Das ist ein ganz vortreffliches Buch, eins jener wenigen, die man
wiederholt mit Genuß liest, deren ganze Schönheit sich sogar nur dem
erschließt, der sich mehr als einmal in sie vertieft. Neben dem von
der stillen, verschüchterten Mutter ererbten redlichen Sinn ist in
Berta Hahn, der Tochter des Häuslers Hahn, eine wild gärende Kraft, die
sich unter allen Umständen auf eigenen Bahnen durchzusetzen trachtet.
Von dem Reichtum an innerem Erleben, das in diesem Buche geschildert
wird, kann ich nicht einmal eine Andeutung geben. Der Dichter geht
den Seelenregungen der von ihm mit großer Kunst charakterisierten
Menschen liebevoll nach und hat in den Gestalten der Hahn Berta und
ihres Vaters Vortreffliches geleistet. Von großer Schönheit sind
die Naturschilderungen. Sie sind niemals um ihrer selbst willen da,
sondern aufs innigste mit der Handlung verwoben. Die Schilderungen
des Waldbrandes und der Wanderung Bertas durch den toten Wald sind
bedeutend. Das Buch verdient die Beachtung aller Leser, die von einer
Erzählung mehr als Unterhaltung verlangen.
Leipziger Neueste Nachrichten vom 24. 8. 1907.
Wenn ein Buch Berechtigung hat, von jedermann -- hoch oder niedrig
-- gelesen und beachtet zu werden wegen der Allgemeingültigkeit
seines Inhalts, der genialen Befähigung der Menschenprägung und
der Folgerichtigkeit ihres Entwicklungsganges, sowie wegen seiner
eigenartigen, herben, an Hebbel erinnernden klassischen Sprache, so ist
es dieses Werk. Es müßte ein Besitz aller Volksbibliotheken werden.
Gerade nach diesem Buche müßten alle diejenigen greifen, die heute der
deutschen Nation das Beste bieten wollen: das auf Verstand, Gemüt und
Nachdenken Wirkende, und die in Taten umgesetzte Religion.
Tägliche Rundschau vom 30. 4. 1908.
Grote’sche Sammlung von Werken
zeitgenössischer Schriftsteller