Da treten aus dem Walde der alte würdige Stadtrichter Lorenz

Blumenhöfer mit dem einstigen schwedischen Feldprediger Hollenhagen,

dem die Fama allerlei Dinge nachsagt, die aber bei ernstem

Geschichtsstudium sich zugunsten Hollenhagens auflösen. So wird auch

der Vorsteher belehrt, der bei des Predigers Eintritt sagt:

»Was hat damals durch den einen Toren

unser Geyer für wertvolle Urkunden verloren,«

durch den Hinweis, daß er mit den Kirchenbüchern damals zugleich die

Namen der Exulanten verbrannt habe, die sich in Geyer und der ganzen

Umgegend aufhielten, damit sie nicht in die Hände der Kaiserlichen

fielen. Stadtrichter Blumenhöfer leitet ein Verfahren ein, das aber für

den Beleidiger durch Einspruch der besorgten Gattin am Ende gütlich

beigelegt wird und zur Entschuldigung und stummen Verzeihung führt.

Unterdessen ist auch der Meister Hieronymus Lotter mit seiner Frau

Käte, einer geborenen Geyerschen, in den Kreis getreten und findet zum

Ruhme des neuen Rathauses treffliche Worte, die durch abschließende,

den Blick und die Gedanken aufwärts und vorwärts lenkende Schlußworte

des Vorstehers ihren Ausklang finden, und nach denen durch

gemeinschaftlichen Gesang des Liedes »O Täler weit, o Höhen« dem Wald

als der Quelle des Vermögens der Stadt und der Baugelder zum Rathaus

ein ergreifend wirkendes Loblied dargebracht wird.

Und nun bewegten sich die »Gäste« in den Trachten ihrer Zeit mit unter

den Festteilnehmern, nahmen teil an deren Fröhlichkeit und sollen auch

den Weg nicht allzubald zurückgefunden haben zu den Gefilden, von

dannen sie kamen.

Dem anwesenden Verfasser wurde reicher Dank der Festteilnehmer

zuteil, der aus dem Herzen kam, da er vielen aus der Seele sprach,

da er uns rechtes Heimatleben in Geschichte, Volkstum und Mundart

nachempfinden ließ. Unvergessen sind ihm seine entschuldigenden Worte,

da Not und Elend die Bewohner des armen entlegenen Bergstädtleins als

Hausierer und Bettler und noch Schlimmeres in die Umgegend trieb,

unvergessen sein Loblied auf das gewerbfleißige Geyer der Gegenwart,

auf die Tatkraft und den Opfersinn der Stadtväter und Bürgerschaft

voraussetzende Schöpfung des neuen Rathauses, das ja dem Feste Anlaß

und Mittelpunkt war. Wie wußte er Ernst und Humor zu paaren, so daß der

über dem ganzen lagernden Feststimmung kein Abbruch geschah. Und die

Vereinsleitung weiß dem Verfasser Dank, daß er so bereitwillig seine

Weihnachtsferien der einmal gefaßten Idee opferte und ihr behilflich

war, das Vergnügen aus der Flut von Vergnügungen herauszuheben als

etwas ganz Besonderes, als einen Heimatabend in des Wortes wahrster

Bedeutung.

~L.~

=Über Orts-, Straßen- und Hausnamen= lesen wir in der »Schwäbischen

Chronik« bemerkenswerte Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen:

»Zahlreiche neue Siedelungen, namentlich für Kriegsbeschädigte und

Kriegsteilnehmer, sind geplant und werden in den nächsten Jahren

entstehen. Den schon vor dem Krieg entstandenen wurden teilweise recht

inhaltlose Namen gegeben. Entweder waren es Benennungen nach den

Himmelsrichtungen (Südheim, Ostau, Westdorf, Nordheim) oder sonstige

unschöne Bezeichnungen, wie Fabrikdorf, Hafenau usw. Für die neuen

Siedelungen sollten bei der Namensgebung nur bewährte _bodenständige

Namen_ Verwendung finden. Am natürlichsten wirken stets die

Bezeichnungen, die auf die _alten Flur- und Markungsnamen_ zurückgehen,

auf deren Gebiet die Siedlung angelegt wird. Oft läßt sich der Flurname

ohne weiteres auch als Ortsname verwenden. Wo das nicht möglich ist,

helfen die alten Endungen: -hausen, -hohen, -ingen, -heim, -stetten.

