_DAS VOLK_
Es ist ja mancher hingekommen, der lachen wollte, und dem das Lachen
verging, als die juedische Nation, die arme, gequaelte, aus vielen
Wunden blutende, die Totgesagte, Totgeglaubte, die dennoch nicht sterben
kann und will, ploetzlich vor ihm aufstand, in der ganzen Majestaet
ihres Leidens und mit dem Glanze der Hoffnung in ihren Augen. Wir sind
ein unglueckliches Volk, aber ein Volk, ein Volk.
(_Ergebnisse des Kongresses._)
Wir sind ein Volk -- der Feind macht uns ohne unseren Willen dazu, wie
das immer in der Geschichte so war. In der Bedraengnis stehen wir
zusammen und da entdeckten wir ploetzlich unsere Kraft. Ja, wir haben
die Kraft, einen Staat, und zwar einen Musterstaat zu bilden. Wir haben
alle menschlichen und sachlichen Mittel, die dazu noetig sind.
(_Der Judenstaat._)
Ein Volk kann warten. Es lebt laenger als Menschen und Regierungen.
(_Der Basler Kongress._)
Da ist die tiefe Wurzel aller Uebel, von denen die Juden heimgesucht
sind. Von aussen wird unsere _Solidaritaet_ angenommen, und danach
handeln unsere Feinde. Fuer Fehler und Vergehen einzelner unter uns wird
die Gesamtheit haftbar gemacht, aber im juedischen Volke besteht das
Gefuehl der Solidaritaet nicht -- noch nicht.
(_Feuer in Galizien._)
Dabei bemerkt man aus Unwissenheit oder Engherzigkeit nicht, dass unser
Wohlergehen uns als Juden schwaecht und unsere Besonderheiten
ausloescht. Nur der Druck presst uns wieder an den alten Stamm, nur der
Hass unserer Umgebung macht uns wieder zu Fremden.
(_Der Judenstaat._)
Die Grausamkeiten des Mittelalters waren etwas Unerhoertes, und die
Menschen, die der Folter widerstanden, muessen in sich etwas sehr
Starkes gehabt haben, eine _innerliche Einheit_, die uns abhanden
gekommen ist. Eine Generation, die vom Judentum abseits aufgewachsen
ist, hat diese Einheit nicht und kann ebensowenig mit unserer
Vergangenheit rechnen, als in die Zukunft blicken. Darum wollen wir uns
wieder in das Judentum zurueckziehen und uns aus dieser Burg nicht mehr
werfen lassen. Man mag diesen Volksgedanken, der da ist, wegzulaecheln
versuchen, aber er ist da. Ihn wollen wir hochhalten und hochflattern
lassen. Und nachdem wir dieses Bekenntnis abgelegt haben, nachdem wir
gesagt haben, dass wir Juden sind, dann erst wollen wir an der Misere
anderer teilnehmen.
(_Rede in der Oesterr. Union._)
Es genuegt nicht, dass wir uns als ein Volk fuehlen und erkennen; nach
dem Volksbewusstsein muss auch der Volkswille erwachen.
(_II. Kongressrede._)
_DIE NATION_
Wir sind eine _Nation_. Wer befindet sich im Widerspruch mit der
Geschichte?
(_Dr. Guedemanns Nationaljudentum._)
So sind und bleiben wir denn, ob wir es wollen oder nicht, eine
historische Gruppe von erkennbarer Zusammengehoerigkeit.
(_Der Judenstaat._)
Der Feind aber ist der eiserne Reifen der Nation.
(_Der Zionismus._)
Wir wollen uns ferner nicht eine andere Nationalitaet als Maske
vorbinden.
(_V. Kongressrede._)
Wir bleiben wahrnehmbar, wir sind eine Gruppe, eine historische Gruppe
von Menschen, die erkennbar zusammengehoert und einen gemeinsamen Feind
hat, das scheint mir die ausreichende Definition fuer die Nation zu
sein. Ich verlange von der _Nation_ nicht eine Gleichsprachigkeit oder
vollkommen gemeinsame Merkmale der Rasse. Diese ganz ruhige Definition
genuegt fuer die Nation. Wir sind eine erkennbar zusammengehoerende
historische Gruppe von Menschen, die durch den gemeinsamen Feind
zusammengehalten werden. Das sind wir, ob wir es leugnen oder nicht, ob
wir es wissen oder nicht, ob wir es wollen oder nicht.
(_Rede in der Oesterr. Union._)
Es beruht auf der Erkenntnis einer Anzahl von Menschen, dass sie durch
geschichtliche Umstaende zusammengehoeren und in der Gegenwart
aufeinander angewiesen sind, wenn sie nicht zugrunde gehen sollen.
(_Dr. Guedemanns Nationaljudentum._)
Die Motive der Menschen sind so verschieden, wie sie selbst. Zusammen
bilden sie das Dickicht der Nation. Wer aber keinen freien Ueberblick
hat, der sieht, wie man zu sagen pflegt, den Wald vor lauter Baeumen
nicht.
(_M. C. Montefiores Ansichten._)
Diesen Juden muesste man eine Beschaeftigung im Freien geben. Nun ist
kein Mensch reich genug, um den Transport der Massen herbeizufuehren.
