(stutzt und verstummt einen Augenblick, dann lacht sie mit
verdoppelter Lustigkeit aus gesunder, übermütiger Kinderseele
heraus, toll und hinreißend):
Man merkt, daß du heuer noch kein Seewasser geschluckt hast, Ottfried!
Sonst würden dir sämtliche Spießbürger der Welt, so wie mir,
piepschnuppe sein; -- (sie gerät wieder in einen neuen gesunden Lachkrampf
von innen heraus, dann Olfers nachahmend): »Heute mittag woll wi zur
Abwechslung wieder mal Kabeljau essen!« Bis zur Übelkeit Kabeljau! Jau,
jau, Kabeljau!
Mäurer:
Kriege bloß keinen Lachkrampf, liebe Lucie!
Lucie:
Und dann lassen wir uns von Klas Olfers seinem gestickten Käppi eine
Bouillon kochen.
Mäurer:
In solchen Fällen pflegte meine Schwester früher immer zu mir zu sagen:
du ahnst etwas!
Lucie:
Die See! Die See! Die See! Die See! Wenn ihr wollt, daß ich wieder
lebendig und fuchsfidel munter werde, wenn ich mal sollte gestorben
sein, so braucht ihr mich bloß in Seewasser zu tunken!
Sie nimmt vor einem kleinen Spiegelchen ihr Haar zusammen.
Mäurer:
Sag mal, hast du Schilling gesehen?
Lucie:
Schilling treibt's mit dem Baden viel toller als ich. Er schwimmt, bis
man ihn aus den Augen verliert; der kann aus dem Wasser erst recht nicht
herausfinden.
Mäurer:
Ich finde, daß seine Laune zusehends besser wird.
Lucie:
Na, ganz gewiß.
Mäurer:
Auch sein Betragen ist wieder viel offner und freier, mehr, wie es in
alten Zeiten war.
Lucie:
Ich finde ihn geradezu ausgelassen. Ich habe ihn so überhaupt nicht
gekannt.
Mäurer:
Da hast du wohl recht. Das kannst du wohl sagen. In der Zeit, als du ihn
zum erstenmal sahst, hatte er schon seinen Klaps weggekriegt.
(Schilling erscheint am Fenster.)