1. August.

Keine Fürstin kann's so haben als ich. Draußen die paradiesische

Landschaft mit der schönen Stadt im Tale. Im Hause die frohe Umgebung,

in meinem Gemach der stille Frieden -- in mir die Pein.

Wie Wochen sind mir die Stunden, da Ludwig nicht bei mir ist, und wie

zittere ich, wenn er bei mir ist! Er ist jetzt in den Ferien Bauer,

Gärtner und Jäger und immer munter, immer gut und liebevoll. Gar nie

tritt er ins Zimmer, ohne mir eine Blume, eine Knospe mitzubringen, er

ziert damit mein Haar, meinen Busen, tritt dann zwei Schritte zurück

und schaut fröhlich her, wie es mir passe. Gestern abends, da wir

beisammen im Garten standen vor einem Strauche junger Herbstrosen, nahm

er mich an beiden Händen, schaute mir mit feuchtem, leuchtendem Auge

ins Gesicht und sagte: »Juliana, ich danke dir! Ich danke dir, daß du

mein bist!«

Einen Stich gab's mir im Herzen, ich wankte ins Haus.

Ich liebe ihn! Ich liebe ihn so heiß, daß ich den Frevel nicht

begreifen kann, wie ich einst sagte: bloß Mama zum Trotz.

Fremde Straßen · 第 20 / 89 题