Das kann nur erfolgen, wenn man den Gedanken in die Massen hineinlegt,
wenn man den Mann dazu anregt, sich selbst zu helfen. Das ist ungefaehr
so, wie wenn Sie einen Elefanten aufheben wollten, um ihn an einen
andern Ort zu bringen; da brauchte man einen furchtbar grossen Apparat
dazu -- die Elefantenjaeger aber kitzeln ihn mit einem Stachel und
lenken ihn dorthin, wo sie ihn haben wollen. Dieser Stachel, mit dem wir
die Massen nach einem besseren Punkte bringen wollen, ist die nationale
Idee.
(_Rede in Wien._)
_STAATSBUeRGERTUM_
Wir haben _Vaterlaender_, das sind die, wo wir Staatsbuerger sind -- so
weit man es eben gestattet -- aber wir haben kein Mutterland. Und dieses
Mutterland sucht der Zionismus mit der Seele.
(_Dr. Guedemanns Nationaljudentum._)
Man gehoert einem _Vaterland_ nicht an, sondern es gehoert einem; jedem
einzelnen gehoert das ganze Vaterland. Wem aber sein Vaterland nicht
gehoert, der ist uebel dran.
(_Protestrabbiner._)
Vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie unsere
Mitbuerger, vergebens bemuehten wir uns, den Ruhm unserer Vaterlaender
in Kuensten und Wissenschaften, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr
zu erhoehen. In unsern Vaterlaendern, in denen wir ja auch schon seit
Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge angeschrieen; oft von
solchen, deren Geschlechter noch nicht im Lande waren, als unsere Vaeter
da schon seufzten. Wer der Fremde im Lande ist, das kann die Mehrheit
entscheiden; es ist eine Machtfrage, wie alles im Voelkerverkehre. Ich
gebe nichts von unserem ersessenen guten _Recht_ preis, wenn ich das als
ohnehin mandatloser Einzelner sage.
(_Der Judenstaat._)
_JUDENPOLITIK_
Durch unsere zweitausendjaehrige Verstreuung sind wir ohne einheitliche
Leitung unserer _Politik_ gewesen. Das aber halte ich fuer unser
Hauptunglueck. Das hat mehr geschadet als alle Verfolgungen. Denn es war
niemand da, der uns -- waere es auch nur aus monarchistischem
Eigennutz -- zu rechten Maennern erzogen haette. Im Gegenteil. Zu allen
schlechten Gewerben wurden wir hingedraengt, im Ghetto festgehalten, wo
wir aneinander verkamen, und als man uns herausliess, wollte man
ploetzlich, dass wir gleich die Gewohnheiten der Freiheit haetten.
(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)
Ein Volk kann sich nur selbst helfen; kann es das nicht, so ist ihm eben
nicht zu helfen.
(_II. Kongressrede._)
Nur bei uns Juden straeuben sich noch manche aengstlich, in der
Judenfrage ein Politikum zu sehen. Diese Angst aber wird uns mehr
Mitleid als Zorn einfloessen, wenn wir sie recht verstehen. Es ist eine
Platzfurcht, die noch aus der engen Judengasse stammt.
(_VI. Kongressrede._)
Die Judensache muss dem Belieben vereinzelter Personen -- wie gutwillig
diese auch seien -- entrueckt sein. Es muss ein Forum entstehen, vor dem
jeder fuer das, was er in der Judenfrage tut und laesst, zur
Rechenschaft gezogen werden kann.
(_An Hildesheimer; bei_ _A. Friedemann._)
Im uebrigen ist die Politik bei uns in Altneuland kein Geschaeft oder
Beruf, weder fuer Maenner noch fuer Frauen.
Leute, die von ihrer deklamierten Ueberzeugung zu leben versuchen, statt
von ihrer Arbeit, werden rasch erkannt, verachtet und unschaedlich
gemacht.
(_Altneuland._)
Von Anfang an war ich der Ansicht, dass eine _diplomatische_ Initiative
von England werde kommen muessen, weil England, wenn es -- gleichsam in
der Luftlinie -- nach Indien blickt, Palaestina streifen muss, und weil
England heute noch eine gewisse "serenity" in der Auffassung der
Judenfrage besitzt.
(_Der ewige Jude._)
_DER ZIONISMUS_
Wir sind sozusagen nach Hause gegangen. Der _Zionismus_ ist die Heimkehr
zum Judentum noch vor der Rueckkehr ins Judenland.
(_II. Kongressrede._)
In einem Worte ist unsere Taetigkeit und ihr Fortgang zusammenzufassen:
Wir organisieren die Judenheit fuer ihre kommenden Geschicke.
(_IV. Kongressrede._)
Ueberall soll man erfahren, was der _Zionismus_, den man fuer eine Art
von chiliastischem Schrecken ausgab, in Wirklichkeit ist: eine
gesittete, gesetzliche, menschenfreundliche Bewegung nach dem alten Ziel
der Sehnsucht unseres Volkes.
(_II. Kongressrede._)
Der _politische Zionismus_ denkt nicht lediglich daran, die notleidenden
Juden fortzuschaffen; es muss auch im vorhinein dafuer gesorgt werden,
dass sie das heutige Elend nicht mit einem unbestimmten, unberechenbaren
vertauschen.
(_Der Kongress._)
Bisher war unsere _Bewegung_ gleichsam im Ghetto geblieben, da hat sie
freilich schon genug Missverstaendnisse und Kaempfe erregt. Nun ist sie
ins Freie hinausgekommen und beschaeftigt die oeffentliche Meinung auf
dem ganzen Erdenrund. Viele Hunderte von Zeitungen haben sie ihren
Lesern in der eben vergangenen Woche mitgeteilt. Es gibt noch tote
Stellen, wo man ratlos schweigt; auch das wird nicht mehr lange dauern.