Empfehlenswerter als diese Bezeichnungen sind jedoch Endungen, die auch

die Lage der neuen Siedelung auf einem Berg, an einem Hang, in der

Nähe einer Quelle, am Waldrand, im Wiesental usw. zum Ausdruck bringen.

Hier seien nur einige zur Namenzusammensetzung geeignete Wörter

aufgezählt: Berg, Eck, Horn, Halde, Bronn(en), Brunn(en), Wald, Busch,

Holz, Wiese, Tal, Au, Heide, Ort, Lust. Wo kein passender Flurname

vorhanden sein sollte, empfehlen sich Bezeichnungen nach der Lage,

wobei sich aus den vorstehend aufgezählten Wörtern sehr klangvolle

und ansprechende Namen zusammensetzen lassen: Waldlust, Bergeck,

Buschhalden u. a. Zur Namengebung sind ferner die Namen von Tieren oder

von Früchten vorzüglich geeignet, die im Siedelungsgebiet besonders

stark vertreten sind. Wie vielsagend und anheimelnd wirken Namen wie

Fuchsbau, Rehberg, Finkenwiese, Amseleck, Käferholz, Kirschhofen,

Dinkelsbühl.

Aber nicht nur für die Siedelung selbst gilt es, schöne und mit

der Natur verbindende Namen zu prägen, sondern auch die _Straßen_

in den neuen Siedelungen müssen derartige Namen bekommen. Wie öde

wirkt eine Friedrich-, Heinrich-, Olga-, Karl- oder Marienstraße!

Hoffentlich werden unsere neuen Siedelungen nicht nur Straßen besitzen,

sondern auch kleine einspringende Höfe, Winkel usw. und es werden

die daranliegenden Häuser auch mit entsprechenden Namen versehen,

z. B.: Im Schwarzhof, an der Waldach, im Winkelgarten, unter den

Weiden, beim Apfelnest. Wie noch jetzt auf dem Land jeder Hof seinen

besonderen Namen trägt und in den alten Stadtteilen viele Häuser ihre

eigenen Namen haben, so sollten auch die Bewohner von Eigenheimen

die alte Sitte wieder aufleben lassen und _ihr Heim mit besonderen

Namen schmücken_. Wie anders klingt es und um wieviel behaglicher und

gemütvoller ist es, im Waldeck, Eichenhof, Fichtenheim, Kirschgarten

oder Heidenest zu wohnen, als in der Langestraße Nr. 119 oder in der

Kanalgasse Nr. 111!« --

Gedenkblatt zur Erinnerung an die im Weltkriege 1914/1918 Gefallenen

[Illustration]

Wir haben bereits in Heft 1/3, Band IX (1920), Seite 53 unserer

»Mitteilungen« auf das preisgekrönte, vom Professor Arno _Drescher_

stammende Gedenkblatt hingewiesen. Das Blatt war 120 Zentimeter

lang, 74 Zentimeter breit und hatte somit eine Größe, die für viele

Vereine ungeeignet war, weil in ihren Vereinsräumen der Platz zur

Unterbringung fehlte. Ganz von selbst sind viele Vereine daher auf den

Gedanken gekommen, die Felder links und rechts wegzulassen und nur das

Mittelblatt, so, wie wir es hier abbilden, sich anzuschaffen. Die Namen

der Gefallenen lassen sich in dem freien Felde zugleich mit dem Namen

des Vereins unterbringen. Für das Vereinszeichen ist über dem Oval ein

Platz gelassen.

Auf diese Weise ist es möglich, in solchen Fällen, wo wenig Mittel zur

Verfügung stehen, ein bescheidenes Denkzeichen an die zu errichten,

die im Glauben an eine glückliche Zukunft ihres Vaterlandes ihr Leben

ließen.

Das Blatt ist zum Preise von 25 Mark durch unsere Geschäftsstelle

Dresden-A., Schießgasse 24, I zu beziehen. Eine Bestellkarte liegt bei.

