[1] (SEITE 6). Man könnte noch die Monographie von Kirby und Spence in
ihrer »Introduction to Entomology« erwähnen, aber sie ist fast
ausschliesslich technisch.
[2] (SEITE 18). Ein Beobachtungskasten ist ein Bienenstock mit
Glaswänden und schwarzen Vorhängen oder Läden. Die besten sind die,
welche nur eine einzige Wabe enthalten, sodass man sie von beiden Seiten
beobachten kann. Diese Kästen lassen sich ohne weiteres und ohne jede
Gefahr in einem Wohn- oder Arbeitszimmer aufstellen, vorausgesetzt,
dass sie einen Ausgang nach aussen haben. Die Bienen meines
Beobachtungskastens, den ich in Paris in meinem Arbeitszimmer habe,
tragen selbst in der Steinwüste der Grossstadt genug ein, um zu leben
und fortzukommen.
[3] (SEITE 63). Man setzt eine fremde Königin gewöhnlich in einem
kleinen Käfig aus Eisendrähten bei, den man zwischen zwei Waben
aufhängt. Die Thüröffnung wird mit Wachs und Honig verschlossen, den die
Bienen, wenn ihr Zorn verraucht ist, fortnagen. Die so befreite
Gefangene wird von ihnen oft wohlwollend aufgenommen. Mr. S. Simmins,
der Leiter der grossen Bienenwirtschaft von Rottingdean, hat kürzlich
eine andere Methode gefunden, die ausserordentlich leicht zu befolgen
und fast immer erfolgreich ist, weshalb sie auch bei den gewissenhaften
Bienenwirten immer mehr Verbreitung findet. Die Schwierigkeit bei der
Einführung von Königinnen liegt nämlich in dem Benehmen der Königin
selbst. Sie ist aufgeregt, flieht, verbirgt sich, gebärdet sich wie ein
Eindringling und erweckt dadurch den Verdacht der Arbeitsbienen, der
sich nach näherer Prüfung alsbald bestätigt. Mr. Simmins isoliert darum
die beizusetzende Königin vollständig und lässt sie eine halbe Stunde
fasten. Dann lüftet er die Innendecke des weisellosen Stockes ein wenig
und setzt die fremde Königin auf das oberste Ende einer Wabe. Die
vorangegangene Einsamkeit hat sie so unglücklich gemacht, dass sie jetzt
froh ist, sich wieder unter Bienen zu sehen, und in ihrem Hunger die ihr
dargebotene Nahrung begierig annimmt. Die Arbeitsbienen lassen sich
durch ihr sicheres Auftreten täuschen und stellen keine Untersuchung an.
Sie bilden sich vielleicht ein, dass ihre alte Herrin wiedergekehrt ist,
und nehmen sie mit Freuden auf. Aus diesem Experiment scheint
hervorzugehen, dass sie, im Gegensatz zu Huber und allen Beobachtern,
ihre Königin nicht wieder zu erkennen vermögen. Wie dem aber auch sei,
die beiden Erklärungen sind gleich annehmbar, wenn die Wahrheit
vielleicht auch in einer dritten liegen mag, die uns noch nicht bekannt
ist, und jedenfalls zeigen sie wieder einmal, wie verwickelt und unklar
die Psychologie der Bienen noch ist. Und es lässt sich, wie aus allen
Lebensfragen, auch hieraus nur der eine Schluss ziehen, dass wir in
Ermangelung eines Besseren die Wissbegier in unserm Busen walten lassen
müssen.
[4] (SEITE 71). Das Gehirn der Biene beträgt nach den Berechnungen von
Dujardin 1/174 des Gesamtgewichtes ihres Körpers, das der Ameise nur
1/296. Dafür sind die strangförmigen Körper, die sich im gleichen
Verhältnis entwickeln, wie der Intellekt, bei den Bienen etwas geringer,
als bei den Ameisen. Aus diesen Schätzungen scheint -- wenn man das
hypothetische derselben und die ganze Dunkelheit des Gegenstandes mit in
Betracht zieht -- sich zu ergeben, dass Ameise und Biene sich in Bezug
auf Intellekt ungefähr gleich stehen müssen.