Wenn einmal die Glocken zu laeuten anfangen, muessen alle Glocken
laeuten.
(_Ergebnisse des Kongresses._)
Der _Zionismus_ fegt als reinigender Sturm durch das ganze Judentum. Die
duerren Aeste werden geknickt, in den Wipfeln muss Raum sein fuer die
ewig jungen Triebe, die hinauf wollen in das Sonnenlicht.
(_M. C. Montefiores Ansichten._)
So halten die Zionisten sich fuer verpflichtet, immer unter
Aufrechterhaltung ihrer Prinzipien und ihres Programmes, wo immer es
notwendig ist, den Versuch zu machen, das harte Los der unterdrueckten
Juden durch angemessene Mittel zu mildern.
(_Herzl vor der Londoner Fremdenkommission._)
Ich weiss nicht, wann ich sterben werde, aber der _Zionismus_ wird nie
sterben. Seit den Tagen von Basel hat das juedische Volk wieder eine
Volksvertretung; folglich wird der Judenstaat in seinem eigenen Lande
erstehen.
(_Selbstbiographie._)
Die Rolle der Reichen in der Gemeinde, die Gefuegigkeit mancher
Priester, das zwitterhafte Bestreben, die alte Tradition mit einem
uebertriebenen Nachahmen der Landesgewohnheiten zu vereinigen, die
dreiste Bettelhaftigkeit der wirtschaftlich Schwaecheren -- fuer das
alles hat der Geschichtskundige Erklaerungen voller Nachsicht. Aber wenn
wir der Gemeinde auch nicht zuernen, so sind wir doch weit entfernt, uns
von ihr beeinflussen zu lassen. Der Zionismus stellt eine andere
Gemeinde des Judentums auf, eine neue, groessere, eine einzige. Und ein
anderes repraesentatives System.
(_Der Basler Kongress._)
Ich glaube, Ihnen sagen zu koennen, dass wir dem Judentum etwas gebracht
haben; der Jugend eine Hoffnung, dem Alter einen Traum, allen Menschen
etwas Schoenes.
(_1. Berliner Rede. Siehe_ _A. Friedemann, "Das Leben Theodor Herzls"._)
Ich weiss nicht, ob ich selbst es erleben werde, aber ich bin fest
ueberzeugt, dass Leute meines Alters die Verwirklichung unseres Wunsches
sehen werden. Wir werden im Lande Israels als freie Menschen wohnen. Ob
ich selbst dabei sein werde oder nicht, ist fuer die Sache
gleichgueltig. Aber wenn ich dabei sein werde, so werde ich mich ueber
nichts mehr so freuen, von nichts mehr so hingerissen sein, wie vom
ersten Baseler Kongress im Jahre 1897. Denn das war das erste
Lebenszeichen des scheintoten juedischen Volkes.
(_Rede in London._)
_VON DER IDEE_
Niemand ist stark oder reich genug, um ein Volk von einem Wohnort nach
einem andern zu versetzen. Das vermag nur eine _Idee_. Die Staatsidee
hat wohl eine solche Gewalt. Die Juden haben die ganze Nacht ihrer
Geschichte hindurch nicht aufgehoert, diesen koeniglichen Traum zu
traeumen: "Uebers Jahr in Jerusalem!" ist unser altes Wort. Nun handelt
es sich darum, zu zeigen, dass aus dem Traum ein tagheller Gedanke
werden kann.
(_Der Judenstaat._)
Von irgend einem Einzelnen betrieben, waere es eine recht verrueckte
Geschichte -- aber wenn viele Juden gleichzeitig darauf eingehen, ist es
vollkommen vernuenftig, und die Durchfuehrung bietet keine nennenswerten
Schwierigkeiten. Die Idee haengt nur von der Anzahl der Anhaenger ab.
Die Juden, die wollen, werden ihren Staat haben und sie werden ihn
verdienen.
(_Der Judenstaat._)
Durch den Ernst und die Ruhe unserer Beratungen koennen wir das Ansehen
dieser Tribuene immer hoeher heben. Durch Unbesonnenheiten und Gezaenke
wuerden wir es rasch zerstoeren. Diese Tribuene wird so hoch sein wie
die Reden, die man auf ihr haelt. Unseren Worten verleiht keine aeussere
Macht Nachdruck; wenn sie also irgend eine Bedeutung haben sollen, kann
es nur von der inneren Macht der Idee kommen und von der Reinheit der
Gesinnungen, welche hier verkuendet werden. Das muss sich jeder von uns
bestaendig vor Augen halten, wenn er hier fuer das juedische Volk und
zum juedischen Volk sprechen will.
(_III. Kongressrede._)
Es ist merkwuerdig, dass wir Juden diesen koeniglichen Traum waehrend
der langen Nacht unserer Geschichte getraeumt haben. Jetzt bricht der
Tag an. Wir brauchen uns bloss den Schlaf aus den Augen zu reiben,
unsere Glieder zu strecken und den Traum in Wirklichkeit zu verwandeln.
(_A Solution of the Jewish Question._)
Alte Gefangene gehen nicht gern aus dem Kerker. Wir werden sehen, ob uns
schon die Jugend, die wir brauchen, nachgewachsen ist; die Jugend,
welche die Alten mitreisst, auf starken Armen hinaustraegt und die
Vernunftgruende umsetzt in Begeisterung.