Das Blatt eignet sich zur Anschaffung für Vereine, für Schulen, für

Geschäftsräume und macht in geschmackvollem, einfachem Rahmen einen

sinnigen, dem Zweck entsprechenden würdigen Eindruck.

Heimatschutz -- Heimatkunst -- Heimatdichtung!

In unzertrennbarer Einheit ranken sich diese drei Kultur- und

Kunstbegriffe aneinander empor, heben und stützen sich, um in

wechselseitiger Befruchtung und Ergänzung dem einen großen Gedanken

zu dienen, die der breiten Masse verlorengegangene Liebe zur Heimat

und Scholle wiederzugewinnen, Rückkehr zur bodenständigen Kunst.

In trefflicher Weise äußerte sich bereits 1900 der Bahnbrecher und

Vorkämpfer der Heimatkunst, der bekannte Dichter Friedrich Lienhardt:

»Heimatkunst ist eine Selbstbesinnung auf heimatliche Stoffe; in

erster Linie aber ist sie Wesenserneuerung, ist sie eine Auffrischung

durch Landluft. Mit dieser Geistesauffrischung wird freilich auch

eine andere Stoffwahl, eine andere Sprache und Technik Hand in Hand

gehen. Wir wünschen nicht Flucht vor der Moderne, sondern eine

Ergänzung, eine Erweiterung und Vertiefung nach der menschlichen Seite,

wir wünschen ganze Menschen mit einer ganzen und weiten Gedanken-,

Gemüts- und Charakterwelt, mit modernster, und doch volkstümlicher

Bildung, mit national- und doch welthistorischem Sinn.« Und der

bekannte Literaturhistoriker Adolf Bartels schrieb in gleichem Sinn:

»Dilettantische örtliche Kunst ist sie durchaus nicht, sie wendet sich

an das ganze deutsche Volk und strebt den strengsten ästhetischen

Anforderungen Genüge zu leisten.« Wohl ist die seit Jahrzehnten

gestreute Saat prächtig gediehen und hat in weiteren Kreisen Wurzel

geschlagen, die große Stunde der Selbstbesinnung auf die Heimat für

die breite Masse aber ist noch nicht gekommen, doch liegt sie gewiß

nicht zu fern. Alle Gebiete stellen sich dieser großen Bewegung

zur Verfügung. Nicht zuletzt die Literatur. Sie stand zwar schon

lange, bevor man von einer Heimatschutzbewegung sprechen konnte,

in deren Dienst. Die letzten Jahrzehnte aber zeitigten in inniger

Liebe und Treue zur Heimat unvergängliche Heimatdichtungen, ganz in

Lienhardts und Bartelschem Geist. Wohl jeder deutsche Gau hat seine

Heimatdichtungen und -dichter mit mehr oder weniger Berufung zu der

hohen Aufgabe, Sänger der heimatlichen Schönheit und Eigenart zu sein.

