Der Panukese ist tot

Gegen Mittag war ich trotz der Gluthitze so weit mit meinem Ausgraben

gekommen, daß der Inhalt der Höhle offen im hellen Licht des Tages lag.

Es ist ganz gewißlich wahr, ich war weder geistesgestört, noch träumte

ich. Wäre ich im Zweifel gewesen, die Blasen an meinen Händen und die

Müdigkeit meines Körpers hätten mich eines Besseren belehrt.

Da, in jener Höhle, deren Mauerwerk so fest gefügt war, als wäre es

beste Betonarbeit, war mein Besucher, jener Indianer, der mich zweimal

des Nachts in meinem Hause gesprochen hatte. Er saß auf dem Boden der

Höhle in hockender Stellung. Sein niedergebeugtes Antlitz war verborgen

in seinen Händen.

Er war tot. Tot seit vier-, fünfhundert Jahren, vielleicht viel länger,

und er war begraben worden mit unnennbarer Sorgfalt, aus der Liebe

sprach und Ehrfurcht zugleich. Die Höhle war durchaus luftdicht

abgeschlossen gewesen bis vor wenigen Tagen, wo die Schweine angefangen

hatten, dort herumzuwühlen.

Sein Aussehen war nicht das einer ägyptischen Mumie. Vielmehr sah er

ganz so aus, als wäre er vor drei Tagen erst gestorben.

Die Lumpen, in die er gekleidet war, erschienen im hellen Tageslicht

noch bei weitem kostbarer und reicher in ihrer ursprünglichen Herkunft

als in der Nacht gesehen.

Die Schmucksachen, die er trug, waren Meisterstücke hochentwickelter

Goldschmiedekunst, und ich hatte nie zuvor irgendwo Arbeiten von solcher

Vollendung gesehen.

Plötzlich bemerkte ich, daß seine Wade angefressen war, und gerade an

jener Stelle, die er mir in der vergangenen Nacht gezeigt hatte. Kein

Blut war zu sehen, trotzdem die Schweine bereits bis auf den Knochen

gekommen waren. Das Fleisch seiner Brust, seines Gesichts und das seiner

Waden war hart und fühlte sich an wie Holz. Ich konnte mir nicht

erklären, welche Anziehungskraft dieses holzartige Fleisch, das

augenscheinlich auch nicht den allergeringsten Nährwert enthielt, auf

Schweine ausüben konnte. Aber es war ja immerhin möglich, daß Schweine

hinsichtlich dessen, was gut schmeckt, eine andre Meinung haben, als wir

gemeinhin annehmen.

Warum sich der Körper so frisch erhalten hatte, war leicht zu erklären:

Die Höhle war luftdicht abgeschlossen, und die Erde rundherum enthielt

chemische Substanzen, die auf den Körper konservierend einwirkten,

nachdem sie in feinen Partikelchen das Mauerwerk durchsetzt hatten.

Wahrscheinlich war auch das Konservierungsmittel, das beim

Einbalsamieren des Körpers gebraucht worden war, von andrer

Beschaffenheit und Wirkung als jenes, das die Ägypter verwandten.

Immer wieder und wieder betrachtete ich meinen Fund. So lebensfrisch

hockte er da, daß ich jeden Augenblick erwartete, er würde den Kopf

heben, aufstehen und mit mir zu sprechen anfangen.

Im tropischen Busch · 第 11 / 16 题