Soemus.
Das blut'ge Werk
Ist abgetan! Doch ganz Jerusalem
Steht starr und fragt, warum der Mann, den du
Zu deinem Stellvertreter machtest, als du
Von hinnen zogst, bei deiner Wiederkehr
Den Kopf verlieren mußte!
Salome (taumelt).
Wehe mir!
(Mariamne will sie auffangen.)
Fort! Fort!
(Zu Herodes.)
Und die?
Herodes.
Gib dich zufrieden, Schwester!
Dein Gatte hat mich fürchterlich betrogen--
Salome.
Und die?
Herodes.
Nicht so, wie du es meinst--
Salome.
Nicht so?
Wie denn? Sie willst du retten? Wenn mein Gatte
Dich fürchterlich betrog, so tat sie's auch,
Denn wahr ist, was ich sagte, und ein jeder
Soll's wissen, der es noch nicht weiß! Du sollst
In ihrem Blut dich waschen, wie in seinem,
Sonst wirst du niemals wieder rein! Nicht so!
Herodes.
Bei allem, was mir heilig ist--
Salome.
So nenne
Mir sein Verbrechen, wenn es das nicht war!
Herodes.
Wollt' ich es nennen, würde ich's vergrößern!
Ich hatt' ihm ein Geheimnis anvertraut,
An dem mein alles hing, und dies Geheimnis
Hat er verraten, soll auch ich das tun?
Salome.
Elende Ausflucht, die mich schrecken wird!
Meinst du, daß du mich täuschen kannst? Du glaubst
An alles, was ich sagte, doch du bist
Zu schwach, um deine Liebe zu ersticken,
Und ziehst es vor, die Schande zu verhüllen,
Die du nicht tilgen magst. Doch wenn du mich,
Die Schwester, nicht, wie meinen Gatten tötest,
So wird dir das mißlingen! (Zu Mariamne.) Er ist tot,
Nun kannst du schwören, was du willst, er wird
Nicht widersprechen! (Ab.)
Herodes.
Folg ihr nach, Soemus,
Und such sie zu begütigen! Du kennst sie,
Und eh'mals hat sie gern auf dich gehört!
Soemus.
Die Zeiten sind vorüber! Doch, ich geh! (Ab.)
Mariamne (für sich).
Für den, der mich ermorden wollte hätt' ich
Wohl nicht gebeten! Dennoch schaudre ich,
Daß mir nicht einmal Zeit blieb, es zu tun!
Herodes (für sich).
Er mußte doch daran! Im nächsten Krieg
Hätt' er den Platz des Urias bekommen!
Und dennoch reut mich diese Eile jetzt!