Wir Sachsen haben unter anderem in unserem Gerhard Platz einen geist-

und gemütvollen Plauderer und Erzähler. Sein treffliches, mit einem

liebevollen Vorwort von Professor Paul Schumann versehenes Buch »Vom

Wandern und Weilen im Heimatland« (Dresden, Sächsischer Heimatschutz,

gebd. M. 12,--) ist echte geistige Heimat- und Volkskost, deren

Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Doch auch andere

Verleger und Dichter pflegen mit besonderer Hingabe die »Heimatkunst

als Grundlage einer sonnigen und stolzen Höhenkunst gegenüber dem

engen und stumpfen Stubenproblem« einer modernen, dekadenten und

mißmutigen Kunst. Unserem heutigen Heft liegt ein Verlagsverzeichnis

der _Lehmannschen Verlagsbuchhandlung in Dresden-N. 6_ bei, das der

besonderen Beachtung unserer geschätzten Leser gewürdigt zu werden

verdient. Unter den vielen empfehlenswerten Erscheinungen dieses

Verlages, die sich durchgängig bei niedrigem Preis durch mustergültige

Ausstattung vorteilhaft auszeichnen, erheischen einige doch besondere

Erwähnung. Bünau führt uns mit seinem köstlichen Novellenband »Der Mut

des Egidi Duldmann« in eine alte fränkische Stadt am Main. Wohl dem

deutschen Nest, das so erlebt wird, wie diese alte Bischofsstadt! Hier

zeigt sich echte Meisterkunst in unheimlicher Kraft in Schilderung,

Aufbau und Sprache. -- In das jetzt im Brennpunkt der Tagesfragen

stehende Oberschlesien versetzt uns Robert Kurpiun mit seinem Roman

»Der Mutter Blut« und seinen Novellenbänden »Ultimo« und »Bunt

Volk«. Wie keiner vor und neben ihm erschaut er feinfühlig die Seele

seines Landes und Volkes und bietet uns in allen seinen Dichtungen

eine edle herzerquickende und -stärkende Heimatkost. Jede seiner

Dichtungen erringt unser volles Interesse, gleichviel, ob er in seinen

Novellenbänden uns Leute aus dem Volke und Mittelstand menschlich

liebevoll nahebringt, oder ob er in »Der Mutter Blut« das große

deutsch-polnische Rassenproblem anschneidet. Stets bleibt er der

»Rosegger Oberschlesiens«, der Sänger seiner Heimat und schenkt uns

Dichtungen voll Erdgeruch und Heimatduft. -- In der Bücherei eines

jeden guten Deutschen verdient das Buch »Norika« seinen Platz und

wird ihr zur Zierde gereichen. Das vor fast hundert Jahren erstmalig

erschienene Buch wurde lange für eine echte Chronik aus dem 16.

Jahrhundert gehalten, so lebenswahr ist der Ton von Nürnbergs größter

Zeit getroffen. Meisterhaft sind die Schilderungen aus dem Kreise

Albrecht Dürers, Hans Sachsens, Peter Vischers, Kraffts usw. Diese

Ausgabe enthält die Hauptwerke Alt-Nürnberger Kunst in 26 Kunsttafeln.

-- Für Dresden und Sachsen haben die Stübelschen Werke, die bei

Erscheinen berechtigtes Aufsehen erregten, ganz besonderes Interesse:

»Chodowiecki in Dresden und Leipzig«, das Reisetagebuch des Künstlers

vom 27. Oktober bis 15. November 1773, und »Goethe, Schuster Haucke

und der Ewige Jude«. -- Besonders Bibliophile seien auf die Sammlung

»Deutsche Dichterhandschriften« aufmerksam gemacht. Hier ist der schöne

Gedanke verwirklicht: einzelne Dichtungen unserer Großen in deren

Handschrift wiederzugeben. Bei diesen Bänden spürt man deutlich: nur

des Autors Handschrift vermag den Leser in jene persönliche Beziehung

zu ihm zu bringen, die der Weg in das Wesen des Dichters ist. Man

erhält Einblick in die Eigenart seines Schaffens, in seines Geistes

Werkstatt.

Es empfiehlt sich jedenfalls, all diesen Erscheinungen, denen sich

außer den vorstehend erwähnten noch manches nicht minder gute Werk aus

allen schönliterarischen Gebieten würdig beigesellt, das Interesse

nicht zu versagen.

~K. W.~

Bücherbesprechungen

=Wochenabreißkalender »Unsre Heimat« 1921.= Herausgeber: _Sächsischer

Pestalozzi-Verein_. Preis M. 6,--.

Kreuz und quer führt uns der nun schon zum vierten Male erscheinende

Bildkalender durchs deutsche Vaterland. Mit besonderer Liebe aber

verweilt er bei der sächsischen Heimat. Ist’s ein Wunder? Sind es doch

lauter sächsische, vorwiegend Dresdner Künstler, die dem Beschauer

hier zeigen, was es alles zu sehen gibt in der Nähe und in der Ferne

im armen und doch noch reichen Vaterland. Ein rechter Ansporn sind

diese künstlerisch hochwertigen Bilder besonders für unsere Jugend,

selbst einmal zum Wanderstab zu greifen und auch ihrerseits auf solch

glückselige Entdeckungsfahrt auszugehen. Gute und kernhafte Sprüche

aus dem Munde großer Deutscher heben den Wert des Kalenders. Auch die

Erläuterungen zu den Bildern sind bei aller Kürze ein guter Führer zum

Verständnis der dargestellten Landschaft.

