Am Berge weiß ich trutzen

ein Kirchlein mit rostigem Knauf,

wie Mönche in grauen Kapuzen

steigen Zypressen hinauf.

Vergessene Heilige wohnen

dort einsam im Altarschrein;

der Abend reicht ihnen Kronen

durch hohle Fenster hinein.

ARCO

Die Hochschneezinne, schartig scharf,

loht auf wie eine Mauerkrone,

in die der lachende Nerone,

der Morgen, seine Fackel warf.

Und wie die Flammen bis ins Blau

sich zu verblühten Sternen strecken,

erwacht das Tal in schönem Schrecken

und taucht empor aus Traum und Tau.

I MULINI

Du müde, morsche Mühle,

dein Moosrad feiert Ruh,

aus der Olivenkühle

schaut dir der Abend zu.

Der Bach singt wie verloren

Menschenlieder nach,

tiefer über die Ohren

ziehst du dein trutziges Dach.

BODENSEE

Die Dörfer sind wie ein Garten.

In Türmen von seltsamen Arten

klingen die Glocken wie weh.

Uferschlösser warten

und schauen durch schwarze Scharten

müd auf den Mittagsee.

Und schnellende Wellchen spielen,

und goldene Dampfer kielen

leise den lichten Lauf;

und hinter den Uferzielen

tauchen die vielen, vielen

Silberberge auf.

KONSTANZ

Dem Tag ist so todesweh

Müd gießt er aus goldenen Kelchen

Wein in den Bergesschnee.

Hoch schüchtert, scheu wie ein Reh,

ein Stern überm Uferschleh,

und ziere, zitternde Weilchen

gittern den Abendsee.

FUNDE

Wenn wie ein leises Flügelbreiten

sich in den späten Lüften wiegt,--

ich möchte immer weiter schreiten

bis in das Tal, wo riefgeschmiegt

an abendrote Einsamkeiten

die Sehnsucht wie ein Garten liegt.

Vielleicht darf ich dich dorten rinden,

und zage wird dein erstes Mühn

die wehen Wünsche mir verbinden,

du wirst mich führen tief ins Grün--

und heimlich werden weiße Winden

an meinem staubigen Stabe blühn.

Ich möchte draußen dir begegnen,

wenn Mai auf Wunder Wunder häuft,

und wenn ein leises Seelensegnen

von allen Zweigen niederträuft.

Wenn bis zum Wegkreuz auf, zum schlanken,

Jasmin die weißen Arme streckt

und lind den ewgen Wehgedanken

der Stirne Christi überdeckt.

Ich mußte denken unverwandt,

wie ich einst zwischen schwarzen Pinien

den tiefen Frühling sinnen fand,

als ich vor deiner Schönheit stand

und durch der Scheitel dunkle Linien

dein Antlitz träumte wie ein Land.

Es schlich von deiner Lippen Saum

ein Lächeln auf verlornem Pfade--

ganz leis. Die andern merktens kaum.

So weht ein Blatt vom Blütenbaum:

Nur einer schaut die Frühlingsgnade,

und der sie schaut, ist wie im Traum.

Fremd ist, was deine Lippen sagen,

fremd ist dein Haar, fremd ist dein Kleid

fremd ist, was deine Augen fragen,

und auch aus unsern wilden Tagen

reicht nicht ein leises Wellenschlagen

an deine tiefe Seltsamkeit.

Du bist wie jene Bildgestalten,

die überm leeren Altarspind

noch immer ihre Hände falten,

noch immer alte Kränze halten,

noch immer leise Wunder walten--

wenn längst schon keine Wunder sind.

Du bist so fremd, du bist so bleich.

Nur manchmal glüht auf deinen Wange

ein hoffnungsloses Heimverlangen

nach dem verlornen Rosenreich.

Dann sehnt dein Auge, tief und klar,

aus allem Müssen, allem Mühen

ins Land, wo nichts als stilles Blühen

die Arbeit deiner Hände war.

Weißt du, ich will mich schleichen

leise aus lautem Kreis,

wenn ich erst die bleichen

Sterne über den Eichen

blühen weiß.

Wege will ich erkiesen,

die selten wer betritt

in blassen Abendwiesen--

und keinen Traum, als diesen:

Du gehst mit.

Bei dir ist es traut:

Zage Uhren schlagen

wie aus weiten Tagen.

Komm mir ein Liebes sagen:

aber nur nicht laut.

Ein Tor geht irgendwo

draußen im Blütentreiben.

Der Abend horcht an den Scheiben.

