Klesel. Nicht wahr? Ihr seht nun selbst--

Mathias. Es finden manche sich wohl später ein.

Doch hätt' ich nicht gedacht--

Klesel. Der Rest entmutigt,

So daß kein Mittel, als--

Mathias (stille stehend).

Erneuter Angriff.

Klesel. Als Frieden.

Mathias. Neuer, doppeltstarker Angriff.

Klesel. Ihr wart ja doch vor kurzem überzeugt,

Daß nur allein Vertrag--

Mathias. Vor kurzem, ja,

Da war ich Sieger. Aber nun: besiegt.

Bei diesem Wort empört sich mir das Blut

Und steigt vom Herzen glühend in die Wangen.

Mir schwebt ein Plan vor aus Vegetius,

Bewährt sich der, dann sprechen wir des weitern.

Klesel. Ist das Eu'r Wort, im selben Augenblick,

Wo die Erzherzoge, von Euch berufen,

Im Lager schon, zu handeln von dem Frieden.

Mathias. Sie mögen sich den Krieg einmal besehn,

Mitmachen etwa gar, dergleichen frommt

Für Gegenwart und Zukunft; endlich gehn

Wohin sie Laune treibt, Beruf, Geschäft.

Klesel. Und wenn der Kaiser nun erfährt,

Daß man hier Rat gehalten gegen seinen Willen.

Mathias. Erfahren mußt' er's, ob nun so, ob so.

Klesel. Doch schützte der Erfolg vor seinem Zürnen.

Mathias. Den besten Schutz gibt in der Faust das Schwert.

Klesel. Und wenn er Euch nun ab vom Heer beruft?

Mathias. Vielleicht gehorcht' ich nicht.

Klesel. Gestützt auf was?

Der Feldherr, der Gehorsam weigert, heißt

Verräter, aber wer den Frieden gibt

Dem ausgesognen Land, wär's ohne Auftrag,

Er ist der Reiter, Abgott seines Volks.

(Halbleise.)

Vergeßt Ihr denn, daß Sultan Amurat

Der Frieden braucht, dem Geber dieser Ruh'

In Ungarn Macht und Einfluß gerne gönnt;

Sowie, daß Östreichs Stände beiden Glaubens

Dem Retter in der Not sich in die Arme

--Die doch auch Hände haben--freudig stürzen.

Mathias. Ich hab's gesagt. Die Schmach ertrüg' ich nicht.

Ein Diener (anmeldend).

Die Herrn Erzherzoge.

Klesel. Um Gottes willen!

Erkennt doch, daß es Wahnsinn was ihr wollt.

Und doch--Kommt's wie ein Lichtstrahl nicht von oben?

Es ist zu spät. Bleibt, Herr, bei Eurer Weigrung.

(Sich nach dem Vorgrunde entfernend.)

Vielleicht reift unsern Anschlag grade dies.

(Die Erzherzoge werden eingeführt.)

Max. Nun Bruder, Gott zum Gruß. Doppelt willkommen,

Als kaum entronnen solcher Fährlichkeit.

Nun aber ans Geschäft. Man rief uns her,

Als Zeugen dachten wir von einem Sieg,

Um zu bewundern Eure Strategie;

Doch scheint Gott Mars, der strahlende Planet,

Vorläufig in rückgängiger Bewegung.

Mathias. Aus vor- und rückwärts bildet sich der Kreislauf.

Max. Doch bleibt man hübsch im Kreis und kommt nicht vorwärts.

Nun Bruder sei nicht unwirsch, ging's mir auch doch

Viel anders nicht im Streit um Polens Krone.

Sie fingen mich sogar, trotz Stand und Würde.

Der Krieg kennt nicht Respekt, er zahlt auf Sicht.

Hier bring ich dir die Neffen, die du kennst

Obgleich seitdem (auf Leopold zeigend) gewachsen (auf Ferdinand) und

gealtert.

