Adelma. So kommt. Kein Augenblick ist zu verlieren (Sie gehen ab.)

Turandot. Geht, geht! Thut, was sie sagt.

Vierter Auftritt.

Turandot allein.

Was sinnt Adelma?

Wird sie mich retten? Götter, steht ihr bei!

Kann ich mich noch mit diesem Siege krönen,

Weß Name wird dann größer sein, als meiner?

Wer wird es wagen, sich in Geisteskraft

Mit Turandot zu messen?--Welche Lust,

Im Divan, vor der wartenden Versammlung,

Die Namen ihm ins Angesicht zu werfen

Und ihn beschämt von meinem Thron zu weisen!

--Und doch ist mir's, als würd' es mich betrüben!

Mir ist, als säh' ich ihn, verzweiflungsvoll,

Zu meinen Füßen seinen Geist verhauchen,

Und dieser Anblick dringt mir in das Herz.

--Wie, Turandot? Wo ist der edle Stolz

Der großen Seele? Hat's ihn auch gekränkt,

Im Divan über dich zu triumphieren?

Was wird dein Antheil sein, wenn er auch hier

Den Sieg dir abgewinnt?--Recht hat Adelma!

Zu weit ist es gekommen! Umkehr ist

Nicht möglich!--Du mußt siegen oder fallen!

Besiegt von einem, ist besiegt von allen!

Fünfter Auftritt.

Turandot. Altoum. Pantalon und Tartaglia folgen ihm in einiger

Entfernung nach.

Altoum (in einem Briefe lesend und in tiefen Gedanken, für sich).

So mußte dieser blutige Tyrann

Von Tefflis enden! Kalaf, Timurs Sohn,

Aus seiner Väter Reich vertrieben, flüchtig

Von Land zu Lande schweifend, muß hieher

Nach Peckin kommen und durch seltsame

Verkettung der Geschicke glücklich werden!

So führt das Schicksal an verborgnem Band

Den Menschen auf geheimnißvollen Pfaden!

Doch über ihm wacht eine Götterhand,

Und wunderbar entwirret sich der Faden.

Pantalon (leise zu Tartaglia).

Rappelt's der Majestät? Was kömmt sie an,

Daß sie in Versen mit sich selber spricht?

Tartaglia (leise zu Pantalon).

Still, still! Es ist ein Bote angelangt

Aus fernen Landen--Was er brachte, mag

Der Teufel wissen!

Altoum (steckt den Brief in den Busen und wendet sich zu

seiner Tochter).

Turandot! Die Stunden

Entfliehen, die Entscheidung rückt heran,

Und schlaflos irrst du im Serail umher,

Zerquälst dich, das Unmögliche zu wissen.

--Vergebens quälst du dich. Es ist umsonst,

Ich aber hab' es ohne Müh' erfahren.

--Sieh diesen Brief. Hier stehen beide Namen

Und Alles, was sie kenntlich macht. So eben

Bringt ihn ein Bote mir aus fernen Landen.

Ich halt' ihn wohl verschlossen und bewacht,

Bis dieser nächste Tag vorüber ist.

Der unbekannte Prinz ist wirklich König

Und eines Königs Sohn--Es ist unmöglich,

Daß du errathest, wer sie beide seien.

Ihr Reich liegt allzufern von hier, der Name

Ist kaum zu Peckin ausgesprochen worden.

--Doch sieh, weil ich's als Vater mit dir meine,

Komm' ich in später Nacht noch her--Kann es

Dir Freude machen, dich zum zweitenmal

Im Divan dem Gelächter bloßzustellen,

Dem Hohn des Pöbels, der mit Ungeduld

Drauf wartet, deinen Stolz gebeugt zu sehn?

Denn abgesinnt, du weißt's, ist dir das Volk,

Kaum werd' ich seiner Wuth gebieten können,

Wenn du im Divan nun verstummen mußt.

--Sieh liebes Kind, dies führte mich hieher.

(Zu Pantalon und Tartaglia.)

Turandot, Prinzessin von China · 第 4 / 5 题