Die heilige Elisabeth

für Gertrud Spirk

Wie sie geht

Die Schwester der fünften Stund und der Lerchen,

Unter dem noch versagenden Himmel,

Dem atmenden Osten voraus!

Über Stufen

Steigend nieder

Am Klirren vorbei des frühen Frühlings . . .

Aber es wehen noch, es fliegen

Die wahrhaft gläubigen Träumer

Durch Träume auf schlagenden Fittichen,

Über den unzähligen Morgen,

Stürzen sich in die Meere,

Brust und Haar voll Auferstehungswind.

Ihre Füße lächeln

Über die Steine nieder.

Doch in den harten

Gebeizten Händen

Hält sie, die Dienende,

Den gedeckten Korb.

Nun drängen schon

Hunde und räudige Krüppel,

Krähende Tolle

Sich an das Jenseits ihres Knies.

Bettler mit Näpfen

Heben sich auf,

Gestreifte Kranke,

Lampe in Händen,

Hustende Kinder,

Betrunkene Greise,

Huren, Gelichter, sterbende Sünder,

Wanken geschlossenen Auges ihr nach.

Schon heult die Stadt auf

Und ächzt in ihren Morgen ein.

Durch den Nebel der Kaserne

Bricht die entsetzliche Trompete.

In den Asylen krächzt

Der Greis, gewälzt von der Bettstatt.

Flößerruf!

Die schweren unseligen Pferde

Neigen in Höfen ihr Haupt.

Sie geht noch,

Eh sie verfließt,

Eh ihr Aufwärtslächeln

Sich einmischt in die Antwort des Himmels,

Sie geht noch die Magd,

Sie weht noch die hohe Deutsche . . .

O Dämmerung ihres Haars,

O Schritt, o Blick,

Wie sie geht, die Schwester der fünften Stunde!

Gesänge aus den drei Reichen: Ausgewählte Gedichte · 第 69 / 80 题