(indem er mit Mathias die Gaststube gegenüber betritt):
Na, Mathias, wie is? Wenn kenn wi mal wedder scheunen, fetten Oal
hebben?
Sie verschwinden im Gastzimmer. Man hört zuweilen von dort den
schweren Schritt des Fischers, Klappern von Bierseideln und das
undeutliche Geräusch plattdeutscher Unterhaltung. Nun kommt die
Treppe herunter und in das Zimmer herein Mäurer, ein Buch und
einige Drucksachen in der Hand. Er nimmt am Tisch Platz. Schuckert
hat seinen Kopf zurückgezogen. Mäurer entfaltet eine Karte und
blickt kopfschüttelnd auf, als das geschäftige, laute Gepolter von
Tritten auf der Treppe nicht abreißt. Plötzlich steckt Lucie ihren
Kopf zum Fenster herein.
Lucie:
Guten Morgen, Herr Mäurer!
Mäurer:
Na, endlich jemand. Wo steckt ihr denn? Glaubt ihr, ich kann von der
Luft leben?
Lucie:
Bist du allein?
Mäurer:
Mutter-Hund, so zu sagen, eine geschlagene Stunde lang.
Lucie verschwindet vom Fenster, kommt schnellfüßig durch den
Hausflur ins Zimmer, schließt die Türe hinter sich, die Tür nach
dem Laden ebenfalls, geht wortlos auf Mäurer zu, umhalst ihn, zieht
ihn nach rückwärts, so daß der Stuhl kippt, und küßt ihn zu vielen
Malen mit frischer, gesunder Leidenschaftlichkeit. Sie ist im
fußfreien Leinwandkleidchen vom Baden gekommen, trägt die Wäsche
noch unterm Arm und das Haar zum Trocknen offen. Mäurer wehrt sich
zunächst nicht, dann zieht er das Mädchen auf seinen Schoß und küßt
sie, merklich erwärmt, auf den Mund, wobei er den Duft ihres
erfrischten Körpers einzusaugen scheint.
Mäurer:
Frische Seejungfer!
Lucie:
Gott sei Dank, daß ich dich endlich mal allein habe. Das kommt jetzt gar
nicht mehr bei uns vor.
Mäurer:
Außer, wenn die Hunde den Mond anbellen!
(Stillschweigen und erneute Küsse.)
Lucie:
Ich schlafe hier furchtbar wenig, Ottfried. Es war wieder taghell diese
Nacht. Ich habe nach zwölf Uhr noch ohne Kerze gelesen. -- (Sie küßt ihn
wieder.)