(_Der Judenstaat._)
Eine _Fahne_, was ist das? Eine Stange mit einem Fetzen Tuch. Nein, mein
Herr, eine Fahne ist mehr als das. Mit einer Fahne fuehrt man die
Menschen, wohin man will, selbst ins Gelobte Land.
Fuer eine _Fahne_ leben und sterben sie, es ist sogar das Einzige,
wofuer sie in Massen zu sterben bereit sind, wenn man sie dazu erzieht.
Glauben Sie mir, die Politik eines ganzen Volkes -- besonders wenn es so
in aller Welt zerstreut ist -- macht man nur mit Imponderabilien, die
hoch in der Luft schweben.
(_Herzl und Baron Hirsch._)
Auch das Ideal wird immer neu geboren, und es gibt Renaissancen, die
unsereiner nicht mehr begreift.
(_Altneuland._)
Wir verstehen, dass fuer eine Gemeinschaft von Menschen das Ideal ein
Nutzen, ein Vorteil -- sagen wir es heraus: dass es unentbehrlich ist.
Das Ideal zieht uns hinan.
(_Altneuland._)
_MITTEL UND WEGE_
Unsere Wochenschrift ist ein "_Judenblatt_". Wir nehmen dieses Wort, das
ein Schimpf sein soll, und wollen daraus ein Wort der Ehre machen.
(_Programm der Welt._)
Die kuenstlichen Mittel, die man bisher zur Ueberwindung des
Judennotstandes aufwandte, waren entweder zu kleinlich -- wie die
verschiedenen Kolonisierungen -- oder falsch gedacht.
Was ist denn damit getan, wenn man ein paar tausend Juden in eine andere
Gegend bringt? Entweder sie gedeihen, und dann entsteht mit ihrem
Vermoegen der Antisemitismus -- oder sie gehen gleich zugrunde.
Das waere gerade so, wie wenn man dem Juden sagte: "Da hast du eine
Armbrust, zieh' in den Krieg!" -- Was? Mit einer Armbrust, wenn die
anderen Kleinkaliber-Gewehre und Kruppsche Kanonen haben?
Die Armbrust ist eine schoene Waffe, und sie stimmt mich elegisch, wenn
ich Zeit habe. Aber sie gehoert ins Museum.
(_Der Judenstaat._)
Kommt einer bei Nacht und Nebel heimlich heran, so darf er sich nicht
wundern, wenn man ihm Halt! Wer da? entgegenruft. Und um so schlimmer
fuer ihn, wenn er darauf keine gute, klare Antwort geben kann. Uebrigens
ist das auch gar nicht die Situation, in der irgend eine Antwort
unverdaechtig klingt. Wir machen es darum anders. Wir erklaeren unsere
Absichten am hellen Tage, den wir Gott sei Dank nicht zu scheuen haben.
(_III. Kongressrede._)
Um den Kranken nur von einer Seite auf die andere zu legen, brauchte
nicht so viel Scharfsinn, Muehe und Geld aufgewendet werden. Versuchen
wir lieber, ihn zu heilen.
(_III. Kongressrede._)
Waeren die Professoren nicht so schrecklich zerstreute Menschen, die
ihren Regenschirm immer irgendwo im Altertum stehen lassen, sie muessten
uns eigentlich zuschauen, ob wir klug oder toericht schaffen. Selbst
unsere Fehler koennten manche Lehre ergeben. Aber die Herren
Professoren, die das Werdende nie verstehen, kommen erst spaeter;
nachher freilich wissen sie alles besser als wir, und sie erklaeren uns
das Gewordene.
(_Unterwegs._)
Man findet juedisches _Geld_ in schweren Massen fuer eine chinesische
Anleihe, fuer Neger-Bahnen in Afrika, fuer die abenteuerlichsten
Unternehmungen -- und fuer das tiefste, unmittelbarste, quaelendste
Beduerfnis der Juden selbst faende man keines?
(_Der Judenstaat._)
In der juedischen _Finanzmacht_ schlummern noch sehr viele ungenuetzte
politische Kraefte. Von den Feinden des Judentums wird diese Finanzmacht
als so wirksam dargestellt, wie sie sein koennte, aber tatsaechlich
nicht ist. Die armen Juden spueren nur den Hass, den diese Finanzmacht
erregt; den Nutzen, die Linderung ihrer Leiden, welche _bewirkt_ werden
koennte, haben die armen Juden nicht. Die Kreditpolitik der grossen
Finanzjuden muesste sich in den Dienst der Volksidee stellen. Finden
aber diese mit ihrer Lage ganz zufriedenen Herren sich nicht bewogen,
etwas fuer ihre Stammesbrueder zu tun, die man mit Unrecht fuer die
grossen Vermoegen einzelner verantwortlich macht, so wird die
Verwirklichung dieses Planes Gelegenheit geben, eine reinliche Scheidung
zwischen ihnen und dem uebrigen Teile des Judentums durchzufuehren.
(_Der Judenstaat._)
Ich habe niemals Wunder versprochen, sondern nur die Selbsthilfe als den
Weg der Erloesung bezeichnet.
(_Rede im Makkabaeerklub._)
_DER AUSZUG_
Dem deutschen Kaiser werde ich sagen: Lassen Sie uns ziehen! Wir sind
Fremde, man laesst uns nicht im Volke aufgehen, wir koennen es auch
nicht. Lassen Sie uns ziehen! Ich will Ihnen die Mittel und Wege
angeben, deren ich mich fuer den Auszug bedienen will, damit keine
wirtschaftliche Stoerung, keine Leere hinter uns eintrete.
