Schluß.
Percy war, als der Leser ihn kennen lernte, fast mehr Mädchen als
Knabe. Aber schnell, über Erwarten schnell sind seine Mädchensitten
verschwunden; ein männlicheres festeres Wesen bekundet sich schon auf
den ersten Blick in Haltung und Gesichtszügen.
Daß es ihm an Opfermut ja an Heldensinn nicht fehlte, hat er bei
mehreren Gelegenheiten gezeigt. Ja sein ganzes Verweilen unter den
Mitzöglingen, sein unermüdlicher Fleiß, seine Bescheidenheit und nie
versagende Nächstenliebe sind ein Beweis, daß die christliche Tugend
tiefe Wurzeln in seinem Herzen geschlagen und der schönsten Früchte
fähig ist.
Vollendet aber wurde seine Entwickelung in jener Stunde, welche
er einsam bei der Leiche eines von ihm selbst für den Himmel
geretteten Armen auf der öden Prärie in bitterer Kälte zubrachte. Der
vortrefflich gebildete Knabe, dessen Sinn in allem stets auf das Ideale
gerichtet, dessen Seele mit einem reichen wohlgeläuterten Gemütsleben
ausgestattet war, erblickte dort zum erstenmale eine Welt vor sich und
um sich, eine Menschenwelt, in der ein heftiger Kampf um das Wohl
vernunftbegabter Geschöpfe hin und her wogt. Er sah, wie die Not der
Armut und die Hartherzigkeit des Reichtums sich mit den Mächten der
Finsternis verbunden haben, um den Sendboten des göttlichen Heiles,
in deren Dienste die Mildthätigkeit steht, die unsterblichen Seelen
streitig zu machen. In jener Stunde reifte in ihm der Entschluß, an
diesem Kampfe sich zu beteiligen und unter der Fahne Gottes in den
vordersten Reihen zu fechten.
Noch ist dieser Entschluß unbestimmt; Percy fühlt sich unfähig, den Weg
zu wählen, der ihn durchs Leben führen soll. Jahre müssen vergehen,
bevor ihm der höchste Kriegsherr den Posten anweisen wird, den er im
Streite zu verteidigen hat. Aber bis dahin wird ihm der große Gedanke
als ein Leitstern in den Arbeiten, den Freuden und Leiden seiner
Studienjahre vorschweben.
Noch ein paar Worte, und wir scheiden von unsern kleinen Mauracher
Freunden.
Fränkchen wurde nach einiger Zeit in die Kirche aufgenommen; Percy
war sein Taufpathe. Mit seinem Betragen ist man ganz zufrieden. Sein
Lehrer aber glaubt in ihm ein außerordentliches Talent für Mathematik
zu erkennen. Seine Zuneigung zu Tom und Percy nimmt täglich zu. Er will
seine Ferien bei Percy zubringen.
Tom ist noch derselbe fröhliche, hochherzige, edelgesinnte Junge.
Niemand weiß, daß er ein Jahr vor Percy einen ähnlichen, aber
bestimmteren Entschluß gefaßt, und seine Beständigkeit auf dem
guten Wege führten weder seine Mitschüler noch die meisten seiner
Vorgesetzten auf die Quelle zurück, der sie entstammt.
In den Ferien wird er vorerst einige Zeit bei seiner guten Tante Hanna
zubringen; dann aber will er, wenn sein Vater es gestattet, Percy und
Fränkchen für ein paar Tage besuchen.
Es ist noch nicht ganz sicher, ob auch Harry Quip, Willy Hodder und
Joseph Whyte an der Partie teilnehmen. Wahrscheinlich wird es sich
machen lassen. Und dann! heissa, dann wird es lustig! Denn alle bringen
mit, was zur rechten Fröhlichkeit gehört, ein braves Herz und einen
frischen, offenen Kopf.
Tom und Percy reisten zusammen bis Kansas City, von wo sie verschiedene
Richtungen zu nehmen hatten.
