Ich stürzte über jene Bücher her, wie man nur kann, wenn man Monate und
Monate kein Buch gesehen und plötzlich Bücher zur unbeschränkten
Verfügung hat, die zu lesen man seit Jahren ersehnte.
In kürzerer Zeit, als ich je gedacht hatte, lag ich in festen Banden
jener Bücher. Sie hielten mich so gefesselt, daß ich vergaß, mir mein
Essen zu kochen. Ich trank die Milch, wie ich sie molk, und schluckte
die Eier roh, um nur keine Zeit für meine Bücher zu verlieren. Den
ganzen Tag, während die Sonne herunterglühte und man sich wie in einem
Backofen fühlte, und mehr als die halbe Nacht saß ich über den Bänden,
von der Furcht gejagt, der Doktor könnte zurückkommen, ehe ich die
Bücher zu Ende gelesen hätte.
War es möglich, daß Menschen und Völker dieser Art hier auf dieser Erde,
wo ich jetzt stand, gelebt, geliebt und gelitten hatten? Konnte es
wirklich wahr sein, daß auf diesem Kontinent Menschen und Völker von
hoher Kultur gelebt hatten sechstausend Jahre vor jener dunklen
Fabelzeit, die wir als den Anfang der menschlichen Geschichte
bezeichnen?
Von nun an betrachtete ich das Land mit andern Augen als vorher. Wenn
ein Indianer zufällig vorüberkam oder vor dem Hause um einen Trunk
Wasser bat, dann forschte ich sorgfältig in seinem Antlitz nach einer
Ähnlichkeit mit jenen alten Königen, Fürsten und Häuptlingen, deren
Bilder ich in den Büchern gesehen hatte. Und in der Tat, ich fand
überraschende Ähnlichkeiten. Jedoch nicht zufrieden damit, ihre
Gesichter, ihre Gesten, die Art ihres Ganges, den Tonfall ihrer Stimme
zu studieren, begann ich, die Leute gelegentlich auszufragen. Ich war
nicht wenig erstaunt, als ich vernahm, daß diese Leute die Vergangenheit
ihres Volkes gut kannten, daß sie die Geschichte ihres Volkes, ihre
Balladen, die Taten großer Männer, ihre Religionslegenden durch
mündliche Überlieferung von Generation zu Generation erhalten hatten.
Viele jener Indianer beteten noch ihre alten Götter an, während alle
übrigen die Hunderte von Heiligen, die ihnen ganz unbegreiflich
erscheinende unbefleckte Empfängnis, sowie die ihnen ebenso
unverständliche Dreieinigkeit derart mit ihrer alten Religion verwirrt
hatten, daß sie in ihren Herzen und ihren Vorstellungen die alten Götter
hatten, während sie auf den Lippen die Namen der unzähligen Heiligen
trugen.