Zwischen zwei Sandhügeln zieht sich ein breiter Feldweg nach dem
Hintergrunde zu, zwischen anderen Hügeln, gegen das Meer hin
verschwindend. In dem Winkel, den die ferneren Hügel bilden, steht
die See als tiefblaue Wand. Darüber das hellere Blau des
wolkenlosen Himmels. Rechts vom Wege, im Vordergrund, liegt ein
wenig höher hinauf ein Kirchhof; ein Teil seiner niedrigen
Umfassungsmauer ist sichtbar, über die Mauer ragt ein altes
Kruzifix. Ziemlich weit vorn steht, in die Mauer eingebaut, die
kleine alte, mit Schindeln bedeckte Leichenhalle. Außer einem
zerzausten Hollunderstrauch an der oberen Ecke, außerhalb der
Mauer, zeigt sich keine Vegetation. Nahe bei diesem
Hollunderstrauch ist aus vier Pfählen und einem Brett vor Jahren
eine Bank errichtet worden, die stark verwittert, noch steht. Links
vom Wege liegt ein imposantes, aber stark verfallenes Mauerwerk,
Reste eines alten Klosters. Das besterhaltene Stück ist ein
Torbogen aus braun-rötlichen Ziegelsteinen. Einige sehr alte
Pappeln und Eschen erheben sich dahinter. Etwas romantisch Düsteres
liegt über diesem Gebiet.
Nicht mehr als zwei Stunden sind vergangen seit den Geschehnissen
im zweiten Akt.
Lucie liegt unweit der kleinen Bank lesend im Thymian. Mäurer kommt
vom Meer her den Weg hervor und zu ihr.
Mäurer:
Bravo! Du bist noch allein, Schusterchen. Puh! Ich fürchtete, es würde
womöglich um dich her schon russisch gesprochen. Eine verfluchte
Geschichte ist das!
Lucie:
Ich glaube, der arme Schilling mit seinen Damen kommt nicht, er fürchtet
sich.
Mäurer:
Wie kann man um Gottes willen ein Weib so wenig im Kusch halten, daß sie
einem wie eine Bracke überall auf der Fährte liegt! Die ganze Insel ist
mir verleidet. Sie hat längst, kannst du mir glauben, die Witterung, daß
wir mit Schilling etwas vorhaben. Das muß sie durchkreuzen. Davon hält
sie kein Anstandsgefühl und nichts in der Welt überhaupt zurück. -- Aber
sie kann ganz sicher sein, ich habe mir das jetzt auf meinem Gange alles
durchüberlegt -- sie hat in mir einen zum letzten entschlossenen Gegner
gefunden. Diese Beute jag ich ihr ab.
Lucie:
Vielleicht steht es gar nicht so schlimm, wie du denkst, Ottfried, und
Schilling hat Energie genug für sich allein.
Mäurer:
Sobald sich's um Energie handelt, trau ich ihm nicht. Nein! Besonders
jetzt nicht. Da dürfte doch ein sehr entschiedenes Nachhelfen unbedingt
nötig sein; daran soll es nicht fehlen, ich werde schon nachhelfen.
Aber, ob es gegenüber ihrer überlegenen weiblichen Strategie und ihrem
Arsenal gegenüber was nützen kann, weiß ich nicht.