Keine Fürstin kann's so haben als ich. Draußen die paradiesische
Landschaft mit der schönen Stadt im Tale. Im Hause die frohe Umgebung,
in meinem Gemach der stille Frieden -- in mir die Pein.
Wie Wochen sind mir die Stunden, da Ludwig nicht bei mir ist, und wie
zittere ich, wenn er bei mir ist! Er ist jetzt in den Ferien Bauer,
Gärtner und Jäger und immer munter, immer gut und liebevoll. Gar nie
tritt er ins Zimmer, ohne mir eine Blume, eine Knospe mitzubringen, er
ziert damit mein Haar, meinen Busen, tritt dann zwei Schritte zurück
und schaut fröhlich her, wie es mir passe. Gestern abends, da wir
beisammen im Garten standen vor einem Strauche junger Herbstrosen, nahm
er mich an beiden Händen, schaute mir mit feuchtem, leuchtendem Auge
ins Gesicht und sagte: »Juliana, ich danke dir! Ich danke dir, daß du
mein bist!«
Einen Stich gab's mir im Herzen, ich wankte ins Haus.
Ich liebe ihn! Ich liebe ihn so heiß, daß ich den Frevel nicht
begreifen kann, wie ich einst sagte: bloß Mama zum Trotz.