Lucie

(trocken):

Da wird der gute Schilling wohl etwas verfroren gewesen sein.

Hanna:

Er war halbtot, als er zu mir kam, und hat sich erst gegen Morgen

erwärmt.

Lucie:

Hat er denn solche Anfälle, wie den gestrigen, schon früher gehabt?

Hanna:

Ich weiß, seine Frau hat ihm aufgeregt. Sie hat ihm gedroht, sie wird

sich töten, wenn er nicht aufgibt seine Liebe zu mir. Wie kann er denn

diese Liebe aufgeben? Wo sie ihm doch der einzige Sinn seines Lebens

ist, die Rettung von ihre Banalität. Soll er denn seine Kunst aufgeben,

wo er sagt, daß seine Liebe zu mir von seine Kunst die innerste Seele

ist?

Lucie:

Leider hat er in den letzten Jahren nichts mehr gearbeitet.

Hanna:

Oh, er hat ein süßes Kinderporträt gemacht von meine kleinen Sohn

Gabriel.

Lucie:

Wenn man aber bedenkt, daß in mehreren Jahren nur dieses Bildnis

entstanden ist, so kann man doch wohl nicht anders sagen, als daß seine

Kraft darniederliegt.

Hanna:

Sie liegt durchaus nicht darnieder gänzlich. Er bewundert wie nichts in

der Welt meine Akt. Nun, ich bin selber viele Monate krank gewesen und

habe nicht können in seinem ungesunden und kalten Atelier und ohne

Bekleidung stehn, und in eine sehr verbogene Stellung für seine Geburt

der Venus, als Modell. Ich habe es aber mit Anstrengung meiner letzten

Kräfte getan, bis ich bin von der Kiste, auf die ich stand, mit eine

Ohnmacht zusammengebrochen.

Lucie:

Ich setze voraus, daß es an Ihrem guten Willen nicht liegt; das Resultat

ist doch aber klar. Und Sie sollten doch verständigerweise die Absichten

Mäurers unterstützen.

Gabriel Schillings Flucht: Drama · 第 134 / 202 题