den

größten Teil der letzten Szene miterlebt, hinter Schilling in der

Tür stehend. Eveline ist stumm und besinnungslos vor Entsetzen. Ihr

Blick bleibt, solange sie im Zimmer ist, mit grauenvollem Staunen

auf Schilling haften. Dieser steht bewegungslos und schluchzt nur

einige Male krampfhaft. Seine weitgeöffneten Augen stehen voll

Wasser. Das Taschentuch wie einen Knebel im Mund, geht Eveline an

Schilling vorüber, von Lucie geführt, hinaus. Stillschweigen.

Gabriel Schillings Flucht: Drama · 第 173 / 202 题