Penthesilea.
Du, mit den Elephanten, Thyrroe!
Prothoe. Königinn!
Willst du mit Hunden ihn und Elephanten--
Penthesilea.
Ihr Sichelwagen, kommt, ihr blinkenden,
Die ihr des Schlachtfelds Erndefest bestellt,
Kommt, kommt in gräul'gen Schnitterreih'n herbei!
Und ihr, die ihr der Menschen Saat zerdrescht,
Daß Halm und Korn auf ewig untergehen,
Ihr Reuterschaaren, stellt euch um mich her!
Du ganzer Schreckenspomp des Kriegs, dich ruf' ich,
Vernichtender, entsetzlicher, herbei!
(Sie ergreift den großen Bogen aus einer Amazone Hand)
Amazonen. (Mit Meuten gekoppelter Hunde. Späterhin
Elephanten, Feuerbrände, Sichelwagen u. s. w.)
Prothoe.
Geliebte meiner Seele! Höre mich!
Penthesilea. (sich zu den Hunden wendend)
Auf, Tigris, jetzt, dich brauch' ich! Auf Leäne!
Auf, mit der Zoddelmähne du, Melampus!
Auf, Akle, die den Fuchs erhascht, auf Sphynx,
Und der die Hirschkuh übereilt, Alektor,
Auf, Oxus, der den Eber niederreißt,
Und der dem Leuen nicht erbebt, Hyrkaon!
(Der Donner rollt heftig)
Prothoe.
O! Sie ist ausser sich--
Erste Oberste. Sie ist wahnsinnig!
Penthesilea. (kniet nieder, mit allen Zeichen des Wahnsinns,
während die Hunde ein gräßliches Geheul anstimmen)
Dich, Ares, ruf' ich jetzt, dich Schrecklichen.
Dich, meines Hauses hohen Gründer, an!
Oh!--deinen erznen Wagen mir herab:
Wo du der Städte Mauern auch und Thore
Zermalmst, Vertilgergott, gekeilt in Straßen,
Der Menschen Reihen jetzt auch niedertritst;
Oh!--deinen erznen Wagen mir herab:
Daß ich den Fuß in seine Muschel setze,
Die Zügel greife, durch die Felder rolle,
Und wie ein Donnerkeil aus Wetterwolken,
Auf dieses Griechen Scheitel niederfalle!
(sie steht auf)
Die erste Oberste.
Ihr Fürstinnen!
Die Zweite. Auf! Wehrt der Rasenden!
Prothoe.
Hör, meine große Königinn, mich!
Penthesilea. (indem sie den Bogen spannt)
Ei, lustig!
So muß ich sehn, ob mir der Pfeil noch trifft.
(sie legt auf Prothoe an)
Prothoe. (niederstürtzend)
Ihr Himmlischen!
Eine Priesterinn. (indem sie sich rasch hinter die
Königinn stellt)
Achill ruft!
Eine Zweite. (eben so) Der Pelide!
Eine Dritte.
Hier steht er hinter dir!
Penthesilea. (Wendet sich)
Wo?
Die erste Priesterinn. War ers nicht?
Penthesilea.
Nein, hier sind noch die Furien nicht versammelt.
--Folg' mir, Ananke! Folgt, ihr Anderen!
(ab mit dem ganzen Kriegstroß unter heftigen Gewitterschlägen)
Meroe. (indem sie Prothoe aufhebt)
Die Gräßliche!
Asteria. Fort! Eilt ihr nach, ihr Frauen!
Die Oberpriesterinn. (leichenbleich)
Ihr Ew'gen! Was beschloßt ihr über uns?
(Alle ab)
Einundzwanzigster Auftritt.
Achilles, Diomedes (treten auf. Späterhin) Ulysses (zuletzt)
Der Herold.
Achilles.
Hör', thu mir den Gefallen, Diomed,
Und sag' dem Sittenrichter nichts, dem grämlichen
Odyß, von dem, was ich dir vertraue;
Mir widersteht's, es macht mir Übelkeiten,
Wenn ich den Zug um seine Lippe sehe.
Diomedes.
Hast du den Herold ihr gesandt, Pelide?
Ist's wahr? Ists wirklich?
Achilles. Ich will dir sagen, Freund:
--Du aber, du erwiederst nichts, verstehst du?
Gar nichts, kein Wort!--Dieß wunderbare Weib,
Halb Furie, halb Grazie, sie liebt mich--
Und allen Weibern Hellas ich zum Trotz,
Beim Styx! beim ganzen Hades!--Ich sie auch.
Diomedes.
Was!
Achilles.
Ja. Doch eine Grille, die ihr heilig,
Will, daß ich ihrem Schwerdt im Kampf erliege;
Eh' nicht in Liebe kann sie mich umfangen.
Nun schickt' ich--
Diomedes. Rasender!
Achilles. Er hört mich nicht!
Was er im Weltkreis noch, so lang er lebt,
Mit seinem blauen Auge nicht gesehn,
Das kann er in Gedanken auch nicht fassen.
Diomedes.
Du willst--? Nein, sprich! Du willst--?
Achilles. (nach einer Pause)--Was also will ich?
Was ist's, daß ich so Ungeheures will?
Diomedes.
Du hast sie in die Schranken bloß gefordert,
Um ihr--?
Achilles. Beim wolkenrüttelnden Kroniden,
Sie thut mir nichts, sag' ich! Eh' wird ihr Arm,
Im Zweikampf gegen ihren Busen wüthen,
Und rufen: "Sieg!" wenn er von Herzblut trieft,
Als wider mich!--Auf einen Mond bloß will ich ihr,
In dem, was sie begehrt, zu Willen sein;
Auf einen oder zwei, mehr nicht: das wird
Euch ja den alten, meerzerfreßnen Istmus
Nicht gleich zusammenstürzen!--Frei bin ich dann,
Wie ich aus ihrem eignen Munde weiß,
Wie Wild auf Haiden wieder; und folgt sie mir,
Beim Jupiter! ich wär' ein Seeliger,
Könnt' ich auf meiner Väter Thron sie setzen.