Der Herold. (trit auf)

Achilles.

Ha! Stellt sie sich? Was bringst du? Stellt sie sich?

Der Herold.

Sie stellt sich, ja, Neridensohn, sie naht schon;

Jedoch mit Hunden auch und Elephanten,

Und einem ganzen wilden Reutertroß:

Was die beim Zweikampf sollen, weiß ich nicht.

Achilles.

Gut. Dem Gebrauch, war sie das schuldig. Folgt mir!

--O sie ist listig, bei den ewigen Göttern!

–--Mit Hunden, sagst du?

Der Herold. Ja.

Achilles. Und Elephanten?

Der Herold.

Daß es ein Schrecken ist, zu sehn, Pelide!

Gält' es, die Atreïden anzugreifen,

Im Lager vor der Trojerburg, sie könnte

In keiner finstrern Gräuelrüstung nahn.

Achilles. (in den Bart)

Die fressen aus der Hand, wahrscheinlich--Folgt mir!

--O! Die sind zahm, wie sie.

(ab mit dem Gefolge)

Diomedes. Der Rasende!

Ulysses.

Laßt uns ihn knebeln, binden--hört ihr Griechen!

Diomedes.

Hier nah'n die Amazonen schon--hinweg!

(Alle ab.)

Zweiundzwanzigster Auftritt.

Die Oberpriesterinn (bleich im Gesicht) mehrere andere

Priesterinnen und Amazonen.

Die Oberpriesterinn.

Schafft Stricke her, ihr Frauen!

Die erste Priesterinn. Hochwürdigste!

Die Oberpriesterinn.

Reißt sie zu Boden nieder! Bindet sie!

Eine Amazone.

Meinst du die Königinn?

Die Oberpriesterinn. Die Hündinn, mein' ich!

--Der Menschen Hände bänd'gen sie nicht mehr.

Die Amazonen.

Hochheil'ge Mutter! Du scheinst ausser dir.

Die Oberpriesterinn.

Drei Jungfraun trat sie wüthend in den Staub,

Die wir geschickt, sie aufzuhalten; Meroe,

Weil sie auf Knien sich in den Weg ihr warf.

Bei jedem süssen Namen sie beschwörend,

Mit Hunden hat sie sie hinweggehetzt.

Als ich von fern der Rasenden nur nahte,

Gleich einen Stein, gebückt, mit beiden Händen,

Den grimmerfüllten Blick auf mich gerichtet,

Riß sie vom Boden auf--verloren war ich,

Wenn ich im Haufen nicht des Volks verschwand.

Die erste Priesterinn.

Es ist entsetzlich!

Die Zweite. Schrecklich ist's, ihr Fraun.

Die Oberpriesterinn.

Jetzt unter ihren Hunden wüthet sie,

Mit schaumbedeckter Lipp', und nennt sie Schwestern,

Die heulenden, und der Mänade gleich,

Mit ihrem Bogen durch die Felder tanzend,

Hetzt sie die Meute, die mordathmende,

Die sie umringt, das schönste Wild zu fangen,

Das je die Erde, wie sie sagt, durchschweift.

Die Amazonen.

Ihr Orkusgötter! Wie bestraft ihr sie!

Die Oberpriesterinn.

Drum mit dem Strick, ihr Arestöchter, schleunig

Dort auf den Kreuzweg hin, legt Schlingen ihr,

Bedeckt mit Sträuchern, vor der Füsse Tritt.

Und reißt, wenn sich ihr Fuß darin verfängt,

Dem wuthgetroffnen Hunde gleich, sie nieder:

Daß wir sie binden, in die Heimath bringen,

Und sehen, ob sie noch zu retten sei.

Das Heer der Amazonen. (außerhalb der Scene)

Triumph! Triumph! Triumph! Achilleus stürzt!

Gefangen ist der Held! Die Siegerinn,

Mit Rosen wird sie seine Scheitel kränzen!

(Pause)

Die Oberpriesterinn. (mit freudebeklemmter Stimme)

Hört' ich auch recht?

Die Priesterinnen und Amazonen.

Ihr hochgeprießnen Götter!

Die Oberpriesterinn.

War dieser Jubellaut der Freude nicht?

Die erste Priesterinn.

Geschrei des Siegs, o du Hochheilige,

Wie noch mein Ohr keins seeliger vernahm!

Die Oberpriesterinn.

Wer schafft mir Kund', ihr Jungfraun?