[5] (SEITE 99). Ich habe das Experiment bei der ersten Frühlingssonne
dieses ungünstigen Jahres wiederholt, und zwar mit dem gleichen
negativen Ergebnis. Ein mir befreundeter Bienenzüchter, der ein sehr
geschickter und sehr zuverlässiger Beobachter ist und von mir dieses
Problem vorgelegt erhielt, schreibt mir, er hätte bei demselben
Experiment vier Fälle zu verzeichnen, wo unweigerlich eine Mitteilung
stattgefunden haben müsste. Die Thatsache verdient festgestellt zu
werden, doch die Frage bleibt ungelöst. Auch ich bin überzeugt, dass
mein Freund sich durch das sehr begreifliche Verlangen, sein Experiment
gelingen zu sehen, irreführen liess.
[6] (SEITE 109). Man hat übrigens gut gethan, dieses Normalmass nicht zu
wählen. Der Zellendurchmesser ist von wunderbarer Regelmässigkeit, doch
wie alles, was auf organischem Wege entstanden ist, nicht von
_mathematischer_ Unveränderlichkeit. Überdies haben die verschiedenen
Bienenarten, wie Maurice Girard nachgewiesen hat, bei ihren Zellen eine
ganz bestimmte Seitenachse, so dass das Mass von Stock zu Stock ein
andres sein würde, je nach der darin wohnenden Bienenart.
[7] (SEITE 111). Réaumur hatte dem berühmten Mathematiker König
folgendes Problem gestellt: »Unter allen sechskantigen Zellen mit
pyramidalem, aus drei gleichen und ähnlichen Rhomben bestehendem Boden
die zu bestimmen, die am wenigsten Baustoff erfordert.« König
antwortete, es wäre diejenige, deren Boden aus drei Rhomben bestände,
deren grosse Winkel je 109° 26' und die kleinen je 70° 34' betrügen. Nun
aber hat ein anderer Gelehrter, Maraldi, die Winkel der Rhomben in den
Bienenzellen so genau wie möglich nachgemessen und gefunden, dass die
grossen 109° 28', die kleinen 70° 32' betragen. Zwischen beiden Lösungen
bestand also nur eine Differenz von zwei Minuten! Und es ist
wahrscheinlich, dass der etwa vorliegende Irrtum von Maraldi begangen
wurde, und nicht von den Bienen, denn es giebt kein Instrument, das die
Zellenwinkel, die nicht so scharf hervortreten, mit untrüglicher
Sicherheit nachzumessen erlaubte.
Ein anderer Mathematiker, Cramer, hat dasselbe Problem noch mehr im
Sinne der Bienen gelöst; er fand 109° 28½' für die grossen und 70° 31½'
für die kleinen Winkel. Maclaurin, der Königs Berechnung berichtigt hat,
giebt 70° 32' und 109° 28' an, Léon Lalanne 70° 81' 44" und 109° 28'
16". Siehe über diesen Streitpunkt auch: Maclaurin, »Philos. Trans. of
London«, 1743; Brougham, »Recherch. anal. et expér. sur les alv. des
ab.«; L. Lalanne, »Note sur l'Arch. des abeilles« u. s. w.
[8] (SEITE 136). Das Flugbrett ist oft nichts als eine Fortsetzung des
Brettes, auf dem der Bienenstock ruht, und bildet eine Art Vorhof oder
Ruheplatz vor dem Haupteingang, dem sogenannten Flugloch.
[9] (SEITE 140). Einige Bienenzüchter behaupten, dass Arbeitsbienen und
Königinnen, sobald sie das Ei verlassen haben, dieselbe Nahrung
erhalten, eine Art stickstoffreicher Milch, welche die Pflegerinnen aus
einer Kopfdrüse ausscheiden. Doch werden die Arbeitsbienenlarven nach
einigen Tagen entwöhnt und fortan mit gröberer Nahrung, Honig und
Pollen, gespeist, während die junge Königin bis zu ihrer vollständigen
Entwickelung reichlich mit jener kostbaren Milch ernährt wird, die man
den »Königstrank« genannt hat. Wie dem aber auch sei, der Erfolg und das
Wunder bleiben die gleichen.
