Geist: Alles dir!
Nur eines von dir: Menschen!
Imma: Alles behalte!
Eines gib!
Gib Menschen!
Geist: Pracht der Tiefe!
Imma: Sonnenweh!
Gib das Licht,
das Tiere atmen!
Gib die Regung, zart wie Reh
schattend unter Bäumen!
Gib,
was die Seele nie im Laut geweckt:
Gib die Liebe!
Geist: Meine Liebe!
Imma: Hart!
Gold und Stein, dein zähes Element!
Worte, die du denkst im Fels begriffen!
Wert, wie Fäuste aus Gestalt gestaut
ohne Kreislauf, sündenlos, die Wut!
Geist: Soll ich menschlich sein?
Imma: Du kannst es nicht!
Sehnsucht heißt der Pol! Du hast die Macht!
Unerfüllt wir sind! Du bist Vollendung!
Warum raubtest du?
Geist: Aus Not der Kraft!
Imma: Spalte deine Kräfte in das Meer!
Fest sei Ziel im Mittelpunkt der Erde!
Jage Wunsch auf Flügeln um die Welt!
Geist: Das ist Menschenblick, der reißt entzwei!
Kraft bin ich und will die Ohnmacht lieben!
Beides schmilzt im Mantel meiner Brust!
Imma: Deute nicht Gewalt! Sei mutig roh!
Zeichne stark: Tod gib mir! Gib mir Leben!
Geist: Gestorben bist du! Lebe!
Imma: Fremd die Welt!
Geist: Starb der Mensch! Dein Atem füllt die Luft!
Imma: Lebt sein Bild! Mein Atem trägt die Liebe!
Geist: Laß mich bei dir sein!
Imma: Laß mich empor!
(Sie wirft sich auf die Erde, Kopf vergraben. Der Geist sinnt
gekrümmt. Dann streckt er die Hände, weckt Musik, kniet wie
träumend, wühlt die Erde auf, zieht drei Rüben, wirft sie hoch im
Bogen, spricht dazu)
Geist: Bildkraft: Liebe!
Sehnsucht: Ziel!
Wurzeltriebe,
Mondenspiel!
Flut und Ebbe! Quillt die Wut?
Blut und Erde, Seelenbrut!
(Die Rübe »Königin«, die Rübe »König«, die Rübe »Brinhildis«, in
Gestalt den Menschen völlig gleich, kommen blind und lächeln. Der
Geist kichert, gräbt weiter, schafft die Mägde Gersa, Buh und
Linde durch Wurf und Spruch. Dann geht er. Die Rüben stehen sechs
im Kreise hinter Imma)
Rübenkönig und Rübenkönigin: Löse!
Rübenbrinhildis: Löse!
Die drei Rübenmägde: Löse!
Imma: (schreit auf, betrachtet lang entsetzt, läuft im
Wahnsinn stumm davon)