Laß uns leise bleiben:

Keiner weiß uns so.

Die Nacht holt heimlich durch des Vorhangs Falten

aus deinem Haar vergeßnen Sonnenschein.

Schau, ich will nichts, als deine Hände halten

und still und gut und voller Frieden sein.

Da wächst die Seele mir, bis sie in Scherben

den Alltag sprengt; sie wird so wunderweit:

An ihren morgenroten Molen sterben

die ersten Wellen der Unendlichkeit.

Du, Hände, welche immer geben,

die müssen blühn von fremdem Glück.

Zart wie ein zartes Birkenbeben,

bleibt von dem gebenden Erleben

ein Rhythmenzittern drin zurück.

Das sind die Hände mit den schmalen

Gelenken, die sich leise mühn;

und wüßten die von Kathedralen,

sie müßten sich in Wundenmalen

vor allem Volke heiligblühn.

Bist gewandert durch Wahn und Weh,

kommst aus meinen dunkelsten Tagen,

hast dir eine Brücke geschlagen

bis zu mir über Schuld und Schnee.

Lenkst mich lächelnd mit leisem Gebot,

und auf kronengoldenen Locken

trägst du flüchtige Federflocken

in den fröhlichen Frühlingstod.

Will dir den Frühling zeigen,

der hundert Wunder hat.

Der Frühling ist waldeigen

und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten

Gassen zu zweien gehn

und sich bei den Händen halten--

dürfen ihn einmal sehn.

Und dieser Frühling macht dich bleicher,

in weite Wiesen will dein Fuß,

dein Lied wird leis, dein Wort wird weicher,

und deine Hände werden reicher

mit jedem Wink, mit jedem Gruß.

Du holst aus düfteschwüler Lade

dein Konfirmandenkleidchen dreist

und trägst es in die wilden Pfade

und schmückst dich für die große Gnade,

die deine Seele blühen heißt.

Mir ist: ich muß dir den Brautnachtstrauß

weit aus dem Abend bringen.

Ich geh in die goldene Stunde hinaus,

und die Fenster leuchten am letzten Haus,

drin spielende Kinder singen.

Und ich geh an dem einsamen Haus vorbei,

drin singende Kinder wohnen,

und mein Wandern wächst und wächst in den Mal

und kann nicht zurück,--und die Blüten, verzeih,

die wind ich mir alle zu Kronen.

Bist du so müd? Ich will dich leise leiten

aus diesem Lärm, der längst auch mich verdroß.

Wir werden wund im Zwange dieser Zeiten.

Schau, hinterm Wald, in dem wir schauernd schreiten,

harrt schon der Abend wie ein helles Schloß.

Komm du mit mir. Es soll kein Morgen wissen,

und deiner Schönheit kuscht kein Licht im Haus....

Dein Duft geht wie ein Frühling durch die Kissen:

Der Tag hat alle Träume mir zerrissen,--

du, winde wieder einen Kranz daraus.

Du:

ein Schloß an wellenschweren,

atlasblassen Abendmeeren--

und in seinen säulenhehren

Sälen warten Preis und Prunk,

uns zu ehren:

Weil wir beide wiederkehren--

ohne Kronen und mit leeren

Händen--

aber jung

Purpurrote Rosen binden

möcht ich mir für meinen Tisch

und, verloren unter Linden,

irgendwo ein Mädchen finden,

klug und blond und träumerisch.

Möchte seine Hände fassen,

möchte knieen vor dem Kind

und den Mund, den sehnsuchtblassen,

mir von Lippen küssen lassen,

die der Frühling selber sind.

Ein Händeineinanderlegen,

ein langer Kuß auf kühlen Mund,

und dann; auf Schimmer weißen Wegen

durchwandern wir den Wiesengrund.

Durch leisen, weißen Blütenregen

schickt uns der Tag den ersten Kuß,--

mir ist: wir wandeln Gott entgegen,

der durchs Gebreite kommen muß.

Du willst dir einen Pagen küren?

Mich komm erküren, Königin.

Mir klingt aus alten Aventüren

ein Sang in Saitenspiel und Sinn.

Ich will ins weiße Schloß dich führen,

in dem ich selber König bin,

und singen hinter tausend Türen

für meine weiße Königin.

Abend hat mich müd gemacht,

und in meinen Sinnen schrillen

kleine Wünsche mit den Grillen.

Wo das blasse Land verflacht,

liegen lauter weiße Villen

hinter roter Rosenpracht.

