(schmunzelnd):
Was haben Sie denn in der Zeitung gelesen?
Kühn:
Von die schöne Bildsäule, die in Bremen errichtet worden ist.
Mäurer:
Die hat mir verflucht Arbeit gemacht, können Sie mir glauben, die schöne
Bildsäule. Ich bin froh, daß sie mir aus dem Gehege ist.
Kühn:
Nu gehn Sie aber doch gleich schon wieder nach Griechenland?
Mäurer:
Hat das etwa auch schon wieder in der Zeitung gestanden?
Kühn:
Jawohl! Es gibt ja wohl Marmorbrüche dort, und da wollen Sie ja wohl
Steine für neue Standbilder aussuchen.
Mäurer:
Na, Gott sei Dank bin ich mal erst vorläufig hier! -- Ich habe schon
manchmal ganz gemütlich in Berlin in einer Weinkneipe gesessen und in
der Zeitung gelesen, ich befände mich augenblicklich in Konstantinopel
und modellierte die Tochter des Sultans. -- Übrigens, wem gehört denn die
Gallionfigur?
Kühn:
Die hat der große Nordweststurm vor zwei Jahren an Land gebracht.
Mäurer:
Sie gefällt mir; ich würde sie gerne kaufen.
Kühn:
»Ilsebilse, niemand will se, kam der Koch und nahm se doch.« -- Schuckert,
glaub' ich, hat sie gefunden.
Mäurer:
Ist das der junge Schuckert?
Kühn:
Jawohl. Bei Schuckerten finden Se immer so was. Der Alte hat mal einen
dicken goldnen Armring aus'm Wasser rausgebracht. Soll ich vielleicht
mal mit ihm reden?
Mäurer:
Ja, bitte, Meister; tun Sie das!
Kühn:
Übrigens hat's mit dem Dinge, wie mir einfällt, ne kuriose Bewandtnis.
Die dänische Brigg, von der's wahrscheinlich stammt und die hier draußen
gesunken ist, hat der junge Schuckert zwei oder drei Tage vorher, jenau
mit die Figur, bei schönstem Wetter wafeln gesehn.
Mäurer:
Weißt du, was wafeln ist, Lucie?
Lucie:
Nein.
Mäurer:
In Schottland nennt man es %second-sight%.
Lucie:
Ach so, etwas mit dem zweiten Gesicht sehen.
Mäurer:
Ja, zum Beispiel sein eignes Begräbnis.
Kühn:
Gott sei Dank, ich leide nicht dran, trotzdem ich alle Augenblick mal
mit Sargbretter zu tun habe.
Mäurer:
Ist jemand gestorben?
Kühn:
Nee, vorläufig nich; aber Vorrat muß sein.
(Er legt sich zwei Bretter auf die Schulter und geht.)
Adje, Herr Professor!
Mäurer: