35. Kapitel.

Schluß.

Percy war, als der Leser ihn kennen lernte, fast mehr Mädchen als

Knabe. Aber schnell, über Erwarten schnell sind seine Mädchensitten

verschwunden; ein männlicheres festeres Wesen bekundet sich schon auf

den ersten Blick in Haltung und Gesichtszügen.

Daß es ihm an Opfermut ja an Heldensinn nicht fehlte, hat er bei

mehreren Gelegenheiten gezeigt. Ja sein ganzes Verweilen unter den

Mitzöglingen, sein unermüdlicher Fleiß, seine Bescheidenheit und nie

versagende Nächstenliebe sind ein Beweis, daß die christliche Tugend

tiefe Wurzeln in seinem Herzen geschlagen und der schönsten Früchte

fähig ist.

Vollendet aber wurde seine Entwickelung in jener Stunde, welche

er einsam bei der Leiche eines von ihm selbst für den Himmel

geretteten Armen auf der öden Prärie in bitterer Kälte zubrachte. Der

vortrefflich gebildete Knabe, dessen Sinn in allem stets auf das Ideale

gerichtet, dessen Seele mit einem reichen wohlgeläuterten Gemütsleben

ausgestattet war, erblickte dort zum erstenmale eine Welt vor sich und

um sich, eine Menschenwelt, in der ein heftiger Kampf um das Wohl

vernunftbegabter Geschöpfe hin und her wogt. Er sah, wie die Not der

Armut und die Hartherzigkeit des Reichtums sich mit den Mächten der

Finsternis verbunden haben, um den Sendboten des göttlichen Heiles,

in deren Dienste die Mildthätigkeit steht, die unsterblichen Seelen

streitig zu machen. In jener Stunde reifte in ihm der Entschluß, an

diesem Kampfe sich zu beteiligen und unter der Fahne Gottes in den

vordersten Reihen zu fechten.

Noch ist dieser Entschluß unbestimmt; Percy fühlt sich unfähig, den Weg

zu wählen, der ihn durchs Leben führen soll. Jahre müssen vergehen,

bevor ihm der höchste Kriegsherr den Posten anweisen wird, den er im

Streite zu verteidigen hat. Aber bis dahin wird ihm der große Gedanke

als ein Leitstern in den Arbeiten, den Freuden und Leiden seiner

Studienjahre vorschweben.

Noch ein paar Worte, und wir scheiden von unsern kleinen Mauracher

Freunden.

Fränkchen wurde nach einiger Zeit in die Kirche aufgenommen; Percy

war sein Taufpathe. Mit seinem Betragen ist man ganz zufrieden. Sein

Lehrer aber glaubt in ihm ein außerordentliches Talent für Mathematik

zu erkennen. Seine Zuneigung zu Tom und Percy nimmt täglich zu. Er will

seine Ferien bei Percy zubringen.

Tom ist noch derselbe fröhliche, hochherzige, edelgesinnte Junge.

Niemand weiß, daß er ein Jahr vor Percy einen ähnlichen, aber

bestimmteren Entschluß gefaßt, und seine Beständigkeit auf dem

guten Wege führten weder seine Mitschüler noch die meisten seiner

Vorgesetzten auf die Quelle zurück, der sie entstammt.

In den Ferien wird er vorerst einige Zeit bei seiner guten Tante Hanna

zubringen; dann aber will er, wenn sein Vater es gestattet, Percy und

Fränkchen für ein paar Tage besuchen.

Es ist noch nicht ganz sicher, ob auch Harry Quip, Willy Hodder und

Joseph Whyte an der Partie teilnehmen. Wahrscheinlich wird es sich

machen lassen. Und dann! heissa, dann wird es lustig! Denn alle bringen

mit, was zur rechten Fröhlichkeit gehört, ein braves Herz und einen

frischen, offenen Kopf.

Tom und Percy reisten zusammen bis Kansas City, von wo sie verschiedene

Richtungen zu nehmen hatten.

„Adieu, Tom,“ sprach Percy bewegt, als sie sich trennten, „ich werde

nie vergessen, wie gut Du gegen mich warst. Du hast wirklich einen

Jungen aus mir gemacht.“

„Unsinn,“ erwiderte Tom, indem er Percys Hand herzlich schüttelte. „Was

Du bist, verdankst Du Dir selbst. -- Du bist,“ fügte er hinzu, „Du bist

mehr als ein Junge, Du bist ein kleiner +Mann+. -- Adieu, Percy!“

„Adieu! -- und behüt’ Dich Gott!“

„Adieu! Behüt’ Euch Gott!“ rufen auch wir den kleinen Amerikanern zu,

„und herzlichen Dank für alle Freude, die wir in Eurer Gesellschaft

genossen!“

[Illustration]

Bemerkungen zu den ausländischen Wörtern.

Der betonte Vokal ist fett gedruckt.

=Baltimore= sprich b=a=ltimor. (Das a ist vor l stets ein

Mittellaut zwischen dem deutschen a und o.)

=~Base Ball~= sprich b=e=hß bahl. (Vgl. das vorige

Wort.)

=Cent= sprich ßent (siehe Dollar).

=Chicago= sprich schik=a=go.

=Cincinnati= sprich ßinßinn=ä=tti.

=Dollar= sprich d=o=ller, die Hauptmünze der Vereinigten

Staaten. Er hat den Wert von 4 Mark oder 2¼ österr. Gulden oder 5

Francs. 1 Dollar = 100 Cents.

=Gladstone= sprich gl=ä=dsten, großer englischer Staatsmann

der Gegenwart.

=Granger= sprich gr=e=hndscher.

=Harry= sprich h=ä=rri. Es ist eigentlich das

Verkleinerungswort von Henry, Heinrich, wird aber gewöhnlich statt

desselben gebraucht.

=Infirmerie=, in vielen klösterlichen Anstalten der Ausdruck

für die Krankenzimmer, und die zum Dienste der Kranken bestimmten

Räumlichkeiten (Apotheke u. s. w.), in Maurach ein eigenes getrenntes

Gebäude. (Vgl. Tom Playfair S. 37.)

=Kansas City= sprich känßes ß=i=tti.

=Keenan= sprich k=i=hnen.

=Lincoln= sprich l=i=nkeln.

=Longfellow= sprich l=o=ngfello, amerikanischer Dichter

dieses Jahrhunderts. (Vgl. +Baumgartner+, Longfellows

Dichtungen.)

=Maryland= sprich m=e=hriländ.

=Middleton= sprich m=i=ddelten.

=Milton= sprich m=i=lten, englischer Dichter 1608–1674.

=Pani=; dieses Wort, Name eines Indianerstammes, wird auch

wohl nach englischer Weise Pawnee geschrieben, ist aber stets

pahn=i=h zu sprechen.

=Percy= sprich p=ö=rßi.

=Playfair= sprich pl=e=hfähr.

=Prärie=, weite Länderstrecken im Stromgebiete des Mississippi,

die teils ganz eben, teils von niedrigen Hügelwellen durchzogen und

fast nur mit Gras bewachsen sind.

=Ryan= sprich r=ei=en.

=Shakespeare= sprich sch=e=hkspihr, englischer Dichter

1564–1616.

=St. Louis= sprich ßehnt l=u=is.

=Sykesville= sprich ß=ei=kswil.

=Tennyson= sprich t=e=nnißen, ein englischer Dichter

1810–1892. Die Strophe, welche S. 52 gemeint ist, findet sich in

‚~The Princess; a medley~‘, und lautet:

~The splendor falls on castle walls

And snowy summits old in story:

The long light shakes across the lakes

And the wild cataract leaps in glory.~

=Toast= sprich tohst, geröstetes Brot (Zwieback). In den Ländern

englischer Zunge wird Toast zum Wein genommen, und so erhielt das

Wort zugleich die Bedeutung „Trinkspruch“. In dieser Bedeutung

spricht man es bei uns auch wohl to=a=st.

=Toilette= sprich toalette.

=Tom= ist das im gewöhnlichen Umgang gebrauchte Wort für Thomas.

=Whyte= sprich hu=ei=t.

=Willy= ist das Verkleinerungswort von William (u=i=ljem)

Wilhelm; es sollte eigentlich u=i=lli gesprochen werden, doch

ist es bei uns mit der deutschen Aussprache ganz eingebürgert.

=Wynn= sprich u=i=nn.

Percy Wynn · 第 77 / 77 题