Liegen wie auf leiser Wacht

weiße Villen an dem stillen

Uferrand der Frühlingsnacht.

Was reißt ihr aus meinen blassen, blauen

Stunden mich in der wirbelnden Kreise

wirres Geflimmer?

Ich mag nicht mehr euren Wahnsinn schauen.

Ich will wie ein Kind im Krankenzimmer

einsam, mit heimlichem Lächeln, leise,

leise--Tage und Träume bauen.

Mir war so weh. Ich sah dich blaß und bang.

Das war im Traum. Und deine Seele klang.

Ganz leise tönte meine Seele mit,

und beide Seelen sangen sich; Ich litt.

Da wurde Friede tief in mir. Ich lag

im Silberhimmel zwischen Traum und Tag.

Wie meine Träume nach dir schrein.

Wir sind uns mühsam fremd geworden,

jetzt will es mir die Seele morden,

dies arme, bange Einsamsein.

Kein Hoffen, das die Segel bauscht.

Nur diese weite, weiße Stille,

in die mein tatenloser Wille

in atemlosem Bangen lauscht.

Und du warst schön. In deinem Auge schien

sich Nacht und Sonne sieghaft zu versöhnen.

Und Hoheit hüllte wie ein Hermelin

dich ein: So kam dich meine Liebe krönen.

Und meine nächteblasse Sehnsucht stand,

weißbindig wie der Vesta Priesterin,

an deines Seelentempels Säulenrand

und streute lächelnd weiße Blüten hin.

Du hast so große Augen, Kind.

Du siehst gewiß oft nachts Gestalten,

die, fremd und bleich, in marmorkalten

Traumhänden rote Kronen halten,

um die ein Leuchten leise rinnt.

Dann ist dein Blick am Tag wie blind

und deine Seele wie zerspalten,

dann bangt dir vor den Alltagsalten,

wenn Wünsche sich in dir entfalten,

die allen andern Wahnsinn sind.

Dann ist die Sehnsucht dir erwacht,

stolz zu entfliehn den eitlen Schreiern,

die plump, mit Händen, blöd und bleiern,

auf deiner Silberseele leiern

das irre Lied, das sterblich macht;

zu fliehn in eine blaue Nacht,

drin alle Wipfel lauschend feiern;

der Glieder Hymne zu entschleiern

und scheu im Schoß von weißen Weihern

zu finden ihre nackte Pracht.

Du sahst in hohe Lichthofmauern

und spieltest still in dumpfem Raum,

es lag ein unverstandnes Trauern

auf deinem blassen Kindheitsträum.

Und deine Tage waren bleiern,

die Mutter krank, der Vater roh;

und manchmal kam ein Krüppel leiern--

dann lauschtest du und weintest so.

Was kann dir nun der Sommer taugen?

Müd, wie mit scheuem Schwingenschlag,

durchirren deine Heimwehaugen

den uferlosen Sonnentag.

Sie war:

Ein unerwünschtes Kind, verstoßen

auch aus der Mutter Nachtgebet,

und ewig fern von jenem Großen,

das gebend durch die Zeiten geht.

Sie wünschte wenig--und nur selten

kam wie ein Weinen über sie

nach einem Land mit Purpurzelten,

nach einer fremden Melodie,

nach weißen Wegen, die nicht stauben--

dann bog sie Rosen sich ins Haar,

und konnte doch nie Liebe glauben,

auch wenn es tief im Frühling war.

Wenn ich dir ernst ins Auge schaute,

klang oft dein Wort so kummerkrank,

wie eine leise Liebeslaute,

die einsam einst ein Meister baute,

als seine Seele Sehnsucht sang.

Sie lernte seither leichte Lieder

und tönte gern zu Tag und Tanz,--

da greift ein Träumer ihre Glieder:

und wie erwachend weint sie wieder

das Heimweh ihres Heimatlands.

Ja, früher, wenn ich an dich dachte,

wie Wunder wars: ein Mai erwachte

um dich im Aureolenglänz,

und meine Sehnsucht träumte sachte

um deine Stirne einen Kranz.

Jetzt seh ich dich; du senkst dein Weinen

ins Herz den herbstverhangnen Hainen,

schleicht an den bleichen Meilensteinen

ein wunder Sonnenuntergang.

Ich ging durch ein Land, durch ein trauriges Land.

Wie auf leerer Wiege ein Wiegenband

lag der blasse Fluß auf dem flachen Sand,

darüber aus nassem Nebelgewand

reckte die Weide die Totenhand.

Mir war so traurig. Ich starrte und stand.