(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)
Zum Bleiben wie zum Wandern muss die _Rasse_ zunaechst an Ort und Stelle
verbessert werden. Man muss sie kriegsstark, arbeitsfroh und tugendhaft
machen. Nachher auswandern -- wenn es noch noetig ist.
Von einem vollstaendigen _Auszug_ der Juden kann wohl nirgends die Rede
sein. Die sich assimilieren koennen oder wollen, bleiben zurueck und
werden resorbiert.
(_II. Kongressrede._)
Vielmehr ist klar vorherzusehen, dass in jedem Lande der Wert und das
Ansehen der Juden steigen wuerde, wenn ihre Zahl abnaehme. Und wenn
schliesslich nur die Assimilierten zurueckbleiben, wird man sie als die
Raritaet behandeln, die sie sind.
(_M. C. Montefiores Ansichten._)
Bei einer solchen _Auswanderung_ gibt es auch viele starke, tiefe
Gemuetsbewegungen. Es gibt alte Gewohnheiten, Erinnerungen, mit denen
wir Menschen an den Orten haften. Wir haben Wiegen, wir haben Graeber,
und man weiss, was dem juedischen Herzen die Graeber sind. Die Wiegen
nehmen wir mit -- in ihnen schlummert rosig und laechelnd unsere
Zukunft. Unsere teueren Graeber muessen wir zuruecklassen -- ich glaube,
von denen werden wir habsuechtiges Volk uns am schwersten trennen. Aber
es muss sein.
(_Der Judenstaat._)
_DIE WANDERUNG_
Aus den fuerchterlichen Pferchen im Osten Europas brechen seit zwanzig
Jahren ununterbrochen Hunderttausende verzweifelter Menschen auf, um
anderwaerts ein Stueck Brot und ein bisschen Freiheit zu suchen. Welcher
Mensch, der nicht ein versteinertes Herz in der Brust traegt, wird diese
jammervolle _Wanderung_ aus dem Elend ohne Erschuetterung mit ansehen
koennen? Aber diese halbverhungerten und ganz verzweifelten Parias
tragen nicht nur ihre eigene Not um den Erdkreis herum, sondern auch die
der anderen. So fliehen sie vor dem Hass und erzeugen ihn ueberall, wo
sie erscheinen. Kraft ihrer groesseren Armut reissen sie den bisher
Aermsten das Brot vom Munde weg.
(_Der ewige Jude._)
Ich weiss es nicht, ob wir noch in dieser Generation die _Befreiung_ aus
Schimpf und Elend erleben werden. Moeglich ist es, vorausgesetzt, dass
wir klug und entschlossen sind. Aber das weiss ich, dass schon das
Wandern auf diesem Wege uns zu anderen Menschen machen wird. Wir
gewinnen unsere verlorene innerliche Einheit wieder und mit dieser ein
bisschen Charakter, und zwar unseren eigenen Charakter. Keinen
marranischen, erborgten, unwahren, sondern unseren eigenen. Und dann
erst wollen wir mit allen anderen rechtschaffenen Menschen wetteifern in
Gerechtigkeit, Naechstenliebe und hohen Freisinn, wollen uns auf allen
Feldern der Ehre betaetigen, in Kunst und Wissenschaft es vorwaerts zu
bringen trachten, damit ein Glanz von unseren Taten auf die Aermsten
unseres Volkes zurueckfalle.
(_Rede in der Oesterr. Union._)
Dazu muss vor allem in den Seelen tabula rasa gemacht werden von
mancherlei alten, ueberholten, verworrenen, beschraenkten Vorstellungen.
So werden dumpfe Gehirne zunaechst meinen, dass die _Wanderung_ aus der
Kultur hinaus in die Wueste gehen muesse. Nicht wahr! Die Wanderung
vollzieht sich mitten in der Kultur. Man kehrt nicht auf eine niedrigere
Stufe zurueck, sondern ersteigt eine hoehere.
(_Der Judenstaat._)
Als die Voelker in den historischen Zeiten wanderten, liessen sie sich
vom Weltzufall tragen, ziehen, schleudern. Wie Heuschreckenschwaerme
gingen sie in ihrem bewusstlosen Zuge irgendwo nieder. In den
geschichtlichen Zeiten kannte man ja die Erde nicht. Die neue
_Judenwanderung_ muss nach wissenschaftlichen Grundsaetzen erfolgen.
(_Der Judenstaat._)
Die Wanderung ist zugleich eine aufsteigende Klassenbewegung.
(_Der Judenstaat._)
Wenn wir noch einmal _aus_ Mizraim _wandern_, werden wir die
Fleischtoepfe nicht vergessen.
(_Der Judenstaat._)
Aber die ersten, die glaeubig, begeistert und tapfer hinuebergehen,
werden die besten Plaetze haben.
(_Der Judenstaat._)
Diese, die zoegernden spaeten Nachzuegler werden hueben und drueben am
schlechtesten daran sein.
(_Der Judenstaat._)
_KOLONISATION_
Um eine grosse Ansiedlung zu begruenden, muss man eine Flagge und eine
Idee haben. Die waren nicht vorhanden, darum konnte kein Erfolg kommen.
(_Herzl vor der Londoner Fremdenkommission._)
Aber selbst die _Kolonisierungsversuche_ wirklich wohlmeinender Maenner
haben sich bisher nicht bewaehrt, obwohl es interessante Versuche waren.