[10] (SEITE 162). Es ist unmöglich, die Einzelheiten dieser von Darwin
beobachteten Fälle hier wiederzugeben. Der Vorgang ist in grossen Zügen
folgender. Der Pollen von Orchis morio ist nicht staubförmig, sondern
ballt sich zu kleinen Klumpen, welche die sogenannten Pollinarien
bilden. Diese (es sind ihrer zwei) haben einen stielartigen Fortsatz,
der an seinem unteren Ende in einer klebrigen Rundung endigt (dem
Caudiculum) und von einem membranartigen Beutelchen (dem Rostellum)
umschlossen wird, das bei der leisesten Berührung platzt. Steckt nun
eine die Blüte befliegende Biene den Kopf in den Kelch, um den Nektar zu
saugen, so streift sie dies Beutelchen, dasselbe zerreisst und die
beiden klebrigen Rundungen treten zu Tage. Die Pollinarien bleiben
infolge des Klebestoffes, der an den Rundungen sitzt, am Kopfe des
Insekts haften und dieses trägt sie beim Verlassen der Blume wie ein
paar zwiebelartige Hörner von dannen. Wenn diese zwei Pollenhörner nun
steif und gerade blieben, so würden sie in dem Augenblick, wo die Biene
die nächste Orchidee befliegt, das membranartige Säckchen derselben
berühren und einfach zum Platzen bringen, aber nicht bis zu der Narbe
(dem weiblichen Organ) der zweiten Blume dringen, die befruchtet werden
muss und unter dem membranartigen Säckchen liegt. Die Orchis morio hat
diese Schwierigkeit genial erkannt, und darum vertrocknet nach dreissig
Sekunden, das heisst in der kurzen Spanne Zeit, die das Insekt braucht,
um den Nektar vollends aufzusaugen und eine andere Blume zu befliegen,
der Stengel des kleinen Kolbens und schrumpft zusammen, und zwar stets
nach derselben Seite und im gleichen Sinne; die den Pollen enthaltende
Zwiebel sinkt herab, und ihr Neigungswinkel ist so genau berechnet, dass
sie sich in dem Augenblick, wo die Biene in die benachbarte Blume
hineinschlüpft, genau in der Höhe der Narbe befindet, auf die sie ihren
befruchtenden Staub entleeren muss. Siehe für alle Einzelheiten dieses
intimen Dramas der unbewussten Blumenwelt die prachtvolle Studie von
Darwin Ȇber die Befruchtung der Orchideen durch Insekten und die guten
Wirkungen der Kreuzung«, 1862.
[11] (SEITE 169). Es ist dem Professor McLain kürzlich gelungen, einige
Königinnen künstlich zu befruchten, aber nur mit Hilfe von komplizierten
und schwierigen chirurgischen Operationen. Übrigens war die
Fruchtbarkeit dieser Königinnen nur beschränkt und vorübergehend.
[12] (SEITE 204). Ein starkes Volk braucht während der Überwinterung,
die in unseren Himmelsstrichen etwa sechs Monate dauert, d. h. vom
Oktober bis Anfang April, gewöhnlich zwanzig bis dreissig Pfund Honig.
[13] (SEITE 211). In der wissenschaftlichen Einteilung nimmt die
Hausbiene (Apis mellifica) folgenden Platz ein. Klasse: Insekten.
Ordnung: Immen (Hymenoptera). Familie: Eigentliche Bienen (Apidae).
Sippe: Apis. Art: Mellifica. Die Bezeichnung _Mellifica_ stammt aus der
Linné'schen Einteilung. Sie ist nicht sehr glücklich gewählt, denn alle
Bienen, mit Ausnahme einiger Parasiten, sind _Honig_bienen. Scopoli sagt
_cerifera_, Réaumur _domestica_, Geoffroy _gregaria_. -- _Apis
ligustica_, die italienische Biene, ist nur eine Abart von Apis
mellifica.