»=Wegwart=«. _Jugendkalender des Sächsischen Pestalozzi-Vereins_, 2.

Jahrgang 1921. Preis M. 2,80.

Ein rechtes und tüchtiges Büchlein voll Freundschaft und Verstehen

fürs Herz der heranwachsenden Jugend. Aufsätze aus der Feder echter

Idealisten wie Max Schmerler, Friedrich Richter, Hans Kappler, der

Malerwanderer, werden Gutes im Kinderherzen wirken. Und wem lacht

nicht das Herz, liest er das prächtige Kapitel von den Christbäumen,

die singen können? Treue, gutgemeinte Ratschläge aus der Feder

berufner Pädagogen, verständnisvolle Einführung in Naturgeschichte und

Sternenkunde, Anleitung zu Handfertigkeit und froher Geselligkeit --

alles so gut und lobenswert. Nur bei dem Kapitel von der Sonnenfreude

fiel mir eins auf: »Ohne die Sonne«, steht da geschrieben, »ist der

Tod. Alles Bestehende ist ihr Werk.« -- -- -- Und wessen Werk ist die

Sonne? Wollen wir nicht an unserm Teil darnach trachten, daß unsre

Jugend, unser Volk, auch wieder im Geiste sich dem zuwendet, der die

Sonne gemacht?

G. Platz.

_Paul Thomas_, Schuldirektor in Schlettau, »=Kriegschronik der Stadt

Schlettau im Erzgebirge=«. Eine Heimatgeschichte der Jahre 1914--1920,

zugleich eine allgemeine Geschichte des inneren Krieges. Selbstverlag

des Verfassers. Schlettau 1920. Broschiert M. 15,--.

Ein Buch reichen Inhaltes, als »allgemeine Geschichte des inneren

Krieges« von Wert über die Grenzen des Städtleins hinaus, dem es

geschenkt ward. In schwarzem Band geheftet, passend für die dunklen

Tage der trostarmen Gegenwart, aber wie dunkle Abendsonne des

versunkenen Tages deutscher Größe und doch wie goldenes Morgenrot

besserer Zeiten leuchtet daraus seine goldene Aufschrift. Hätten doch

alle deutschen Orte solchen Geschichtsschreiber, der das, was des

Einzelnen Heimat in den Jahren 1914--1920 durchlebte, der Nachwelt so

festgehalten! Nach Inhalt und Anlage vorbildlich, hat der Verfasser

mit ungeheurem Sammlerfleiß alles Denkwürdige zusammengetragen, Großes

und Kleines, Ernstes und Heiteres, Erhebendes und Drückendes, beides

innerlich verbindend. Sein Werk wird in keinem Schlettauer Hause fehlen

dürfen. Aber es ist mehr als Stadtgeschichte, ein Stück Weltgeschichte

mit klaren Einblicken ins ungeheure Geschehen und seinen Zusammenhang.

Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alle Abschnitte des 375 Seiten

starken Buches inhaltlich zu besprechen. Wir greifen aus den fast 50

Abschnitten nur einzelne Überschriften heraus, die die Lust zum Lesen

besonders anregen: Schlettau in der großen Zeit der Mobilmachungstage,

Freiwillige vor!, die Mobilmachung der Phantasie, die Mobilmachung

der Frauen, vaterländischer Hilfsdienst, bedenkliche Mobilmachungen,

Stimmungsbilder aus dem Stadtleben, Schlettauer Kriegsausstellung

(ein bedeutsames und erfolgreiches Unternehmen!). Rathaus, Kirche,

Schule, Post, Bahn, Industrie, Handwerk, Handel, Landwirtschaft im

Weltkriege werden, zum Teil mit reichen Zahlenangaben behandelt, auch

weniger Wichtiges, aber den Einheimischen Interessantes (Vereins-

und Wirtshausleben) wird, zum Teil mit gutem Humor, besprochen. Wir

erfahren, wie die Kleinstadt die Revolution erlebte. Ein ganzer Teil

zeichnet die Not und ihre Hilfe durch die staatliche und private Arbeit

in den verschiedensten Vereinigungen. Auch von der Teuerung und dem

Kriegssozialismus erhält man, besonders durch die vielen Zahlenbelege

und Vergleiche, ein anschauliches Bild.