Ich sah dich kauern am Wegesrand.

Einst hab ich dich und das Glück gekannt.

Du weintest wühlend und unverwandt,

und ich fragte dich: Ist das dein Heimatland?

Du nicktest, du nicktest wie traumgebannt....

Da hab ich dich wieder wie einst genannt;

doch dein Bild zerrann mir, dein Bild entschwand.

Die Pappeln kohlten im Abendbrand,

und der Tod ging rot durch dein Heimatland.

Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte

ins Haar, das leis ein weher Wind bewegt--

Siehst du den Mond, wie eine silberechte

Merkmünze, und ein Bild ist eingeprägt:

ein Weib, das lächelnd dunkle Dornen trägt--

Das ist das Zeichen toter Liebesnächte.

Fühlst du die Rosen auf der Stirne sterben?

Und jede läßt die Schwester schauernd los

und muß allein verdarben und verderben,

und alle fallen fahl in deinen Schoß.

Dort sind sie tot. Ihr Leid war leis und groß.

Komm in die Nacht. Und wir sind Rosenerben.

Kannst du die alten Lieder noch spielen?

Spiele, Liebling. Sie wehn durch mein Weh

wie die Schiffe mit silbernen Kielen,

die nach heimlichen Inselzielen

treiben im leisen Abendsee.

Und sie landen am Blütengestade,

und der Frühling ist dort so jung.

Und da findet an einsamem Pfade

vergessene Götter in wartender Gnade

meine müde Erinnerung.

Wo sind die Lilien aus dem hohen Glas,

die deine Hand zu pflegen nie vergaß?

Schon tot?

Wo ist die Freude deiner Wangen hin,

die wie ein ganzer Lenz zu prangen schien--

Verloht?

Und wo ist unser Glück so groß und rein,

das hell dein Haar wie ein Madonnenschein

Umspann?

Auch das ist tot. Heut weinen wir ihm nach,

und morgen kommt der Frost uns ins Gemach--

Und dann?

MÜTTER

Ich sehne oft nach einer Mutter mich,

nach einer stillen Frau mit weißen Scheiteln.

In ihrer Liebe blühte erst mein Ich;

sie könnte jenen wilden Haß vereiteln,

der eisig sich in meine Seele schlich.

Dann säßen wir wohl beieinander dicht,

ein Feuer surrte leise im Kamine.

Ich lauschte, was die liebe Lippe spricht,

und Friede schwebte ob der Teeterrine

so wie ein Falter um das Lampenlicht.

Mir ist oft, daß ich fragen müßt:

Du, Mutter, was hast du gesungen,

eh deinem blassen, blonden Jungen

der Schlaf die Wangen warm geküßt?

Hattest du damals sehr viel Gram?

Und weißt du, wie du aufgesprungen,

wenn deinem blassen, blonden Jungen

im tiefen Traum ein Weinen kam?

Ich gehe unter roten Zweigen

und suche einen späten Strauß.

Weiß nicht vor Glück wo ein und aus,

mir ist so neu, mir ist so eigen:

Mein Lieb ist müd und ist zu Haus.

Jetzt ist mein Mädel erst recht eitel,

seit sich sein Mieder weiter zieht,

und seit ein Wunder ihm geschieht:

Bald hat es breite braune Scheitel

und sitzt und singt ein Wiegenlied.

Leise weht ein erstes Blühn

von den Lindenbäumen,

und, in meinen Träumen kühn,

seh ich dich im Laubengrün

hold im ersten Muttermühn

Kinderhemdchen säumen.

Singst ein kleines Lied dabei,

und dein Lied klingt in den Mai:

Blühe, blühe, Blütenbaum,

tief im trauten Garten.

Blühe, blühe, Blütenbaum,

meiner Sehnsucht schönsten Traum

will ich hier erwarten.

Blühe, blühe Blütenbaum,

Sommer wird dirs zahlen.

Blühe, blühe, Blütenbaum.

Schau, ich säume einen Saum

hier mit Sonnenstrahlen.

Blühe, blühe, Blürenbaum,

balde kommt das Reifen.

Blühe, blühe, Blütenbaum,

meiner Sehnsucht schönsten Traum

lehr mich, ihn begreifen.

Singst ein kleines Lied dabei,

und dein Lied ist lauter Mai.

Und der Blütenbaum wird blühn,

blühn vor allen Bäumen,

sonnig wird dein Saum erglühn,

und verklärt im Laubengrün

wird dein junges Muttermühn

Kinderhemdchen säumen.