[14] (SEITE 212). Der Fall tritt auch bei _Nach_schwärmen häufig genug
ein, denn sie sind weniger erfahren und vorsichtig, als der Vorschwarm.
An ihrer Spitze befindet sich eine junge, leichtsinnige Königin, und sie
bestehen meist aus ganz jungen Bienen, in denen der ursprüngliche
Instinkt um so lauter spricht, weil sie die Strenge und Wetterwendigkeit
unseres nordischen Himmels noch nicht kennen. Übrigens lebt keiner
dieser Schwärme über die ersten Herbststürme hinaus, und sie vermehren
die unzähligen Opfer der langsamen und dunklen Versuche der Natur.
[15] (SEITE 215). Da wir uns hier zum letzten Male mit den Bauten der
Bienen beschäftigen, wollen wir eine Eigentümlichkeit der _Apis florea_
nicht unerwähnt lassen. Einzelne Drohnenzellen sind bei ihr cylindrisch,
statt sechseckig. Es scheint also, dass sie noch nicht dauernd von der
einen Form zur anderen übergegangen ist und endgiltig die bessere
angenommen hat.
[16] (SEITE 217). Etwas ähnliches berichtet Büchner: Auf der Insel
Barbados, wo viele Zuckersiedereien sind und die Bienen das ganze Jahr
hindurch Zucker in Überfluss finden, befliegen sie keine Blüte mehr. Ein
Beweis mehr, dass die Anpassung an die Umstände nicht langsam, etwa im
Laufe von Jahrhunderten stattfindet oder unbewusst und fatalistisch ist,
sondern dass sie unmittelbar eintritt und auf Überlegung beruht.
[17] (SEITE 223). Man verwechsele nicht Apinen, Apiden und Apiten. Diese
drei Ausdrücke werden durcheinander gebraucht, wie sie sich in der
Klassifikation von Emile Blanchard vorfinden. Der Stamm der _Apinen_
umfasst alle Familien der Bienen, die _Apiden_ bilden die erste Familie
derselben und zerfallen ihrerseits in Apiten, Meliponiten und Bombinen
(Hummeln). Die _Apiten_ endlich umfassen die verschiedenen Arten unserer
Hausbiene.
[18] (SEITE 225). Zum Beispiel die Hummeln, deren Schmarotzer die
Psithyrus oder Schmarotzerhummeln sind, die Steliden, die auf Kosten der
Anthidien leben. »Man ist«, sagt J. Perez (»Les Abeilles«) sehr richtig,
»wegen der häufig vorkommenden Ähnlichkeit der Schmarotzer mit ihren
Opfern zu der Annahme gezwungen, dass beide Arten nur zwei Formen
desselben Typus bilden und engstens mit einander verwandt sind. Für die
der Entwickelungslehre huldigenden Naturforscher ist diese
Verwandtschaft nicht nur ideell, sondern real. Die Schmarotzerart ist
nach ihnen nur eine Abart der anderen und hat ihre Sammelwerkzeuge durch
Anpassung an das Schmarotzerleben verloren.«
[19] (SEITE 230). Es steht freilich nicht fest, ob das Prinzip des
Königtums oder der Mutterschaft einer Einzigen bei den Meliponiten sehr
streng durchgeführt wird. Blanchard glaubt mit Recht, dass
wahrscheinlich mehrere Weibchen in einem Stocke leben, da sie sich bei
ihrer Stachellosigkeit nicht so leicht töten können, wie die
Bienenköniginnen. Aber dies ist bisher nie festgestellt worden, weil die
Weibchen und Arbeiterinnen sehr schwer zu unterscheiden sind und die
Meliponiten in unseren Himmelsstrichen durchaus nicht gedeihen.
[20] (SEITE 231). Siehe auch die ausführlichere Darstellung auf Seite
112.