Der »Kriegschronik von Schlettau« soll bald ein zweites Buch folgen:

»Das Heldenbuch von Schlettau«. Eine Kostprobe aus ihm bietet schon

der Anhang der Kriegschronik: »Wie unsere Schlettauer ihr Eisernes

Kreuz 1. Klasse erwarben«. Darüber wird später beim Heldenbuch selbst

zu berichten sein. Für jetzt sei die Kriegschronik von Schlettau,

besonders denen in der Stadt und ihrer weiteren Umgebung, warm

empfohlen. In den Volks- und Schulbüchereien des Erzgebirges dürfte sie

nicht fehlen!

Pfarrer Ernst Seidel, Beiersdorf (Oberlausitz).

=Alt-Bautzen.= Neun Federzeichnungen von Dipl.-Ing. _Hans Richter_.

Verlagsanstalt Görlitzer Nachrichten und Anzeiger, Görlitz. Preis

M. 15,--.

Die köstlichsten Stadtbilder, Bau- und Kunstdenkmäler vom sächsischen

Nürnberg finden wir in dieser Mappe in Schwarz-Weiß-Zeichnungen

vereint. In flotter anschaulicher Weise sind sie dargestellt,

Heimatbilder von dauerndem Wert, Erinnerungsblätter für alle, die

Bautzen lieben ob seiner Schönheit.

_Cornelius Gurlitt._ =Die Pflege der kirchlichen Kunstdenkmäler.=

Broschiert M. 14,--, Gebunden M. 19,--.

Im A. Deichertschen Verlage (Leipzig und Erlangen) ist unter diesem

Titel ein neues kleines Werk des genannten Verfassers erschienen.

Gurlitt, der unermüdliche Vorkämpfer deutscher und insbesondere

sächsischer Denkmalpflege, beabsichtigt, wie er im Vorwort ausführt,

nicht Kunstgeschichte oder Altertumskunde hiermit zu lehren. Es soll

vielmehr das Buch den berufenen Hütern des Kunstbesitzes unserer

Kirchen, den Pfarrern und auch den Kirchenvorständen ein Ratgeber

und Führer sein in Fällen, wo eine Änderung im alten Bestand der

Gebäude sowohl, wie ihrer Ausschmückung sich als nötig erweist. Es

soll aber weiter auch darüber hinaus das Verständnis und die Liebe zu

diesen Dingen stärken und wecken, eine Mahnung, die gerade in unserer

heutigen Zeit des »Fortschrittes« besonders angebracht erscheint. Das

kleine Werk wird aber über den bescheidenen, im Titel genannten Rahmen

hinaus jedem Freunde und Sammler alter Kunstwerke gar vieles bringen,

denn nicht nur der feinsinnige Kunstkenner, sondern ebenso der alte

Praktiker der Denkmalpflege spricht hier zu uns.

Der erste allgemeingehaltene Abschnitt des Buches beschäftigt sich

mit der Umgrenzung der Aufgaben kirchlicher Denkmalpflege und umreißt

in sicheren Linien Fragen der Zweckmäßigkeit und Schönheit im Bau von

Kirchen. Das Verhältnis von Künstler und Kunstwerk zur Gemeinde wird

weiter dargelegt. Von Fragen des Stils und Geschmacks finden wir gute

Worte in den folgenden Kapiteln, in denen auch die Leitsätze moderner

Denkmalpflege ausgeführt werden. Vom Werte alten Kunstbesitzes handelt

das Schlußkapitel, und wer würde da nicht wünschen, daß Gurlitts

schöne Worte: »Ein schlechter Erbe der, der zwar das hinterlassene Gut

annimmt, den Geber aber vergißt und ein Gedächtnis verfallen läßt, die

mit dem Gute übernommene Verpflichtung nicht durchhält,« in weitestem

Maße Beherzigung finden möchten.