Ich glaube nicht, dass es sich dem oder jenem nur um einen Sport
gehandelt habe; dass der oder jener arme Juden wandern liess, wie man
Pferde rennen laesst. Dazu ist die Sache denn doch zu ernst und traurig.
Interessant waren diese Versuche insofern, als sie im kleinen die
praktischen Vorlaeufer der Judenstaats-Idee vorstellten.
(_Der Judenstaat._)
Das heilige Land ist eine Wueste. Aber es gibt Oasen! Die Oasen sind
unsere juedischen Kolonien.
(_Der Judenstaat._)
Um die Juden aufs _Land_ zu ziehen, mussten sie ihnen ein Maerchen der
Goldgewinnung erzaehlen. Phantastisch konnte es so lauten: Wer ackert,
saet und erntet, findet in der Garbe Gold. Ist ja auch beinahe wahr. Nur
wissen die Juden, dass es ein kleines Kluempchen sein wird. So konnten
sie ihnen vernunftmaessiger sagen: wer am besten wirtschaftet, bekommt
eine Praemie, die sehr hoch sein kann.
Vielleicht denkt jemand, es werde eine Schwierigkeit sein, dass wir
keine gemeinsame _Sprache_ mehr haben. Wir koennen doch nicht Hebraeisch
miteinander reden. Wer von uns weiss genug Hebraeisch, um in dieser
Sprache ein Bahnbillet zu verlangen?
Die dem allgemeinen Verkehre am meisten nuetzende Sprache wird sich
zwanglos als Hauptsprache einsetzen.
(_Der Judenstaat._)
Wie schnell oder wie langsam die von uns vorbereiteten Wirkungen
eintreten werden, das koennen wir nicht bestimmen. Von uns hier haengt
es nicht ab. Wir konnten nur die Anlage herstellen. Die Kraft koennen
wir nicht liefern. Die Kraft muss vom juedischen Volk geliefert
werden -- wenn es will.
(_V. Kongressrede._)
Wir sehen es folglich nicht als unsere Aufgabe an, die Leute
hinueberzuschaffen. Unsere Aufgabe ist es: drueben fuer sie bessere
Bedingungen herzustellen. Dann kommt, wer will. Dann kommt, wer Arbeit
und Sicherheit fuer das Erworbene sucht, wer etwas mehr Freiheit, Recht
und Ehre geniessen will, als er jetzt hat.
(_Die Millionen der Ica._)
Bei ihrer _Ankunft_ werden aber die Einwanderer von den Spitzen unserer
Behoerden feierlich empfangen werden. Ohne toerichten Jubel, denn das
Gelobte Land muss erst erobert werden. Aber schon sollen diese armen
Menschen sehen, dass sie zu Hause sind.
(_Der Judenstaat._)
_DAS GELOBTE LAND_
Wir wollen aber den Juden eine _Heimat_ geben. Nicht indem wir sie
gewaltsam aus ihrem Erdreich herausreissen. Nein, indem wir sie mit
ihrem ganzen Wurzelwerk vorsichtig ausheben und in einen besseren Boden
uebersetzen.
(_Der Judenstaat._)
Die freie _Heimat!_ Wenn die Bewegung entsteht, werden wir die Einen
nachziehen, die Anderen uns nachfliessen lassen, die Dritten werden
mitgerissen und die Vierten wird man uns nachdraengen.
(_Der Judenstaat._)
Das erste Ziel ist, wie schon gesagt, die voelkerrechtlich gesicherte
Souveraenitaet auf einem fuer unsere gerechten Beduerfnisse
ausreichenden Landstrich.
(_Der Judenstaat._)
Noch vor einigen Jahren wurde die Goldgraeberei auf eine wunderlich
einfaeltige Weise betrieben. Wie abenteuerlich ist es in Kalifornien
zugegangen? Da liefen auf ein Geruecht hin die Desperados aus aller Welt
zusammen, stahlen die Erde, raubten einander das Gold ab -- und
verspielten es dann ebenso raubmaessig. Heute! Man sehe sich heute die
Goldgraeberei in Transvaal an. Keine romantischen Strolche mehr, sondern
nuechterne Geologen und Ingenieure leiten die Goldindustrie. Sinnreiche
Maschinen loesen das Gold aus dem erkannten Gestein. Dem Zufall ist
wenig ueberlassen. So muss das neue Judenland mit allen modernen
Hilfsmitteln _erforscht_ und in Besitz genommen werden.
(_Der Judenstaat._)
Wir sind bereit, die Bauzeit des Judentums herbeizufuehren -- alles
haben wir dazu in Huelle und Fuelle; die Menschen, das Material, die
Plaene. Wir brauchen nur noch -- den Bauplatz.
(_II. Kongressrede._)
Werden wir Haeuser, Palaeste, Arbeiterwohnungen, Schulen, Theater,
Museen, Regierungsgebaeude, Gefaengnisse, Spitaeler,
Irrenhaeuser -- kurz Staedte bauen und das neue Land so fruchtbar
machen, dass es dadurch das Gelobte wird?
(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)
_In dem alten Lande wuenschen wir nur eine neue Bluete fuer den
juedischen Geist_.
(_II. Kongressrede._)
Das _Land unserer Vaeter_ existiert also noch. Es ruht nicht auf dem
Boden eines Meeres. Es gibt Leute, die dort leben und froehlich
arbeiten. Die alte Erde verjuengt sich dort unter den regsamen Haenden.