Sie kamen her, den Kreislauf zu studieren

Des Gottes Mars. Auch will man, heißt's, beraten

Um dies und das. Zuletzt denn sind wir hier.

Ferdinand (auf Max zeigend).

Des Bruders Gruß, nicht teilend seinen Scherz.

Leopold. Und hocherfreut, Euch, Oheim, wohl zu finden.

Mathias. Das geht nun so im Lager ab und zu,

Bald oben und bald unten. Ist's gefällig?

Ein Imbiß findet sich wohl noch zur Labung.

Max. Ich liebe nichts vom Krieg, am wenigsten

Die Kriegerkost. Ein deutscher Ordensmeister

Will alles ordentlich, zumal die Tafel.

Wir haben uns aus unsrer Reiseküche

Im Wagen schon gestärkt und danken freundlichst.

Auch will ich keine Lorbeern hier erwerben;

Drum rasch nur ans Geschäft, ist das beendigt,

Kehr ich nach Wien zurück sobald nur möglich

Und wo ein Weg noch von den Türken frei.

Du scheinst nicht meiner Meinung, Leopold?

Bleib hier, gebrauch dein Schwert! Du bist noch jung,

Und kommt's zur Flucht, bewegst du rüst'ge Beine.

Ich bin von Blei, das zwar aus der Muskete

Ein rasches Ding, sonst aber träg und schwer.

Nun aber: wo der Ratstisch und die Stühle?

(Klesel zieht an einer Schnur, der Vorhang des Zeltes öffnet sich und

zeigt einen grünbehangnen Tisch und Armsessel.)

Max. Der Teppich grün, ah, so bin ich's gewohnt.

An einem roten Tisch fiel' mir nichts ein,

Ein blaubehangner führte grad ins Tollhaus,

Doch grün, das stärkt das Aug' und den Verstand.

Kommt sitzen denn ihr Herrn! (Leise zu Mathias.) Doch hier ist einer,

Der überlei mir dünkt in unserm Rat.

Klesel (zu Mathias).

Befehlt Ihr irgend noch, erlauchter Herr,

Sonst, mit Erlaubnis, zieh ich mich zurück

Max. Bleibt immer denn, und führt das Protokoll!

Man spricht sonst her und hin und weiß zuletzt

Nicht ja, noch nein und wer und was gesprochen.

(Zu den übrigen.)

Geht sitzen, sitzen! Kommt!

(Kleseln das Ende rechts am Tische anweisend.)

Hier Euer Platz!

Doch mir zulieb, sprecht erst wenn man Euch fragt.

Nun Leopold?

Leopold (am Ende links).

Ihr wißt, ich stehe gern.

Max. Ich weiß, ich weiß! In Gräz vorm Bäckerladen

Hast du gestanden, eisern, stundenlang,

Bis sich die holde Mehlverwandlerin

Am Fenster, günstig, eine Venus, zeigte.

Leopold. Ein Stadtgeklatsch.

Max. Es klatschte wie von Küssen,

Und niemand wußt' es als die ganze Stadt.

(Zu Klesel.)

Tunkt Ihr die Feder ein? Ihr werdet doch nicht

Das alles setzen schon ins Protokoll?

Seht nur, er mahnt uns Klügeres zu sprechen

Und er hat recht, nun also denn: zur Sache.

Komm sitzen, Leopold!

Leopold. Nicht bis ich weiß:

Ob mit des Kaisers Willen, ob entgegen

Wir uns vereinen hier zu Spruch und Rat.

Mathias (nach einer Pause).

Sagt etwas, Klesel!

Klesel. Wenn ich also darf:

Es will gewiß der Mensch sein eignes Bestes.

Wird nun des Kaisers Bestes hier beraten,

Kann man noch zweifeln, ob es auch sein Wille?

Leopold. Ich aber will nur was ich selber will,

Und Herrscher heißt wer herrscht nach eignen Willen.

Ein Bruderzwist in Habsburg · 第 8 / 13 题