„Adieu, Tom,“ sprach Percy bewegt, als sie sich trennten, „ich werde
nie vergessen, wie gut Du gegen mich warst. Du hast wirklich einen
Jungen aus mir gemacht.“
„Unsinn,“ erwiderte Tom, indem er Percys Hand herzlich schüttelte. „Was
Du bist, verdankst Du Dir selbst. -- Du bist,“ fügte er hinzu, „Du bist
mehr als ein Junge, Du bist ein kleiner +Mann+. -- Adieu, Percy!“
„Adieu! -- und behüt’ Dich Gott!“
„Adieu! Behüt’ Euch Gott!“ rufen auch wir den kleinen Amerikanern zu,
„und herzlichen Dank für alle Freude, die wir in Eurer Gesellschaft
genossen!“
[Illustration]
Bemerkungen zu den ausländischen Wörtern.
Der betonte Vokal ist fett gedruckt.
=Baltimore= sprich b=a=ltimor. (Das a ist vor l stets ein
Mittellaut zwischen dem deutschen a und o.)
=~Base Ball~= sprich b=e=hß bahl. (Vgl. das vorige
Wort.)
=Cent= sprich ßent (siehe Dollar).
=Chicago= sprich schik=a=go.
=Cincinnati= sprich ßinßinn=ä=tti.
=Dollar= sprich d=o=ller, die Hauptmünze der Vereinigten
Staaten. Er hat den Wert von 4 Mark oder 2¼ österr. Gulden oder 5
Francs. 1 Dollar = 100 Cents.
=Gladstone= sprich gl=ä=dsten, großer englischer Staatsmann
der Gegenwart.
=Granger= sprich gr=e=hndscher.
=Harry= sprich h=ä=rri. Es ist eigentlich das
Verkleinerungswort von Henry, Heinrich, wird aber gewöhnlich statt
desselben gebraucht.
=Infirmerie=, in vielen klösterlichen Anstalten der Ausdruck
für die Krankenzimmer, und die zum Dienste der Kranken bestimmten
Räumlichkeiten (Apotheke u. s. w.), in Maurach ein eigenes getrenntes
Gebäude. (Vgl. Tom Playfair S. 37.)
=Kansas City= sprich känßes ß=i=tti.
=Keenan= sprich k=i=hnen.
=Lincoln= sprich l=i=nkeln.
=Longfellow= sprich l=o=ngfello, amerikanischer Dichter
dieses Jahrhunderts. (Vgl. +Baumgartner+, Longfellows
Dichtungen.)
=Maryland= sprich m=e=hriländ.
=Middleton= sprich m=i=ddelten.
=Milton= sprich m=i=lten, englischer Dichter 1608–1674.
=Pani=; dieses Wort, Name eines Indianerstammes, wird auch
wohl nach englischer Weise Pawnee geschrieben, ist aber stets
pahn=i=h zu sprechen.
=Percy= sprich p=ö=rßi.
=Playfair= sprich pl=e=hfähr.
=Prärie=, weite Länderstrecken im Stromgebiete des Mississippi,
die teils ganz eben, teils von niedrigen Hügelwellen durchzogen und
fast nur mit Gras bewachsen sind.
=Ryan= sprich r=ei=en.
=Shakespeare= sprich sch=e=hkspihr, englischer Dichter
1564–1616.
=St. Louis= sprich ßehnt l=u=is.
=Sykesville= sprich ß=ei=kswil.
=Tennyson= sprich t=e=nnißen, ein englischer Dichter
1810–1892. Die Strophe, welche S. 52 gemeint ist, findet sich in
‚~The Princess; a medley~‘, und lautet:
~The splendor falls on castle walls
And snowy summits old in story:
The long light shakes across the lakes
And the wild cataract leaps in glory.~
=Toast= sprich tohst, geröstetes Brot (Zwieback). In den Ländern
englischer Zunge wird Toast zum Wein genommen, und so erhielt das
Wort zugleich die Bedeutung „Trinkspruch“. In dieser Bedeutung
spricht man es bei uns auch wohl to=a=st.
=Toilette= sprich toalette.
=Tom= ist das im gewöhnlichen Umgang gebrauchte Wort für Thomas.
=Whyte= sprich hu=ei=t.
=Willy= ist das Verkleinerungswort von William (u=i=ljem)
Wilhelm; es sollte eigentlich u=i=lli gesprochen werden, doch
ist es bei uns mit der deutschen Aussprache ganz eingebürgert.
=Wynn= sprich u=i=nn.