Und reden sie dir jetzt von Schande,

da Schmerz und Sorge dich durchirrt,--

o, lächle, Weib! Du stehst am Rande

des Wunders, das dich weihen wird.

Fühlst du in dir das scheue Schwellen,

und Leib und Seele wird dir weit--

o, bete, Weib! Das sind die Wellen

der Ewigkeit.

DER BLONDE KNABE SINGT:

Was weinst du, Mutter? Ist das Spind

auch bettelleer,--sei gut!

Ich bin dein blondes Kronenkind,

und du hast Edelblut.

Ich schaute ja, du weißt es nicht,--

wie du so oft noch spät

beim morgenmatten Lampenlicht

dein Königskleid genäht.

So bist du eine Königin,

und sei nicht bang und zag--

und bis Ich erst krafteigen bin,

kommt unser Königs tag.

DIE MUTTER:

"Liebling, hast du gerufen?"

Es war ein Wort im Wind.

"Wie viele steile Stufen

sind noch bis zu dir, mein Kind?"--

Da fand ihre Stimme die Sterne,

fand aber die Tochter nicht.

Im Tale in tiefer Taverne

löschte ein letztes Licht.

Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß,

wilder, wie Strüme, die schäumen,

wilder, wie Sturm in den Bäumen.

Und leise läßt sie die Stunden los

und schenkt ihre Seele den Träumen.

Dann erwacht sie. Da steht ein Stern

still überm leisen Gelände,

und ihr Haus hat ganz weiße Wände--

Da weiß sie: Das Leben ist fremd und fern--

und faltet die alternden Hände.

INHALT

LARENOPFER (1896)

Im alten Hause

Auf der Kleinseite

Ein Adelshaus

Der Hradschin

Bei St. Veit

Im Dome

In der Kapelle St. Wenzels

Vom Lugaus

Der Bau

Im Stübchen

Zauber

Ein anderes

Noch eines

Und das letzte

Im Erkerstübchen

Der Novembertag

Im Straßenkapellchen

Das Kloster

Bei den Kapuzinern

Abend

Jar. Vrchlický

Im Kreuzgang von Loretto

Der junge Bildner

Frühling

Land und Volk

Der Engel

Allerseelen I. II.

Bei Nacht

Abend

Auf dem Wolschan I

II

Wintermorgen

Brunnen

Sphinx

Träume

Maitag

König Abend

An der Ecke

Heilige

Das arme Kind

Wenns Frühling wird

Als ich die Universität bezog

Superavit

Trotzdem

Herbststimmung

An Julius Zeyer

Der Träumer I

II

Die Mutter

Unser Abendgang

Kajetan Týl

Volksweise

Das Volkslied

Dorfsonntag

Mein Geburtshaus

In dubiis I. II.

Barbaren

Sommerabend

Gerichtet

Das Märchen von der Wolke

Freiheitsklänge

Nachtbild

Hinter Smichov

Im Sommer

Am Kirchhof zu Königsaal (aula regis)

Vigilien I. II.

III. IV.

Der letzte Sonnengruß

Kaiser Rudolf

Aus dem Dreißigjährigen Kriege. 1. Krieg

2. Alea jacta est

3. Kriegsknechts-Sang

4. Kriegsknechts-Rang

5. Beim Kloster

6. Ballade

7. Der Fenstersturz

8. Gold

9. Szene

10. Feuerlilie

11. Beim Friedland

12. Frieden

Bei den Ursulinen

Aus der Kinderzeit

Rabbi Löw

Die alte Uhr

Kämpfen

Siegen

Im Herbst

Der kleine "Drateník"

In der Vorstadt

Bei St. Heinrich

Mittelböhmische Landschaft

Das Heimatlied

TRAUMGEKRÖNT (1897)