Die zweite Priesterinn. Terpi! rasch!

Sag' an, was du auf jenem Hügel siehst?

Eine Amazone. (die während dessen den Hügel erstiegen

mit Entsetzen)

Euch, ihr der Hölle grauenvolle Götter,

Zu Zeugen ruf' ich nieder--was erblick' ich!

Die Oberpriesterinn.

Nun denn--als ob sie die Medus' erblickte!

Die Priesterinnen.

Was siehst du? Rede! Sprich!

Die Amazone. Penthesilea,

Sie liegt, den grimm'gen Hunden beigesellt,

Sie, die ein Menschenschooß gebahr, und reißt,--

Die Glieder des Achills reißt sie in Stücken!

Die Oberpriesterinn.

Entsetzen! o Entsetzen!

Alle. Fürchterlich!

Die Amazone.

Hier kommt es, bleich, wie eine Leiche, schon

Das Wort des Gräuel-Räthsels uns heran.

(sie steigt vom Hügel herab)

Dreiundzwanzigster Auftritt.

Meroe (trit auf) Die Vorigen.

Meroe.

O ihr, der Diana heil'ge Priesterinnen,

Und ihr, Mars reine Töchter, hört mich an:

Die afrikanische Gorgone bin ich,

Und wie ihr steht, zu Steinen starr' ich euch.

Die Oberpriesterinn.

Sprich, Gräßliche! was ist geschehn?

Meroe. Ihr wißt,

Sie zog dem Jüngling, den sie liebt, entgegen,

Sie, die fortan kein Name nennt--

In der Verwirrung ihrer jungen Sinne,

Den Wunsch, den glühenden, ihn zu besitzen,

Mit allen Schrecknissen der Waffen rüstend.

Von Hunden rings umheult und Elephanten,

Kam sie daher, den Bogen in der Hand:

Der Krieg, der unter Bürgern ras't, wenn er,

Die blutumtriefte Graungestalt, einher,

Mit weiten Schritten des Entsetzens geht,

Die Fackel über blühnde Städte schwingend,

Er sieht so wild und scheußlich nicht, als sie.

Achilleus, der, wie man im Heer versichert,

Sie blos ins Feld gerufen, um freiwillig

Im Kampf, der junge Thor, ihr zu erliegen:

Denn er auch, o wie mächtig sind die Götter!

Er liebte sie, gerührt von ihrer Jugend,

Zu Dianas Tempel folgen wollt' er ihr:

Er naht sich ihr, voll süsser Ahndungen,

Und läßt die Freunde hinter sich zurück.

Doch jetzt, da sie mit solchen Gräulnissen

Auf ihn herangrollt, ihn, der nur zum Schein

Mit einem Spieß sich arglos ausgerüstet:

Stutzt er, und dreht den schlanken Hals, und horcht,

Und eilt entsetzt, und stutzt, und eilet wieder:

Gleich einem jungen Reh, das im Geklüfft

Fern das Gebrüll des grimmen Leu'n vernimmt.

Er ruft: Odysseus! mit beklemmter Stimme,

Und sieht sich schüchtern um, und ruft: Tydide!

Und will zurück noch zu den Freunden fliehn;

Und steht, von einer Schaar schon abgeschnitten,

Und hebt die Händ' empor, und duckt und birgt

In eine Fichte sich, der Unglückseel'ge,

Die schwer mit dunkeln Zweigen niederhangt.--

Inzwischen schritt die Königinn heran,

Die Doggen hinter ihr, Gebirg' und Wald

Hochher, gleich einem Jäger, überschauend;

Und da er eben, die Gezweige öffnend,

Zu ihren Füssen niedersinken will:

Ha! sein Geweih verräth' den Hirsch, ruft sie,

Und spannt mit Kraft der Rasenden, sogleich

Den Bogen an, daß sich die Enden küssen,

Und hebt den Bogen auf und zielt und schießt,

Und jagt den Pfeil ihm durch den Hals; er stürzt:

Ein Siegsgeschrei schallt roh im Volk empor.

Jetzt gleichwohl lebt der Aermste noch der Menschen,

Den Pfeil, den weit vorragenden, im Nacken,

Hebt er sich röchelnd auf, und überschlägt sich,

Und hebt sich wiederum und will entfliehn;

Doch, hetz! schon ruft sie: Tigris! hetz, Leäne!

Hetz, Sphynx! Melampus! Dirke! Hetz, Hyrkaon!