Im zweiten Abschnitt ist das wissenswerte über die Organisation der

heutigen Denkmalpflege in Kürze für Geistliche und Kirchenvorstände

zusammengestellt. Praktische Winke für Bau und Umbau von Kirchen, Wahl

des Architekten und dessen Verhältnis zum Bauherrn bilden hier den

Hauptinhalt. Der dritte Abschnitt handelt von der Pflege kirchlicher

Baudenkmäler gemeinhin, von Bau- und Schmuckmaterialien, von Anlage

und Schutz der Friedhöfe, der Gräber und Grüfte. Im vierten Abschnitt

endlich gibt Gurlitt aus seiner reichen, lebenslangen Erfahrung als

Denkmalpfleger heraus praktische Winke über die Pflege kirchlicher

Einrichtungsstücke. Was hier ausführlich behandelt wird, möchte

von allen denen beherzigt werden, denen die unersetzlich wertvollen

Kunstwerke unseres Kirchenbesitzes anvertraut sind. Denn wieviel wird

gerade hier und oft in bester Absicht gesündigt. Falsche Behandlung

ist aber zumeist, die neben oft schwerverständlicher Unkenntnis

dieser Dinge schon immer den schlimmsten Schaden angerichtet hat,

und eindringlich betont Gurlitt immer wieder die Notwendigkeit in

schwierigen und in Zweifelsfällen nichts ohne sachverständige Beratung

zu ändern, oder zu »verbessern«. Der Wunsch nach einer besseren

Überwachung gerade des kirchlichen Kunstbesitzes ist es ja auch

vor allem gewesen, der in den deutschen Staaten fast überall und

neuerdings auch in Sachsen zur Ausstellung besonderer Denkmalpfleger

(Landeskonservatoren) führte.

So erfreulich die Fortschritte sind, die in den letzten Jahren die

Bestrebungen der Denkmalpflege und des Hand in Hand mit ihr gehenden

Heimatschutzes gemacht haben, so berechtigt erscheint aber auch noch

in unseren heutigen Tagen Gurlitts Mahnung im Schlußwort des Werkes:

»Erfüllt euch selbst mit der Liebe zur Heimat«.

~Dr.~ _Bachmann_.

* * * * *

=Der Sächsische Bergsteigerbund und seine Ziele.= Der 1911 gegründete

S. B. B., der zurzeit neben zahlreichen Einzelmitgliedern mehr als

200 Berg- und Wandersport treibende Vereinigungen umfaßt, hat mit

Wiederkehr friedlicher Verhältnisse die Anstrengungen zur Erreichung

seiner Ziele verdoppelt. Zu den Aufgaben, die sich dieser Bund

gestellt hat, zählt insbesondere auch die Bekämpfung der Unsitten, die

unter einem großen Teil der Besucher der Sächsischen Schweiz und der

angrenzenden Gebiete eingerissen sind. Der in den letzten Jahrzehnten

immer mehr anwachsende Massenbesuch dieser Gegenden hat bekanntlich

recht unerfreuliche Begleiterscheinungen gezeitigt: Durch wüstes Lärmen

wird die Stille der Natur entheiligt, das Landschaftsbild wird durch

Umherwerfen von Papier, Flaschen und anderem Unrat, durch Verwüsten

von Schonungen und Lostreten des lockeren Erdreiches an Steilhängen

mit samt dem Pflanzenreich geschändet; ein Greuel für jeden Menschen

von Geschmack ist auch die Kleidung, die von einem Teil der Besucher

dieser Gegenden getragen wird, Zipfelmützen und andere Narrengewandung

wetteifern mit Salontiroleranzügen um den Preis der Geschmacklosigkeit.

Hier nun will der S. B. B. Wandel schaffen durch ein gutes Vorbild,

durch unausgesetzte Aufklärung und Belehrung in Wort und Schrift,

nötigenfalls auch mit noch wirksameren Mitteln will er die Besucher

der heimischen Berge zu einem Wohlverhalten in der Natur erziehen.

Als wichtigstes Hilfsmittel zur Durchführung dieser Bestimmungen hat

sich der Bund im Sommer 1919 eine monatlich erscheinende Zeitschrift,

die »Mitteilungen des S. B. B.« geschaffen. (Zu beziehen durch die

Geschäftsstelle des S. B. B. Dresden, Johannesstraße 21.) Dieses Blatt

will insbesondere durch Erweckung und Vertiefung der Heimatliebe

veredelnd wirken.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band X, Heft 1-3 · 第 6 / 7 段