Ratibor: Schwebe Pendel über das Gestein
bleischwer über ird'nen Wasserkrügen
und im Stromkreis durch das Blut der Hand!
Zwang zu treiben, Zwang zu Irrfahrt -- Weg,
Zwang durch Moos, durch Rinde, Blatt und Strauch.
Heiligkeit der Tiere! Kraft und Beben,
Seele ausgelöst im Rückenrund
aufgeleuchtet Leid aus stumpfen Augen,
Taukristall im Erdenlehm -- o Keim!
Ahnung zieht durch Schlummer, reift im Traum
und vermißt sich an des Tages Schwelle!
Blumen tragen ihren Durst hinauf,
wo aus Wolken Wasser niedersteigen,
und die Sehnsucht schmilzt im nackten Raum!
Ich bin Mensch! Wie lange noch! Auch du?
Bist schon in der Tiefe? Sauge ein,
Sauge Seufzer aus dem Saft der Lippen
bis ich schmachtend spüre fremden Zug
und -- entleert Gefäß -- dich fern begreife!
(Brinhildis kommt)
Brinhildis: Herr!
Ratibor: Nicht du!
Brinhildis: Ich bin ein Bote!
Ratibor: Nein!
Bist du selbst im Nebel deiner Glieder,
schlank wie Birkenstämme, winkst im Forst,
weisest Tränen -- Schnee durch kahl Geäst!
Brinhildis: Herr!
Ratibor: Sei stumm, dann stehst du auf der Scheide!
Beuge dich zu mir! Mein Arm heißt Mann!
(Brinhildis kniet neben ihm)
Nein! Sprich nicht! Denn Worte tragen Last!
Arme Tiere wir, entzweigebrochen
am Verstand, der sagen will! O greife
mit der Hand ins Leere -- greife Luft,
das ist Atem zwischen dir und mir!
Wollen ihn in Kränze winden! Küsse!
Brinhildis: Nein!
Ratibor: Was wehrst du?
Brinhildis: Wartet meine Frau!
Ratibor: Wer? die Königin? -- Oh -- -- sie ist alt!
Wir sind jung!
Wann kommst du auf die Wiese?
Brinhildis: Imma!
Ratibor: Still!
Brinhildis: Die Treue!
Ratibor: Wer sie lebt,
kennt die Fülle!
Sinke zu mir nieder!
Du bist schön, wie sie!
Begreifst du nicht?
Brinhildis: Jauchze Leid!
Ratibor: O dunkle Brunnentiefe!
(Er küßt sie. Sie legt ihren Kopf in seinen Schoß, er wiegt sie)
Wundes Wild im Tann gestreckt
Jäger kommt -- Jäger!
Liebe, die sich ausgeneckt,
träger wird -- träger!
Ach -- das Ziel, das Sehnsucht deckt,
ruft Gericht, ruft Zeugen -- weckt
Kläger!
Tilge lose Kraft in Wut!
Kreise Liebe -- es ist gut,
was der Mensch dem Menschen tut!
(Brinhildis richtet sich langsam auf)
Brinhildis (wie im Traum):
Wollte dir etwas sagen!
Weiß nicht mehr!
Ratibor: Von der Königin?
Brinhildis (schmerzlich): Ach --!
Ratibor: Nun?
-- -- -- --
Brinhildis (lächelnd): Später!
(küßt ihn -- springt davon)