Und stürzt--stürzt mit der ganzen Meut', o Diana!

Sich über ihn, und reißt--reißt ihn beim Helmbusch,

Gleich einer Hündinn, Hunden beigesellt,

Der greift die Brust ihm, dieser greift den Nacken,

Daß von dem Fall der Boden bebt, ihn nieder!

Er, in dem Purpur seines Bluts sich wälzend,

Rührt ihre sanfte Wange an, und ruft:

Penthesilea! meine Braut! was thust du?

Ist dies das Rosenfest, das du versprachst?

Doch sie--die Löwinn hätte ihn gehört,

Die hungrige, die wild nach Raub umher,

Auf öden Schneegefilden heulend treibt;

Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reissend,

Den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust,

Sie und die Hunde, die wetteifernden,

Oxus und Sphynx den Zahn in seine rechte,

In seine linke sie; als ich erschien,

Troff Blut von Mund und Händen ihr herab.

(Pause voll Entsetzen)

Vernahmt ihr mich, ihr Fraun, wohlan so redet,

Und gebt ein Zeichen eures Lebens mir.

(Pause)

Die erste Priesterinn. (am Busen der Zweiten weinend)

Solch eine Jungfrau, Hermia! So sittsam!

In jeder Kunst der Hände so geschickt!

So reizend, wenn sie tanzte, wenn sie sang!

So voll Verstand und Würd' und Grazie!

Die Oberpriesterinn.

O die gebahr Otrere nicht! Die Gorgo

Hat im Pallast der Hauptstadt sie gezeugt!

Die erste Priesterinn. (fortfahrend)

Sie war wie von der Nachtigall gebohren,

Die um den Tempel der Diana wohnt.

Gewiegt im Eichenwipfel saß sie da,

Und flötete, und schmetterte, und flötete,

Die stille Nacht durch, daß der Wandrer horchte,

Und fern die Brust ihm von Gefühlen schwoll.

Sie trat den Wurm nicht, den gesprenkelten,

Der unter ihrer Füsse Sohle spielte,

Den Pfeil, der eines Ebers Busen traf,

Rief sie zurück, es hätte sie sein Auge,

Im Tod gebrochen, ganz zerschmelzt in Reue,

Auf Knieen vor ihn niederziehen können!

(Pause)

Meroe.

Jetzt steht sie lautlos da, die Grauenvolle,

Bei seiner Leich', umschnüffelt von der Meute,

Und blicket starr, als wär's ein leeres Blatt,

Den Bogen siegreich auf der Schulter tragend,

In das Unendliche hinaus, und schweigt.

Wir fragen mit gesträubten Haaren, sie,

Was sie gethan? Sie schweigt. Ob sie uns kenne?

Sie schweigt. Ob sie uns folgen will? Sie schweigt,

Entsetzen griff mich, und ich floh zu euch.

Vierundzwanzigster Auftritt.

Penthesilea.--Die Leiche des Achills (mit einem rothen

Teppich bedeckt).--Prothoe und Andere.

Die erste Amazone.

Seht, seht, ihr Frau'n!--Da schreitet sie heran,

Bekränzt mit Nesseln, die Entsetzliche,

Dem dürren Reif des Hag'dorns eingewebt,

An Lorbeer-Schmuckes statt, und folgt der Leiche,

Die Gräßliche, den Bogen festlich schulternd,

Als wärs der Todfeind, den sie überwunden!

Die zweite Priesterinn.

O diese Händ'--!

Die erste Priesterinn.

O wendet euch ihr Frauen!

Prothoe. (der Oberpriesterinn an den Busen sinkend)

O meine Mutter!

Die Oberpriesterinn. (mit Entsetzen)

Diana ruf' ich an:

Ich bin an dieser Gräuelthat nicht schuldig!

Die erste Amazone.

Sie stellt sich grade vor die Oberpriesterinn.

Die Zweite.

Sie winket, schaut!

Die Oberpriesterinn.

Hinweg, du Scheußliche!

Du Hades-Bürgerinn! Hinweg, sag' ich!

Nehmt diesen Schleier, nehmt, und deckt sie zu.

(sie reißt sich den Schleier ab, und wirft ihn der

Königinn ins Gesicht)

Die erste Amazone.

O die lebend'ge Leich'. Es rührt sie nicht--!

Die Zweite.

Sie winket immer fort--

Penthesilea · 第 33 / 40 题