Sie traegt wieder Blumen, sie traegt wieder Fruechte, sie wird
vielleicht auch eines Tages, das Glueck und die Ehre der Juden tragen.
(_Rede im Makkabaeerklub._)
Da ist es, Juden! Kein Maerchen, kein Betrug! Jeder kann sich davon
ueberzeugen, denn jeder traegt ein Stueck vom Gelobten Land hinueber:
der in seinem Kopf, und der in seinen Armen, und jener in seinem
erworbenen Gut. Wir werden endlich als freie Maenner auf unserem eigenen
Boden leben und friedlich in unserem eigenen Heim sterben.
(_A Solution of the Jewish Question._)
_DER JUDENSTAAT_
Der _Judenstaat!_ Welcher Wahnwitz! Oder soll man sagen: Dummheit? Oder
ist es nicht noch eher der Spass eines Humoristen, der einmal die Welt
recht herzlich lachen machen moechte -- auf Kosten seines eigenen
ungluecklichen Volkes?
(_Rede im Makkabaeerklub._)
Der _Judenstaat_ ist ein Weltbeduerfnis, folglich wird er entstehen.
(_Der Judenstaat._)
Dieses Land, das elende, und das Volk, das elende, zusammengefuehrt,
werden einen Zustand ergeben, dass beiden geholfen ist.
(_Rede in Wien._)
Es wird auch im _Judenstaat_ Unglueckliche, Kranke und Arme geben. Aber
der Druck, der alle Leiden noch bitterer macht, wird aufhoeren, und kein
Talent wird daran verderben, dass es juedischen Ursprungs ist.
(_Rede im Makkabaeerklub._)
_Palaestina_ ist unsere unvergessliche historische Heimat. Dieser Name
allein waere ein gewaltig ergreifender Sammelruf fuer unser Volk. Wenn
Seine Majestaet der Sultan uns Palaestina gaebe, koennten wir uns dafuer
anheischig machen, die Finanzen der Tuerkei gaenzlich zu regeln. Fuer
Europa wuerden wir dort ein Stueck des Walles gegen Asien bilden, wir
wuerden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen.
(_Der Judenstaat._)
Sie werden doch wissen, dass ich gegen die Infiltration in Palaestina
bin -- wir wuerden dort nur neue massacrirbare Armenier ansiedeln.
(_An Samuel Pineles; bei_ _A. Friedemann._)
Begreifen denn die juedischen Gegner des Judenstaates nicht, dass wir
schon durch das blosse Aussprechen dieser Forderung die Achtung der Welt
erwerben? Wir haben mindestens so viel Recht, wie die anderen, ein Land
als Koerper unserer normalen Existenz zu verlangen. Wir haben dieses
Recht erworben durch Leiden, die in der Geschichte des menschlichen
Geschlechts beispiellos sind. Ein Strom von Blut hat unseren Gang durch
die Jahrhunderte begleitet. Es waren sinnlose Qualen, wenn wir sie nicht
in der Hoffnung auf den _Judenstaat_ aushielten. Werfen wir unser
Judentum weg, wie ein zerfetztes altes Kleid, wenn wir nicht an den
Judenstaat denken!
(_Rede im Makkabaeerklub._)
Israel! Andere Voelker waren auch von Missgeschicken heimgesucht, aber
es kommt ihnen immer wieder eine ungetruebte Zeit. Jedem Kriege folgt
ein Frieden. Nur das verstreute Israel wird immer besiegt und kommt nach
den Niederlagen nicht zur Ruhe. Die materielle Sicherheit ist aber die
Grundlage der moralischen Gesundheit und darum wuenschen wir mit aller
Inbrunst, erstreben wir mit all unserer Kraft fuer unser Volk die
materielle Sicherheit, die es nur auf seinen Boden finden kann. Und die
moralische Gesundheit eines tatsaechlich in der ganzen Welt verstreuten
Volkselements ist von Wichtigkeit fuer die ganze Welt.
(_Tagebuch 1898._)
Da sieht sie ihr altes Land am Mittelmeer herrlich gelegen, mit kaltem,
gemaessigtem und warmen Klima; ein Land, aller Kulturen faehig, mit
langruhenden Bodenschaetzen und doch fuer andere nichts wert, weil
andere nicht die befruchtenden Menschenstroeme hinzuleiten vermoegen,
die dem Zionismus gehorchen. Und wenn wir nun nicht verzueckt oder
verlogen in die Wolken starren, sondern ruhigen Blickes nach jenem
Punkte hindeuten, der wirklich die Erloesung bedeutet, so bedarf das
keiner geheimen Auslegungskuenste. Dort ist das _Zion_ der Armen, der
Jungen und auch der Frommen.
(_Dr. Guedemanns Nationaljudentum._)
_DER FUeHRER_
Wir haben einen Grundsatz bei unseren Weisen gefunden: Die Ehren gebe
man dem, der sie nicht sucht!
(_Altneuland._)
Ruhm besteht nicht im Beifall der Menge, sondern im Urteil der
Geschichte. Je groesser ein Mensch ist, desto laenger kann er darauf
warten, dass man ihn versteht, sei es auch erst in fernen Tagen.
(_A. Friedemann_ _a. O. S. 83._)
Der _Einzelne_, der auch nur Miene machte, ein solches Riesenwerk zu
_unternehmen_, koennte ein Betrueger oder ein Wahnsinniger sein.
