John Wesley.«

Wie erhebend mußten für Wilberforce diese Worte sein aus dem Munde

eines Mannes, der so eifrig war, rechtes Christentum zu fördern,

und dessen Name überall in England einen hellen guten Klang hatte,

selbst bei denjenigen, welche die Wege, die er einschlagen zu müssen

glaubte, nicht billigten! Und doch wie demütig und bescheiden schreibt

Wilberforce in seinem Tagebuch bei dieser Gelegenheit: »Möge Gott mir

verleihen, daß ich fortan mehr zu seiner Ehre lebe und möge er mich

in dem großen Werke segnen, das ich unter den Händen habe. Möchte

ich zu ihm aufblicken nach Weisheit und Kraft und der Gabe, andere

zu überzeugen! Möchte ich mich für den Ausgang ihm mit vollkommener

Ergebung unterwerfen! Möchte ich Ihm ganz die Ehre geben, wenn ich das

Ziel erreiche, und, wo nicht, von Herzen sprechen können: Dein Wille

geschehe!«

Was den ersten Seufzer angeht, daß ihm gegeben werden möge, mehr

zu Ehren Gottes zu leben, so hat Wilberforce denselben nicht blos

hier, sondern auch an anderen Stellen seines Tagebuches wiederholt

ausgedrückt, ohne Zweifel deshalb, weil er sich innerlich Vorwürfe

darüber machen zu müssen glaubte, daß er dem gesellschaftlichen Leben

zuviel Zeit und Kraft widme. Aber was wollte er machen, wenn sich, wo

er auch sein mochte, die verschiedenartigsten Leute um ihn drängten,

und ihn selbst in die entferntesten Gegenden verfolgten, um Rat und

Beistand bei ihm zu suchen oder sich auch nur seines Umganges zu

erfreuen.

»Ihr Haus ist ja gerade wie die Arche Noahs,« schrieb ihm einmal seine

mütterliche Freundin Hannah More, »voll reiner und unreiner Tiere.«

Und das Gleichnis traf in der That zu. Denn außer Missionsfreunden

und befreundeten Parlamentsgenossen, die mit ihm in betreff der

gemeinschaftlichen guten Sache Rat pflegen wollten, sah er sich auch

von solchen angelaufen, die in ganz gewöhnlichen, weltlichen Dingen

Rat und Unterstützung von ihm begehrten und denen er sich, weil sie zu

seinen Wählern gehörten, nicht entziehen konnte.

Wir verstehen es darum wohl, wenn er in seinem Tagebuche wiederholt

schreibt: »Was für Gründe mich auch bestimmten, ein offenes Haus zu

haben, so ist es doch gewiß, daß Einsamkeit und Ruhe der Betrachtung

und dem Wachen günstiger sind. Ich will streben, mir öfters Zeiten des

ununterbrochenen Umgangs mit Gott zu sichern.«

Wir verstehen es ebensowohl, daß es ihn nach jeder der arbeitsvollen

und aufregenden Parlamentssitzungen, innerlich drängte, sich irgendwo

solch stille Zeiten zu verschaffen, die er an den Badeorten, die er

seiner Gesundheit wegen besuchen mußte, unmöglich finden konnte.

Was aber den letzten Seufzer in den oben angeführten Worten seines

Tagebuches angeht, daß es ihm, wenn er in der Sklavensache sein

vorgestecktes Ziel nicht erreichen sollte, gegeben werden möge, von

Herzen zu sprechen: »Dein Wille ist geschehen!«, so scheint ihm diesen

eine Vorahnung dessen, was nun kommen sollte, in das Herz und in die

Feder gedrängt zu haben.

William Wilberforce, der Sklavenfreund Ein Lebensbild, für die deutsche Jugend und das deutsche Volk gezeichnet · 第 6 / 20 题