(mit verändertem Ton):
Mein Junge, ich ziehe mir morgens die Kleider an und finde das manchmal
schon zu umständlich. Ich ziehe sie abends wieder aus und habe etwas
mehr Spaß daran; damit habe ich mehr als genug zu tun. Was darüber
hinausgeht, ist mir zu weitläufig.
Mäurer:
Ist das die Wirkung von euren Seebädern?
Schilling:
Weiß Gott, wovon das die Wirkung ist! Sieh mal, es gab mal bei mir eine
Zeit, da braucht ich an einem grauen Tag nur in der Ferne, zum Beispiel
an einem Berg oder an einem der märkischen Seeufer irgendeinen von der
Sonne beschienenen Fleck zu erblicken, sofort verlegte ich auch ein
Stück Eden dahin. Was sollte ich heute in Griechenland? Ich kann in die
Dinge nichts mehr hineinlegen. Äh, stellen wir erst die Uhr mal ab. (Er
steht auf und stellt den Pendel der Wanduhr still.)
Mäurer:
»Es gab eine Zeit«! was tu ich damit? Du solltest eine so schwächliche,
sentimentale Altweibersommermeditation wahrhaftig anderen überlassen.
Und die Uhr wird auch nicht mehr abgestellt! (Er springt auf und stößt
den Pendel der Uhr wieder an, so daß sie geht. Lucie bricht in Gelächter
aus.) Taten, mein Junge! Malen! Arbeiten! Was meinst du wohl, wie gesund
das ist!
Schilling:
Nanu will ich dir mal was anderes sagen: ich reise seit meinem
sechzehnten Jahre jedes Frühjahr und jeden Herbst mittels einer sehr
lebhaften Phantasie nach Griechenland. In Wirklichkeit bin ich nie
hingekommen; da glaubt man nu mal so recht nicht mehr dran.
Lucie nimmt eine Gitarre vom Sofa und zupft darauf leise die
»Ruinen von Athen« von Beethoven.
Mäurer:
Das ist Sache der Berlin-Wien-Triester Eisenbahn und des
Österreichischen Lloyd, keine Glaubenssache. Man kauft ein Billett, und
dann ist man dort. Und wenn man erst dort ist -- in lumpigen vier, fünf
Tagen kann man es sein, Schilling! -- so sieht man das bißchen Kehricht
im Winkel eines Berliner Ateliers ganz anders an. Man sieht's überhaupt
nicht mehr, kann ich dir sagen. -- Man muß doch mal deutlich mit dir sein.