(_Der Judenstaat._)
Ich meine nicht, dass es etwas Unrechtes sei, wenn man sich mit
Geschaeften abgibt. Nur ein Schriftsteller soll kein Geschaeftsmann
sein, und beim Diener einer Volksbewegung ist es etwas Unertraegliches.
(_Rede in London._)
Die ersten Maenner, welche diese _Bewegung_ beginnen, werden schwerlich
ihr ruhmvolles Ende sehen. Aber schon durch das Beginnen kommt ein hoher
Stolz und das Glueck der innerlichen Freiheit in ihr Dasein.
(_Der Judenstaat._)
In dem, was ich Ihnen (Baron Hirsch) sagen will, wird Ihnen manches
einfach und manches phantastisch erscheinen. Mit Einfachem und
Phantastischem fuehrt man die Menschen.
(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)
Ja, nur das Phantastische ergreift die Menschen. Und wer damit nichts
anzufangen weiss, der mag ein vortrefflicher, braver und nuechterner
Mann sein und selbst ein Wohltaeter im grossen Stil. Fuehren wird er die
Menschen nicht, und es wird keine Spur von ihm bleiben.
(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)
_PERSOeNLICHES_
Zum Zionisten hat mich naemlich -- der Prozess Dreyfuss gemacht.
(_North American Review 1899 nach Thon._)
Wie Kant aufschrieb: An Johann darf nicht mehr gedacht werden. Mein
Johann ist die Judenfrage. Ich muss sie rufen und wegschicken koennen.
_Tagebuch vom 16.6.1895._
(_bei_ _Kellner_.)
(_Von der Abfassung des Judenstaates._)
Ich hatte dann eine sehr ernste Krisis durchzumachen; ich kann sie nur
damit vergleichen, wenn man einen rotgluehenden Koerper in kaltes Wasser
wirft. Freilich, wenn dieser Koerper zufaellig Eisen ist, wird er Stahl.
(_Selbstbiographie._)
(_Von der Veroeffentlichung des Judenstaates._)
Da ich mich nicht umstimmen liess, rieten sie mir, die Idee wenigstens
in der unverbindlichen und unterhaltenden Form eines Romanes
vorzubringen mit Liebesgeschichten, menschlichen Einzelschicksalen und
einer Malerei kuenftiger Zustaende im Judenlande. Das war ja auch mehr
im Einklang mit meiner bisherigen Taetigkeit als Stueckeschreiber und
Feuilletonist. Wohl sah ich ein, dass dies ein gutes Propagandamittel
fuer die Idee waere und mir die Gefahr ersparte, mich bis auf die
Knochen zu blamieren. Aber dann waere keine Tat daraus geworden. Man
haette in den Salons und Eisenbahncoupes davon gesprochen, viele haetten
ueber den launigen Einfall gelacht, und manche haetten vielleicht
heimlich in das Buch hineingeweint. Was war damit erreicht? Noch ein
Maerchen in tausend und einer Nacht des Leidens. Nein, es sollte Tag und
Tat werden. Aufruetteln mussten wir das juedische Volk, statt es
einzulullen. Und wirklich, es hat sich aufruetteln lassen.
(_Der Zionismus._)
Vor allem haben wir uns sozusagen Roecke ohne Taschen angezogen und
haben es unmoeglich gemacht, irgend einen Vorteil fuer uns zu haben.
(_Rede in Wien._)
Ich habe nicht das Majoritaetsbeduerfnis, ich brauche keine Majoritaet.
Was ich brauche, ist nur, dass ich mit meiner eigenen Ueberzeugung im
Reinen bin. Dann bin ich zufrieden, selbst wenn kein Hund von mir ein
Stueck Brot annimmt.
(_Stenogramm der Sitzung des grossen A. C. vom 11.IV.04. Rede Herzls
gegen die Charkower._)
Ich bin staerker als Sie, (zu seinem Gegner) darum bin ich versoehnlich,
weil ich weiss: wenn wir streiten werden, werde ich siegen.
(_Stenographisches Protokoll, S. 477._)
In einem solchen guten Moment, im Herbst 1898 war es, dass ich in London
meinen Bruedern im Eastend sagte, dass ich die Verwirklichung unserer
Hoffnungen fuer nahe bevorstehend halte. Das haette ich nicht sagen
sollen. Man fiel ueber mich her wie ueber einen Charlatan. Das Urteil
wird aber eine spaetere Zeit sprechen, der alle Beweismittel vorliegen
werden.
(_Rede im Makkabaeerklub._)
Ich, der ich vielleicht ein Stueck Kuchen zu essen habe, habe nicht das
Recht, das Stueck Brot, das Armen angeboten wird, abzuweisen, weil ich
es nicht will, oder weil ich es nicht brauche.
(_A. C. Sitzung 11. 4. 1904. Stenographisches Protokoll._)
. . . Dass ich an der Guete unseres Menschenmaterials nicht mehr
zweifelte, als ich die Kraft des nationalen Erwachens in mir selbst
erlebte. Zur Zeit, als Ihr -- und mein -- Freund seine tief aus dem
Herzen kommenden Worte niederschrieb, war ich noch ein spoettischer
Jude, der wahrscheinlich gelacht haette, wenn ihm diese Aufzeichnung zu
Gesicht gekommen waere. Aber es ist in mir eine Wandlung vorgegangen,
die ich das Glueck und den Stolz meines Lebens empfinde.
(_Brief an Gustav G. Cohen._)