Königslied

Träumen

I. Mein Herz gleicht

II. Ich denke an:

III. Mir ist: ein Häuschen wär mein eigen

IV. Eine alte Weide trauert

V. Die Rose hier, die gelbe

VI. Wir saßen beisammen

VII. Ich wollt, sie hätten statt der Wiege

VIII. Jene Wolke will ich neiden

IX. Mir ist: Die Welt

X. Wenn das Volk, das drohnenträge

XI. Weiß ich denn, wie mir geschieht

XII. Schon blinzt

XIII. Fahlgrauer Himmel

XIV. Die Nacht liegt duftschwer

XV. Im Schoß der silberhellen

XVI. Abendläuten

XVII. Weltenweiter Wandrer

XVIII. Möchte mir ein blondes Glück erkiesen

XIX. Vor mir liegt ein Felsenmeer

XX. Die Fenster glühten

XXI. Es gibt so wunderweiße Nächte

XXII. Wie eine Riesenwunderblume

XXIII. Wie, jegliches Gefühl vertiefend.

XXIV. O gäbs doch Sterne

XXV. Mir ist so weh, so weh, als müßte

XXVI. Matt durch der Tale

XXVII. Ein Erinnern, das ich heilig heiße

XXVIII. Glaubt mir

LIEBEN

I. Und wie mag die Liebe

II. Das war der Tag

III. Einen Maitag mit dir beisammen sein

IV. Ich weiß nicht, wie mir geschieht

V. Ob dus noch denkst

VI. Wir saßen beide in Gedanken

VII. Blondköpfchen hinter den Scheiben

VIII. Die Liese wird heute

IX. Ich träume tief im Weingerank

X. Es ist ein Weltmeer voller Lichte

XI. Ich war noch ein Knabe

XII. Die Nacht im Silberfunkenkleid

XIII. Schon starb der Tag

XIV. Es leuchteten im Garten die Syringen

XV. Oft scheinst du mir ein Kind

XVI. Nach einem Glück

XVII. Wir gingen

XVIII. Im Frühling oder im Traume

XIX. Sie hatte keinerlei Geschichte

XX. Man merkte: der Herbst kam

XXI. Manchmal da ist mir

XXII. Es ist lang

ADVENT (1898)

Advent. Es treibt der Wind

GABEN

Das ist mein Streit

Du meine heilige Einsamkeit

Der Bach hat leise Melodien

Ich liebe vergessene Flurmadonnen

Warst du ein Kind in froher Schar

Pfauenfeder: in deiner Feinheit

Oft denk ich auf der Alltagsreise

Damit ich glücklich wäre

An manchem Tag ist meine Seele still

Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt

Die hohen Tannen atmen heiser

Der Abend kommt von weit gegangen

Das Wetter war grau und grell

Sonne verlodert am Himmelsrain

Du arme, alte Kapelle

Die Mädchen singen

Lehnen im Abendgarten beide

Eine der weißen Vestageweihten

Im Kreise der Barone

Ein weißes Schloß in weißer Einsamkeit

Irgendwo muß es Paläste geben

Im Schlosse mit den roten Zinken

Einmal möcht ich dich wiederschauen

Es kommt in prunkenden Gebreiten

Horch, verhallt nicht ein scheuer

Der König Abend weiß sich schwach

Der Tag entschlummert leise

FAHRTEN

Venedig I. Fremdes Rufen

II. Immer ist mir, daß die leisen

III. Mein Ruder sang

IV. Ave weht von den Türmen her

Englar im Eppan

Tenno

Casablanca

Arco

I mulini

Bodensee

Konstanz

FUNDE

Wenn wie ein leises Flügelbreiten

Ich möchte draußen dir begegnen

Ich mußte denken unverwandt

Fremd ist, was deine Lippen sagen

Du bist so fremd, du bist so bleich

Weißt du, ich will mich schleichen

Bei dir ist es traut

Die Nacht holt heimlich

Du, Hände, welche immer geben

Bist gewandert durch Wähn und Weh

Will dir den Frühling zeigen

Und dieser Frühling macht dich bleicher

Mir ist: ich muß dir den Brautnachtstrauß

Bist du so müd? Ich will dich leise leiten

Du: ein Schloß an wellenschweren

Purpurrote Rosen binden

Ein Händeineinanderlegen

Du willst dir einen Pagen küren?

Abend hat mich müd gemacht

Was reißt ihr aus meinen blassen, blauen

Mir war so weh. Ich sah dich blaß und bang

Wie meine Träume nach dir schrein

Und du warst schön. In deinem Auge schien

Du hast so große Augen, Kind

Du sahst in hohe Lichthofmauern

Sie war: Ein unerwünschtes Kind

Wenn ich dir ernst ins Auge schaute

Ja, früher, wenn ich an dich dachte

Ich ging durch ein Land

Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte

Kannst du die alten Lieder noch spielen

Wo sind die Lilien aus dem hohen Glas

MÜTTER

Ich sehne oft nach einer Mutter mich

Mir ist oft, daß ich fragen müßt

Ich gehe unter roten Zweigen

Leise weht ein erstes Blühn

Und reden sie dir jetzt von Schande

Der blonde Knabe singt

Die Mutter

Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß

Erste Gedichte · 第 3 / 3 段